Abhängig von den Zahlungszielen von Lieferforderungen und Lieferverbindlichkeiten ergeben sich Zusammenhänge zwischen dem variablen Bereich des Erfolgsplans (Umsatz und Wareneinsatz bzw. gegebenenfalls davon abweichender Wareneinkauf) und dem Finanzplan. Ebenso wirken sich Veränderungen von Vorräten bzw. Lagerbeständen im Finanzplan liquiditätsverbessernd oder liquiditätsverschlechternd aus, in ähnlicher Form auch Veränderungen von Aktiven und Passiven Rechnungsabgrenzungen.
Weitere Liquiditätsauswirkungen, die ebenfalls im Finanzplan dargestellt werden, die aber im Gegensatz zu den zuvor genannten Positionen nicht aus dem zuvor erstellten Erfolgsplan stammen, ergeben sich aus der Berücksichtigung der Auswirkungen von Investitionen, Krediterhöhungen bzw. Kredittilgungen, Kapitalerhöhungen und Dividenden
Planbilanz
Ebenso wie eine Bilanz ist auch die Planbilanz immer eine zeitpunktorientierte Betrachtung eines Unternehmens.
Die Planbilanz stellt dar, über welche Vermögensgegenstände ein Unternehmen am Ende eines Planjahres geplantermaßen verfügen wird, sowie in welcher Form das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt geplantermaßen durch Eigenkapital bzw. durch Fremdkapital finanziert sein wird.
Abbildung 7: Planbilanz
Auf der linken Seite der Bilanz bzw. Planbilanz, der Aktivseite, werden die Vermögensgegenstände eines Unternehmens dargestellt, gegliedert in Anlage- und Umlaufvermögen. Auf der rechten Seite der Bilanz, der Passivseite, wird die Herkunft der finanziellen Mittel des Unternehmens dargestellt; hier wird zwischen Eigen- und Fremdkapital unterschieden.
Die Reihenfolge der Darstellung bzw. der Gliederung der Bilanzpositionen auf den beiden Bilanzseiten erfolgt im kontinentaleuropäischen Rechnungswesen üblicherweise beginnend mit den langfristig im Unternehmen gebundenen bzw. vorhandenen Positionen (Anlagevermögen, Eigenkapital) bis hin zu den kurzfristig bzw. unmittelbar veränderbaren Positionen (Kasse / Kassa, kurzfristiges Bankkonto, kurzfristige Verbindlichkeiten).
Im Gegensatz dazu werden im angloamerikanischen bzw. internationalen Rechnungswesen die Bilanzpositionen Anlagevermögen und Umlaufvermögen sowie Eigenkapital und Fremdkapital in umgekehrter Reihenfolge dargestellt – beginnend jeweils mit den kurzfristig gebundenen Positionen (Kasse / Kassa, kurzfristiges Bankkonto bzw. kurzfristige Verbindlichkeiten) bis hin zu den langfristig im Unternehmen vorhandenen Positionen (Anlagevermögen bzw. Eigenkapital).
Diese unterschiedliche Strukturierung hat ebenso wie die gegebenenfalls unterschiedliche Struktur von Finanzplänen keinerlei Auswirkung auf die prinzipiellen Zusammenhänge zwischen Finanzplan und Planbilanz.
Finanzplan | Planbilanz
Unter Berücksichtigung der im Finanzplan dargestellten Positionen wird ausgehend von der Anfangsbilanz am Anfang des Planjahres die Planbilanz für das Ende des Planjahres abgeleitet. Jede im Finanzplan dargestellte Zahl verändert in diesem Zusammenhang eine Bilanzposition von der Anfangsbilanz hin zur Planbilanz.
Abbildung 8: Anfangsbilanz, Finanzplan und Planbilanz
Die Anfangsbilanz zeigt die Bilanz zum Anfang des Planjahres, sie enthält ausschließlich Bestandsgrößen.
Der Finanzplan zeigt die geplanten liquiditätswirksamen Veränderungen in einem Unternehmen im Laufe des Planjahres, er besteht durchgehend aus Veränderungswerten.
Die Planbilanz zeigt wiederum die geplante Bilanz zum Ende des Planjahres, sie umfasst wieder Bestandsgrößen.
Im Zusammenspiel zwischen Anfangsbilanz, Finanzplan und Planbilanz gilt:
Jede Zahl, die im Finanzplan dargestellt wird, verändert eine Bilanzposition von der Anfangsbilanz hin zur Planbilanz. Jede einzelne Zahl, die im Finanzplan dargestellt ist, muss sich auf die Bilanz auswirken.
Eine Bilanzposition wiederum kann sich vom Anfang des Wirtschaftsjahres bzw. Planjahres bis zum Ende des Wirtschaftsjahres bzw. Planjahres nur verändern, wenn diese Veränderung auch im Finanzplan enthalten bzw. dargestellt ist.
Der Finanzplan stellt somit exakt die Differenz zwischen den einzelnen Positionen der Anfangsbilanz und der Planbilanz dar.
Erfolgsplan | Finanzplan | Planbilanz – das Big Picture
Ein umfassendes Planungssystem bestehend aus den Komponenten Erfolgsplan, Finanzplan und Planbilanz basiert einerseits auf dem Zusammenhang zwischen Erfolgsplan und Finanzplan, andererseits auf dem Zusammenhang zwischen Anfangsbilanz, Finanzplan und Planbilanz.
Durch Kombination der beiden Zusammenhänge Erfolgsplan | Finanzplan sowie Anfangsbilanz | Finanzplan | Planbilanz lässt sich das „Big Picture“ als Gesamtsystem darstellen.
Zur Erstellung des Gesamtsystems werden die beiden beschriebenen Detailzusammenhänge zwischen Erfolgsplan und Finanzplan sowie zwischen Anfangsbilanz, Finanzplan und Planbilanz miteinander verknüpft.
Es ergibt sich damit die Kombination einer rein zeitraumbezogenen Darstellung in Erfolgsplan und Finanzplan (Betrachtung der Entwicklung von Erfolg und Liquidität im Zeitverlauf) mit einer Zeitpunkt / Zeitraum / Zeitpunkt-bezogenen Darstellung von Anfangsbilanz, Finanzplan und Planbilanz (Betrachtung von Bilanz, Liquidität und wieder Bilanz).
In der Kombination der beiden beschriebenen Zusammenhänge Erfolgsplan | Finanzplan und Anfangsbilanz | Finanzplan | Planbilanz ergibt sich das gesamte in sich geschlossene Planungssystem, das den zentralen „Betriebswirtschaftlichen Gesamtzusammenhang“ im Rechnungswesen eines Unternehmens darstellt – das Big Picture.
Abbildung 9: Big Picture
Erfolgsplan | Finanzplan | Planbilanz –
Fallbeispiele
Die in weiterer Folge dargestellten Fallbeispiele sollen den Zusammenhang zwischen Erfolgsplan, Finanzplan und Planbilanz verdeutlichen.
Die Zahlenbeispiele bauen auf einer vereinfachten Bilanzstruktur und auf einer vereinfachten Struktur von Erfolgsplan und Finanzplan auf.
Die vereinfachte Bilanzstruktur der Zahlenbeispiele enthält je nach Ausgestaltung des Beispiels folgende Positionen:
Abbildung 10: Bilanz | Planbilanz, Struktur für Fallbeispiele
In der vereinfachten Erfolgsplan-Struktur, die in den Zahlenbeispielen verwendet wird, werden als Basis jeweils fünf zentrale Aufwands- bzw. Kostenarten angeführt – Materialaufwand, Personalaufwand, Abschreibungen, Sonstiger Aufwand und Zinsaufwand, die im Erfolgsplan nach den Kriterien der Deckungsbeitragsrechnung zu fixen bzw. variablen Kosten zugeordnet werden.
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