Als Symbole der qualitativen Galaxie dienen die Welle oder der Rhythmus, um zu unterstreichen, dass es innerhalb der Qualität auch ein auf und ab gibt und diese nicht immer auf einem gleichen Level existiert. Die Leitgedanken eines qualitativen Zeitumgangs lauten:
„Alles zu seiner Zeit.“
„Wenn die Zeit reif ist.“
In der qualitativen Galaxie stehen die Eigenzeit oder die eigenen Zeiten einer Sache, Aufgabe oder eines Lebewesens, im Vordergrund. Etwas passend machen, was nicht passt, wird in den einzelnen Sternbildern nicht zu finden sein. Stattdessen bestimmen ein Denken und Handeln, die davon ausgehen, dass es unterschiedliche Zyklen, Rhythmen und Pole gibt, zwischen denen Schwankungen existieren, die überall zu finden sind. Hier ein paar Beispiele, um dieses Naturgesetz der qualitativen Galaxie zu verdeutlichen:
Tag und Nacht
Ebbe und Flut
Plus und Minus
Gesundheit und Krankheit
Leben und Tod
An- und Entspannung
Hoch und Tief
Erfolg und Misserfolg
die Jahreszeiten
Biorhythmen/Leistungskurven
Es ist ein bekanntes Phänomen, dass wir zwar unsere Atmung immer weiter beschleunigen können, dadurch allerdings immer flacher atmen (reine Brustatmung), was ab einem gewissen Punkt trotzdem zu Sauerstoffmangel und zum Umkippen führt (das sogenannte Hyperventilieren). Das Gleiche ist mit unserem Herz möglich. Es immer und immer schneller schlagen zu lassen, führt irgendwann dazu, dass trotzdem nicht mehr Blut transportiert wird. Ähnliches wird für den Computer behauptet, der häufig als Sinn- und Vorbild für Schnelligkeit und Multitasking-Fähigkeit gilt. Dabei arbeitet er, eher sequentiell versetzt als gleichzeitig und dabei so rasend schnell, so dass es uns wie parallel erscheint. Sogar Auszeiten soll sich ein Computer gönnen. Ohne die käme ein Leistungssportler in seinem Training nicht weiter. Leistungsfähigkeit und Schnelligkeit der Muskeln entstehen nicht alleine dadurch, dass ich rund um die Uhr trainiere. Stattdessen ist unter anderem das ideale Verhältnis zwischen Ruhe- und Entspannungszeiten einerseits und Belastung und Training andererseits entscheidend. Bezeichnet wird es als Superkompensation:
„
Ist die Regenerationsphase zwischen Trainingsbelastungen zu groß, geht der Trainingseffekt wieder verloren. Wird hingegen zu viel oder/und zu intensiv trainiert, hat der Körper nicht genügend Zeit zur Regeneration und das Leistungsniveau sinkt ab (Übertraining).
Ziel ist nun, durch richtige Abstimmung von Trainingsbelastungen und Regeneration die Leistungsfähigkeit zu steigern und ein Übertraining zu vermeiden.“ (Wikipedia 2009, http://de.wikipedia.org/wiki/Superkompensation)
So prägt den Zeitumgang in der qualitativen Galaxie ein Leben nach den folgenden Weisheiten, die übrigens auch in der psychologischen Galaxie gut bekannt sind :
„In der Ruhe liegt die Kraft“ (Sprichwort).
„Ich habe keine Zeit, mich zu beeilen.“ (I. Strawinsky)
„Dem Geduldigen laufen die Dinge zu, dem Eiligen laufen sie davon.“ (asiatische Weisheit, Urheber unbekannt).
„Alles wirklich Wertvolle lässt sich nicht kaufen. Es wird uns geschenkt.“ (P. Friebe)
„Man kann nur gut leben, indem man oft genug nicht macht, was man sich vornimmt.“ ( E. Canetti)
In der Zeitmanagement-Literatur finden sich in diesem Sinne Schlagwörter wie Entschleunigung, Simplify und Downsizing oder der Leitspruch „Wenn du es eilig hast, mach langsam.“ Till Eulenspiegel und der kleine Prinz können gerne als Vorbilder dienen. Ihre Zeitintelligenz wird gerne mit folgenden Beispielen beschrieben:
Till Eulenspiegel empfiehlt einem Kutscher, lieber langsam zu fahren, um schneller am Ziel zu sein. Erst nachdem die Achse durch Schlaglöcher gebrochen ist, versteht ihn auch der Kutscher.
Der kleine Prinz nach Antoine De Saint-Exupéry beantwortet die Frage, was man mit der durch durststillende Pillen eingesparten Zeit anfängt, auf seine Weise. Er würde die Zeit nutzen, um gemählich zum Brunnen zu gehen und genussvoll ein Glas Wasser zu trinken.
Wen die „ Entdeckung der Langsamkeit“ weiter interessiert, dem empfehle ich den gleichnamigen Roman von Stan Nadolny . Wer gerne mit dem Medium Film reisen möchte und weitere Anregungen zum quantitativen und qualitativen Umgang mit Zeit sucht, besorge sich „Moderne Zeiten“ von Charles Chaplin oder die Verfilmung von „Momo“ nach dem Buch von Michael Ende . Wer jetzt schon ein paar praktische Anregungen wünscht, der probiere oder trainiere folgende Verhaltensweisen im Sinne eines qualitativen Zeitumgangs:
Langsam und ohne Ablenkungen oder Unterbrechungen essen. Die Weisheit des Dalai Lama „Wenn ich Tee trinke, trinke ich Tee.“ könnte den Genuss steigern, die Verarbeitung fördern und die Menge reduzieren.
Slow Food entdecken, statt ständig auf Fast Food zu setzen. Recherchieren, wer oder was Slobbys sind.
Statt der kürzesten und schnellsten Fahrstrecke sich eine angenehme, schöne wählen und auf keinen Fall andere überholen.
Sich in die längste Schlange am Schalter oder der Kasse stellen, statt die kürzeste und schnellste zu suchen.
Zum Abschluss fasse ich die wesentlichen Punkte noch einmal zusammen:
In der qualitativen Galaxie stehen Rhythmus und Eigenzeiten im Vordergrund.
Grenzen, Schwankungen, Wellenbewegungen, Zyklen und Pole charakterisieren diese Galaxie.
Das Denken und Handeln ist geprägt vom Prinzip „Weniger ist mehr“, eine Besinnung auf das Wesentliche, die Orientierung an naturgegebenen Gesetzmäßigkeiten und Weitsicht (eher mittel- und langfristiges Denken und Handeln als kurzfristig orientiertes).
Die wesentlichen Voraussetzungen in der qualitativen Galaxie sind Langsamkeit, Ruhe und Wartezeiten, die oft eng mit einer hohen Intensität und Tiefe verbunden sind.
1.1.3 Die psychologische Galaxie der Zeit
Wie gewohnt, beginnen wir mit einer Definition, um zum ersten Mal gemeinsam in die dritte Zeitgalaxie aufzubrechen. „Psychologie ist eine empirische Wissenschaft. Sie beschreibt und erklärt das Erleben und Verhalten des Menschen, seine Entwicklung im Laufe des Lebens und alle dafür maßgeblichen inneren und äußeren Ursachen. Der Begriff stammt aus dem Griechischen, nach dem ursprünglichen Sinn von Psyche eigentlich Atemkunde oder Lebenslehre, üblicherweise jedoch mit Seelenkunde wiedergegeben, im Englischen dagegen study of the mind.“ (Wikipedia 2009, http://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie)
In Sinne dieses Buches steht das Erleben von Zeit im Rahmen der Gefühlswelt im Mittelpunkt. Wir sprechen in der Regel von Zeitwahrnehmung oder Zeitgefühl. Als begleitende Bilder der psychologischen Galaxie bieten sich der Bauch, das Herz und unser Gehirn an. Neben der biologischen Zeit (wie Naturzeiten, Körperzeiten) existiert also auch eine geistige Zeit, die stark mit unserer Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Konzentration, Bewegung und unseren Gefühlen verbunden ist.
Zeit verläuft nicht nur linear und gleichmäßig im Takt, wie es uns die Uhrzeit vormacht. Wir können Zeit auch dehnen und stauchen, so dass sie uns wie eine Ewigkeit erscheinen kann oder wie im Fluge vergangen ist. In der psychologischen Zeit-Galaxie herrscht also ein subjektives Zeitempfinden und wir haben die Möglichkeit das Tempo unseres Zeiterlebens selber zu beeinflussen und zu gestalten. Dabei spielen sowohl innere als auch äußere Faktoren eine Rolle, die wir später noch einzeln und ausführlich beleuchten. Außerdem darf der noch zu erwartende Blick auf die bewusste und unbewusste Seite unserer Gefühle und Stimmungen Ihre Neugier auf mehr wecken.
In der psychologischen Galaxie existieren manchmal sogar weder Raum noch Zeit. Zu erleben ist das bei Aufgaben, die unsere Aufmerksamkeit und Konzentration durch ihren Schwierigkeitsgrad und unser Interesse optimal fordern. Bezeichnet wird dieses Phänomen auch als Flowgefühl. Andererseits ist auch bekannt, je hektischer und schneller wir unser Leben durch eine hohe Mobilität und Flexibilität gestalten (quantitative Galaxie), umso stärker entsteht in uns ein Gefühl der Zeitnot. Außerdem haben wir das Gefühl, dass die Zeit besonders schnell vergeht, wenn viel passiert. Sobald Ruhe und dadurch Langeweile aufkommt, entsteht dagegen ein Gefühl der Ewigkeit. Unser Gehirn gewöhnt sich schnell an ständige Reize und Unruhe, wordurch wir dann ungeduldig werden oder sogar negative Gefühle in reizarmen Zeiten entwickeln. Sich länger auf eine einzige Sache zu konzentrieren, erfreut unser Gehirn bald nicht mehr. Gut, dass es Handys, E-Mails usw. gibt, denn dann haben wir ja wenigstens einen guten Grund, uns der aktuellen Situation zu entziehen, wenn es auch in einen Teufelskreis führt. In der Medizin sprechen die Menschen in diesem Zusammenhang von Hyperaktivität oder dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Sie können dann direkt zu Medikamenten greifen, um schnell wie bisher weitermachen zu können (so gehen wir mit unserer Zeit in der quantitativen Galaxie um) oder zeitaufwendiger an den Ursachen arbeiten. Eine spezielle psychologische Maßnahme ist der immer populärer werdende Weg ins Kloster, um Entspannungstechniken zu lernen oder ein Schweigeseminar zu besuchen. Hier ist nicht ausgeschlossen, dass Sie all-inclusive Ihre Sinne wieder schärfen (d.h. besser hören, riechen, schmecken können).
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