J.D. David - Mondschein

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Als die junge Waise Lora in den Straßen ihrer Heimatstadt einen Jungen rettet, ahnt sie noch nicht, dass dies ihr Schicksal für immer verändern soll. Denn der Gerettete stellt sich als der junge König des Reiches Valorien heraus, und Lora wird in eine Welt von Macht, Krieg, und Intrigen hineingezogen. Während das Königreich noch immer unter den Folgen des letzten Krieges leidet, ist es innerlich zerrissen. Ehrgeizige Adelige ringen um Macht, wilde Horden gefährden den Frieden, und der junge König kann sich nur auf wenige loyale Ritter verlassen.

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Rethas stellte die besten Bogenschützen Valoriens, und dreihundert mit Langbögen ausgerüstete Rethaner befanden sich hinter der tandorischen Infanterie. Unter der Führung des rethanischen Ritters Arthur von Freital hatten sie sich so platziert, dass sie nicht zu sehen waren, zumindest nicht von der Position, von der die Urben angreifen würden. Erst kurz bevor die feindliche Reiterei die tandorische Kampflinie erreichte, würden die Urben von einem Pfeilhagel empfangen werden. Dies würde die Urben unerwartet und tödlich treffen, dessen war sich Celan sicher.

Arthur von Freital stach deutlich aus den Rittern Valoriens hervor. Das einzige Zeichen seiner Würde war sein Schwert in einer bronzenen Scheide mit roten Berylls verziert. Obwohl er kurz vor einer Schlacht war, trug er jedoch nicht wie die anderen Ritter eine Plattenrüstung. Auch einen großen Wappenschild oder ein schwer gepanzertes Pferd würde man bei dem Ritter lange suchen können. Stattdessen trug er als Rüstung lediglich eine Lederweste, in die mehrere Metallplatten eingenäht waren, dazu trug er eher die typische Kleidung eines Jägers oder Waldläufers. An Unterarmen und Beinen hatte er mit Nieten beschlagene Stulpen, seine Kleidung war in grün und braun Tönen gehalten und er trug einen schweren, grünen Mantel. Um seinen Kopf trug er ein ledernes Band, in dem auf seiner Stirn sehr klein sein Wappen abgebildet war, ein roter, auf allen Vieren stehender Fuchs auf dunkelgrünem Grund. Sein Schwert hing an einem Gürtel, an dem außer mehreren Gürteltaschen noch ein grünes Wappen mit einem schwarzen Pfeil befestig war. Das Bild wurde von einem Köcher auf dem Rücken abgerundet, in der Hand trug er einen rethanischen Langbogen. Auch sein wettergegerbtes Gesicht wirkte mit den vielen rotbraunen Haaren und dem zotteligen Vollbart eher wie das eines Bauern, denn eines Adeligen. Nur die dunkelbraunen, fast schwarzen Augen, strahlten eine herrschaftliche Würde aus. Sein Körper war muskulös und wirkte dennoch agil und sehnig, insbesondere da er im Vergleich zu anderen Männern eher klein war.

Ähnlich gekleidet wie Arthur hockten links und rechts von dem Ritter die Bogenschützen aus Rethas hinter der tandorischen Infanterie. Es gehörte zu dem Schlachtplan des Herzogs, an dem auch Arthur mitgearbeitet hatte, dass die Bogenschützen erst in letzter Minute vom Feind gesehen wurden. Die Rethaner trugen das Wappen ihres Herzogs, ein grüner Baum der zwischen zwei schwarzen Bergen zu sehen war. Auf dem weißen Hintergrund prangte über dieser Dreierformation ein grüner Stern. Nur etwa fünfzig Mann um Freital herum trugen dieses Wappen nicht, stattdessen trugen sie ebenso ein Gürtelwappen wie der Ritter. Die Bogenschützen aus Rethas wirkten ruhig, eine Eigenschaft, die ein guter Bogenschütze brauchte. Außerdem konnten sie relativ hoffnungsvoll der Schlacht entgegenblickten, da sie sich in der letzten Reihe und somit am weitesten entfernt vom Feind befanden.

Arthur schaute auf den Hügel hoch, auf den gerade der Herzog von Tandor mit seinen engsten Getreuen ritt. Von hier unten konnte man nicht erkennen, dass sich jenseits dieses Hügels die tandorische Reiterei auf den Angriff vorbereitete. Diese wilden Urben würden hier ihr blaues Wunder erleben, wenn sie einem der größten valorischen Strategen dieser Zeit entgegentraten, dem Herzog von Tandor, dessen war sich Arthur sicher. Der Bote hatte berichtet, dass der Feind in keiner großen Entfernung mehr war und bald in dem Tal eintreffen würde. Noch einmal schaute Arthur nach Links und Rechts und sah in die entschlossenen Gesichter seiner langjährigen Weggefährten, die zum Teil schon damals bei der Verteidigung der Ostwacht gestritten hatten. Es war gut, stets Freunde um sich zu haben. Ob es jetzt Hagen war, Arthurs Cousin, der ihm fast aus dem Gesicht geschnitten war, oder Jorgen, der Sohn eines Schmiedes aus Freital, der selber Oberarme wie ein Bär hatte, oder Wulf, der bestimmt schon über fünfzigjährige ergraute Jäger und Kämpfer, oder William, oder Georg, oder Rogar, oder alle anderen braven Freitaler, die sich bei den Schwarzen Pfeilen zusammenfanden. Man würde sich wieder viel zu erzählen haben, wenn man nach dem Kampf am Lagerfeuer auf die erfolgreiche Schlacht anstieß. Arthur schaute nach vorne. Bald schon würde der Feind da sein.

Ikran Khan, der einstmalige Stammesführer der Urboi Kjit, war mittlerweile unumstrittener Anführer aller Urben. Nach und nach hatte er die vielen zersplitterten Stämme unterworfen oder überzeugt, sich ihm anzuschließen. Majestätisch ritt er vor seinen Reitern, neben ihm seine vier Söhne. Und er wirkte in der Tat wie ein Herrscher: seine schwarzen Haare waren zu mehreren Zöpfen zusammengebunden, die mit edlem Schmuck verziert waren. Auch sein Bart war von kleinen Schmuckstücken durchzogen und reichte ihm bis auf die Brust. Sein Blick stach aber heraus. Ein Blick aus braunen Augen, die einen Mann in die Knie zwingen konnte.

In den letzten Jahren hatte sich das Reitervolk an den Reichtümern Tandors laben können, nun aber waren sie so stark geworden, endgültig in Valorien einzufallen.

Seine Späher hatten von einer Armee des Herzogs von Tandor berichtet. Wenn diese erst besiegt war, dann würde das Tor in das Königreich offen sein, das sich im Südwesten an die Steppen der Urben anschloss. Und dies würde weiteren Reichtum bedeuten. Ikran Khan würde unsterblich werden, dies war stets sein Streben gewesen, und hier sollte es beginnen. Dem Anführer der Urben folgten über eintausend Reiter, was für das sonst eher kleine Volk der Urben, das über weite Steppen verteilt war, eine große Streitmacht war. Die meisten der wilden Reiter waren mit Bögen ausgerüstet, dazu trugen sie Säbel und Speere, einige wenige auch Schilde aus Holz oder Leder.

Ikran Khan gab seinem Pferd die Sporen und erreichte ein gutes Stück vor seinen Söhnen den Hügelkamm. Sein Blick glitt über das Tal, das sich zu seinen Füßen erstreckte. Im westlichen Teil des Tales sah er die Streitmacht der Valoren, die, soweit er erkennen konnte, ausschließlich aus Infanterie bestand. Etwa tausend Mann glaubte er zu erkennen, eine durchaus ordentliche Streitmacht. Dennoch suchte er im Tal nach weiteren Anzeichen von Soldaten, da er sich nicht vorstellen konnte, dass tandorische Infanterie ohne Unterstützung durch Kavallerie reiste, deren Qualität immerhin fast an die der Urben heranreichte. Dann erkannte er die einzelnen Reiter auf der Spitze des südlichen Hügels. Er lächelte. Dahinter versteckte sich also die Kavallerie Tandors. Er schätzte diese nicht auf mehr als dreihundert Pferde, zumindest besagten dies in etwa seine letzten Berichte, die er von seinen Spähern erhalten hatte. Mit den Fußtruppen waren seine Feinde den Urben zahlenmäßig leicht überlegen, was für Ikran Khan einen sicheren Sieg bedeutete. Seine Söhne schlossen zu ihm auf und gemeinsam besprachen sie den Schlachtplan in der groben und harten Sprache der Urben.

Die Strategie der Urben sah fast immer gleich aus: Man ritt bis auf etwa fünfzig Schritt an den Feind heran, um ihn mit Pfeilen zu spicken. Wenn der Feind vorrückte, zog man sich zurück, was aufgrund der Schnelligkeit der leichten Reiterei der Urben bei keinem Gegner eine Schwierigkeit darstellte. Wenn der Feind ausreichend geschwächt war durchbrach man dessen Linien und löschte ihn endgültig aus. Wenn es möglich war, griff man vorher noch seine Flanken an, um zusätzlich Unruhe zu stiften.

In dieser Form war auch der Plan von Ikran Khan gestrickt. Nur musste er mit seinen Truppen darauf achten, wie sich die feindliche Reiterei verhielt. Er war sich sicher, dass der Herzog von Tandor versuchen würde, ihn und seine Männer zu umschließen und sie dann in den Nahkampf mit der Infanterie zu drängen, den die urbischen Reiter gegen die valorischen Speerträger verlieren mussten. Doch soweit würde er es nicht kommen lassen. Wenn die feindliche Reiterei auftauchte, würde sich die gesamte urbische Streitmacht dieser zuwenden, um sie zu zerschlagen. Danach würde die restliche Infanterie ausgelöscht werden. Der Plan war einfach, aber Ikran Khan war sich sicher, dass er erfolgreich sein würde und er eine weitere Schlacht in seine Siege einreihen konnte.

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