Eine Stärkung der Lebenskompetenzen, zu denen die Resilienz zu zählen ist, fordert auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese versteht unter Lebenskompetenzen Fähigkeiten, die Menschen dazu befähigen, effektiv mit den Anforderungen und Herausforderungen des täglichen Lebens umzugehen, und die angemessenes und positives Verhalten fördern (WHO, 1994). Um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen zu fördern, sollten folgende Lebenskompetenzen gestärkt werden:
die Fähigkeit, Entscheidungen zu fällen
die Fähigkeit, Probleme zu lösen
kreatives Denken
kritisches Denken
effektive Kommunikationsfähigkeiten
die Fähigkeit, positive zwischenmenschliche Beziehungen zu gestalten
die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung
die Fähigkeit zur Empathie
die Fähigkeit, mit Emotionen umzugehen
die Fähigkeit, Stress zu bewältigen (WHO, 1994).
Auch das Bundesgesundheitsministerium formuliert die Bedeutung von Lebenskompetenzen für die Gesundheit von Kindern im Nationalen Gesundheitsziel – Gesund aufwachsen: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung. Unter Lebenskompetenzen wird hier die Fähigkeit verstanden, ein gesundes Leben zu führen. Lebenskompetenzen sind kognitive, emotionale und soziale Fähigkeiten und Fertigkeiten, die erlernt werden können. Die Lebenskompetenzen werden in einen Zusammenhang zur Bildung gebracht, da Bildung als eine Ressource für erfolgreiche Lebensbewältigung aufgefasst wird. Im Nationalen Gesundheitsziel werden als Lebenskompetenzen folgende angeführt (Bundesgesundheitsministerium, 2010):
Ich-Stärke: Ich-Identität, Selbstverwirklichung, produktive Anpassung
Soziale Kompetenz
Kritikfähigkeit: Selbstwahrnehmung, Kritikannahme, Reflexionsfähigkeit, eigene Urteilsbildung
Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit: Kontaktgestaltung, Konfliktfähigkeit, Rollenbewusstsein, Rollenübernahme
Entscheidungsfähigkeit: reflexiv, sachbezogen, ethisch-moralisch, ästhetisch
Problemlösungsfähigkeit: sachlich, offen, ergebnisorientiert und kreativ
Emotionalität und Selbstkontrolle: Wahrnehmen, ausdrücken und steuern von Emotionen
Medienkompetenz: Informationsbeschaffung, Wissensaneignung
Handlungsfähigkeit: Selbstwirksamkeit, Erfolgserwartung.
Grotberg (2011) formuliert als Essenz aus dem »Internationalen Resilienzprojekt« (einem Projekt, in dem Forschendengruppen aus 30 Staaten zusammengearbeitet hatten) einen Leitfaden, der in der Sprache der Resilienz formuliert ist, wie die Autorin dies nennt. Diese Sprache der Resilienz beinhaltet für verschiedene Altersklassen die drei Faktoren »Ich habe«-, »Ich bin«- und »Ich kann«-Formulierungen. Mit »Ich habe« sind Ressourcen und Strukturen aus der Umwelt gemeint, die resilienzfördernd wirken. »Ich bin« bringt zum Ausdruck, als welche Person sich ein Kind definieren würde, und »Ich kann« beinhaltet die Fähigkeiten und Kompetenzen, die ein Kind sich zuschreiben würde (ebd., S. 51 ff). So sollte in der Sprache der Resilienz ein dreijähriges Kind über folgende Grundlagen verfügen:
Ich habe …
vertrauensvolle Bindungen
Strukturen und Regeln zu Hause
positive Rollenmodelle
Ermutigung zur Autonomie
Zugang zu Gesundheitsdiensten und Erziehungshilfen (ebd., S. 71 f).
Ich bin …
liebenswert
kann mich ansprechend verhalten
liebevoll, empathisch, altruistisch
stolz auf mich
autonom und verantwortlich
voll Hoffnung, Glauben und Vertrauen (ebd., S. 72 f)
Ich kann …
kommunizieren
Probleme lösen
mit meinen Gefühlen und Impulsen umgehen
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