„Das weiß ich doch nicht.“, antwortete Minja frierend. „Ich habe es gestern erst entdeckt. Spannend, findest du nicht? Vielleicht gehört es ja zu den Sternschnuppen, von denen du die ganze Zeit berichtest. Auch wenn ich sie nicht sehen kann. Wer weiß, das könnte doch so eine verlorene Schnuppe sein.“, antwortete sie mit einem belustigten Schmunzeln im Gesicht. „Los lass uns heimgehen, bevor ich mich erkälte. Ich brauche dringend trockene Kleidung.“
Sie beschlossen einstimmig, das mysteriöse Fundstück mitzunehmen. Während Minja keinerlei Berührungsängste verspürte, verhielt sich Mellow sehr merkwürdig in der Nähe des blitzenden Gegenstandes. Er bestaunte ihn sorgfältig, aber es blieb ihm anrüchig.
Jedoch, in dieser Nacht träumte er seit einer langen Zeit wieder vom goldenen See. Der Unterschied war dieses Mal nur, dass er sich selbst dabei beobachtete, wie er vor Mariana kniete. Ein überdimensionales Leuchten, das jeglicher Umschreibung trotzte, ging von ihm aus. Auch Mariana sah er in ihrer gänzlichen Blüte. Noch nicht einmal seine Augen kniff er zu, wie er es sonst gewohnt war. Er vernahm ihre Stimme auf zweierlei Weisen. Einmal mit seinem knienden Körper und einmal als der Beobachter von Oben.
„Dieses Stück ist von einer Sternschnuppe abgesplittert worden. Es war für eine lange Zeit verlorengegangen. Deine Freundin Minja hat wirklich gut getippt, wenn auch aus purem Zufall. Das Fundstück wurde geschaffen zu der Zeit, als alles Seiende entstand. Es entstammt vom mächtigen Mittelpunkt des pulsierenden Universums, geschmiedet von den sterbenden grünen Riesen und abgekühlt im Meer des Jenseitigen. Es ist auf ewig mit deinem Geheimnis verbunden. Das ist dein persönlicher Glücksbringer, der dir helfen wird, deine Großmutter Aurilia zu finden.“
Doch Mariana hob ihren Zeigefinger in die Luft und beschwor Mellow, es nicht früher anzufassen, als wie er sich sicher war, dass er die Zukunft mit aller Kraft und Energie tragen wollte.
Dann drehte sie ihren Kopf nach oben, als ob sie erahnte, dass Mellow die Szene ebenso von außen betrachtete und wiederholte eindringlich ihre Ermahnung. Sein Bewusstsein verlor die Bilder am goldenen See und er schlief weiter mit einem ganz gewöhnlichen Traum.
„Mellow, wach sofort auf!“
Minja rüttelte heftig an ihrem schlafenden Freund.
„Was ist denn? Lass mich schlafen!“, nörgelte Mellow, drehte sich um und wollte weiterschlafen.
„Mellow, wenn du nicht sofort aufstehst, geschieht hier gleich ein Unglück. Bitte, wach auf.“
Mellow öffnete mühevoll seine Augen und setzte sich auf. Er erschrak noch im selben Moment. Die Umgebung war in ein durchdringendes Feuer eingehüllt, der Raum dehnte sich auseinander und zog sich wieder zusammen. Wie schon vor ein paar Tagen tauchte die Fratze auf, schwebte ruhelos umher und eine Vielzahl von Händen griff um sich. Einer dieser Hände hielt das Fundstück fest. Es verschwand in dem roten Schlund des Ungeheuers, während er Mellow mit seinen feurigen Augen anstarrte. Mellow saß mit offenem Mund da, er war gelähmt und sein Gesicht war kreidebleich.
„Minja, hast du „ES“ gesehen?“, stotterte er und schluckte, wie wenn er einen großen Stein hinunterwürgte.
„Ja klar habe ich gesehen wie unser Fundstück durch die Luft geflogen ist und sich ins Nichts auflöste.“, antwortete sie.
„Nein!“, „Ja!“, „Ich meine doch die rote Maske, die wie
eine Fratze aussieht.“
„Ein Gesicht habe ich nicht gesehen. Da musst du dich wohl
täuschen. Aber ist letztendlich doch egal. Unser Fundstück ist
auf seltsame Weise verschwunden.“
Für Mellow hatte das Unglück eine viel weitreichendere Wirkung als Minja erahnte. Wenn Mariana Recht behielt, dann war soeben der Schlüssel zu seiner Großmutter Aurilia verschwunden. Verzweifelt steckte er seinen Kopf unter die Bettdecke, bat sie mit energischem Ton zu gehen, da er alleine sein wollte. Minja trollte sich von dannen und war wütend über ihren besten Freund, der sie abermals ziemlich rücksichtslos behandelte. Sie war enttäuscht darüber, dass Mellow sie wie eine vollkommene Idiotin behandelte, wo sie doch alles für ihn tat. Frustriert verließ sie das Haus und ließ Mellow alleine zurück. Mellow wollte mit Minja keinen Streit, aber es waren doch keine Wahnvorstellungen, die um ihn herum geschahen. Mellow grübelte und verirrte sich in schierer Verzweiflung. Er beschloss, sich erst einmal zwei Brötchen mit Schokocreme zu streichen, bevor er mit BigBig zum Bachlauf ging. Es klopfte an der Türe. Mellow tat sich schwer mit dem Öffnen. Wer weiß, was ihn erwartete. Er drehte den Türknauf vorsichtig um und vor ihm stand Minja, die sofort losredete.
„Ich will dir glauben, aber es fällt mir schwer, denn ich sehe überhaupt nichts von dem, was du angeblich siehst.“
„Ja, aber bin ich deswegen im Unrecht?“
Minja legte ihren Arm um Mellow und ging zurück ins Haus.
„Ich kann dir die Schokobrötchen doch nicht alleine überlassen, oder?“, grinste sie über beide Ohren, schnappte sich gleich eines und verdrückte es genüsslich.
Mellow biss besänftigt in seinen süßen Snack und beließ es für das erste dabei. Sie begleiteten BigBig zum Bach. Mellow erwähnte die Sternschnuppen, die er am Himmel sah, überhaupt nicht.
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