J.D. David - Sonnenfeuer

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Der junge Soldat Daron kehrt seiner Heimat den Rücken, die nach dem Tod des letzten Königs in Chaos versinkt. Als er viele Jahre später nach Valorien reist, sieht er das Land zerrissen zwischen seinen Herzogen und Adeligen. Doch die wahren Feinde stehen außerhalb der Grenzen des Landes. Ihr Verlangen nach Macht geht weit über die Herrschaft eines einzelnen Königreiches hinaus. Die Legende einer Nachfahrin des Königs ist die einzige Hoffnung, die dem Volk bleibt. Diese, und eine große Kraft alter Tage, der sich auch Daron bemächtigt hat.

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Es waren düstere Gedanken, die Taskor in den Schlaf begleiteten. Aber für Optimismus gab es in diesen Zeiten fürwahr nicht viel Platz.

Flammen. Es waren immer wieder die Flammen, die sie sah. Obwohl sie es nur aus der Ferne gesehen hatte, stand sie in ihrem Traum direkt neben ihren kleinen Geschwistern. Sie sah, wie das Feuer sich im Raum ausbreitete. Sie wollte weglaufen, doch ihre Füße bewegten sich nicht, wurden von den Schatten gehalten. Sie wollte schreien, doch ihre Stimme wurde überlagert. Von den monotonen Trommelschlägen und –wirbeln und den Klängen der Flöten, die die marschierenden Männer antrieben. Ein Klang, einst entstanden aus Freude an der Musik, zum Vergnügen der Massen, der doch pervertiert worden war. Nun für immer der Klang des Todes für sie war. Nein, sie wollte sie retten. Tyl. Adela. Sie musste sie retten. Sie streckte ihre Hand aus, wollte sie greifen. Doch sofort schlugen die Flammen um sie. Hitze umgab sie. Sie wollte nicht aufgeben.

„Tyl. Adela. Greift meine Hand!“, wollte sie rufen. Doch ihrem Mund entsprangen keine Worte, nur weitere Flammen. Sie erkannte, wie das orange Licht die beiden Kinder umgab. Sich durch Kleidung und Fleisch fraß, nur schwarzen Ruß hinterließ. „Nein!!!“, wollte sie schreien, ob der sterbenden Geschwister, doch immer noch erklang kein Laut. Der Lärm des Todes überlagerte alles. Fast alles. Aus den Flammen hörte sie die flehenden Schreie der Sterbenden.

Sonya. Sonya. Sonya.

„Sonya, wach auf!“

Sie riss die Augen auf und spürte den Schweiß auf ihrer Stirn, über den der kühle Wind der Nacht strich. Über ihr gebeugt erkannte sie nun die Person, die wirklich zu ihr gesprochen hatte.

„Mutter, was…?“, wollte sie fragen, die Stimme noch immer zu laut ob des Traums, wurde aber jäh unterbrochen als ihr Königin Hega die Hand auf den Mund legte.

„Schsch!“, machte sie einen Laut und flüsterte dann weiter. „Irgendetwas stimmt nicht.“

Sonya spürte noch immer ihren schnellen Atem. Sie versuchte sich zu beruhigen. Zu lauschen. Fast schon befürchtete sie die Trommeln und Flöten zu hören, aber dies schien nur aus ihrem Traum nachzuhallen. Erst schien der Wald ruhig zu sein, doch dann hörte sie das Schnauben von Pferden.

Wieso hatte sie ihre Wache nicht gewarnt? Reiter musste man doch aus großer Entfernung bemerken. Sie wollte gerade etwas sagen, als ihre Mutter erneut die Hand über ihren Mund legte. Langsam krochen die Frauen in das nahe Unterholz, in die Dunkelheit.

Der erste lautere Klang waren die schweren Stiefel eines Mannes, der aus dem Sattel seines Pferdes sprang. Trotz des weichen Waldbodens konnte man dies deutlich vernehmen. Die Rüstung klimperte. Der Mann musste eine Metallrüstung tragen. Vielleicht sogar Platte. Also eher ein Soldat, denn ein Bandit.

Sonya schaute aus den Büschen hinaus, in die sie ihre Mutter gezogen hatte. Eingewickelt in ihre Mäntel waren sie wohl in der Tat kaum zu sehen. Sie schaute auf. Wollte sehen, wer dort war. Nur kurz konnte sie ihren Blick über ihr Lager schweifen lassen, bis sie ihre Mutter wieder hinunter zog. Doch sie hatte genug gesehen. Zu viel gesehen.

Sonya presste ihre Hand vor ihren Mund, um nicht aufzuschreien. Sie hatte das Lagerfeuer gesehen. Den Grund, wieso sie niemand gewarnt hatte. Eggbert Einauge, der alte Veteran, hatte neben dem Feuer gelegen. Im Rücken mehrere Bolzen. Hinter den Flammen war eine Gestalt aus dem Wald getreten. Das orangene Flackern der Flammen sah wie in ihrem Traum aus, nur schwächer. Doch die goldene Sonne auf rotem Grund war Realität.

„Aufwachen! Im Namen des Kaisers!“, rief der Offizier laut über die schlafenden Gestalten hinweg. Sonya erkannte, dass die Sorge ihrer Mutter, der Königin, nur ihr gegolten hatte, der letzten Prinzessin Kargats. Die restlichen Gefährten lagen noch unwissend im Schlaf und wurden jäh aus diesem gerissen.

Taskor sprang als erstes auf. In der gleichen Bewegung wie er sich hochdrückte zog er seine Klinge aus der Scheide, die neben seinem Schlafplatz gelegen hatte. Für einen kurzen Moment wirkte er wieder wie ein junger Mann. Auch Florenzo und Benno sprangen hoch und zogen ihre Waffen, wobei man dem Jungen sofort wieder die Unsicherheit und Angst ansah. Doch es war Sinja, die danach am schnellsten reagierte.

„Nein, Vater!“, rief sie noch, bevor sie ihr Ziel fixierte. Eine Mischung aus Überraschung, Trauer und Hass sprach aus ihr, als sie ihre Dolche zog um nach vorne zu stürzen, um das Leben des kaiserlichen Offiziers zu beenden. Vielleicht war es Taskors schnelles Eingreifen, das ihr das Leben rettete.

Mit einem festen Griff an der Schulter zog er Sinja zurück, bevor diese sich auf den Mann stürzen konnte. Trotz der Lage schaffte es der General besonnen zu bleiben. Erst jetzt erkannten auch die anderen die Berittenen, die zwischen den Bäumen auf die Lichtung kamen. Fast alle trugen Armbrüste mit eingelegten Bolzen, zum Schuss bereit. Im Vergleich zu den schweren Armbrüsten der kaiserlichen Infanterie waren diese Waffen kleiner, aber gerade auf kurzer Distanz nicht weniger tödlich.

„Werft die Waffen auf den Boden, wenn euch etwas an eurem Leben liegt.“, sagte der Offizier mit fester Stimme und schaute dann kurz auf den toten Eggbert hinunter. „Indem ihr die Klingen gegen Soldaten des Kaisers erhebt, habt ihr euer Leben verwirkt wie dieser Mann. Aber vielleicht bin ich gnädig.“, fügte er noch hinzu und schaute dann mit aufforderndem Blick zu den Gefährten.

Benno ließ als erstes sein Schwert fallen. Auch Florenzo senkte die Klinge, steckte dieser aber in aller Ruhe in die Scheide. Taskor stieß seine Klinge in den Waldboden und schaute dann ernst zu Sinja. Die Tochter des Getöteten war die letzte, die ihre beiden Klingen fallen ließ. Gilmar saß wie eingefroren am Boden und beobachtete die Szenerie, wobei sich nur seine Augen nervös bewegten, während der Kopf vollkommen ruhig blieb.

„Wir sind einfache Reisende, die sich vor Banditen schützen wollen. Was will das Kaiserreich von uns?“ Es war Taskor, der als erstes sprach. Obwohl Florenzo offensichtlich auch einige Worte auf der Zunge gelegen hatten, war es die Besonnenheit des älteren Mannes, die die Stimmung etwas beruhigte. So senkten auch die Reiter ihre Armbrüste leicht, gleichzeitig stiegen allerdings noch mehr Soldaten aus dem Sattel.

„Ihr befindet euch im Kaiserreich der Sonne und es herrscht Kriegsrecht. Ihr hättet besser in eurer Heimat bleiben sollen, anstatt des Nachts durch die Gegend zu ziehen. Bewaffnet.“, entgegnete der Offizier kalt und wandte sich dann einen seiner Soldaten.

„Vierter Veran, lass diese Männer entwaffnen und durchsuchen. Wenn sie Widerstand leisten, tötet sie.“, befahl er kalt. Der jüngere Soldat, offensichtlich ein Unteroffizier der kaiserlichen Armee, signalisierte weiteren Reitern abzusetzen und ging auf die Reisenden zu. Seine Klinge musste er nicht ziehen, denn die tödliche Drohung der Armbrustschützen hing noch immer in der Luft.

Sonya beobachtete die Szene aus ihrem Versteck mit Unbehagen. Sie erkannte, wie die Soldaten die Gefährten mit Gewalt gegen Bäume drückten, während andere die Klingen einsammelten und begannen, das Gepäck zu durchwühlen. Es war die Ohnmacht über die Situation, die sie erzittern ließ. Ihre Mutter hielt sie noch immer im Arm. Beide versuchten so regungslos und leise wie möglich zu bleiben. Hier konnten sie nur beobachten, bangen und hoffen. Hoffen, dass sie nicht entdeckt wurden. Hoffen, dass die Kaiserlichen einfach weiterziehen würden. Hoffen, dass das Leben von Taskor und den anderen verschont werden würde.

Ihre Gedanken wurden jäh unterbrochen. Sie wurde gepackt. Kräftige Hände zogen sie und Hega tiefer in das Unterholz. Sonya wollte schreien, spürte aber wie eine dreckige und stinkende Hand ihr Stimme und Atem nahm. Dennoch war ein Rascheln zu hören, als sie nach hinten gezogen wurden, und sich instinktiv wehrten. Hatten sie die Kaiserlichen doch gefunden? Aber wieso würden diese darauf achten, dass sie nicht schreien?

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