J.D. David - Mondschein
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Dann ließ er das Signal zum Angriff geben.
Celan von Tandor mochte den Ritter Arthur von Freital nicht. Er beschmutzte einfach die Ehre des Reiches und der valorischen Ritterschaft. Und dieser gehörten neben den großen Männern dieser Zeit auch die größten Helden der Altvorderen an. Sein Verhalten, seine Kleidung, sein Umgang mit einfachen Soldaten, dies entsprach einfach nicht dem, was Celan von einem Adeligen und Ritter erwartete. Zudem war Freital vorlaut, zeigte kaum Respekt, selbst ihm als Herzog gegenüber nicht, und mischte sich ständig unter das Volk. Und diese Dinge waren nur die Ersten, die Celan einfielen, wenn er daran dachte, wieso er Arthur von Freital nicht mochte.
Aber diesmal konnte er nicht abstreiten, dass die Kampfart von Freital und seinen Gefolgsleuten genau in seinen Plan passte. Nicht nur waren sie ausgezeichnete Bogenschützen, wohl die besten ganz Valoriens, sondern sie waren auch noch unauffällig und konnten, wenn sie wollten, absolut ungesehen bleiben. Von hier oben fiel es selbst ihm schwer, obwohl er über die Anwesenheit der Rethaner wusste, diese zu erkennen. Dann blickte er erneut zu den östlichen Hügeln und erkannte erste Reiter. Es ging also los. Er zog seinen Helm über und sah, wie mehr und mehr urbische Reiter sichtbar wurden. Seinen Spähern zufolge waren es ungefähr eintausend Reiter, eine stattliche Streitmacht, dennoch etwa zwei zu eins den tandorischen Soldaten unterlegen.
Celan hatte in den letzten Jahren, in denen sein Land von den Übergriffen geplagt worden war, viel Geld aufgewendet, um möglichst heimlich große Streitkräfte auszuheben. Und dies zahlte sich jetzt auch aus, zumindest hoffte er, dass der Feind über ihre wahre Stärke im Dunkeln war. Er schaute erneut zu den Urben. Und dann begann der Angriff.
„Forgat, halte dich bereit Freital das Signal zu geben, Ulf, halte dich bereit den Angriff unserer Reiter zu befehligen.“, befahl der Herzog seinen Untergebenen, während er zusah, wie sich die Horde der Urben in das Tal ergoss. Sie waren wirklich furchteinflößende Krieger. Celan versuchte den Abstand zwischen der ersten Reihe der Urben und der Linie seiner Krieger, die sich keinen Schritt bewegten, möglichst gut einzuschätzen. Bei seiner Strategie ging es um Genauigkeit, Genauigkeit bei dem Abstand der gegenüberstehenden Feinden und Genauigkeit bei dem Zeitpunkt, an dem die einzelnen tandorischen Soldaten angreifen sollte. Alles war genau durchdacht, jetzt konnte der Herzog nur noch hoffen, dass sein Plan aufgehen würde.
„Wohlgeboren, der Feind ist auf dem Hügel zu sehen.“, informierte ein tandorischer Soldat Arthur von dem Eintreffen der Urben, das er jedoch selbst schon längst erkannt hatte.
„Danke mein Junge, dann geh zurück auf deine Position“, entgegnete der dem Soldaten, um sich dann an seine Männer zu richten.
„Die Bögen besehnen und Pfeile bereit legen, niemand schießt vor meinem Kommando, und bleibt unten, sodass euch der Feind nicht sehen kann. Ich wünsche euch allen viel Glück, möge dieser Tag ein guter für uns werden.“
Dann steckte er vor sich fünf Pfeile in den Boden und spannte seinen eigenen Bogen mit der Sehne aus Hanf. Gerade für die ersten Schüsse war es von elementarer Wichtigkeit, schnell zu sein. Die ersten Pfeile, die auf die Urben nieder regnen sollten, sollten alle möglichst schnell hintereinander kommen, sodass diese nicht reagieren konnten, bevor es eigentlich schon zu spät war.
Arthur sah deutlich beeindruckt, wie die Lawine aus urbischen Reitern in das Tal rollte. Eine riesige Staubwolke bildete sich hinter dem Heer des Feindes. Wie Herzog Celan ihm berichtet hatte, schätze auch Arthur den Feind auf etwa eintausend Mann. Als die Urben näher kamen, spürte er wie die Erde zu zittern begann. Die Schläge der viertausend Hufe, die auf den harten Steinboden des Tales schlugen, ließen nicht nur das ganze Tal erzittern, sondern erzeugten auch ein ohrenbetäubendes Getöse. Der Lärm wurde im Norden von den Hängen des Gebirges zurückgeworfen und baute sich so weiter auf. Zusammen mit dem wilden Kriegsgeschrei der Steppenkrieger bildete dies eine Atmosphäre, die jedem Soldaten bis ins Mark fuhr. Arthur sah gerade in den Gesichtern der jüngeren Soldaten Angst und schwindende Zuversicht.
In den Augen der Rethaner war jedoch fast ausschließlich Entschlossenheit zu sehen. Viele waren alte Veteranen und kampferfahren. Trotz aller Angst regte sich kein Krieger in den tandorischen Reihen. Wie ein Fels blieben die Soldaten stehen. Da erschallten die ersten Befehle über die Linien der Infanterie. Arthur selbst führte nur die Bogenschützen, die restlichen Männer wurden von einem tandorischen General geführt. Den Befehlen folgend begaben sich die Tandorer in Kampfformation. Ein Schildwall wurde gebildet, dazwischen wurden die Speere nach vorne gerichtet, um den Ansturm der Reiter aufzuhalten. Die Spannung wuchs, der Feind näherte sich, aber immer noch war kein Zeichen von Celan zu sehen. Arthur blickte zu dem Südhügel, auf dem der Herzog zu sehen war.
Fünfzig Schritte, dies war ungefähr die übliche Angriffsdistanz der Urben. Einhundertfünfzig Schritte, das war die Distanz, die ihm Arthur mitgeteilt, auf der seine Bogenschützen gut schießen konnten. Darüber war nur ungenaues Schießen möglich. Celan konnte gut Distanzen abschätzen. Die Urben waren noch gut sechshundert Schritte entfernt und näherten sich schnell. Noch fünfhundert Schritte. Celan hob die Hand. Forgat umschloss mit seiner Hand das Banner des Herzogs. Noch vierhundert Schritte. Celan konzentrierte sich. Jetzt wurde es ernst. Noch dreihundert Schritte. Noch einen kurzen Moment zögerte der Herzog, dann ließ er seine Hand sinken.
Forgat schwenkte das herzogliche Banner deutlich sichtbar über seinem Kopf und folgte danach seinem Herzog, der sich abwendete um zu seinen Reitern herunter zu reiten. Jetzt sollte es also beginnen.
Arthur sah den Feind sich nähern. Vielleicht täuschte er sich, aber die Urben sahen schon sehr nah aus. Der Lärm war mittlerweile kaum mehr ertragbar. Die ersten Pfeile schlugen vor den Reihen der tandorischen Soldaten ein. Es mangelte den Urben wirklich an Disziplin, aber das war bei einem solchen Kampfstil wohl auch nicht nötig. Arthur blickte erneut auf den Hügel. Dann sah er das Zeichen. Blitzschnell erhob er sich, und ebenso taten es alle Bogenschützen neben ihm. Er zog die Sehne des Bogens nach hinten. Der Feind war schon nah, vielleicht einhundert Schritt.
„Treu und Ehr!“, brüllte er so laut, dass es selbst gegen der Lärm der feindlichen Reiterei zu hören war.
„Valorien!“ erschallte es aus den Kehlen von eineinhalbtausend Valoren und die Pfeile Rethas flogen los.
Kapitel 3
Ludwig von Fendron stand am Fenster des Palastes in Tjemin. Die Sonne schien hell über die Dächer der Stadt. Es war wirklich ein wunderschönes Panorama. Ludwig machte ein paar weitere Pinselstriche mit einem feinen Pinsel. Sein Werk war fast fertig, hier und dort noch ein paar Details, dann wäre die fendronische Hauptstadt endgültig auf sein Papier gebannt. Über dem Panorama der Stadt war das Wappen des Herzogs von Fendron abgebildet, von Ludwigs Vater. Auf weißem Grund war ein Kranz aus Efeuranken mit einem blauen Stern darin abgebildet.
Das Werk gefiel Ludwig sehr, es war wirklich eines seiner besten Bilder, fast noch besser als das Portrait seines Vaters, das er vor einigen Jahren gemalt hatte.
Das Zimmer des Herzogssohns sah eher wie das Zimmer eines Gelehrten und Künstlers, denn eines Adeligen aus. Mehrere Bücherregale waren voll mit Büchern über die verschiedensten Themen, an der Wand hing eine große Karte von Valorien, zudem standen eine Harfe und eine Laute in einer Ecke und natürlich die große Staffelei, an der Ludwig gerade arbeitete. Daneben war ein Tisch, an der er die Farben angerührt hatte. Dazu kam noch ein großer Schreibtisch unter einem der Fenster. An den Wänden hingen verschiedene Malereien, die offensichtlich alle dem Pinsel von Ludwig entstammten. Ludwig selbst war nicht allzu groß gewachsen, fünfundzwanzig Jahre alt und hatte blonde, halblange Haare. Die langen Jahre an Adelshöfen, in Universitäten und Bibliotheken hatten Ludwig mittlerweile einen kleinen Bauch eingebracht, obwohl man ihn noch nicht wirklich als dick bezeichnen konnte. Seine Klamotten waren von edelster Machart, obwohl sie gerade von einem Malerkittel verdeckt waren, der sie vor Farbklecksen schützen sollte. Zudem trug er noch verschiedenen Schmuck an Händen und um den Hals.
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