>>Ich bin ihnen noch einen Kaffee schuldig<< ,sagte sie freudig lächelnd und schaute ihn herausfordernd an.
Sie wusste, dass der leichte Silberblick Ihrer schönen hellblauen Augen seine Wirkung nicht verfehlte, wenn sie die Männer auf sich aufmerksam wollte.
>>Und woher kennt ihr Euch? << ,fragte Corinna von Anselm etwas spitzfindig sofort nach.
Kai ist einer meiner guten Kunden in meiner Boutique<< ,antwortete Naomi, als kenne sie ihn schon ewig.
Ein unscheinbarer junger Mann, der durch die lebhafte Unterredung etwas ins Abseits geraten war, streckte Kai jetzt die Hand zur Begrüßung entgegen.
>>Ach! Und das ist Architekt Volker Freiherr von Steinberg<< ,sagte Corinna von Anselm entschuldigend.
>>Volker ist ihr Freund! <<, ergänzte Naomi raffiniert und schaute Kai dabei an, was Corinna von Anselm überhaupt nicht gefiel.
>>Setzen wir uns doch, das Rennen geht gleich los. <<, meinte Freiherr Volker von Steinberg, der jetzt plötzlich sehr nervös war und sich fortlaufend an die Nase fasste.
Die Zuschauertribüne war zu drei Viertel besetzt. Die Zocker hatten ihre letzten Wetten abgegeben. In wenigen Minuten sollte das Rennen beginnen. Geheimtipp zum Sieger auf der Rennbahn war die Nummer 23, der Vollblut-Wallach von dem Gestüt Niederhagen. Drei Rennen hatte er schon dieses Jahr hintereinander gewonnenen, Paris, London und Neapel.
Naomi hatte ihre Wette über Internet abgegeben. 1000 € hatte sie auf den schwarzen Vollbluthengst gesetzt.
Endlich war es soweit. Die Pferde standen aufgeregt, startbereit in ihren Boxen. In höchster Anspannung schnaubten sie unruhig von den Pferde-Jockeys gezügelt dem Start entgegen. Jetzt war es soweit! Durch das laute schrille Bimmeln einer Messing- Glocke wurde das eiserne Gatter der Startboxen geöffnet.
Der Nervenkitzel mit der Macht des Geldes hatte begonnen. Blitzart der schwarze rennerfahrene Wallach lag schon nach wenigen Metern eine halbe Pferdelänge vor der noch jungen unerfahrenen Stute vom Gestüt „von Niederhagen“.
Kraftvoll und schnell war der schwarze, muskulöse Hengst aus der Startbox gekommen. Der kleine leichtgewichtige Jockey saß federleicht in den Steigbügeln des Wallachs. Seinen schmächtigen aber doch sportlichen Körper hatte er gut angepasst, an den kraftvollen Sprunglauf seines Rennpferdes.
Nur durch zurufe heizte er sein kraftvolles Pferd immer wieder erneut an. Langsam aber sicher ließ der schwarze Hengst, das Hauptfeld hinter sich. Jetzt sah man, dass er nicht mehr einzuholen war. Sicher galoppierte er schnaubend, ausdauernd, dem Sieg entgegen.
>>Er gewinnt! <<, rief Corinna von Anselm aufgeregt, als Blitzart, der Vollbluthengst, auf den sie gesetzt hatte, mit drei Längen Vorsprung das Rennen anführte.
Im ersten Drittel der Rennstrecke hatten die Favoriten ihre Verfolger schon weit hinter sich gelassen. Nur noch wenige Meter bis zum Ziel und das Pferderennen war entschieden. Blitzart war ein junger Wallach, von dem man wusste, dass er langatmig war und auf den letzten Metern enorm, zulegen konnte. Es war unmöglich, dass er das Rennen noch verlieren konnte. Volker Freiherr von Steinberg stand angespannt auf der Triebbühne und fieberte dem Ausgang des Rennens entgegen.
20 000 € hatte er auf das falsche Pferd gesetzt.
Es war der letzte Kredit, den ihm die International Bank gab. Nur weil er mit seiner Tochter Corinna von Anselm befreundet war, hatte ihr Vater dem Kredit noch einmal zugestimmt.
Volker Freiherr von Steinberg war hoch verschuldet durch seine krankhafte Spielsucht.
Im Spielcasino in Baden-Baden, hatte er Hausverbot und der Spielbank in Wiesbaden, schuldete er 86.000 €.
Vorgestern hatte er dem Geschäftsführer im Spielkasino einen Wechsel unterschrieben, den er Termingerecht bis nächste Woche einlösen musste.
Jetzt war das spannende Pferderennen gelaufen! Der Vollblut Wallach mit der Nummer 23 vom Gestüt Niederhagen war mit fünfeinhalb Pferdelängen abgeschlagen in das Ziel eingelaufen! Dagegen war Blitzart, der schwarze Hengst, auf den nur wenige gesetzt hatten, als klarer Sieger ins Ziel eingelaufen.
Corinna von Anselm hatte 500 € auf den Gewinner gesetzt. Als sie die Quote am digitalen Totalisator sah Freude sie sich so, dass sie Kai umarmte und fest an sich drückte.
2500 € hatte sie gewonnen! Das war doch kein Grund ihm gleich um den Hals zu fallen, dachte Naomi eifersüchtig, als sie es sah. >>Ich habe, 5000 € gewonnen! << ,entgegnete sie Corinna etwas verärgert, als sie auch sie umarmen wollte.
Was ist denn los mit Dir! Was hast du? fragte Corinna von Anselm sofort, da sie ohne jeglichen Grund, sehr abweisend ihr gegenüber reagierte.
Sie konnte ihr doch nicht sagen, dass sie eifersüchtig war, dachte Naomi, umarmte sie trotzdem verärgert und küsste ihr flüchtig auf die linke Wange.
Keiner bemerkte das Volker Freiherr von Steinberg mit versteinertem Blick kreidebleich im Gesicht, fassungslos neben ihnen stand. Er war der Loser...Alles hatte er verloren!
In den nächsten Tagen musste er Insolvenz anmelden mit seiner hoch verschuldeten Firma. Alle korrupten Machenschaften, die er in den letzten Jahren begangen hatte, drohten aufzufliegen. >>Alleine gehe ich nicht in den Knast! << ,sagte er so laut verbittert im Zorn so, dass es jeder verstehen konnten.
Dann lies er sie alle stehen und ging eilig in das Quotenhaus. Kai sah Corinna von Anselm fragend an.
>>Spielschulden hat er! Überall! Bei allen Leuten! Und das Wasser steht ihm bis zum Hals<< ,antwortete Naomi Kramer, nachdem Corinna von Anselm Kai keine Antwort gab.
Für einen Augenblick war es stille geworden unter den Anwesenden. Corinna von Anselm wusste nicht, was sie sagen sollte. >>Kommt! Wir gehen in das Quotenhaus und holen unseren Gewinn ab. Danach lade ich euch zu einem Glas Champagner in der Paragon-Golf-Akademie ein<< ,sagte Naomi um die miese Stimmung zu ändern und nahm Kai einfach an der Hand.
Die Paragon-Golf-Akademie ist das Clubhaus der Reichen und Schönen. Berufsspieler, die von Rennbahn, zu Rennbahn um die Welt zogen, feierten ihren Gewinn oder auch ihre Niederlagen in dem exklusiven noblen Restaurant.
Aus jeder Enttäuschung wächst neue Hoffnung sagten die Loser, deren Geld sich von selbst vermehren sollte.
Nach dem sie ihr Wettgeld an der Kasse im Quotenhaus abgeholt hatten tranken sie noch ein Glas Champagner zusammen. Überall an den Tischen wurde über die Favoriten des nächsten Pferderennens in der Weltstadt Paris gesprochen.
Auch gute Tipps auf welches Pferd man beim nächsten Rennen setzen sollte, wurden vom Stallpersonal für einen braunen Schein heimlich den Zockern auf einem kleinen Zettel zugesteckt.
>>Möchtest du mit mir kommen Corinna? Ich lade dich gerne ein zu einer Pizza bei Enrico Passguale. Er hat die beste Pizza in der City<< ,fragte Naomi, um sie wieder versöhnlich zu stimmen. Für einen kleinen Augenblick schaute Corinna von Anselm Kai fragend an.
>>Ja, komm doch mit! Wer weiß, ob wir morgen noch am Leben sind! << ,antwortete ihr Kai scherzend!
Nachdem Corinna zugesagt hatte, umarmte Naomi Kai hinter dem Rücken und schaute ihn verliebt an.
Dann verließen sie gemeinsam wortlos ohne Freiherr von Steinberg, das extravagante Clubhaus.
>>Wir fahren voraus<< ,schlug Naomi vor und gab Kai die Wagenschlüssel.
Als sie beide zum Auto vorausgingen, schaute Corinna von Anselm ihnen etwas traurig hinterher.
Ja, eine Affäre wollte sie mit ihm beginnen. Einen Plan hatte sie schon in ihrem Kopf zurechtgelegt, wie sie ihn für sich gewinnen wollte. Aber sie konnte doch nicht ihrer besten Freundin Naomi den Freund wegnehmen, dachte sie.
Plötzlich piepste ihr Smartfon!
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