J.D. David - Sonnenfeuer

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Der junge Soldat Daron kehrt seiner Heimat den Rücken, die nach dem Tod des letzten Königs in Chaos versinkt. Als er viele Jahre später nach Valorien reist, sieht er das Land zerrissen zwischen seinen Herzogen und Adeligen. Doch die wahren Feinde stehen außerhalb der Grenzen des Landes. Ihr Verlangen nach Macht geht weit über die Herrschaft eines einzelnen Königreiches hinaus. Die Legende einer Nachfahrin des Königs ist die einzige Hoffnung, die dem Volk bleibt. Diese, und eine große Kraft alter Tage, der sich auch Daron bemächtigt hat.

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„Still, meine Schöne.“, hörte sie das Flüstern einer tiefen Stimme an ihrem Ohr. Sie spürte den warmen Atem des Mannes, der sie fest im Griff hatte. „Schau einfach zu.“

„Da war etwas, schaut nach!“, hörte sie die laute Stimme des Offiziers über die Lichtung schallen. Drei Soldaten lösten sich von den restlichen Kaiserlichen und nahmen brennende Scheite aus dem Feuer, um die Dunkelheit des Waldes auszuleuchten.

„Jetzt!“, hörte Sonya noch die flüsternde Stimme an ihrem Ohr, dann vernahm sie schon das sirrende Geräusch fliegender Pfeile.

„Hinterhalt!“, hörte sie noch den Ruf des Unteroffiziers, doch es schien zu spät. Viele der getroffenen Soldaten fielen ohne Gegenwehr zu Boden, gespickt von Pfeilen. Die Armbrustschützen suchten ihre Feinde, konnten diese aber in der Dunkelheit nicht ausmachen. Dann plötzlich strömten mehrere Bewaffnete auf die Lichtung. Sie waren in dunklen Klamotten gekleidet, vorher mit dem Wald verschmolzen, und wirkten wie erfahrene Kämpfer. Blitzschnell zogen sie die Reiter von ihren Pferden, um sie am Boden niederzumachen. Der Kampf, der entbrannte, war kurz und einseitig.

Taskor selbst blieb gerade noch genug Zeit sein eigenes Schwert aufzuheben, nachdem seine Bewacher tot zu Boden gegangen waren, doch dann war er bereits umzingelt. Nun von anderen Bewaffneten, die aber nicht weniger feindselig schienen, wie die Kaiserlichen, die nun tot am Boden lagen.

Sonya wurde von ihrem Bewacher auf die Beine gezogen. Sie spürte die Kälte einer Klinge an ihrem Hals, als dieser sie nach vorne drückte und mit ihr die Lichtung betrat.

„Die Waffen fallen lassen.“, sagte ihr Bewacher entschieden.

„Irgendwie hatten wir das schon mal…“, konnte sich Florenzo einen sarkastischen Kommentar nicht verkneifen und ließ seinen Blick erst über die toten kaiserlichen Soldaten, dann über die neuen Angreifer schweifen.

„Mir scheint dieser Landstrich ist stärker bevölkert, als angenommen.“, erwiderte dann auch Taskor, ließ aber aufgrund der Situation, in der er Hega und Sonya sah, sofort seine Klinge fallen. „Lasst die beiden Frauen gehen. Sie sind für euch keine Gefahr.“, fügte er dann an den offensichtlichen Anführer gerichtet hinzu. Man konnte spüren, das Taskor ob dieser brenzligen Lage nervös war. Dennoch schaffte er es einen beherrschten Eindruck zu vermitteln.

„Wir haben euch schon länger beobachtet, genauso wie diese Soldaten. Dieser Wald gehört uns, und somit auch alles, was sich darin befindet. Dessen stimmst du mir doch zu, oder, General Taskor?“, antwortete der Mann. „Und nein, ich glaube nicht, dass ich diese besonders wertvollen Juwelen wieder frei lasse. Wann bekommt denn ein bescheidener Mann wie ich schon einmal die Chance, die Prinzessin Kargats im Arm zu halten?“

Sonya erkannte, wie sich die Augen Taskors weiteten, als ihre Tarnung offensichtlich aufgeflogen war. Woher kannte dieser Mann den General? Und sie? Doch dann gab Taskor selber die Antwort, als er die Augen zusammenkniff.

„Rufus. Rufus Failgrad.“

„Oh, mein General, wie schön, dass du mich nach all den Jahren noch erkennst.“

„Also bist du auch einer jener Männer, die zu einem räudigen Banditen geworden sind. Ich hätte Besseres von dir erwartet.“, warf ihm Taskor entgegen. „Und nun, was habt ihr jetzt mit uns vor?“, fragte der General.

„Wir werden sehen. Eine so wertvolle Beute sollte man gut geschützt an einen sicheren Ort bringen, nicht wahr?“, sagte der Mann mit einem Lächeln. Doch gleichzeitig lockerte er den Griff um Sonya und ließ die Prinzessin dann schließlich gänzlich los. Sofort lief sie zu ihren Gefährten, gefolgt von ihrer Mutter, die ebenfalls losgelassen wurde.

Während Taskor sich sofort vor Hega stellte, erkannte Sonya wie der junge Benno vortrat und sich zwischen sie und Rufus stellte. Erst jetzt konnte sie einen Blick auf ihren Bewacher werfen.

Er sah wirklich wie ein Bandit aus. Seine dunkle Kleidung verdeckte ein verdrecktes Kettenhemd, das aber an einigen Stellen sichtbar war. Seine Haare waren kraus und von grauen Strähnen durchzogen, genauso wild wie sein Bart. Sein Grinsen offenbarte einige Lücken, und dennoch war sein Blick nicht der eines gewöhnlichen Halsabschneiders. Er wirkte entschlossener, gefestigter.

„Woher kennst du diesen Mann, Taskor?“, fragte die Königin dann leise. Taskor behielt seinen Blick auf Rufus gerichtet, als er mit lauter Stimme antwortete, sodass alle Männer es hören könnte.

„Dies ist Rufus Failgrad, einstiger General der kargatianischen Streitkräfte, der mit seinem Flankenangriff die Schlacht am Tarrag entschied und damit den Sieg gegen den Ylonischen Bund einläutete. Doch anscheinend ist er von dem Pfad der Rechtschaffenheit abgewichen und hat sich den Gesetzlosen angeschlossen, die sich selbst das Nachtrudel nennen. Ist das nicht so, Rufus?“

„Fast, General Taskor. Mit der Ausnahme, dass ich mich durchaus auf der Seite der Rechtschaffenheit sehe. Nur eben nicht als Knecht der Krone, die aber nun sowieso gestürzt scheint. Aber wie ihr alle sehen könnt, stehen wir auch nicht an der Seite der neuen Besatzer.“, antwortete der Mann mit ruhiger Stimme.

„Wir brechen auf.“, befahl er dann seinen Männern. „Wenn sich unsere Gäste widersetzen, fesselt sie.“ Mit diesen Worten wandte sich Rufus ab und verschwand erneut in der Dunkelheit der Nacht.

Benno spürte jeden Knochen seines Körpers. Fast zwei Tagen waren sie durchgehend geritten und marschiert. Nur kurz hatten sie jeweils gerastet, um dann von Rufus und seinen Männern weiter getrieben zu werden. Immerhin hatten sie die Pferde der Kaiserlichen einfangen können, und konnten so wenigstens ab und zu im Sattel schlafen, nur um später weiterzumarschieren und die Pferde zu schonen. Mit jeder Stunde, die verging, hatte er noch mehr das Gefühl, dass diese Reise nie enden würde.

Bis zum Tag ihrer Flucht hatte der junge Mann Härengar noch nicht verlassen. Er war in eine einfache Familie geboren worden, der Vater Soldat, die Mutter half ihrem Bruder des Öfteren auf dem Markt. Er wäre auch lieber Händler geworden, oder Handwerker. Doch die Eltern hatten das Geld für eine Ausbildung nicht aufbringen können. Außerdem sah es sein Vater als gegeben an, dass Benno in seine Fußstapfen als Soldat der kargatianischen Streitkräfte treten sollte. So wurde er gerade in jenem Moment Teil des Militärs, als das Königreich an den Rand des Abgrunds gedrückt wurde. Es taumelte. Und Benno befürchtete schon des Öfteren, dass es fallen würde. Aber da war noch General Taskor Graufels. Königin Hega. Und natürlich die schöne Prinzessin Sonya, die er beschützen sollte. Er war außer dem General der letzte Soldat an der Seite der Prinzessin. In dem Moment, als sie aus Härengar geflohen waren, hatte er sich geschworen, Sonya mit seinem Leben zu schützen. Das war bisher eher schlecht gelaufen. Ja, sie lebte noch, aber sie befanden sich in Gefangenschaft, mit unsicherer Perspektive.

„Was seh ich da am Horizont? – Türme hoch, die Mauern breit – Doch schwarz vor Ruß ist deren Front – die stolze Burg aus andrer Zeit – Wo heute nur noch Geister schreiten – keine hohen Herren reiten – der Tod sein Heim gefunden hat – die alte Feste Dornat.“

Die Stimme des Narren, die durch das Geklimper der Glocken untermalt wurde, riss Benno aus seinen Gedanken. Er hob seinen Blick und erkannte die schwarzen Ruinen am Horizont.

„Ist das wirklich Dornat?“, fragte er, wollte er es doch nicht wirklich glauben, dass diese Banditen sie zu einem solchen Ort führen würden.

„Es scheint so.“, sagte Taskor. Benno schaute zu dem Narren. Er hatte schon öfter erkannt, dass Gilmar offensichtlich nicht mehr ganz klar im Kopf war. Nicht nur, weil er immer in Reimen sprach, sondern weil er auch sonst manchmal verwirrt oder abwesend wirkte. Aber dann gab es wieder Moment wie diese, wo er mit seiner schnellen Auffassungsgabe überraschte. Auch die Reime zu finden war eine Fähigkeit, die Benno beeindruckte.

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