K.P. Hand - Willenbrecher

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Um dem Kopf einer organisierten Sklavenhändlertruppe auf die Spur zu kommen, schleust sich der Ermittler Norman Koch als Drogendealer in eine Verbrecherorganisation ein. Während er, abgeschnitten von seinen Kollegen und Vorgesetzten, sein Leben in Gefahr bringt um die vielen Entführten zu retten, verschwindet erneut ein junges Mädchen, das gar nicht weit von Normans Reichweite entfernt festgehalten und gefoltert wird.
Um sie zu retten benötigt Norman die Hilfe eines alten Bekannten: dem Auftragskiller Alessandro.
Überraschend möchte sich Alessandro mit Norman verbünden um ihm bei dem Fall zu helfen.
Norman lässt sich darauf ein, doch merkt er schnell, das dieser Verbrecher gar nicht so skrupellos war, wie er sich einen Auftragsmörder vorstellte. Zu der Angst, bei diesem Fall zu versagen, drängten sich Norman nun auch noch Gefühle auf, die er gegenüber diesem Mann keinesfalls zulassen will…
*Warnung: Dieser Roman will keinesfalls Gewalt verherrlichen, jedoch tauchen Szenen und Darstellungen von physischer und psychischer Grausamkeit auf, die auf manche Menschen verstörend wirken können. Außerdem enthält diese Geschichte explizit geschilderte homoerotische Szenen, an denen sich einige Menschen stören könnten. Altersempfehlung: ab 18 Jahre

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Immer noch mit der bedrohlichen Pistole in der Hand, kam er zu ihr und ging vor ihr in die Hocke. Mona versuchte, mit der Wand zu verschmelzen, und hätte gerne geweint, weil es nicht funktionieren wollte.

Er legte den Kopf schief und betrachtete sie eingehend.

»Franklin?«, fragte sein Kumpane, der noch immer in der Nähe der Tür stand. »Wir sollten es schnell machen, du hast gleich ein Treffen mit einigen ... Geschäftspartnern.«

Dieser Franklin seufzte und blickte zur Tür hinüber. » Wir tun gar nichts«, tadelte er den anderen. »Du und deine nichtsnutzigen Männer haben einen Fehler gemacht, um den ich mich jetzt kümmern muss, weil du zu feige bist, einem Mädchen das Licht auszuknipsen!«

Mona fuhr zusammen und begann zu wimmern. Sie presste das Gesicht gegen ihre Arme, die sich an die feuchte Betonwand klammerten, und petzte die Augen zusammen. Sie wollte nicht sehen, wie er die Pistole hob und auf sie zielte.

Gleich ist es vorbei, sagte sie sich in Gedanken vor. Dann ist alles vorbei.

Das Problem war nur, das sie nicht sterben wollte.

»Na-na!« Dieser Franklin schnallste mit der Zunge und rückte näher.

Mona versteifte sich, als sie seine große Hand spürte, die beruhigend über ihr Haar strich.

»Soviel Angst vor dem Tod ... Armes Mäuschen.«

Sein ruhiger, einfühlsamer Ton brachte sie unweigerlich dazu, zu hoffen.

Mona öffnete die Augen und sah ihn an.

Er hatte ein wirklich schönes Gesicht, das zu seiner melodischen Stimme passte. Das Gesicht eines Modells oder eines Filmstars. Ebenmäßige Haut, große blaue Augen, gerade Nase, hohe Wangenknochen und volle, sinnliche Lippen. Kein Mann, den man sich als Entführer vorstellen konnte, und doch hing Mona in seinen Fängen.

Er legte den dunklen Haarschopf schief und betrachtete lange stumm ihr Gesicht.

»Frank-«

»Schnauze«, wies er den anderen zurecht. »Ich überlege gerade.«

Der andere seufzte verhalten. »Können wir das später machen? Ich muss auch bald wieder los, ich habe noch zutun.«

»Ich sagte: Schnauze!«, brüllte der Pistolenmann.

»Okay«, murmelte der andere.

Als dieser Franklin wieder den Kopf drehte, lächelte er Mona an. »Du willst leben, oder?«

Mona schluckte ein Schlurzen herunter und nickte einmal kurz. Sie hatte das Gefühl, das ihn das zufrieden stellte. Sein einfühlsamer Gesichtsausdruck brachte sie dazu, nun doch zu flehen. Sie nahm die Hände herunter und wandte sich ihm zu. »Bitte ...«

Schneller als sie hätte reagieren können, schlug er ihr heftig mit dem Griff der Pistole gegen die Wange. Ihr Kopf flog herum. Unbeschreiblicher Schmerz breitete sich in ihrem Gesicht aus. Mona keuchte fassungslos auf. Teils wegen der Schmerzen, teils wegen der plötzlichen Gewalt.

Sie hielt sich noch die Wange, als sich seine große Hand um ihr Kinn schloss, so, dass er ihren Mund verschlossen hielt. Er zwang sie, ihn wieder anzusehen. Tadelnd schüttelte der den Kopf. »Und dabei hat es so gut angefangen.«

Mona wusste nicht, was sie falsch gemacht hatte. Hatte sie überhaupt etwas falsch gemacht?

Sie weinte und ihre Schultern zuckten dabei, doch seine Hand verhinderte, dass sie einen Laut von sich gab.

»Regel Nummer eins«, sagte er zu ihr, » du sprichst niemals ungefragt! Verstanden?«

Mona rührte sich nicht.

Sein Griff wurde fester, er quetschte ihren Kiefer schmerzhaft zusammen. Leise zischend fragte er erneut: »Hast. Du. Mich. Verstanden?«

Mona nickte so gut sie konnte.

Da lächelte er plötzlich wieder und nahm die Hand fort.

Mona wollte nach Luft schnappen, hatte aber Angst, es zutun. Sie senkte lediglich den Kopf und versuchte, keinen Laut von sich zu geben.

Der Typ mit der Pistole lachte vergnügt. »Sieh mal einer an, ein Naturtalent! Siehst du das, Tie? Da hast du mir ja ein braves, kleines Ding gebracht.«

»Ich dachte, du musst sie loswerden«, murrte der Kumpane zurück.

»Ja«, seufzte ihr Entführer bedauerlich.

Mona sah nur seine Hände, die sich unmittelbar vor ihrem Gesicht befanden. In dem Moment, als er die Pistole hob, seitlich hielt und sie entsicherte - wie sie glaubte - konnte sie sich nicht mehr zusammenreißen. Sie glaubte, gleich erschossen zu werden, noch nie hatte sie mehr Angst in ihrem Leben verspürt. Sie konnte sich nicht wehren, nicht fortrennen, sie hockte einfach da und musste warten ... Warten auf ihren Tot. Ihre Blase gab nach und sie machte sich ein. Scham überkam sie, aber sie konnte es nicht aufhalten.

Wegen der Peinlichkeit und der Erniedrigung fing sie wieder zu weinen an, doch diesmal konnte sie die Laute nicht unterdrücken.

»Oh je«, hörte sie diesen Franklin amüsiert ausstoßen, »meine Süße, keine Sorge, ich habe sie nur gesichert!«

Mona traute ihren Ohren erst nicht. Vorsichtig blickte sie wieder auf seine Hände.

»Schau! Ich steck sie weg«, versprach er und ließ die Pistole hinter seinem Rücken verschwinden. Danach zeigte er ihr demonstrativ seine Hände. Sie waren leer.

Mona stieß beinahe dankbar die Luft auf.

»Okay?«

Sie nickte, ohne ihn anzusehen.

Da spürte sie wieder seine Hand, die über ihr Haar strich. »Braves Mädchen, ganz ruhig.«

Allmählich kam sie sich vor wie ein Tier, das er besänftigen wollte. Traurig stellte sie fest, dass es funktionierte. Er strahlte eine Ruhe aus, die auf sie überging.

»Ihr habt ihr nicht ihre Haarnadeln weggenommen!«, schimpfte er mit seinem Kumpanen.

»Was soll sie damit schon tun? Uns allen die Augen ausstechen?«, witzelte dieser.

»Nein, sie hätte damit die Tür aufmachen können!«

Mona starrte wie betäubt vor sich hin. Wäre ihr die Idee gekommen ... wäre sie nur etwas früher aufgewacht und auf diese Idee gekommen ... wäre sie dann längst frei?

»Komm, ich nehme dir die mal raus, Süße«, hörte sie den Kerl sagen.

Mona hielt still, während er ihr sorgsam die Haarklammern und Haarnadeln abnahm, und Strähne für Strähne ihr welliges Haar um ihr Gesicht fiel. Sie konnte sich nicht rühren, zu groß war die Angst vor weiteren Schlägen.

Es war eigenartig, denn einerseits hasste sie ihn vom ersten Moment an abgrundtief, andererseits war er es, der die Macht hatte, sie zu töten und es nicht getan hatte. Jedenfalls noch nicht. Aus unerklärlichen Gründen empfand sie ihm gegenüber einen Anflug von Dankbarkeit. Mona verabscheute sich selbst für derlei Gefühle.

»So«, sagte er und ließ mehrfach seine Hände durch ihr Haar gleiten, um sicher zu gehen, dass auch alle Klammern draußen waren.

Er ließ die Utensilien in seiner Hosentasche verschwinden. Anschließend streckte er erneut die Hände nach ihr aus. Strich ihr beinah fürsorglich das Haar aus dem Gesicht und zwang sie, den Kopf zu heben.

»Lass mal sehen«, flüsterte er interessiert. »Schau mich mal an.«

Mona hob den Blick und sah ihm in die Augen.

Was er erblickte, schien ihm zu gefallen, denn er lächelte zufrieden.

»Siehst du das, Tie?«, fragte er den anderen ohne den Blick von ihr zu wenden. »Keine Abscheu, keine hasserfüllten Blicke. Nur pure, erstickende Angst!«

Es war noch einmal beängstigender, das er diese Tatsache aus ihrem Blick hatte ablesen können. Mona schluckte schwer und war versucht, erneut um Gnade zu flehen. Aber der Schlag in ihr Gesicht hatte sich eingebrannt, deshalb blieb sie stumm.

»Also«, begann er freundlich, »willst du leben, kleines Mäuschen?«

Mona unterdrückte die nächsten Weinkrämpfe und öffnete den Mund um zu bejahen.

Doch sie verstummte, als er sie streng ansah. Sie presste die Lippen aufeinander und nickte.

Das stimmte ihn erneut zufrieden. »Du lernst schnell, das sprich für dich.«

»Franklin, du sagtest, die ganze Stadt werde irgendwann nach ihr suchen«, versuchte der andere, den Mona wegen der Säule noch immer nicht sehen konnte, auf ihn einzureden.

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