J.D. David - Sonnenfeuer

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Der junge Soldat Daron kehrt seiner Heimat den Rücken, die nach dem Tod des letzten Königs in Chaos versinkt. Als er viele Jahre später nach Valorien reist, sieht er das Land zerrissen zwischen seinen Herzogen und Adeligen. Doch die wahren Feinde stehen außerhalb der Grenzen des Landes. Ihr Verlangen nach Macht geht weit über die Herrschaft eines einzelnen Königreiches hinaus. Die Legende einer Nachfahrin des Königs ist die einzige Hoffnung, die dem Volk bleibt. Diese, und eine große Kraft alter Tage, der sich auch Daron bemächtigt hat.

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„Wenn Böses Böses sucht – an einem Ort der ist verflucht“, begann Gilmar weiter zu reimen, nuschelte die weiteren Worte aber für die anderen unhörbar. Erst jetzt merkte Benno, dass auch die Banditen merklich ruhiger geworden waren. Die Burg warf einen Schatten auf das Land, der scheinbar alle Männer kleiner machte, einschüchterte.

„Wieso sollte jemand hier wohnen wollen?“, fragte nun Sonya und schaute dabei zu Taskor und Benno.

„Es ist offensichtlich ein Ort, an dem man nicht suchen würde. Außerdem ist die alte Ruine immer noch eine ordentliche Festungsanlage, wenn man sie ein bisschen ausbaut.“, mutmaßte Taskor.

„Wir sollten dort nicht hin reiten. Wenn nur die Hälfte der Legenden und Geschichten stimmt, sollten wir uns möglichst weit von diesem Ort entfernt halten.“, erwiderte Sonya. Benno nickte. Er wollte kein Feigling sein, aber auch er kannte die Geschichten.

Dornat. Einst Hauptstadt Kargats. Feste der Könige. Bis ein Bruder den anderen verriet und einen Dolch in den Rücken stieß. Ein Kampf entstand, der das ganze Königreich ergriff. Seit diesem Tag war der Sitz der Krone nach Härengar gewandert. Und die Geister der Gefallenen durchschritten die Ruinen der zerstörten und niedergebrannten Burg, auf der Suche, sich an jedem Kargatianer für den Verrat zu rächen. In alle Ewigkeit. Wer an diesen Ort ging, kam nicht mehr zurück. So viel wusste Benno. Man mied Dornat.

„Ich glaube kaum, dass wir eine Wahl haben.“, erwiderte Taskor trocken.

Kapitel 7

Daron war beeindruckt von der Vielseitigkeit des kleinen Valoriens. Obwohl es nur so groß war wie eine mittlere kaiserliche Provinz, bot es so viele Facetten. Von den reißenden Fluten des Calas, den flachen grünen Ebenen und Feldern, die vor Elorath lagen, den großen Forsten in Dämmertan und Rethas, die er aus der Ferne gesehen hatte, über den großen Königssee, bis zu den Dunkelzinnen im Norden. Jeder noch so kleine Landstrich schien sich zu unterscheiden, genau wie seine Bewohner. Er hatte Menschen am Eisentor getroffen, in Elorath, in Goldheim, in Tandor und nun würde er das nördlichste Freiherrentum, Valor Kath, kennen lernen. Obwohl der ständig schwelende Krieg auf dem Land lastete, hatten alle Menschen, die er gesehen hatte, auch ihre Geschichten von Hoffnung und Zuversicht. Dieses Land, das doch auch für ihn einst Heimat gewesen war, war in der Tat beeindruckend. Viel beeindruckender, als er es in Erinnerung hatte. Mehr als einmal hatte er sich an das eigentliche Ziel seiner Reise erinnern müssen.

„Sieh, Daron. Da vorne liegt Nordend. Unser Ziel für den heutigen Tag.“, sagte Vincent und deutete auf die kleine Siedlung, die von Palisaden umgeben wurde. Sie wirkte alles andere als beeindruckend, insbesondere gegenüber Städten wie Goldheim oder gar Elorath.

„Ist dies der Sitz des Freiherrn dieser Gegend?“, fragte Daron neugierig, wie er schon die gesamte Reise seinen Gastgeber über das Land ausgefragt hatte. Im Gegenzug hatte Daron Geschichten über die südlicheren Länder erzählt.

„Ja. Es ist die einzige befestigte Stadt in Valor Kath. Obwohl wir vor einigen Jahrzehnten von Barbaren aus dem Norden angegriffen wurden, sind die kleineren Dörfer nicht befestigt. Der Konflikt konnte schnell beigelegt werden und somit gibt es dafür keinen Grund mehr. Insbesondere jetzt, da die schützende Hand Tandors über diesem Land liegt.“

„Wer ist der Freiherr von Valor Kath?“, hakte Daron nach.

„Wichart von Rabenkamm. Ein treuer Diener meines Vaters, der in der Besatzung der nördlichen Kronlande eine wichtige Rolle spielte, und dafür belohnt wurde. Oder bestraft. Je nachdem, wie man es sieht.“

„Wieso bestraft?“

„Nun, mein lieber Daron, wie du siehst ist Valor Kath nicht gerade einladend. Es ist abgelegen und karg. Die Bewohner sind Tandor gegenüber feindselig eingestellt, obwohl wir sie in den Zeiten des Chaos schützten.“

Daron schaute den jungen Sohn Tandors fragend an. „Wegen der Besatzung? Also die Feindseligkeit?“

Vincent zuckte mit den Schultern, gab dann aber doch eine Erklärung. „Die Menschen von Valor Kath sind stolz. Sie waren es wohl schon immer. Doch noch schwerer wiegt wohl die Tatsache, dass sich die junge Freiherrin, die vor Wichart das Land beherrschte, innerhalb kürzester Zeit Respekt und Beliebtheit erarbeitet hatte. Obwohl sie das Reich verriet, scheinen noch viele Einwohner in Gedanken an ihr zu hängen.“

„Wer war sie?“, fragte Daron, obwohl er die Antwort selber kannte.

„Eleonora war ihr Name. Eleonora von Mondschein nannte sie sich. Die erste und bisher einzige Ritterin Valoriens. Von König Priovan geschlagen, mit dem sie auch ihre Knappschaft absolviert hatte. Viele Zungen behaupten, dass die Ernennung zur Ritterin mit mehr zusammenhing, als ihrer Stärke oder Tapferkeit. Aber man sollte über Tote nicht schlecht reden, selbst dann nicht, wenn es Verräter sind.“, fügte Vincent hinzu. Daron musterte ihn. Der junge Mann schien wirklich aufrichtig. Selbst gegenüber seinen Feinden schien er einen gewissen Respekt zu haben, der ihm etwas Ehrenhaftes verlieh.

„Was hat sie getan?“

Vincent seufzte. „Es war in dem Jahr, das wir nun das Jahr des Blutes nennen. Sie hat sich mit drei weiteren Rittern verschworen, die Macht im Land an sich zu reißen. Einer der drei wurde getötet, einer floh aus dem Land und der letzte, Arthur von Freital, marodiert mit seinen Männern in Rethas. Eleonora wurde in einer großen Schlacht niedergerungen und getötet, wobei sie auch einen weiteren Ritter tötete. Ulf von Darbenkort. Deswegen gibt es nicht mehr viele Ritter, denn ohne König wurden die Schwerter nicht weitergereicht.“

Daron senkte den Kopf. Große Schlacht. Nein. Es war ein sinnloses Gemetzel. Kurz war er versucht, Vincent zu widersprechen, hielt sich aber zurück. Was sollte der Sohn Tandors denn auch sonst sagen? Als dieses schicksalshafte Jahr über Valorien gekommen war, war Vincent noch ein kleiner Junge gewesen. Während Daron alles gesehen hatte. Die Schlacht. Die Toten. Eleonora. Die schöne Ritterin.

„Ein trauriges Ende. Ich hoffe auf eine bessere Zukunft für dein Land.“, sagte Daron. Vincent nickte nur. Ja, Valorien hatte eine bessere Zukunft verdient. Es brauchte Frieden, und nicht den ständigen Konflikt zwischen Herzögen und Rittern. Nicht noch mehr Krieg und Zerstörung. Doch manchmal musste eben noch ein letztes Feuer wüten, um Frieden zu bringen.

Zweiundzwanzig Jahre. Was einst Demütigung und Knechtschaft gewesen war, hatte sich in eine ehrenvolle Aufgabe gewandelt. Dennoch zählte Narthas jedes Jahr das verging, um seine Schuld zu begleichen. Mit jedem Jahr das vergangen war, war er im Respekt Herzog Celans gestiegen und hatte sich nun zu einem seiner wichtigsten Berater und Heerführer entwickelt. Vielleicht auch deshalb, weil er scheinbar der einzige Mann am Hofe von Taarl war, der dem Herzog die Stirn bot und seine Meinung aussprach. Trotz des Pfandes, das Celan in der Hand hielt. Seine Ehre als Krieger gebot es ihm. Der Herzog von Tandor würdigte seine Einschätzungen. Damals, vor zweiundzwanzig Jahren, hätte er niemals erahnt, Seite an Seite mit Celan um sein Reich zu kämpfen. Doch genau dies tat er. Deswegen war er nun in Valor Kath.

Er stand auf der kleinen Palisade, die Nordend umgab. Als die Stadt besetzt worden war, war ein großer Teil niedergebrannt. Doch dies war nun schon viele Jahre her und man hatte die Hütten und Häuser neu errichtet, viele sogar aus Stein. Tandor hatte der Stadt seinen Stempel aufgedrückt, nicht nur durch die Wolfsbanner, die an den verschiedenen Ecken im Wind flatterten. Der neue Freiherr hatte sein eigenes Gefolge mitgebracht, auch Handwerker aus Taarl waren gefolgt. Die nahen Nebelberge boten Erze für ihre Tätigkeiten. So waren auch mehrere neue Bergwerke entstanden, die die Schätze aus der Erde holen sollten. Die Stadt war regelmäßig erweitert worden, sodass die Palisade mittlerweile eher einem unförmigen Ei glich denn dem Kreis, der einst vorhanden war. Für Narthas war Nordend eines jener Beispiele, die den positiven Einfluss Celans auf das Land bewies. Bald würden mehr Orte folgen.

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