J.D. David - Mondschein

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Als die junge Waise Lora in den Straßen ihrer Heimatstadt einen Jungen rettet, ahnt sie noch nicht, dass dies ihr Schicksal für immer verändern soll. Denn der Gerettete stellt sich als der junge König des Reiches Valorien heraus, und Lora wird in eine Welt von Macht, Krieg, und Intrigen hineingezogen. Während das Königreich noch immer unter den Folgen des letzten Krieges leidet, ist es innerlich zerrissen. Ehrgeizige Adelige ringen um Macht, wilde Horden gefährden den Frieden, und der junge König kann sich nur auf wenige loyale Ritter verlassen.

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„Nein, Herr von Dämmertan, Finn, ich brauche keine weitere Bedenkzeit. Ich habe mich bereits entschieden, was der eine Wunsch sein soll. Nehmt mich mit, auf Euren Reisen. Ich möchte mit euch Abenteuer erleben, ich möchte hohe Herren und Damen kennen lernen. Ich möchte die großen Städte Valoriens kennen lernen, und ich möchte einfach hier raus.“

Geron lehnte sich zurück. Er schaute zu Priovan, der über das ganze Gesicht lächelte. Irgendwie freute er sich schon auf die Gesellschaft von Lora. Der alte Herr von Dämmertan war teilweise doch etwas, nun ja, griesgrämig. Und da war so eine fröhliche Seele wie Lora wirklich eine gute Ergänzung.

„Nun, mein Herr, Wunsch ist Wunsch, nicht wahr?“, fragte Priovan seinen Herren, der nur nickte.

„In Ordnung, Eleonora, dann wirst du uns auf unserer Reise begleiten. Wir werden dir nachher etwas Ordentliches zum Anziehen besorgen und dann wirst du uns zu Herzog Richard begleiten. Aber merk dir eines, junges Fräulein, wenn du mit mir reist wirst du auf jeden meiner Befehle hören, ohne jegliche Nachfragen. Das ist vorerst das Wichtigste, alles Weitere wird sich dann schon klären. Ist das klar? Willst du immer noch mit?“

„Ja, mein Herr, dies ist mein Wunsch.“, antwortete Lora.

„Gut, dann soll es so sein. Dann sollst du, Eleonora, von nun an meinem Gefolge angehören.“

Kapitel 2

Schon zu lange hatte Tandor unter den Angriffen dieser Barbaren leiden müssen. Zu lange hatten sie eine Schneide der Verwüstung und Plünderung hinterlassen. Zu lange waren Händler überfallen, Dörfer geplündert und Gehöfte niedergebrannt worden. Zu lange hatten die wilden Horden unter Ikran Khan die Ostgrenze Valoriens unsicher gemacht. Aber dies würde sein Ende finden, hier und heute. Dies hatte Herzog Celan seinem Volk versprochen, bevor er vor fünf Tagen aus Taarl losgezogen war, und er würde sein Versprechen einhalten, unter allen Umständen.

Herzog Celan von Tandor war vor neun Jahren, nach dem Tod seines Vaters in der Schlacht am Eisentor, zum Herzog von Tandor erhoben worden. Mit seinen lediglich achtundzwanzig Jahren war er der Jüngste der drei Herzöge und zugleich der Einzige, der seine Streitkräfte noch selbst anführte. Celan war von kräftigem Wuchs, hatte schwarze Haare und ein normalerweise rasiertes Gesicht, auf dem sich aber aufgrund seines Feldzuges schon schwarze Stoppeln abzeichneten. Sein Blick aus grünlich grauen Augen war kalt und berechnend. Wie es sich für ihn als Ritter gebot trug er eine schwere Plattenrüstung, die in der Sonne glänzte, und sein Ritterschwert Wolfsfang an der Seite. Das Schwert trug er in einer goldenen Scheide, die mit Rubinen besetzt war. Der Knauf des Schwertes war dem Kopf eines Wolfes nachempfunden, statt der Augen waren zwei Rubine eingesetzt. Sein Wappenschild zeigte das Wappen Tandors: auf rotem Hintergrund war ein aufrecht stehender, dunkelgrauer Wolf zu sehen, der einen weißen Schild in der Hand hielt, auf dem ein roter Stern abgebildet war. Dieses Wappen war nicht nur auf seinem Schild zu sehen, sondern wurde von jedem Reiter, der sich hinter dem Herzog befand, getragen, und dies waren immerhin an die fünfhundert Mann.

Celan sah aus dem Augenwinkel, wie sich einer seiner engsten Vertrauten, Forgat von Fendron, ihm näherte. Hoffentlich mit guten Neuigkeiten über die Kampfbereitschaft der Truppen und die Bewegungen des Feindes.

„Forgat, was hast du zu berichten?“, begrüßte Celan seinen ehemaligen Knappen, der nun Junker war.

„Euer Gnaden, wir haben gerade Nachricht erhalten, dass Freital seine Truppen formiert hat. Die Späher berichten, dass sich der Feind mit großer Geschwindigkeit nähert und schon bald auf den östlichen Hügel zu sehen sein müsste. In maximal einer Stunde wird die Schlacht beginnen. Außerdem wurden einige feindliche Späher abgefangen. Wir gehen im Moment nicht davon aus, dass der Feind unsere Überlegenheit durchschaut hat.“

Forgat von Fendron war der jüngste Sohn des Herzogs von Fendron und hatte zwei ältere Brüder. Er war ein kleines Stück größer wie sein Herr und von ebenso kräftiger Statur, obwohl er erst das achtzehnte Lebensjahr vollendet hatte. Seine hellbraunen Haare hatten einige blonde Strähnen, die sich in leichte Locken legten. Schon früh hatte er sich als besonders geschickt in der Kampf- und Reitkunst bewiesen und war deshalb von seinem Vater nach Tandor geschickt worden, um hier seine Knappschaft zu absolvieren. Nach dem Ende seiner Knappschaft vor kurzem hatte er dem Herzog versprochen, noch mindestens fünf weitere Jahre in dessen Dienst zu stehen. Zum einen bewunderte er den Herzog, zum anderen erhoffte er noch mehr zu lernen, was er in Fendron nicht erfahren konnte. Das Leben hier war anders als in Fendron, rauer, härter, eher eines Mannes würdig.

„Das sind wahrlich gute Neuigkeiten“, empfing der Herzog die gute Nachricht. Dann wandte er sich an seinen zweiten Vertrauten, Ulf von Darbenkort, der einst Knappe bei seinem Vater gewesen war. Im Unterschied zu diesem war er lebendig aus der Schlacht am Eisentor zurückgekehrt. Ulf war ein ausgezeichneter Mann, um Dinge zu erledigen. Er hinterfragte Befehle nicht, er konnte Männer gut anführen und er hatte keinerlei Skrupel, wenn etwas dem Wohl Tandors diente. Obwohl er eher von kleiner Statur war, war er kräftig und ein gefürchteter Kämpfer. Sein Haupt war von keinem Haar geschmückt, ebenso wie sein grobschlächtiges Gesicht mit den kleinen braunen Augen mit einem finsteren Blick. Als Waffe führte er stets einen stachelbesetzten Streitkolben.

„Ulf, befiehl den Männern sich bereit zu machen. Sie sollen aufsitzen und jederzeit bereit zur Schlacht sein. Und führe die Männer hinter den Hügel, sodass sie aus östlicher Richtung nicht zu erkennen sind. Dann komm zu mir und Forgat auf die Spitze des Hügels“, sagte der Herzog zu Ulf und ritt dann mit Forgat zusammen den Hügel hoch, an dessen Fuß die tandorische Reiterei versammelt war.

Celan hatte lange über einen geeigneten Ort für die Schlacht nachgedacht und sich für dieses Tal entschieden, da es geradezu ideal für seinen Plan war. Das unbewohnte Tal war im Norden durch die Dunkelzinnen begrenzt, in den anderen drei Richtungen von Hügeln umgeben, wobei der Hügel im Süden, auf dem sich der Herzog befand, besonders steil anstieg und von der Mitte des Tals nicht zu erklimmen war. Von hier oben hatte er einen kompletten Überblick über das Geschehen der Schlacht ohne Gefahr zu laufen, einem direkten Angriff ausgesetzt zu sein. Nachdem er sich für einen Ort entschieden hatte war es ein Leichtes gewesen, durch gezielte Scharmützel und kleine Angriffe durch seine Leichte Kavallerie das Hauptheer des Feindes in diese Richtung zu locken. Die Urben mochten ein gefürchtetes Reitervolk sein, was zu Pferd selbst der mächtigen tandorischen Kavallerie überlegen war, aber für einen ausgefeilten Sinn für Strategie und Taktik waren sie nicht bekannt.

Oben auf dem Hügel angekommen schaute Celan in das Tal hinunter, das außer einigen kleinen Bäumen und Felsen ein ebenes Gelände bot, ein Fakt, der die Urben einladen würden, da sie sich überlegen fühlten. Dies würde sich aber als trügerisch herausstellen, wenn alles nach Celans Plan verlief. Im westlichen Teil des Tales sah der Herzog den Großteil seiner Streitmacht aufgestellt. Das Zentrum bestand aus schwerer Infanterie, ansonsten waren die Fußtruppen aus Schildträgern mit Äxten oder anderen Hiebwaffen und einfachen Speerträgern zusammengesetzt. Celans eigentlicher Trumpf befand sich aber hinter den tandorischen Fußsoldaten. Lange hatte er mit sich gehadert, war zu stolz gewesen, und hatte gedacht, er könne die Urben alleine besiegen. Nach den vermehrten Übergriffen und Niederlagen der letzten Jahre hatte er jedoch seinem Stolz nachgeben und seinen Nachbarn Rethas um Unterstützung bitten müssen. Und diese Unterstützung war die wohl beste Waffe gegen die die Urben, gegen deren Kampfweise Infanterie und die tandorische Kavallerie nahezu machtlos waren.

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