Die Wettbewerbe, die im Wasser und in der Luft stattfinden, wollen wir im Königreich Tonga veranstalten. Durch die moderne Technik, die wir natürlich auch begrüßen und benutzen, die auch Unterwasserkameras mit einschließt, können wir die Veranstaltungen für alle Menschen und Tiere dieser Erde gut sichtbar machen. Wer als Zuschauer persönlich dabei sein will, kann sich ein Auslegerboot mieten oder kaufen, oder selber herstellen (auch Katamarane sind geeignet, oder Kanus und Kajaks). Ausdauerhafte Schwimmer können auch zu den Austragungsorten schwimmen, die innerhalb und außerhalb der Lagunen des Königsreiches veranstaltet werden. Wir hoffen, dass das Wetter, sowohl in Namibia in der Etoscha, wie auch an den Inseln von Tonga, uns und Ihnen wohl gesonnen ist. Aber auf das Wetter haben Sie ja bisher, soweit wir wissen, auch keinen Einfluss, und das finden wir in Ordnung. Sie werden vielleicht noch fragen, was die veranstaltenden Orte in Tonga und in Namibia den Mitgliedern des tolympischen Komitees geschenkt haben, damit wir uns für sie entscheiden. Die Antwort heißt: nichts.
Wir möchten noch einige persönliche Bemerkungen von Vertretern einzelner Tierarten hinzufügen, da wir glauben, dass die Meinung von jedem zählt und nicht nur die von einer Mehrheit.
Die Vertreter der Tintenfische und Kraken sind sehr daran interessiert, die Gräuel-Legenden über ihrem Lebenswandel in der Tiefsee zu widerlegen und einfach nur zu demonstrieren, dass sie ziemlich schnell sein können.
Die fliegenden Fische legen Wert darauf, besser als Luftgleitfische bezeichnet zu werden, da sie sich nicht einbilden, dass sie es mit den Albatrossen und Seeadlern und Sturmschwalben aufnehmen könnten. Die Termiten möchten auch als Einzeltiere, und nicht nur als Massenansammlung, wahrgenommen werden.
Die Nashörner möchten speziell manchen Wunderheilern ihr Horn einmal so richtig in die Eingeweide stoßen, um zu zeigen, dass es einfach nur hart und ausgesprochen ungesund ist.
Die Zebras schließlich sind immer noch unglücklich darüber, dass aus ihrer Tarnfarbe Zebrastreifen bei den Menschen geworden sind.
Schließlich wollen wir noch darauf hinweisen, dass die meisten Mitglieder des IOC gar nicht, oder deutlich verändert, existieren würden, wenn wir Tiere ein wenig anders gelebt hätten, als wir es taten. Das werden Sie im Verlauf der Ereignisse und Wettkämpfe besser verstehen. Der Maulwurf Egmont, die Störchin Ciconia und der Pottwal Sam haben nämlich die Weltgeschichte beinahe so verändert, wie kein einzelner Mensch. Auch wenn das keiner von Ihnen glaubt.
Wir hoffen, dass durch viele persönliche Begegnungen und Gespräche bei den Tolympischen Spielen von Tonga und Namibia viele diese Vorurteile ausgeräumt werden können und freuen uns auf drei Festtage.“
Obwohl das IOC mehr als doppelt so viele Mitglieder wie das tolympische Komitee der Tiere hat, kam die Antwort des IOC-Präsidenten überraschend schnell. Er lautete:
„Sehr geehrter Herr Delfinkönig,
Sehr geehrter Herr Löwenpräsident,
Das Internationale Olympische Komitee des Planeten Erde hat Ihren Brief erhalten, ihn an die IOC-Mitglieder verteilt und auf der letzten allgemeinen Sitzung beredet und besprochen.
Obwohl wir davon nicht begeistert sind, müssen wir Ihr Recht anerkennen, eine eigene Tolympiade der Tiere zu veranstalten und die menschlichen Olympiasieger herauszufordern. Wir haben auch die Seitenhiebe auf unsere Probleme beim IOC verstanden, wollen darauf aber hier nicht weiter eingehen. Wir haben unsere Olympiasieger gefragt, und sie haben zugestimmt. Das olympische Komitee nimmt die Einladung des tolympischen Komitees der Tiere an. Wir erwarten noch genauere Angaben darüber, wie die Namen Ihrer Wettkämpferinnen und Ihrer Wettkämpfer heißen, aus welchen Tierarten (Ländern) sie stammen, und wie die ganze Veranstaltung ablaufen wird. Vielleicht können wir von Ihren Regeln auch etwas lernen und es für die natürlich weiter stattfindenden Olympischen Spiele als Anregung mit aufnehmen.
Einen Konflikt könnte es in Zukunft darüber geben, ob bei unseren Olympischen Spielen Pferde weiterhin teilnehmen dürfen, denn Pferde gehören unzweifelhaft zum Tierreich. Reiterwettbewerbe ohne Pferde sind aber kaum aufrechtzuerhalten. Die Reiter müssten dann selber über die Hindernisse springen. Dafür müssen die Hindernisse dann natürlich sehr viel niedriger aufgestellt werden, und auch die Sportkleidung der Reiter müsste man ändern.
Wir möchten noch hinzufügen, dass wir uns sehr darüber freuen würden, wenn alle IOC-Mitglieder Freikarten zu den Veranstaltungen der Tolympischen Spiele bekommen würden. Andere Geschenke möchten wir nicht annehmen.
Die Mitglieder des IOC und die übrigen Menschen der Erde würden die Antworten auf folgende Fragen interessieren:
- Welche Hymnen werden für die Sieger gespielt?
- Wer ist so mutig und hängt einem Nashorn eine Medaille um?
- Ist sichergestellt, dass Ihre Teilnehmer unsere Teilnehmer auch respektieren und keineswegs angreifen?
- Gibt es an den Meeresständen der Tonga-Atolle auch Duschen, mit denen unsere Athletinnen und Athleten das Salzwasser abduschen können?
- Gibt es in den Etoscha-Städten genug Sonnenschirme für unserer Athletinnen und Athleten oder genug belaubte Bäume für einen Schattenplatz?
Mit den allermenschlichsten Grüßen
Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees der Menschen der Erde“
2. Kapitel - Die Veranstalter
Der Palast des Delfinkönigs von Tonga lag südlich der Inseln Tongalapu und bestand natürlich nur aus Wasser. Eine Grenze des Palastes waren die Wasserfontänen, die an der zerklüfteten südlichen Korallenküste wuchtig in die Höhe schossen, wenn die Flut gegen das Land rollte. Am liebsten hielt er sich aber in seinen Sommerpalästen rings um die Inselgruppen Foa und weiter nördlich in Tafua auf, wo er stundenlang mit seiner Familie und seinen Freunden durch die blau- grün-türkisfarbenen Korallenriffe schwamm und sich am ungestörten Leben der Korallengesellschaften freute. Blaue, blaugelbe, rote, orange, schwarzblaue, grüngraue, dunkelrote, pechschwarze, weißgelbe, silbergrüne und fast goldene Fischschwärme patroulierten durch die Riffe und wichen der Delfinfamilie respektvoll aus. Seegurken und Seeigel pumpten fleißig das klare aber doch hinreichend ernährende Meereswasser durch sich hindurch und waren von der Durchreise der Königsfamilie ziemlich unbeeindruckt.
Weitere Sommerpaläste hatte der Delfinkönig auf den Cook-Inseln, dann auf einigen Inseln, die französisch Polynesien genannt wurden auch auf den Fidschi-Inseln und den Salomon-Inseln. Das gesamte Reich erstreckte sich über alle Ozeane und Meere. Über den Pazifischen Ozean war der Delphinkönig noch nie hinausgekommen aber er hatte sich berichten lassen, wie der Atlantische Ozean und der Indische Ozean aussahen. Die Pinguine hatten ihm erzählt, wie eindrucksvoll die Gletscherküsten des Antarktischen Ozeans waren, wenn sie in gewaltigen Brocken aus dem Land ins Meer hinein glitten und damit zu seinem Reich gehörten.
Eine dritte und weitere Meeresregion, die ihm mit eindrucksvollen Bildern dargestellt wurde, war die Sargassosee, wo riesige Meereswälder von Tangen und Algen hin und her wogten und einem großen Artenreichtum von Krebsen und Fischen Lebensraum boten, weitgehend ungestört von diesen großen Monstern, die die Menschen Schiffe nannten.
Über diese drei Regionen, die Korallenriffe der Meere, die Gletschermeere, mit ihren kalten Strömungen, mit reichem Tierleben, sowie über die Sargassosee, wurden Videofilme angefertigt, um sie den Menschen zur Verfügung zu stellen, damit sie etwas über die Lebensräume der Tolympioniken erfahren konnten.
Ein weiterer Teil dieses Einladungsfilms zeichnete die Wolkenbildungen über den Meeren, den Küsten und den Ländern auf, um das Reich der Lufttiere zu beschreiben. Jeweils eine Minute zeigten die Silber- und Lachmöwen ihre Flugkünste, die Kormorane an den Küsten von Namibia (die Beziehungen zum Löwenpräsidenten von Etoscha waren ausgezeichnet), wie sie ihre Tauchkünste vorführten, die Albatrosse, die tagelang und pausenlos die Ozeane überquerten und mit ihren gewaltigen Schwingen Weltmeister im Gleiten waren, sowie die Formationen von Wildgänsen auf dem Flug in ihre Winterquartiere.
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