Franziska Thiele - Milans Weg

Здесь есть возможность читать онлайн «Franziska Thiele - Milans Weg» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Milans Weg: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Milans Weg»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Nach einem Bruch in seinem Leben muss Milan neu beginnen. Die Stadt hat er nach dem Wetter gewählt, sein zu Hause zufällig. Der Versuch, die Zufälle des Lebens sich zu eigen zu machen, stellt den jungen Mann immer wieder vor neuen Herausforderungen und Entscheidungen. Zugleich komische und abstrakte Szenen bewegen ihn durch die schaukelnde Gegenwart unserer Zeit, die alle Möglichkeiten erdenken, aber nicht alle zu lässt. Die Frage, was einem von dem bisher glebete bleibt, was einem die erinnerung in einem neuen Leben bringt und was was noch wohin mitbnehmen kann, bewegt Milan, dessen einzige verbliebender Kontakt die Freundin Paulette ist, die einige hundert Kilometer weiter entfernt wohnt.

Milans Weg — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Milans Weg», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

-4-

Die ersten Wochen in der neu gewonnenen Freiheit verbrachte Milan damit, die Gegend zu erkunden und die Möglichkeit, zu tun, was und wann er es wollte, auszukosten. Milan ging meistens direkt aus dem Gelände für das betreute Wohnen heraus, da er keine Lust auf Konversation und noch weniger Lust auf Gespräche über Genesung, Wohl- oder Unwohl befinden oder psychische Störungen, hatte. Zu schwer erschienen ihm nun all die Zwangsneurosen, die Verhaltensauffälligkeiten, die Kämpfe, die in einem jeden von ihnen, die hier unter gebracht waren, innerlich zu führen hatten. Endlich spürte Milan die Leichtigkeit des freien Handelns. Natürlich musste er sich hin und wieder zeigen, einmal die Woche an ein therapeutisches Gespräch führen und auch einmal in der Woche bei einem gemeinsamen Kochen und miteinander Essen teilnehmen. Doch im Vergleich zu dem Leben in der Klinik davor, in dem er stetig überwacht, von Blutdruckmessgeräten und Krankenschwestern mit bunten Tabletten vom Menschen zum Versuchsobjekt degradiert worden war, fühlte er sich nun endlich wieder etwas menschlicher. Vormittags ging Milan meist durch die Stadt spazieren. Obwohl ihm die Erinnerung an Bremen, wo er zwischen großen Betonblöcken und unter einem in seiner Erinnerung immer grauen Himmel, dahingeschlichen ist, die Lust auf eine Stadt genommen hatte, empfand er das städtische treiben hier weniger bedrückend. Die Gebäude waren nicht ganz so erdrückend, der Himmel oft in diesen Frühlingstagen hellblau mit kleinen weißen Wölkchen, die ihn durch Muster verzierten, und die Menschen, denen er begegnete, wirkten nicht ganz so kaputt wie die in den Straßen seiner Heimat. Milan sprach mit wenigen, fühlten sich aber dennoch nicht so abgeschlossen von den Menschen wie auf Mallorca. Manchmal setzte er sich in ein kleines Straßenaffe an einen einzelnen Tisch. Kaff mit Milch hieß auch hier mittlerweile Latte Macchiato – aber er schmeckte gut. Als er das kleine Café des öfteren aufgesucht hatte, und der Kellner, den er hier immer antraf, mit den kleinen Floskeln, die sie jeden Tag wechselten begannen, fragte ihn dieser, ob er neu hier in Köln sei. Der Kellner war Anfang fünfzig, wirkte aber wesentlich jünger. Das ständige hantieren mit dem Geschirr, die Bewegung, die seine Arbeit mit sich brachte, sorgte dafür, dass der Körper kraftvoll wirkte. Milan setzte sich gerne hierher, weil er sie Frische, die dieser Mann jeden Vormittag von neuen ausstrahlte, genoss, sie mit all seinen Sinnen auf sog und an der Energie teilhaben konnte. Milan verneinte, er sei erst jetzt nach Köln gezogen. Jetzt war es soweit, dachte er, natürlich mussten die Momente kommen, in denen er sich wieder rechtfertigen musste. Um dem Gesprächsverlauf eine andere Wendung zu geben, um nicht gefragt zu werden, wo er herkomme und wohne, und was er in Köln mache, plapperte Milan, wie es nicht zu ihm passte, er es aber schon immer gut gekonnte hatte, einfach drauflos. Er erzählte, dass ihm die Stadt gut gefallen würde, dass es ein nettes Flair hier sei und man sich bestimmt wohlfühlen könne. Nach einigen Sätzen belangloses Geredes machte er nun endlich einen Punkt. Der Kellner schien ebenfalls von diesem Wortschwall dieses sonst so wortkargen Gastes überrascht worden zu sein. Er schien zu Milans Erleichterung bis auf wenigen Begrüßungssätzen nicht sehr viel von belanglosem Small Talk zu halten, erkundigte sich nach einer weiteren Bestellung und verließ dann Milans Tisch. Die nächsten Tage suchte Milan das Café nicht mehr auf. Er versuchte, wenn er Lust hatte sich etwas zu bestellen, dies immer woanders zu machen. Seine Scheu vor den Fragen der Menschen, vor der Rechtfertigung war nach wie vor geblieben, dachte er nach einige Wochen, als er nun viele der zu Fuß erreichbaren Cafés bereits besucht hatte und nun nicht mehr wusste, wohin er sich setzen sollte. Erneut sah er sich mit seiner, wie es die Psychologen immer fachlich korrekt ausgedrückt hatten, neurotischen Störung im gesellschaftlichen Umgang, konfrontiert. Immer hatte er versucht, den Psychologen zu erklären, dass es ihm nicht um die Angst vor dem Menschen im allgemeinen ginge, auch nicht die Angst vor Fremden, nein, ganz und gar nicht, es sei die Angst vor dem gesellschaftlichen System, in dem sich eben nun alle befinden und das ihm nicht zusagt, welches er so, wie es in dieser Form von allen gelebt wird, nicht seiner Einstellung, seiner Lebensweise entspricht und er sich fühlt, als wolle man ihm dieses System aufdrücken. Nie hat ein Psychologe dies so verstehen können, zu sehr steckte ein jeder von ihnen selbst in dem großen System der Gesellschaft, da allein ihr Ausbildungsweg bis hierher sie fest in die Maschen dieses Netzes eingebettet hat, und schließlich dem System Ihrer Arbeitsweise, in dem sie ihre Patienten analysieren, sie in der ständigen Analyse und der Findung einer der Störungen, wie sie im Lehrbuch aufgezeigt worden waren, unterlagen. Immer kürzer wurden die Spaziergänge und immer mehr versuchte Milan, das Gesicht von den Menschen, die er immer wieder auf der Straße sah, abzuwenden. Er spürte die umgestellte Frage „Na, junger Mann – was machen Sie den ganzen Tag?“, die von jedem dieser Menschen ausging, die ihn wie ein brennend stechender Energieschub, der nicht des ausgesprochenen Wortes bedurfte, sich langsam in ihn hinein fraß. Seine beschwingten, schlendernden Schritte wurden bei jedem Gang gradliniger, seine Schuhe hoben weniger hoch vom Boden ab, bis er schließlich so schnurstracks die Gehwege entlang ging, dass es kein Spaziergang mehr war, das Gericht direkt nach vorne oder nach unten auf den Weg gerichtet, und für diesen Gang fehlte ein Ziel. Die Spaziergänge wurden von Tag zu Tag kürzer, bis Milan eines morgens bei seinem saß und keine Motivation verspürte, seinen Spaziergang zu unternehmen.

-5-

Die erste eigne Wohnung mit dem Freund galt immer als etwas ganz besonderes – jedenfalls wurde früher, als man noch in Teenager Grüppchen zusammen stand, darüber geschwärmt, manche zählten auf, wie sie sich einrichten wollten. Schon damals musste Paulette weniger mit dem Gekicher der Mädchen mitlachen, sondern eher aus der Vorstellung heraus, wie all die Mädels mit ihrem rosa Zimmern, die mit Blümchen, oder, noch schlimmer, Sternchen beklebt worden waren, dann vor ihrem Liebsten standen, der sich weigerte, in ein solches Gemach zu ziehen. Ohnehin war sie nun bereits wesentlich älter und das Zusammenziehen war für Paulette, die in den letzten Wochen in einem schlammigen Loch abgesunken und in dem lehmigen Sand des Moores festgesteckt war und nun vielleicht gar die Lust vergangen war, sich selbst wieder heraus zu graben, eine Abwechslung, die ihre starren Glieder wieder erwärmen konnte. Paulette war dankbar über all die Arbeit, die mit der Suche und später vor allem mit dem Einrichten verbunden war. Sie hatte etwas zu tun, das ihr sinnvoll erschien, sinnvoller als alle Arbeitstätigkeiten, die sie sich gerade vorstellen konnte. Sobald die leere Wohnung bezugsfrei wurde, fuhren Simon und Paulette in den Baumarkt, um Farbe für den Anstrich und Pinsel zu besorgen. Simon hat bemerkt, dass Paulette stiller geworden war. Sie kam weniger oft mit, wenn er sich Abends mit seinen Freunden traf und wirkte manchmal tieftraurig. Die zunehmende Anhänglichkeit und Suche nach Geborgenheit gab Simon ihr zwar gerne, trotzdem unterschied sich diese Art von Zuwendung von der anfänglichen, dieser leicht scheuen und immer wieder flüchtigen am Anfang. Mehrmals fragte er sie, ob es ihr gut ginge, ob alles in Ordnung sei mit ihr? Es war genau dieses unbewusst glückliche Leben, dass Paulette an Simon fasziniert hatte. Er traf sich mit seinen Freunden, studierte, arbeitete – dass alles ohne abgehoben zu wirken, ohne sich zu sehr anzupassen. Es fiel ihm so leicht, dass Paulette seine Art bewunderte. Sie kam abends zu ihm, wenn er aus seinem vollen, doch erfüllten Tag erzählte, schmiegte sich an ihm und hörte zu. Selber reden, das wollte sie nicht. Es hätte so viele Gedanken gegeben, so viele Vorstellungen, die ihr auf ihren langen Vormittagen und Nachmittagen, die sie sinnend auf dem Stuhl in Raphas Wohnung verbracht hatte, die sie gerne erzählt hätte. Doch wirkten sie auf einmal völlig nichtig, wenn Simon von seinem Leben erzählte. Und in solchen Situationen, da musste Paulette an Milan denken. Für Milan war Paulette vielleicht eine, die direkt aus dem Leben kam, von ihrem neuen Freund und Leben in Berlin berichten konnte. Aber sie redeten meist über andere Dinge. Sie sprachen über das Sein an sich, wie es ist, das Sein in Zeit und Raum unterzubringen. Was, wenn man sich nicht wohlfühlte unter den Menschen, wie sie heute denken, was, wenn man sich dem nicht gewachsen fühlte? Es zogen die Gespräche, die in dem Park der psychischen Anstalt und am Meer geführt worden, wieder und wieder an Paulette vorbei. Vielleicht schmiegte sie sich gerade deswegen immerzu an ihren Simon, da dies die Verbindung zu ihm darstellte, da sie ihm nicht diese Gedanken vermitteln konnte, sich nicht innerlich ausstülpen. So blieb sie mit ihren Gedanken alleine im Arm ihres Liebsten. Manchmal fragte sie sich, was Milan machte, der, der genauso wenig mit seinem Leben anzufangen wusste. Doch sie versuchte sich an der Arbeit, die die Renovierung und das Einrichten der neuen Wohnung mit sich brachte, selbst aus dem Schlammloch zu ziehen, in dem sie fest hing. Sie strich die Wohnung, auch wenn Simon gerade bei der Arbeit war. Traf er sich mit Freunden, war sie noch immer beschäftigt. Es tat Paulette gut, sich körperlich zu betätigen. Sie konnte abends endlich wieder besser schlafen und aß wieder mehr. Vor allem aber sah sie die Ergebnisse ihrer Arbeit. Sie ließ sich Zeit beim Aussuchen der Einrichtung, ging durch mehrere Möbelhäuser, bis sie dann Simon das zeigte, was ihr gefiel. Nach und nach wurde die Wohnung, die aus einem Wohnzimmer, zwei kleinen Schlafzimmern, einer Küche und dem Bad bestand, bewohnbar. Noch nie hatte sich Paulette sehr viel aus einer schicken Einrichtung gemacht, noch nie wollte sie ihr Zimmer rosa streichen. Auch jetzt freute sie sich weniger über das Fertigwerden, als dass sie sich über die reinen Tätigkeiten gefreut hatte. Ihr wurde fast bange bei dem Gedanken, dass nun bald alle Arbeit getan sei und sie stellte sich vor, wie sie in der fertig eingerichteten Wohnung stand, es nichts mehr zu tun gab, und sie mit einem Stuhl den Wolken zusehend die Tage verbringen würde. Während sie beschäftigt war, konnte Paulette die erdrückende Angst, sich irgendwo unterordnen zu müssen, Geld verdienen zu müssen, verdrängen. Sie traute sich nicht mit Simon darüber zu sprechen, nicht so, wie sie es empfand – so wuchs die Angst. Wie ein Müllberg, den die Bewohner außerhalb ihres Dorfes auf dem Land aufschichten, den man nicht vom Inneren des Dorfes sehen konnte, der langsam wuchs, weil der Müll nicht verarbeitet, sondern nur angehäuft wurde. Doch eines Morgens wachten die Dorfbewohner auf und konnten nicht mehr den See, nicht mehr den Wald und nur noch ein wenig von der Spitze der Gebirge sehen, so hoch war der Müllhaufen, der das Dorf umrundete geworden. Und auch Paulette häufte ihre Ängste wie den Müll an, bei jedem Gedanken, sei es an ein Vorstellungsgespräch, an enge Büroräume, wenn sie einen Business Anzug im Schaufenster sah, wenn ihr die Stellenanzeigen entgegenschlugen, ja, manchmal schon, wenn Simon und ihre Freunde von der Arbeit erzählten, immer kam ein Klümpchen neue Angst auf den Haufen, der größer und größer wurde und allmählich die Sicht auf alles andere versperrte.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Milans Weg»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Milans Weg» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Milans Weg»

Обсуждение, отзывы о книге «Milans Weg» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x