Jeder der sieben bezieht sich als singuläres, wissendes Leben auf das Eine und setzt sich so in eine ursprüngliche Individualität. Er lässt das Umfassende durch sich selbst, das diskrete Gefäß des Ungeheuren, sprechen.
Hier entsteht eine neue Form der Vergesellschaftung: durch die geteilte Erfahrung des Einheits- und Ganzheitsgedankens entsteht eine Gemeinsamkeit, für die es in der völkischen und familiaren Geschichte kein Vorbild gibt.
Aber schon diese sieben lernen nicht fürs Leben sondern für die Schule.
Durch das Theoriespiel Philosophie werden die folgenden Gesellschaften endogen gespalten: in solche die sich und ihr Wissen selbst zum Ernstfall erklären und in die, die sich entweder als Bewunderer dessen zeigten, was sie nicht verstanden oder die, die ein Leben in Ahnungslosigkeit führten, ohne sich unsouverän zu fühlen.
Im Bild der Sieben liegt Glück und Ungeheure still ineinander.
Zukünftig wird ohne den Willen zu dieser Idylle, keine Theorie zustande kommen.
Ohne Muße keine Schule, ohne Entwurzelung aus der Vulgarität, nichts von alledem, was alteuropäisch Freiheit der Forschung hieß.
Von nun an reicht das Ungeheure in der Ordnung weiter, als das Ungeheure in der Tragödie. Die Kugel bestellt die Betrachter mit zwei unbedingten Imperativen zu sich:
Komm, denke mich!
Und:
Geh in mir auf!
Im Hintergrund eine Sonnenuhr. Philosoph ist, wer eine Uhr im Rücken und eine Kugel vor sich hat.
Wir stehen am Beginn eines messenden, feststellenden, vergegenständlichenden „Zeitalters der Vernunft“. Von einem wortreich dunklen Gewerbe wird die Konstellation von SEIN und ZEIT durchleuchtet.
Einer, der der Zeit den Rücken zukehrt um in den absoluten Raum, die göttliche Immanenz, die sphärische Fülle einzutreten. Hier tut sich das Paradies der Ontologen (Lehrende des Seins) auf.
Auch Hegel und Heidegger waren nur Kommentatoren dieses Mosaiks. Auch Nach- und Anti-Hegelianer kämpften um den Kugelnachlass, von der es heißt, sie sei zersprengt, die ihr ent-stürzenden Menschen würden nur noch im freien Fall existieren.
Die Kugel vor Augen lässt die Sieben zu einer lokalen Funktion des globalen Optimums werden. Sie gab ihnen den stärksten Grund Optimist zu sein, wenn die Sphäre wirklich das Inbild und den Inbegriff des Ganzen geben soll.
Liegt im modernen Fortschritts-Optimismus noch ihr Nachhall?
Der thetische (zu beweisende) Funke springt im Augenblick über: Alles ist Gnade, alles ist im Kreis. Eíso panta - alles ist innen-. Der Intellekt ist nun unheilbar krank von einer Sphären- idee, einem Pathos, von dem sich nicht sagen lässt, ob er hell oder dunkel ist: dem Staunen.
Wer staunt über was?
Die Raumfigur bleibt in jeder Agonie (Qual, Kampf) und Überspannung um sie, wie ein geometrischer Schutzengel, eine unverletzlich exakte Alliierte. Angesichts dieser Kugel ist der Denkende zum Optimismus verdammt: einem exakten Optimismus.
Optimist – das war nun keine Charakter- oder Stimmungsfrage mehr.
Das Eine Sein ist reich, d.h. reich an Differenzen die zu einer Hermeneutik (erklären, auslegen‚ übersetzen) der Fülle zwingt. Nicht das Ressentiment (Neid, Groll) gehört an den Anfang, wie es die Psychoanalyse mit Kastration und Mangel tut. Die Fülle gehört dorthin und schaltet ein aristokratisches Licht auf sie. Das Zufiel erklärt das Seiende im Ganzen.
Sieben exakte Prahlereien verschafften ihr den Rang einer „Kugel des Seienden im Ganzen und brachte sie so in die Vorlage einer theologie- ermöglichenden Funktion.
Es waren die sieben Rühmungen über:
die Kugel sei nichts anderes als der Gott
sie sei deshalb das Schönste
sie sei die Größte, kein Staubkorn sei außerhalb
sie sei das weiseste
sie sei erfüllt vom Schnellsten: dem Geist
sie sei das Stärkste, durch die Kraft der Notwendigkeit
sie sei das Göttliche das weder Anfang noch Ende hat
Das Hinzukommen des Menschen ist überflüssig, macht sie nicht mehr runder, trägt zu dieser ursprünglichen Rundheit nicht bei. Ihm bleibt nur, sich in kontemplativer Dankbarkeit in dieses Optimum einzuordnen.
Aber auch das Optimum unterlag der Entropie, dem "eingebauten" Wandel" Das An- und Eingebundensein Aller in Allem hielt zwar immerhin ein Weltalter lang das alte Europa mit göttlich- Beauftragten, die die Kugel in Händen oder im Wappen trugen in Atem. Aber auch die Zeit brach in die Kugel eine und rief nun den Seinen zu: Spielt weiter.
Es muss doch auch Neues zum Guten geben, wenn die bisherigen Kugelhalter ihren Pflichten zur Pflege des Runden nicht mehr nachkamen?
Wie zum letzten Mal erstellt 1777 ein Dichter in seinem Garten in Weimar einen „Altar des guten Glücks“. Wie? Natürlich als Kugel, die ein Rätsel für die Nachkommenden aufgibt: Was wird aus einer Welt ohne Könige, was aus Königen ohne Kugel?
Gewidmet ist dieses Denkmal der Tyche Agathe. Tyche ist die antike Göttin des guten oder bösen Schicksals, des Zufalls, des Launischen.
Die Kugel ruht auf dem Quader. Er steht für Ruhe, Beständigkeit, Verlässlichkeit, Ausgeglichenheit, die Kugel für das Unbeständige, die rast- und ruhelose Bewegung, das Wechselhafte. Wer wird diese Kombination balanciert in die Zukunft tragen?
poetische einleitung geometrie im ungeheuren
lernziel:wie die globalisierung vor 2500 Jahren metaphysisch startet
wie philosophen für „menschen in der welt“ ein „sicherungs-gerüst“ denkend-bauen
wie die gezügelte vernunft eine affäre mit dem weltganzen eingeht
und theologen ihre göttliche kugel sprengen die immerhin fast zweitausend Jahre hält
das projekt der metaphysischen globalisierung
globalisierung das herrschende motiv
frühen europäischen denkens
metaphysiker mathematiker kosmologen
definierten
den menschen als
kugelnschaffendes kugelnbewohnendes tier
globalisierung wird geometrisierung
des unermesslichen
mensch und natur eine technische kooperation
globalisierung oder sphäropoiese
ist kernstück des denkens
mathematische globalisierung
geht seit 2500 jahren
der terrestrischen voraus
sein ist nicht die zeit zum tode
sondern die zeit die es braucht
zu begreifen was der raum ist:
die allerwirklichste kugel
sie ist der repräsentant
des weltganzen
das wurde die entscheidende
erkenntnistat früher aufklärer
jede intelligenz ist gezwungen
ihre lage zum mittelpunkt
zu überprüfen
bloße umgebung soll kugel werden
geometrie läuft ins ethische
das runde wird der befreundete raum
die sphaira hieroglyphe des weltganzen
inlusive himmel
so werden macht und rund
ein herrschersignal
setzt man das kreuz
auf der kugel
läuft das bild
in sakramentale überhöhung
römische münzen
liefen um die welt
wurden zu globalisierungsboten
sobald die kugel stand
stand die frage nach
ihrem herrn und regenten
wahlweise waren es
siegesgöttinnen fortunen imperatoren
gerne missionare
mit christus als kosmokreator
danach gruppierten wissenschaftler
ihr besteck für wendekreise
meriane und äquator
später wird der globus
vom logos und reklame umzogen
wird spitzensymbol von macht und geist
doch auf welchem fundament
steht sie
wo wäre sie einzubetten
wer oder was soll sie tragen
oder hält das umfassende sich selbst
schwebt ohne anhalt
im äußeren im leeren
so entstanden trägerideen
und lastübernahmebereite figuren
wie atlas
von zeus bestellte olympier
wahlweise auch säulen
berggipfel
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