Die Tür öffnete sich und Rislan stand mit Nassira an der Tür: „Bilal ist schon da. Du weißt wo mein Zimmer ist, wenn was ist, komm vorbei. Fühl dich Zuhause“. Nassira lächelte dankend und schaute zu mir rein. Sie sah heute echt schön aus..
Weil ich mich von Nassira ablenken lassen habe, bemerkte ich zuerst nicht, dass Rislan hinter ihr Handzeichen machte, dass ich kommen soll.
„Ähm ich habe dir Platz gemacht. Diese Schrankseite gehört ab jetzt dir. Du kannst ähm auch deine Wertsachen da rein machen, ich werde nichts anfassen“, sagte ich und kratzte mich nervös am Hinterkopf.
„Die nächsten Tage bekommst du noch ein Ankleidezimmer und Rislan wird sicher auch noch mit dir shoppen gehen“. Ich spielte mit meinem Zeigefinger an dem Nagel von meinem Daumen. Als Nassira wieder nickte lief ich raus, wo Rislan schon ungeduldig auf mich wartete.
„Sie ist voll süß“, sagte sie direkt und wir liefen ein Stück weiter weg.
„Habt ihr geredet?“, fragte ich neugierig.
„Ja, nein, also, ich habe die ganze Zeit geredet. Sie hat immer gelächelt, genickt oder den Kopf geschüttelt. Sie ist sehr schüchtern. Mit dir wird sie sicher reden“, erzählte sie.
„Nein, wird sie nicht“, antwortete ich sicher. „Ich erkläre es dir Nachher oder Morgen. Mein Kopf ist gerade zu voll“, sagt ich und schaute sie entschuldigend an.
„Nicht schlimm. Du solltest jetzt erst mal zu deiner Frau gehen“, grinste sie breit und verschwand dann. Bevor ich mein Zimmer erreichte, sah mich Alia am Geländer und rief mich dann von unten.
„Ich wollte zum Essen bald erinnern“, sagte sie dann und ich bedankte mich lächelnd, bevor ich an mein eigenes Zimmer klopfte. Ich wartete kurz bevor ich rein lief. Sie räumte gerade ihre letzen Sachen ein. Ich setzte mich in der Zeit auf die große Couch. Ich hoffe meine Familie wird sie akzeptieren.
Wie schon einmal gesagt, ist mein Vater der älteste von drei Brüdern.
Der jüngste ist Onkel Rayan, seine Frau ist Alia und die Beiden sind die Eltern von Badr und Rislan. Ich denke, in dieser Familie wurde Nassira von der ersten Sekunde an schon akzeptiert.
Onkel Musa ist der mittlere Bruder. Seine Frau ist Salima und sie sind die Eltern von den Zwillingen Younes und Yassin (16), Amal (12) und dem jüngsten Mitglied der Familie Yara (7).
Nassira schloss den Schrank wieder und ich stand auf. „Hast du Hunger? Es gibt gleich Essen“, fragte ich und sie nickte lächelnd.
„Hat Rislan dir schon das Haus gezeigt?“, fragte ich dann und sie schüttelte zur Antwort den Kopf.
„Komm, dann zeig ich es dir ein Wenig vor dem Essen“, erklärte ich mich bereit und sie folgte mir. Auch wenn es mich etwas ärgert, dass sie nicht redet, obwohl ich mir dir Mühe gebe einen Gespräch aufzubauen, muss ich ruhig bleiben. Sie ist meine Frau..
„Ähm also, hier im oberen Stockwerk sind Hauptsächlich nur Gemächer, aber ich mag es lieber einfache Begriffe zu benutzen. Es wurde sortiert. In der Mitte sind die Zimmer von meinen Eltern, da neben weißt du ja schon, ist unser Zimmer. Die linke Seite gehört der Familie von Rislan, da ganz am Rand sind die Zimmer von Rislans Eltern dann kommt Rislans Zimmer, dann Badrs, der ältere Bruder von ihr, dann zwischen seins und unserem ist der Ankleide Zimmer von Rislan. Auf der anderen Seite sind die Zimmer von Onkel Musa und seiner Familie. Er hat die meisten Kinder, also auch viel Platz. Das sind so eigentlich die wichtigsten Zimmer. Unten sind halt so Wohnraum, Essenssaal, Besprechungssaal, Bibliotheken, Lehrsaal, Arbeitszimmer, Gallerien und so was, aber das wirst du dann mit der Zeit noch lernen“, erklärte ich und wir machten uns auf dem Weg nach unten.
„Achso, das hier ist die Haupttreppe. Unten gibt es noch einen kleineren Anbau, die hat seine eigene kleinere Treppe. Dort gibt es ganz viele Zimmer von Angestellten, viele bleiben hier über Nacht, Waschräume, Gästezimmer und sowas“, ergänzte ich noch.
Auf dem Weg zum Essenssaal schaute sich Nassira stumm um. Unten an der großen Tafel waren wir fast vollständig. Die, die vorhin nicht dabei waren, gratulierten uns noch, dann setzten wir beide uns auf unsere Plätze. Leider hat alles seine Ordnung, wenn es um ein Essen mit einem Anlass geht. Dann sitze ich weder in der Nähe von Badr und Rislan noch sonst von jemanden mit dem ich mich gerne unterhalte. Ich sitze ganz am Rand, Rechts von mir sitzt Baba an der einen Spitze, und links von mir normalerweise immer Onkel Musa. Jetzt zum Glück sitzt wenigstens Nassira neben mir. Als dann alle da waren, hielt Baba eine kurze Rede und eröffnete dann das Abendmahl.
Wie vermutet sprach Nassira auch beim Essen nicht mit mir. Trotzdem erzählte ich ihr alles was mir einfiel, um es ihr hier alles so gut es geht vertraut zu machen.
Nach dem Essen fragte mich Nassira, ob sie duschen dürfte. Ich zeigte ihr wo und verließ dann das Zimmer. Ich lief zu Badr und setzte mich da auf seine Couch. Ich brauche ein wenig einen Freund, der mit mir spricht. Das macht mich fertig.
„Bruder was ist los“, fragte er direkt. Badr merkt immer sofort wenn etwas nicht stimmt.
„Ich weiß es nicht. Das geht alles einfach viel zu schnell. Ich hatte absolut keine Zeit mich mental darauf vorzubereiten. Ich habe auch keine Chance meine Frau kennenzulernen. Sie redet überhaupt nicht. Sollte es mal jemand schaffen sie zum Reden zu bringen, hat die Person einen Orden verdient. Ich kann das nicht..“, erklärte ich verzweifelt und fuhr mir durch die Haare.
„Du kannst das. Du musst es nur verdauen. Gib ihr Zeit. Es gibt ein Grund für ihr Schweigen. Wahrscheinlich muss sie erst mal Vertrauen gewinnen. Sabr Bruder. Du musst geduldig sein“, (Geduld) motivierte er mich ernst.
„Wahrscheinlich hast du Recht“, sagte ich und drückte meinen Rücken durch um mich etwas aufzubauen.
„Danke“, bedankte ich mich und stand auf.
„Immer wieder gerne“, lächelte er und ich erwiderte es.
Ich wünschte ihm einen guten Abend bevor ich ihn in Ruhe ließ und in mein Zimmer zurück lief. Ich klopfte und betrat dann vorsichtig das Zimmer. Nassira saß mit einem angewinkelten Bein am Rand des Bettes und ihr anderes Bein hing zum Boden runter. Ihre Hände hielten ihr gelockertes Kopftuch fest und sie starrte gespannt zur Tür.
„Ich bins“, sagte ich und schloss die Tür hinter mir wieder. Sie nahm ihr Kopftuch wieder ab und legte es zusammen. Wow. Unglaublich was für eine Schönheit hinter dem Kopftuch steckt. Sie hatte braune sehr lange Haare und ihr hübsches Gesicht kam jetzt mehr zum Vorschein. Sie stand auf und räumte es zur Seite, dabei fielen Strähnen ihrer seidigen Haare ins Gesicht, welche sie sich hinters Ohr strich.
„Darf ich dich mal was Fragen“, fragte ich vorsichtig und machte wenige Schritte auf sie zu. Noch immer war sie 2 Meter von mir entfernt. Unsicher nickte sie.
„Hat mein Vater dich erpresst oder gezwungen? Du kannst es mir ruhig sagen. Du solltest nichts machen müssen, was du nicht möchtest“, fragte ich sanft. Sie schaute auf ihren Fingern und dachte nach. Gespannt schaute ich sie an. Als sie zu mir aufschaute und tief durchatmet, war ich mir sicher, dass er sie gezwungen hat. Dann schüttelte sie den Kopf. Sie schüttelt den Kopf?
Ich setzte mich auf den Sofa und stützte meine Ellbogen auf meine Knie. Dann machte ich ihr ein Zeichen, dass sie sich aufs Bett setzten soll, was sie auch tat.
„Ich möchte nur, dass du ehrlich bist. Du brauchst nie Angst zu haben mir die Wahrheit zu sagen und du brauchst auch für niemanden zu lügen“, erklärte ich ihr ernst und sie nickte. Dann atmete sie tief durch. Es sieht so aus, als müsste sie viel Kraft sammeln um zu sprechen.
„Ich musste es freiwillig tun“, sagte sie dann leise und traute sich nicht mich dabei anzusehen. Sie hat so eine schöne beruhigende Stimme, schade, dass ich sie nicht öfter höre.
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