K.P. Hand - Willenbrecher

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Um dem Kopf einer organisierten Sklavenhändlertruppe auf die Spur zu kommen, schleust sich der Ermittler Norman Koch als Drogendealer in eine Verbrecherorganisation ein. Während er, abgeschnitten von seinen Kollegen und Vorgesetzten, sein Leben in Gefahr bringt um die vielen Entführten zu retten, verschwindet erneut ein junges Mädchen, das gar nicht weit von Normans Reichweite entfernt festgehalten und gefoltert wird.
Um sie zu retten benötigt Norman die Hilfe eines alten Bekannten: dem Auftragskiller Alessandro.
Überraschend möchte sich Alessandro mit Norman verbünden um ihm bei dem Fall zu helfen.
Norman lässt sich darauf ein, doch merkt er schnell, das dieser Verbrecher gar nicht so skrupellos war, wie er sich einen Auftragsmörder vorstellte. Zu der Angst, bei diesem Fall zu versagen, drängten sich Norman nun auch noch Gefühle auf, die er gegenüber diesem Mann keinesfalls zulassen will…
*Warnung: Dieser Roman will keinesfalls Gewalt verherrlichen, jedoch tauchen Szenen und Darstellungen von physischer und psychischer Grausamkeit auf, die auf manche Menschen verstörend wirken können. Außerdem enthält diese Geschichte explizit geschilderte homoerotische Szenen, an denen sich einige Menschen stören könnten. Altersempfehlung: ab 18 Jahre

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Nun lehnte sich der Ermittler auf den Tisch und erklärte ungeduldig: »Das hier ist eine Befragung, das ist Ihnen doch bewusst, oder? Das wird kein Geben und Nehmen-«

»Das ist aber schade«, witzelte Alessandro, »denn ich bin für gewöhnlich der, der sehr gerne gibt. Genau genommen, gebe ich ausschließlich und nehme nichts dafür. Wie wäre es? Ich gebe und Sie nehmen sich, was immer Sie von mir benötigen. Glauben Sie mir, Sie verpassen da wirklich etwas, wenn Sie das Angebot abschlagen.«

Für gewöhnlich zuckten Polizisten bei seinen zweideutigen Aussagen zurück, oder wurden zumindest aus dem Konzept gebracht, weil es ihnen unangenehm war. Doch dieser nicht. Er schien Alessandros Verhalten als Taktik, das Verhör sabotieren zu wollen, abzutun. Mit anderen Worten: er schien Alessandro nicht ernst zu nehmen.

Schade eigentlich ...

»Wir spielen hier keine Spielchen«, sagte der Kommissar ruhig aber betont. »Ich stelle die Fragen und Sie antworten mir. Andernfalls sehe ich es als Weigerung Ihrerseits und lasse Sie wegsperren, bis Sie bereit sind, mit mir zu sprechen.«

Alessandro schmunzelte daraufhin belustigt. »Sie sind gut. Wirklich gut! Aber wissen Sie, ich bin nicht dumm und das hier ist auch nicht die erste Vernehmung, die ich mitmache. Ich weiß also, welche Rechte ich habe und welche Sie haben. Und wenn ich nicht auf Ihre Fragen antworte und Sie keine handfesten Beweise für ein schwerwiegendes Vergehen haben, müssen Sie mich gehen lassen.«

Der Kommissar presste seine vollen Lippen aufeinander.

»Also, so wie ich das sehe, sind Sie darauf angewiesen, das ich rede, andernfalls, bin ich schneller wieder hier draußen, als Ihnen lieb sein wird.«

»Ein paar Tage werde ich Sie schon hier behalten können«, warf der Kommissar ein.

»Sicher«, bestätigte Alessandro. »Wegen Indizien, nehme ich an? Die gleichen Indizien, die Ihnen erlaubt haben, mich halb nackt herzubringen, oder? Aber so oder so, werde ich freigelassen, ob heute oder in drei bis fünf Tagen, wenn mein Anwalt schnell arbeitet.«

Der Kommissar verengte die Augen und lehnte sich zurück. »Was wollen Sie?«

»Ihren Namen«, säuselte Alessandro, »fürs Erste.«

Der Kommissar schnaubte kopfschüttelnd, doch dann sah er Alessandro an und gab nach. »Koch«, antwortete er, »Norman Koch.«

Der Name sagte Alessandro nichts, also war er wirklich neu in der Abteilung.

»Und jetzt Sie«, forderte Koch ihn auf.

»Letzten Montag, hm?« Alessandro grübelte laut. »Das war der elfte Mai, oder? Hm, lassen Sie mich überlegen...«

»Gegen Einundzwanzig Uhr.«

»Oh Gott, das ist ewig lange her…«

Der Kommissar schaute grimmig drein.

Alessandro musste sich ein Schmunzeln verkneifen. Dieses Hinhaltespielchen trieb er gerne mit den Gesetzeshütern. Das trieb sie alle in den Wahnsinn. Und der ungeduldige Blick diesen Exemplars gefiel Alessandro sehr.

»Ich war unterwegs.«

»Wo waren Sie?«, wollte der Ermittler wissen.

Grinsend antwortete Alessandro: »In der Innenstadt. Ich hatte anonymen Sex in einer Seitengasse.«

Kommissar Koch verschränkte die Arme vor der Brust. »Kann das jemand bezeugen?«

»Klar doch! Ungefähr sechs Frauen und zwanzig Zuschauer ...«

Der Kommissar seufzte genervt.

»Ich meine, was denken Sie denn?«, lachte Alessandro. »Was glauben Sie, was anonymer Sex bedeutet?«

»Und wo waren Sie wirklich?«, verlangte Koch zu wissen. Seine Geduld mit Alessandro neigte sich dem Ende zu.

Alessandro lächelte und beschloss, wahrheitsgemäß zu antworten: »Ich war bei meinem Bruder. Den ganzen Abend.«

Der Kommissar klappte die Akte auf, er legte einige Blätter verdeckt zur Seite bis er ein freies Blatt fand und nahm dann einen Kugelschreiber zur Hand um sich Notizen zu machen.

»Die Villa Ihres Bruders Enio Martin?«, fragte er dann.

»Ja, ich habe nur den einen Bruder.«

»Ich brauche genaue Aussagen für das Protokoll«, erwiderte der Kommissar, als wollte er sich für seine ständigen Nachfragen entschuldigen.

Alessandro wusste, dass man genaue Aussagen von ihm benötigte, deswegen formulierte er seine meisten Aussagen ungenau.

»Wann kamen Sie dort an?«

Alessandro holte Luft und erklärte in einem Rutsch: »Ich kam gegen Achtzehn Uhr dort an und übernachtete in meinem alten Jugendzimmer. Gegangen bin ich am nächsten Morgen etwa gegen Elf Uhr.«

»Und Ihr Bruder wird das bezeugen?«

»Natürlich, er war ja da«, erwiderte Alessandro.

»Was haben Sie genau dort gemacht?«

Alessandro seufzte. »Sie werden meinen Bruder ganz genau darüber ausfragen, habe ich Recht? Und wenn meine Aussage auch nur einwenig von der meines Bruders abweicht, werden Sie mich des Lügens beschuldigen, stimmt doch, oder?«

»Beantworten Sie mir die Frage!«

»Erst will ich wissen, was ich angeblich wieder verbrochen habe«, verlangte Alessandro dreist. »Was ist an diesem Tag passiert?«

Der Polizist warf ihm einen ärgerlichen Blick zu.

»Hey, Sie werden mir ja wohl sagen können, was Sie mir vorzuwerfen versuchen!«

Koch atmete geräuschvoll aus und fuhr sich entnervt durch sein geradezu absurd perfektes Gesicht. Sein Antlitz war wirklich faszinierend, musste Alessandro zugeben.

»Sie würden sich verdammt gut als Marmorstatue machen, wissen Sie das?«, lenkte Alessandro vom Thema ab. »So groß und ... männlich. Mit diesen Muskeln und diesem symmetrischen Gesicht, das zugleich schön und stark wirkt. Was halten Sie davon? In einer Kriegerpose mit hocherhobenem Schwert, zerzaustem Haar und grimmiger Miene ... halbnackt in Stein gemeißelt? Hört sich gut an, oder nicht?«

Der Kommissar erwiderte ruhig Alessandros Blick.

Alessandro schüttelte den Kopf. »Nein?«

Der Kommissar rührte sich nicht.

Er war enttäuscht. »Dann nicht.«

Koch atmete ein und erklärte schließlich: »Es geht um eine Vergewaltigung. Eine junge Frau hat Sie angezeigt.«

Alessandro starrte den Ermittler eine volle Minute sprachlos an. Dann fing er an zu lachen und rief amüsiert: » Was

Der Ermittler fand das nicht witzig, aber er konnte ja auch nicht wissen, wie absurd das war.

Alessandro dachte nach, dann kam ihm eine Idee, welches kleine Miststück eine solche Behauptung aufgestellt haben könnten. »Lassen Sie mich raten, die Dame heißt Clarissa Lang?«

Koch runzelte die Stirn, antwortete aber: »Ganz genau.«

Alessandro nickte und sagte dann gelassen: »Das kann ich erklären.«

»Bitte«, forderte Koch ihn auf.

»Hören Sie, dieses Miststück war lange mit meinem Bruder liiert, überprüfen Sie das, die ganze Stadt müsste davon wissen! Jedenfalls habe ich meinem Bruder gesagt, er soll sie loswerden, weil sie nur eine geldgeile Schlange ist, der man nicht trauen kann. Und ... was soll ich sagen? Mein Bruder hörte eben auf mich und verließ sie, seitdem ist sie darauf aus, mich irgendwie zu zerstören.«

Es war eigenartig für Alessandro, bei einem Verhör mal wirklich die Wahrheit zu sagen.

Aber Koch wirkte noch immer nicht überzeugt.

»Ach ich bitte Sie! Sehe ich aus wie ein Vergewaltiger?«, rief Alessandro. »Sehen Sie mich an, ich bin zwar groß aber schmal. Ich kenne Clarissa, sie hat mehr Oberarmmuskeln als ich, sie wäre mir haushoch überlegen gewesen, selbst dann, wenn ich es versucht hätte. Was ich aber nicht habe!«

Er hatte sich ja schon viel anhören müssen, aber Vergewaltiger? Das war wirklich geradezu absurd. Er hätte da ein Argument, das er vielleicht vorbringen sollte, aber solange das nicht unbedingt nötig war, würde er es vermeiden, sich zu offenbaren.

Er soll sich an Frauen vergehen? ... So etwas Bescheuertes hatte er wirklich noch nie gehört.

»Also, was haben Sie bei Ihrem Bruder gemacht?«, fragte Koch erneut.

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