Diese zuckten nur unwillig mit ihren Schultern und Major Levy übernahm es, Pfeiffer einzuweisen.
„Wir haben schon viel zu viel Zeit verloren, das ist hier kein Spaß! Es geht nicht darum irgendwelche tollen Experimente durchzuführen, sondern wir müssen so bald wie möglich wissen, woher dieser rätselhafte Fund stammt. Ich habe vom Verteidigungsministerium den Auftrag erhalten, eine Expertenkommission zusammenzustellen. Sie, Herr Professor, hat man uns als d i e Koryphäe der Wissenschaftler vorgestellt, die sich mit Metallen auskennen.“
Verlegen kratze sich der alte Mann am Kopf.
„Sicherlich habe ich in meiner Laufbahn so einiges erforscht. Aber nur vom bloßen Anschauen kann ich bei eurem Fund wenig ausmachen. Für die Untersuchung muss ich ja eine Materialprobe nehmen. Ist denn der Satellit oder was immer es ist, schon geöffnet worden?“ fragte er in die Runde.
„Das ist es ja gerade“, meldete sich nun einer der beiden Geheimen zu Wort, „auch der Verschluss ist uns total rätselhaft.
„Es sieht so aus wie ein überdimensionales Straußenei aus einem glänzenden Metall, bisher haben wir keine Idee, wie wir das verdammte Ding aufkriegen sollen!“
„Sag mal, Moshe“, wandte sich der Dekan an Pfeiffer, „der junge Amerikaner, wie hieß er noch gleich, Kendall oder so ähnlich, der war doch vor zwei Jahren bei unserem Symposium über Unterwasserfahrzeuge und Gerätschaften zum Abbau von Bodenschätzen aus der Tiefsee. Er ist doch Experte für diese neuen Verschlusstechniken, die auch unter Extrembedingungen 100%ig dicht bleiben. Der hat vielleicht die entscheidende Idee, wie wir das Ding aufkriegen könnten!“
„Gut, kümmern Sie sich darum, dass dieser Experte so schnell wie möglich hierher kommt. Morgen um zehn trifft die Sonderkommission zum ersten Mal zusammen.
Sie haben doch bestimmt ein passendes Besprechungszimmer, das Sie uns zur Verfügung stellen können?“
Ohne eine Antwort abzuwarten verschwanden die beiden Geheimdienstleute und der Dekan schaute Pfeiffer ratlos an.
„Was denken die sich eigentlich, wie soll ich denn von heute auf morgen diesen Kendall auftreiben?“
Am nächsten Morgen trafen sich alle in dem kleinen Konferenzsaal neben dem Dekanatsbüro.
Major Levy fummelte noch etwas an seinem Laptop herum, da das Bild das der Beamer an die Wand warf nichts anderes als flimmerndes Licht zeigte. Einer der beiden Geheimdienstleute zog den USB Stick aus dem Gerät und steckte ihn in den zweiten Schacht.
„Ah, ja, jetzt läuft das Ding endlich!“, seufzte er dankbar. Nach ein paar Klicks im Explorer erschien das erste Bild des geheimnisvollen Fundstückes auf der Leinwand.
„Ich muss Sie nochmals eindringlich auf die höchste Geheimhaltungsstufe dieser Sache hinweisen!“ blaffte der Major und schaute drohend in die Runde.
„Wo ist denn nun der Amerikaner, dieser Kendall oder wie er heißt?“ fragte er und schaute Fleisher vorwurfsvoll an.
„Er kommt morgen Nachmittag mit der Maschine aus San Francisco!“, antwortete der Dekan und zuckte bedauernd die Schultern.
„Na, ja, dann müssen wir eben ohne ihn anfangen“, meinte der Major und zeigte mit dem Laserpointer auf eine Stelle des Bildes.
„Hier verläuft eine kaum sichtbare Naht die den Satellit oder was immer es ist umläuft. Aber wie wir das Ding öffnen sollen, ist uns allen schleierhaft!“
Fleisher beruhigte ihn mit dem Hinweis, dass Kendall es bestimmt bald schaffen würde, die Kapsel zu öffnen. „Aber was machen wir dann mit dem Inhalt?“ fragte er unschlüssig in die Runde blickend.
„Was ist, wenn sich darin etwas Giftiges oder irgendwelche Explosivstoffe verbergen?“
„Sie können ja einen Sprengstoffsachverständigen zuziehen, am besten öffnen Sie die Kapsel in der Bombenentschärfungsanlage der Armee bei Haifa, die spielt doch alle Stücke!“ antwortete der Offizier.
Die weitere Diskussion offenbarte das eher geringe Interesse der Militärs an der ganzen Geschichte.
Alles was sie zu interessieren schien, war ein Hinweis auf eine Herkunft aus einem arabischen Land oder Russland. Angeblich zeigten auch die Amerikaner keine große Begeisterung, nachdem man ihnen das Fundstück angeboten hatte.
So einigte man sich alsbald darauf, der Universität die weitere Untersuchung zu überlassen.
„Wir sind aber die ersten, die das Ergebnis erhalten, und ja keine Mitteilung an die Presse. Auch nicht an Fachzeitschriften oder ähnliches!“
Mit drohendem Unterton blaffte der eine Agent den Dekan an und erklärte die Besprechung für beendet.
Professor Pfeiffer schloss sein Fach im Hausbriefkasten ab und vergewisserte sich noch mal, ob die Tür auch wirklich geschlossen war. Oft genug hatte er etwas achtlos den kleinen Schlüssel gedreht und danach festgestellt, dass das Schloss nicht eingerastet war und somit jeder an seine Post rankommen konnte.
Die bestand in den letzten Jahren aber ohnehin hauptsächlich aus Werbung.
Nur die paar Fachzeitschriften, deren Abonnements er trotz seiner Pensionierung nicht gekündigt hatte, boten mal etwas interessante Abwechslung bei seinem täglichen Gang zum Briefkasten.
Aber heute war es etwas anderes. In seiner Hand hielt er einen großen braunen Umschlag mit dem Absender seiner ehemaligen Universität.
Schneller als sonst schlurfte er in sein Arbeitszimmer und suchte leise fluchend nach dem silbernen Brieföffner. Da er diesen nicht um alles in der Welt finden konnte, riss er das Kuvert ganz gegen seine Gewohnheit einfach auf.
Es war die Expertise des Hygieneinstituts über eine Spermaprobe.
Als Fachmann für Metallurgie verstand er zwar viel von chemischen Bezeichnungen aber die auf der Expertise waren für ihn doch eher wie böhmische Dörfer.
Die vorliegende Probe ist menschlicher Samen, konnte aber trotz aller Bemühungen keiner bekannten Bevölkerungsgruppe zugeordnet werden.
Dieser Schlusssatz im Laborbericht war mehr als seltsam. Eher unheimlich.
Seit Tagen war Pfeiffer schon jeden Morgen ungeduldig wartend an seinen Briefkasten gegangen, in dem er endlich Neuigkeiten über die Untersuchung des unbekannten Flugobjekts zu finden hoffte.
Der Geheimdienst der Armee hatte damals den Fund ziemlich schnell an seine Ex- Universität abgegeben. Ihn interessierte nur ob es sich dabei um eine gegnerische Waffe oder ein Spionage Objekt handelte, das die Sicherheit des Landes berühren konnte. Mit Ufos oder gar übersinnlichen Sachen wollte man nichts zu tun haben.
So wurde an der Uni eine interdisziplinäre Forschungsgruppe gegründet und der inzwischen eingetroffene Experte aus den USA hatte sich bereit erklärt, an der Untersuchung mitzuwirken.
„Viel können wir Ihnen aber nicht bieten, Mister Kendall!“, musste der Dekan dem Amerikaner bedauernd mitteilen.
Aber der hatte sich mit dem versprochenen Badeurlaub an der Mittelmeerküste zufriedengegeben, im Wochenendhäuschen des Dekans.
„Mit Super Meerblick und einer Treppe die direkt an den feinen Sandstrand führt!
Aber erst, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist!“, meinte er leise drohend.
Kendall gelang es alsbald, die Metallkapsel zu öffnen. Darin befand sich ein weiterer Behälter mit einfachem Drehverschluss, der mit vier Bügeln zusätzlich gesichert war.
Beim Öffnen stellte man fest, dass sich darin flüssiger Stickstoff mit einer Temperatur von minus 169°C befand mit einer Phiole wie sie in der Tiermedizin zum Einfrieren von Samenflüssigkeit benutzt wird.
Als Füllmaterial, wohl um eine Beschädigung beim Absturz zu vermeiden waren um den zweiten Behälter kleine blaue Kügelchen gepackt, eine Art Styropor, aber etwas härter und schwerer.
Doch die exakte Zusammensetzung dieses Materials konnte der Professor auch nach zahllosen Untersuchungen nicht genau definieren.
Читать дальше