- bei unangenehmem Verhalten von anderen diesen die Entscheidung und Verantwortung für eine Verhaltensänderung überlassen,
- bei Konflikten eine Lösung im Konsens anstreben,
- bei Problemen des anderen dessen Selbstständigkeit für die Problemlösung unterstützen
Eine solche, hier mit partnerschaftlichem Beziehungsverhalten bezeichnete Problemlösungsorientierung ist mit dem Namen von Thomas Gordon verbunden und findet sich in allgemeiner Form in Adams/ Lenz’ Beziehungskonferenz und Thomas Gordons neuer Beziehungskonferenz wieder.
Wer war nun Thomas Gordon? Antworten hierzu finden sich in seiner Autobiographie ( vgl. Hg. Breuer, Karlpeter: „Das Gordon Modell“, 1998, 23-75).
Gordon wurde 1918 in einer amerikanischen Kleinstadt mit dem Namen der Weltstadt Paris geboren und verstarb im Jahr 2002. Er studierte zunächst Medizin und anschließend Psychologie. Das Studium wurde zwischenzeitlich unterbrochen durch seine Einberufung in die Armee während des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Ende des Studiums arbeitete er zunächst einige Jahre an der Universität. Danach wurde er Unternehmensberater, zunächst als Angestellter, dann als Selbstständiger. Neben seiner unternehmensberaterischen Tätigkeit war Gordon später auch als Therapeut tätig. Unzufrieden mit seiner therapeutischen Tätigkeit, wandte er sich seit 1962 vornehmlich dem Thema zu, wie sich Beziehungen zwischen Personen auf gleichberechtigter Grundlage verbessern lassen.
Theoretische Anleihen nimmt Thomas Gordon bei Carl Rogers, dem Begründer der Gesprächspsychotherapie (vgl. z. B. Rogers, „Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie“), mit dem er auch einige Zeit freundschaftlich verbunden war (vgl. Hg. Karlpeter Breuer, „Das Gordon-Modell“, 1998, 23ff). Gordon führt diese Gesprächstechnik in Form des Aktiven Zuhörens bei Problemen anderer Personen in den Beziehungsalltag ein, verwendet darüber hinaus jedoch noch weitere Elemente, die sich vornehmlich auf den Umgang mit unannehmbarem Verhalten Dritter und Konflikte beziehen. Steht bei Rogers (z. B. Rogers, „Die Entwicklung der Persönlichkeit“) die Förderung der Entwicklung von Menschen im Vordergrund, so geht es Gordon um die Entwicklung von befriedigenden zwischenmenschlichen Beziehungen. Entsprechende soziale Kompetenzen zu erwerben, die derartige Beziehungen möglich machen, beinhaltet dann jedoch auch, dass Menschen sich weiterentwickeln.
Bezüglich partnerschaftlicher Beziehungen liegen unterschiedliche Veröffentlichungen in deutscher Sprache vor. Die Bücher lassen sich danach unterscheiden, ob sie in einer allgemeinen oder spezifischen Weise auf Beziehungen Bezug nehmen:
- Partnerschaftliche Beziehungen im Allgemeinen sind Gegenstand von zwei „Beziehungskonferenzen“. Die „neue Beziehungskonferenz“ stellt die partnerschaftlichen Problemlösemethoden im Gesamtzusammenhang dar, die „Beziehungskonferenz“ von Adams, der Frau von Thomas Gordon, und Lenz stellt das partnerschaftliche Beziehungskonzept explizit in den theoretischen Rahmen der Selbstverwirklichung (Adams, Lenz, „Beziehungskonferenz“, 2001, 17-44) und führt als zusätzliches Thema die effektive Planung der Verwirklichung von Bedürfnissen ein (Adams, Lenz, „Beziehungskonferenz“, 2001, 288-301).
- Aussagen über einzelne Beziehungen erfolgen in Bezug auf Familie, Schule und Beruf. Ein thematischer Schwerpunkt ist dabei die Familie.
Zunächst wurde Anfang der siebziger Jahre die „Familienkonferenz“ herausgegeben. Hier formuliert Gordon den Gedanken eines partnerschaftlichen Eltern-Kind-Umgangs miteinander und stellt dar, wie sich dies in der Praxis umsetzen lässt. Mitte der siebziger Jahre folgte die „Familienkonferenz in der Praxis“. In diesem Buch werden Erfahrungen von Eltern mit dem partnerschaftlichen Erziehungsstil ausgewertet. Dies hatte dann auch einige Änderungen des partnerschaftlichen Konzepts zur Folge. Schließlich wurde Ende der achtziger Jahre noch die „Neue Familienkonferenz“ veröffentlicht. Hier kritisiert Gordon ausführlich den machtorientierten Erziehungsstil und stellt diesen seinem partnerschaftlichen Stil gegenüber.
Ein zweiter thematischer Schwerpunkt ist der berufliche Bereich. In „Managerkonferenz“ wird partnerschaftliches Führungsverhalten Mitarbeitern gegenüber dargestellt und in „Patientenkonferenz“ ein ebensolcher Umgang von Ärzten in Bezug auf Patienten. Letztlich geht „Schülerkonferenz“ darauf ein, wie Lehrer ihren Beruf pädagogisch ausüben sollten.
Einzelne Themen der Arbeit
Mit welchen Themen setzt sich nun diese Arbeit auseinander? Hierzu ein Überblick:
- Zunächst werden metatheoretische Aussagen zum partnerschaftlichen Beziehungskonzept getätigt.
Wertvorstellungen steuern im Gordon-Modell die Auswahl von Problemlösungsmethoden. Es soll aufgezeigt werden, welche Werte von Bedeutung sind. Wie weiter oben schon gesagt, ist Gordon ein Schüler von Carl Rogers, dem Vater der Gesprächspsychotherapie. Es wird deshalb diese Psychotherapieform in Kürze mit dem partnerschaftlichen Beziehungskonzept verglichen.
- Sodann wird über die Methoden zur Lösung von Problemen informiert. Damit werden Aussagen darüber gemacht, wie in partnerschaftlichen Beziehungen gehandelt werden sollte, wenn mir das Verhalten einer anderen Person nicht gefällt, wenn Konflikte zwischen mir und dir vorliegen und wenn du mir gegenüber ein Problem äußerst, dass du mit anderen hast. Zusätzlich zu vorgenannten Gordonschen Beziehungsthemen wird darauf eingegangen, wie ich mich verhalten sollte, wenn du mir ein Problem mitteilst, dass du mit mir hast.
- Wie weiter oben schon bemerkt, fügen Adams und Lenz dem partnerschaftlichen Beziehungskonzept noch weitere Themen hinzu.
- Weisen die partnerschaftlichen Methoden den Weg zur Lösung von Problemen in verschiedensten Beziehungen, so lassen sich gleichwohl für einzelne Beziehungsarten noch zusätzliche Aussagen formulieren.
- Auf der Grundlage eines partnerschaftlichen Beziehungskonzepts liegen von Gordon Programme zum Trainieren partnerschaftlichen Verhaltens vor.
Metatheoretische Aussagen zum partnerschaftlichen Beziehungskonzept
Wertvorstellungen
Im Rahmen des Gordonschen Beziehungskonzepts geht es um Lösungen bestimmter Probleme. Es lassen sich dabei im Prinzip Lösungen (im Sinne von wünschenswerten zukünftigen Zuständen, d. h. Zielen) mittels verschiedener Handlungen (Methoden) herstellen lassen. Dieses ist ein wichtiger Grundsatz der Handlungstheorie. Es stellt sich dann die Frage, welche von den möglichen Handlungen (Methoden) ausgewählt werden soll. Auswahlkriterien können einmal Nutzen-, Kosten- und Wirksamkeitserwägungen sein:
- Verschiedene Handlungen können zwar zum gleichen Ziel führen, jedoch mit unterschiedlichen Kosten (Aufwendungen, unerwünschten Nebenwirkungen) verbunden sein.
Wenn Sie Vollzeit studieren, müssen Sie sich zeitlich weniger einschränken, als wenn Sie versuchen, einen Studienabschluss neben Ihrer Arbeit übers Fernstudium zu erhalten.
- Zudem können bestimmte Handlungen noch einen zusätzlichen Nutzen erbringen.
Um Einkäufe bei einem 3 km entfernten Discounter zu erledigen, kann ich ein Auto oder ein Fahrrad benutzen. Das Fahrrad ermöglicht mir zudem, Sport zu treiben, was für mich eine hohe Bedeutung hat.
- Möglicherweise sind verschiedene Handlungen auch in unterschiedlichem Ausmaß dazu geeignet, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Die Wahrscheinlichkeit, ein Studium in Vollzeit abzuschließen, dürfte als höher einzuschätzen sein, als ein solches neben dem Beruf.
Die vorgenannten Faktoren entsprechen dabei denjenigen, die von der Wert-Erwartungstheorie generell dem Handeln von Menschen zugrunde gelegt werden (vgl. z. B. in der Soziologie Langenheders Theorie menschlicher Entscheidungshandlungen, in der Psychologie z. B. die Handlungstheorie von Kurt Lewin, u. a. Lewin, Kurt:”The Conceptual Representation and the Measurement of Psychological Force”)
Читать дальше