„Kann Sebastian bei dir bleiben? Ich rufe wieder an, wenn ich mehr weiß, vor allen Dingen, wann ich wieder zurück in Erlangen bin. Und Gerd muss wieder auf Geschäftsreise. Danke.“
Typisch Kathrin! Wenn bei ihr Not am Mann war, war es selbstverständlich, dass er, Ludwig Keller, sofort einsprang! Aber in diesem Fall war er sehr glücklich, seiner Ex-Frau helfen zu können. Sebastian war ebenfalls begeistert, als er hörte, dass er jetzt auf unbestimmte Zeit bei seinem Vater bleiben durfte. Aber natürlich tat ihm seine Oma sehr Leid.
„Am besten, wir fahren dann gleich nach Erlangen, damit du ein paar Sachen holen kannst. Deine Mutter weiß noch nicht, wie lange sie in Köln bleiben muss.“
Jetzt wurde auch Frau Dr. Zeisigs Essen gebracht. Schon wieder machte sich das Mobiltelefon von Kriminalhauptkommissar Keller bemerkbar. Diesmal war Pelzig am Apparat, der ihm mitteilte, dass sich die „Frau in Rot“ als Tatverdächtige erhärtet hatte, und zwar durch die konkrete Aussage des Anwalts aus dem dritten Stock. Er teilte Keller auch mit, was er in der Zeitarbeitsfirma erfahren hatte.
„Wir müssen unbedingt herausfinden, wer die unbekannte Frau im Treppenhaus ist. Die Mitarbeiter der Zeitarbeitsfirma konnten mit der Beschreibung nichts anfangen. Ob man mal in Krankenhäusern nachfragen kann, so wie sie laut Aussage des Anwalts aussah, muss sie schwer krank sein. Vielleicht leidet sie ja wirklich an Krebs? Das würde die Perücke erklären, Haarausfall durch Chemotherapie. Und weil die Haare sehr künstlich aussahen, hat die Frau wahrscheinlich wenig Geld. Welches weibliche Wesen würde ausgerechnet an seinem Ersatz-Haupthaar sparen? Vielleicht ist sie sogar arbeitslos. Vielleicht sogar Arbeitslosengeld II. Wie viele krebskranke Frauen gibt es, die zuvor bei einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet haben?“
„In Frage kämen Krankenhäuser in Nürnberg oder Erlangen. Aber schon mal was von ärztlicher Schweigepflicht gehört?“, meinte Kriminalhauptkommissar Keller.
„Ich kenne jemanden, eine Ärztin, in der Frauenklinik in Erlangen. Irgendwie werde ich da was rausbekommen können.“
„Caroline Zeisig hat aber gesagt, der Tod müsse bei Svenja Schilling so gegen 0:30 Uhr eingetreten sein. Wie passt das dann zusammen? Die „Frau in Rot“ hat Dr. Grabowski um 21:00 Uhr im Treppenhaus gesehen. Der Anwalt war sich bei der Zeitangabe sehr sicher. Und was ist mit der Zigarettenschachtel, die wir vor der Haustür sichergestellt haben? Vielleicht stammt ja die vom Täter.“
Robert Pelzig räusperte sich.
„Die Spur der Frau mit der roten Wolljacke müssen wir dennoch weiterverfolgen. Selbst wenn sie nicht als Täterin in Frage käme, so könnte sie uns doch wichtige Hinweise liefern, was sich am Mittwochabend in der PersonalLeasing GmbH abgespielt hat. In welcher Beziehung stand sie zu Svenja Schilling? Diese Frau ist – ob sie nun tatsächlich als Täterin in Frage komme oder nicht – wahrscheinlich die letzte Person, die Svenja Schilling noch lebend gesehen hat.“
„Hast du was herausgefunden über das Privatleben von Frau Schilling?“
„Sie war sehr beliebt bei den Kunden, weil sie immer erfolgreich vermittelt hat. Sie ist verheiratet, hat einen Sohn von zwei Jahren, den sie in die Firma mitbringen kann, wenn ihre Schwiegermutter mal keine Zeit hat, auf ihn aufzupassen. Ob sie sich mit ihrem Mann gut verstand, konnte niemand von den Mitarbeitern sagen. Sie kannten sich privat nicht so gut. Sie kam sehr gut mit der Firmeninhaberin, Frau Link, klar. Und die war heute nicht im Büro“.
„Wer hat denn den Ehemann benachrichtigt?“
„Zuerst haben die Mitarbeiter die Firmeninhaberin angerufen. Und die hat, glaube ich, dann sofort den Ehemann benachrichtigt.“
Kriminalhauptkommissar Keller sagte Pelzig noch, dass er sich um den Ehemann kümmern wolle.
„Ich rufe gleich mal im Büro an, um die Nummern von Festnetz und Handy zu erfahren. Wissen Sie, wo Frau Schilling wohnt beziehungsweise wohnte?
„In Heroldsberg, das ist zwischen Nürnberg und Erlangen. Genaue Adresse hat das Büro. Aber Moment mal, hat Ihnen nicht die Dame vom Empfang der Zeitarbeitsfirma die Telefonnummer von Jens Schilling gegeben?“
„Ja, aber die ist mir irgendwie abhandengekommen. Mit Zetteln aufheben habe ich es nicht so, das wissen Sie doch, Pelzig.“
„So was verwalte ich jetzt elektronisch.“
Aber Robert Pelzig wusste ja, was sein Chef von den modernen kommunikativen Geräten hielt. Überall klebten im Büro gelbe Notizzettel von Ludwig Keller, die er bekritzelte, wenn ihm irgendetwas Wichtiges durch den Kopf schoss. Kein Wunder, dass man sich da nicht mehr auskannte.
Sebastian war inzwischen mit seinem Burger fertig und freute sich auf das kommende Wochenende.
„Hast du noch Hausaufgaben zu machen?“
„Ja, die mache ich dann gleich, wenn wir zu Hause sind. Wir können doch morgen nach Erlangen fahren, um noch mehr Sachen von mir zu holen. Waschsachen und so sind doch alle bei dir. Und ein paar Klamotten für den Notfall sind doch auch bei dir gebunkert. Außerdem brauche ich nicht so viel zum Anziehen.“
„Gut“, sagte Kriminalhauptkommissar Keller. Es war wirklich ein Segen, dass sein Filius gegen den Markenwahn einiger seiner Schulkameraden immun war. Und zum Glück gab es in seiner Klasse genug Jungen, die so dachten wie Sebastian. Ob er die Leidenschaft für das Käferzeichnen von einem seiner Freunde abgeschaut hatte? Sein Sohn hatte Ludwig Keller auch mal berichtet, dass im Deutschunterricht über den fairen Handel diskutiert worden war. In diesem Zusammenhang hatte die Lehrerin wohl auch erwähnt, dass preisgünstigere Kleidung in denselben Sweat-Shops produziert werden würde wie die teure Markenware. Warum dann nicht gleich zu geldbeutelfreundlichen Klamotten greifen?
„Wir fahren dann mit der U-Bahn nach Hause, und ich rufe dann Herrn Schilling an.“
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