Rund um die Uhr wird in Sondersendungen über London berichtet. Das öffentliche Leben steht fast still, Busse und Bahnen fahren kaum mehr. Schulen und Kindergärten sollen auch nach dem Sommerferienende geschlossen bleiben, vorerst jedenfalls. Die Situation verschärft sich von Tag zu Tag. John erfährt soeben aus den Nachrichten, dass das Militär alle Zufahrtstraßen nach London abgeriegelt hat. Niemand darf passieren. Lediglich die Einsatzkräfte dürfen noch rein und raus. Und weil viele Regierungsmitglieder sich derzeit außerhalb Londons aufhalten, werden Telefon- konferenzen abgehalten. John kommt nach unten und setzt sich zu Doreen, ihm steht der Kopf auch nicht nach Arbeiten. „Da können wir von Glück sagen, dass wir in St. Albans sitzen“, so John mit besorgter Miene.
John Bancroft passt nicht in das Bild, das man sich von den Bossen an der Börse macht. Er geht an seine Geschäfte zwar mit strategischem Geschick und Weitblick ran, aber Rück- sichtslosigkeit ist seine Eigenschaft nicht. „Menschlichkeit darf auch aus dem Börsengeschäft nicht verschwinden“, sagt er. Aber da gibt es auch andere Kollegen, solche, die für ein gutes Geschäft schon mal über Leichen gehen, selbst die eigene Mutter verkaufen würden. Trotzdem Bancroft gelingt es meist, aus seinen Leuten das Optimale rauszu- holen, aber nicht um jeden Preis.
Nach der Rede der Premierministerin bespricht er mit Miller über Skype die weitere Anlagestrategie. Zunächst einmal zeigt er sich hoch zufrieden über Millers umsichtiges Handeln. „Ich denke Fred, das war ein guter Schachzug von dir unsere Wertpapieranteile an den Londoner Immobilien sofort zu verkaufen. Du hast ja mittlerweile sicher selbst gesehen, dass die Werte gerade im freien Fall sind. Ich selber habe drauf spekuliert, dass der Euro weiter in den Keller rutscht. Aber schauen wir mal. Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt. Sei vorsichtig.“
Am gleichen Tag abends will auch die Queen Volksnähe demonstrieren, von Schottland aus. Sie meldet sich von Balmoral Castle, ihrer Sommerresidenz in einer Live-Ansprache an ihr Volk. Balmoral Castle ist nicht Teil des Crown Estate, es ist privates Eigentum der Queen. Dort hält sie sich in jedem Jahr zwischen August und Oktober für etwa zwölf Wochen auf. In diesem Jahr könnten es mehr werden. Pflichtbewusst, ganz so wie es ihre Art ist, weicht sie auch schwierigen Problemen nicht aus. Das hat sie in der Vergangenheit schon häufig bewiesen. Als vor Jahren ihr Palast halb abbrannte, Eheskandale den Ruf der königlichen Familie ruinierten, das Parlament über die königlichen Finanzen meckerte, da war die Queen zwar not amused, aber sie erschien trotz einer schweren Grippe zum Staats-bankett der Londoner City.
Mit leisen einfühlsamen Worten erinnert sie heute in einer kurzen Rede an die vielen großen Krisen, in denen ihr Volk Kraft, Vertrauen und Zusammenhalt bewiesen hat. Als Beispiel nennt sie den zweiten Weltkrieg, in dem das Land zeitweise durch das nationalsozialistische Deutschland bedroht war. Auch die terroristischen Anschläge erst vor wenigen Jahren bleiben nicht unerwähnt. Und weil sich die Briten nicht unterkriegen lassen, würden sie gemeinsam auch diese schlimme todbringende Krankheit besiegen. Das sei nur noch eine Frage der Zeit. Dessen sei sie sich ganz sicher.
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