Er sollte einen möglichst realistischen Blick für die Probleme seines Hundes entwickeln. Wer das Jagdverhalten als natürlich betrachtet und versteht, dass die artgerechte Hundehaltung ohne die Konfrontation mit einzelnen Jagdfaktoren gar nicht möglich ist, kann besser damit umgehen, wenn der Hund seine Instinkte von Zeit zu Zeit durchblicken lässt. Vor diesem Hintergrund werden vermeintliche Trainingsrückschritte auch weniger verbissen gesehen. Der Hund bildet seine Veranlagung zur Jagd nämlich bis ins Erwachsenenalter aus. Und auch die Jagdlust ist nicht stabil, sondern verändert sich mit den Jahreszeiten. Kommt es also wieder zu einem Entwicklungsschub oder einer saisonalen Verlagerung, kann sich das im Trainingserfolg bemerkbar machen.
KAPITEL 3: Welcher hund passt zu mir?
Die Kaufentscheidung ist ein ganz wesentlicher Schritt. Welcher Hund soll es sein? Was erwarte ich, was kann ich bieten und welcher Hund passt am ehesten dazu?
Jeder Hund ist ein Unikat. Wie er sich im Laufe seines Lebens präsentiert, weiß niemand so genau. Trotzdem gibt es Anhaltspunkte (Genetik, Rassenbeschreibung, Bezugsquelle u. v. m.), die eine erste Einschätzung erlauben.
Hunde haben fast doppelt so viele Chromosomen wie der Mensch und schätzungsweise 19.000 Gene. Die Erkenntnisse über genetische Zusammenhänge haben seit dem Jahr 2003 einen ordentlichen Schub gemacht. In diesem Jahr gelang es der Wissenschaft nahezu vollständig das Genom eines Pudels und wenige Jahre später das eines Boxers zu sequenzieren.
Eine konkrete Merkmalsausprägung entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer Einheiten des Genoms, die gemeinsam vererbt werden. Ziel der Forschung ist demnach, diese Zusammenhänge zu erkennen und in der DNA-Sequenz zu verorten.
Es konnten bereits Gene lokalisiert werden, die an der Entstehung rassespezifischer Krankheiten beteiligt sind. Auch der Geschlechtsdimorphismus, zum Beispiel der Größenunterschied weiblicher und männlicher Tiere, lässt sich mittlerweile erklären.
Optische Merkmale und organische Erkrankungen sind also bereits fester Bestandteil der aktuellen Forschungsarbeit. Die Prognose lässt vermuten, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse in diesem Sektor weiter rasant wachsen werden und eines Tages auch mentale Abläufe und Verhaltensausprägungen zu ihrem Gegenstand gehören.
Trotzdem steckt die Säugetiergenetik noch in den Kinderschuhen. Die Verfahren sind aufwendig, erfordern technische und finanzielle Mittel, müssen vielfach wiederholt und miteinander abgeglichen werden.
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Der Schäferhund
Der Deutsche Schäferhund ist so facettenreich, dass er sich beinahe in jede Lebensform integrieren lässt. Er ist selbstbewusst, sehr robust und mit einem starken Nervenkostüm versehen und deshalb im Personenschutz häufig erste Wahl. Gleichzeitig ist er familien- und harmonieorientiert, sodass er auch als Begeleit- oder Familienhund infrage kommt.
Der Deutsche Schäferhund ist mit allen Fähigkeiten ausgerüstet, der er braucht, um sich selbst optimal versorgen zu können. Wenn sein Halter also nicht signalisiert, dass er die Rudelführung übernimmt, kann der Hund diesen Posten für sich beanspruchen. Durchsetzungskraft und ein stringenter Erziehungsstil sind deshalb essenziell.
Die Attribute Sportlichkeit, Arbeitseifer und Beschützerinstinkt liegen dem Schäferhund im Blut. Das optimale Wohnareal wäre deshalb ein weitläufiger Grund, den er vor Fremdzutritt schützen kann. Als Begleitung einer sportlichen Person, die ihn in gemeinsame Aktivitäten einzubinden vermag, findet er sich aber auch in einer Stadtwohnung zurecht.
Schäferhunde leiden häufig an Ellenbogen- und Hüftgelenkdysplasie und einem schmerzhaften Rücken. Seriöse Züchter achten darauf, nur beschwerdefreie Tiere miteinander zu verpaaren. Der finanzielle Mehraufwand für einen Hund aus professioneller Zucht ist also eine Direktinvestition in die Gesundheit des Tieres.
Der Chihuahua gilt als Modehund und ist aus dem heutigen Stadtbild kaum noch wegzudenken. Er ist verspielt und oft von freudigem Naturell. Dadurch bringt er sich und seinen Halter immer wieder in den Genuss gewisser Vorzüge. Bei der Wohnungssuche, die sich gerade im städtischen Bereich für Hundehalter oft als zäh erweist, wird zum Beispiel gern einmal ein Auge zugedrückt.
Die geringe Körpergröße und das niedrige Gewicht schlagen auch auf die monatlichen Kosten durch: Die Futtermenge ist gering, ein kleines Hundegeschirr kostet weniger als ein großes und Medikamente in geringer Dosierung sind preiswerter als hoch dosierte Arzneien.
Viele Menschen suchen in ihrem Chihuahua einen Ersatz. Der Hund soll einen Mangel kompensieren und wird zwecks dessen objektifiziert. Er wird zwangsbekuschelt und ist mehr Accessoire denn Hund. Einige dieser Hunde werden dadurch fordernd und aggressiv.
Auch Chihuahuas können beim Kauf bereits vorerkrankt sein oder die Veranlagung für spätere Krankheiten in sich tragen. Dazu gehört der fehlentwickelte Knochenbau, die krankhafte Beeinträchtigung der Sinnesorgane und eine Menge mehr.
Der Pudel ist ein empathischer und gut gelaunter Hund, der die Nähe zu seinem Rudel sucht. Er ist begeisterungsfähig, vor allem wenn es um Apportier- und Dummyspiele geht.
Pudel sind robust und nervenstark. Sie sind ausdauernde Arbeitshunde und stellen ihr Können in unterschiedlichen Branchen unter Beweis (Rettungsdienst, Blindenführhund, …).
Die Lockenpracht des Pudels ist häufig das ausschlaggebende Kaufargument für Allergiker, denn Pudel haaren kaum. Auch Mischlingshunde, die auf den Pudel zurückzuführen sind (sogenannte Doodle-Hunderassen) lassen meist nur wenig Haar. Aufgrund der Tatsache, dass der Pudel kaum Haare verliert, darf er außerdem oft an Orte mitgenommen werden (Hotels, Restaurants, …), an denen sonst ein Pauschalverbot besteht.
Der größte Vorteil des Pudels ist gleichzeitig eine Last. Das kontinuierliche Wachstum der Haare erfordert einiges an Pflege, damit es nicht verfilzt.
Pudel leiden schnell an entzündlichen Augen oder einer Patella Luxation. Pflege und Vorsorge können das Risiko mindern.
Die Englische Bulldogge ist ein charmanter kleiner Hund, der zu seinem Glück gezwungen werden will. Er befindet sich stets in der Schwebe zwischen Lethargie und Leidenschaft.
In seiner Gemächlichkeit nimmt er die meisten Umstände an, wie sie sind. Ob großes Anwesen auf dem Land oder komprimiertes Einzimmerapartment - eine bestimmte Wohnpräferenz hat er nicht.
Aufgrund von Ausprägungen der Brachycephalie kann die Englische Bulldogge mit körperlichen Beeinträchtigungen kämpfen, welche oft fälschlicherweise als Gemütlichkeit wahrgenommen werden. Der Hund braucht den Stimulus von außen, um seine Trägheit zu bezwingen. Deshalb sollte der Halter dazu in der Lage sein, liebevolle, aber nachdrückliche Überzeugungsarbeit zu leisten. Außerdem sollte er darauf achten, dass der Hund frei atmen kann und keine offensichtliche Gangstörung hat.
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