Die drei Erkundungsteams bereiteten sich in einem Nebenraum des Hangars auf die Expedition vor. Aus Sicherheitsgründen war vorgesehen, dass vorerst nur die Roboter den bislang noch unbekannten Planeten betreten sollten. Da die Detektoren in einigen Regionen spontane Vulkanausbrüche registriert hatten, wollten die Aliens zunächst in den schützenden Landekapseln abwarten. Alle drei Kapseln würden zwar weniger aktive Zonen ansteuern, aber man wollte das Risiko so gering wie möglich halten. Die Roboter bestanden größtenteils aus einer speziellen Metalllegierung und waren somit vor äußeren Einflüssen gut geschützt. Einzig die hochentwickelte künstliche Intelligenz und die großen Nervenbahnen funktionierten größtenteils auf biologischer Basis. Der massive Kopf der Roboter war dem der Aliens nachempfunden. Der restliche Körperbau wirkte sehr robust und war mit einer Körpergröße von knapp drei Metern eine beeindruckende Erscheinung.
***
Gemächlich bewegten sich die gewaltigen Schleusenklappen. Die kreisrunden Öffnungen wurden immer größer, bis sie den Durchmesser der zwanzig Meter messenden Landekapseln erreicht hatten. Es dauerte jedoch noch eine Weile, bis die Kapseln in den Öffnungen erschienen und kurz verharrten. Wie auf ein Kommando lösten sich alle drei Kapseln gleichzeitig vom Raumschiff und entfernten sich langsam in unterschiedliche Richtungen. Als sie einen sicheren Abstand zum Mutterschiff eingenommen hatten, begannen sie mit dem Sinkflug. Im unteren Drittel der Kapseln bildeten sich ringsum lamellenähnliche Düsenöffnungen. Jede der Landekapseln bewegte sich auf eine andere Landeregion zu. Zwei waren für die Äquatorialgegend programmiert, die dritte hatte die nördliche Polregion zum Ziel und somit den kürzesten Weg.
***
Eine der beiden Landekapseln, die in der Äquatorregion landen sollten, klappte rund hundert Meter über dem Grund die gewaltigen Landebeine aus. Die sechs gleichmäßig um die untere Kugelhälfte angeordneten Stützen sollten auf unebenem Grund einen stabilen Stand der Landekapsel gewährleisten. Jede der Stützen würde die Länge vollautomatisch nachregulieren und dem Untergrund anpassen.
Vorsichtig näherte sich das Raumschiff dem Marsboden und wirbelte durch die Bremstriebwerke eine große Menge Staub auf. Kurz nach dem Aufsetzen und einer minimalen Lageregulierung wurden die Triebwerke deaktiviert und die Lamellenöffnungen verschlossen. Bereits in der mittleren Atmosphärenschicht hatte eine erste Analyse ergeben, dass vier Hauptbestandteile, darunter Stickstoff und Kohlenstoffdioxid zu annähernd gleichgroßen Teilen vorhanden waren.
Die genaue Zusammensetzung der Bodenatmosphäre wurde nach der Landung nochmals analysiert und die Resultate umgehend an das Mutterschiff weiter geleitet. Die Untersuchungsergebnisse deuteten eindeutig darauf hin, dass sich der Sauerstoffanteil zukünftig konstant verringern und der Kohlenstoffdioxidanteil hingegen zunehmen würde. Die Gravitation des Planeten wurde gemessen, damit die Roboter in allen Landekapseln entsprechend umprogrammiert werden konnten, um die Bewegungsabläufe der geringen Anziehungskraft anzupassen.
Am untersten Punkt der Kugel fuhr eine offene Hebebühne aus dem Boden des Raumschiffes. Auf der runden Plattform, die von zwei hydraulischen Teleskoparmen bis auf den Grund abgesenkt wurde, stand ein Roboter. Kurz nachdem die Plattform den staubigen Marsboden erreicht hatte, löste sich der Roboter aus der Halterung. Er schwankte kurz, bis die automatische Lageregelung die optimale Einstellung gefunden hatte. Mit langsamen Schritten stapfte er aus dem Schatten des Raumschiffs hervor. Auf seinen krallenbewehrten Füßen bewegte er sich auf einen mit kleinen Felsbrocken umsäumten Krater zu. Geschickt kletterte er über den Kraterrand und rutschte Schritt für Schritt langsam in Richtung Kraterboden. Die Krallen an seinen Füssen bohrten sich tief in den Marssand und bremsten seine Bewegung ab. Am Ziel angekommen beugte er sich vor und streckte einen seiner Arme senkrecht zum Boden. Mit einer federnden Bewegung klappte seine Greifhand um neunzig Grad nach hinten und ein bohrerähnliches Instrument fuhr aus dem Unterarm. Es drehte sich langsam in das rötliche Regolith des Kraters und entnahm so eine erste Bodenprobe.
***
An Bord der Landesonde schauten sich die Aliens die vom Roboter übermittelten Resultate der verschiedenen Bodenproben genau an. Abgesehen von ein paar Flechten und diversen Mikroorganismen wurde nichts außergewöhnliches festgestellt. Einzig die feuchten Stellen am tiefsten Punkt des Kraters deuteten auf Restwasser hin. Nach Rücksprache mit dem Mutterschiff wurde entschieden, den Roboter auf eine etwas weiter entfernte Bergkuppe zu schicken. Von dort konnte das Gelände besser sondiert und nach geologischen Auffälligkeiten gesucht werden. In der umfangreichen Datenbank befanden sich bereits unzählige Vergleichsmuster von bisher besuchten Planeten.
Wie auf den meisten der anderen Planeten passten auch hier nicht alle Komponenten zusammen, um eine perfekte Grundlage für die Entstehung von höher entwickelten Lebensformen zu bilden. Zudem ließ die vom Bordrechner erstellte Langzeitprognose auf einen langsamen, aber kontinuierlichen Rückgang der Temperaturen schließen. Nach Absprache mit den anderen Landeteams und dem Kommandanten auf dem Mutterschiff wurde beschlossen, nach der Rückkehr der Roboter von weiteren Exkursionen vorerst abzusehen.
***
Gerade als der Roboter auf dem Rückweg von der Bergkuppe war, geschah etwas völlig unerwartetes. Zwei Meter vor ihm öffnete sich der Boden mit einem Ruck zu einem zentimeterbreiten Spalt. Daraus entwich mit hohem Druck eine extrem heiße schwefeldioxidhaltige Dampfwolke. Seine Sensoren erkannten die drohende Gefahr und die künstliche Intelligenz ließ ihn sofort einen großen Schritt zur Seite machen. Diese Aktion brachte ihn aber nur scheinbar aus der unmittelbaren Gefahrenzone, denn genau hinter ihm sprudelte plötzlich dünnflüssige Lava aus dem Boden. In Sekundenschnelle wurden seine Krallenfüße umspült. Der Roboter versuchte einen Fuß zu heben und geriet dabei aus dem Gleichgewicht. Zwar reagierte die KI sofort mit einer Gegensteuerung, indem sich der Oberkörper auf die andere Seite beugte, aber das Eigengewicht brachte ihn trotzdem zu Fall. Schwer krachte die gigantische Maschine in die sich rasch ausbreitende Lavapfütze.
***
Im Mutterschiff wurde mit wachsender Besorgnis zur Kenntnis genommen, dass die Expeditionen durch unerwartete Vorgänge stark gefährdet wurden. Ein Team hatte soeben einen Roboter verloren und das andere berichtete ebenfalls von bedrohlichen Lavaströmen in der Nähe der Landekapsel. Einzig das Team, das in der Polgegend gelandet war, meldete keine unmittelbare Bedrohung. Zwar wurden auch dort schwache Beben registriert, aber es waren keine sichtbaren Vulkanausbrüche zu verzeichnen.
Der Kommandant hatte alle Verantwortlichen zur Besprechung in die Zentrale befohlen. Die Kommunikation erfolgte wie üblich auf telepathischem Weg. Die Nutzen/Risiko-Analyse der Expeditionen sprach eindeutig dafür, die Erkundungen nicht fortzusetzen und alle Landekapseln sofort zurückzurufen. Die bisherigen Erkenntnisse haben deutlich gemacht, dass aufgrund der geophysikalischen Vorgänge auf diesem Planeten die Wahrscheinlichkeit für eine Entwicklung höheren Lebens praktisch ausgeschlossen war. Warum also wertvolle Ressourcen opfern? Alle waren sich einig, dass man den Roboter oder dessen Überreste nicht bergen sollte. Die Möglichkeit, dass in naher Zukunft irgendeine raumfahrende Zivilisation auf Überbleibsel des Roboters stoßen würde, wurde als höchst unwahrscheinlich eingestuft. Man beschloss, das Interesse auf den zweiten zur Auswahl stehenden Planeten zu fokussieren. Dieser versprach aufgrund seiner zentralen Lage im habitablen Raum um den Mutterstern herum und der vielversprechenden Spektralanalyse seiner Atmosphäre eindeutig bessere Resultate.
Читать дальше