Dieses Zitat bringt auf den Punkt, was die meisten Menschen heute noch erleben, wenn wir mit Worten erklären wollen, was Zeit ist. Uns fehlen die Begriffe für eine Definition, so dass wir immer wieder auf den Begriff Zeit selbst oder Wortkonstruktionen mit ihm zurückgreifen. Darüber hinaus verschmelzen im Begriff Zeit die unterschiedlichste Aspekte, die es weiter erschweren, eine umfassende Formulierung zu finden. So wird ein Naturwissenschaftler Zeit als Messgröße definieren, ein Philosoph eher den konstruktiven Charakter des Begriffs betonen, der uns hilft die Welt zu verstehen und zu erklären und der Psychologe stärker die subjektive Wahrnehmung und das Empfinden in den Mittelpunkt seiner Erklärung stellen. Für den einen ist Zeit Geld, für den nächsten ein knappes Gut und ein dritter bezeichnet Zeit als ein Planungs- und Organisationsinstrument.
Wer im Einklang mit der Zeit leben will, braucht daher keine einheitliche oder einäugige Definition des Phänomens Zeit, sondern einen großen Weitblick und ein tiefes Bewusstsein dafür, dass wir die Zeit immer genau so sehen und erleben, wie wir über sie denken.
Sie bei der Entwicklung dieser Kompetenzen zu begleiten und Ihre Perspektive zu bereichern, ist das Ziel dieses Buches. Dazu wird zum einen eine überschaubare Strukturierung der Betrachtungsweisen von Zeit nach vier verschiedenen Galaxien vorgestellt, die Ihnen einen Gesamtüberblick gibt (Modell der Zeit). Darüber hinaus erhalten Sie die Gelegenheit Ihren Detail- und Feinblick zu schärfen, wenn wir in die Tiefe der Galaxien reisen, wo wir die jeweils bedeutsamen Sternbilder mit ihren verschiedenen Welten sowohl in theoretischer als auch praktischer Perspektive ausleuchten (in Form eines Zeitratgebers). Auf diesen Exkursen begegnen Sie wissenschaftlichen Betrachtungsweisen, den Anregungen von Fachleuten und den weiterführenden Gedanken des Autors. Auf ein ständiges Zitieren der Quellen wird verzichtet, weil sie oft an vielen verschiedenen Orten gleichzeitig entspringen. Außerdem sollen Sie im Mittelpunkt stehen und das, was Sie aus den auf Sie wirkenden Eindrücken machen. Zahlreiche Literaturtipps an den entsprechenden Reisestationen weisen Ihnen zusätzlich den Weg in die Zukunft, damit Sie sich über dieses Buch hinaus auf weitere Reisen begeben können.
Das Ende unserer Reise wird dann für Sie wieder zum Anfang:
„Zeit ist (auch) das, was wir daraus machen (Urheber unbekannt)!“
Ich wünsche Ihnen eine wertvolle Zeitreise.
1.1 Die vier Galaxien der Zeit
Wie im vorangegangenen Abschnitt angekündigt, stelle ich Ihnen zunächst als Strukturierungshilfe die vier Galaxien der Zeit, d.h. mein Modell der Zeit vor. Sie bieten den besonderen Vorteil, dass Ihnen alle wesentlichen Zeitaspekte zugeordnet werden können. Auf diese Weise wird sowohl Klarheit erreicht als auch eine bewusste Wahrnehmung erleichtert. In unserem Leben treten die Galaxien und ihre jeweiligen Sternbilder bestimmt nicht so klar voneinander getrennt auf wie hier dargestellt. Sie sind eng miteinander verbunden und überlappen sich an der einen oder anderen Stelle.
Bitte berücksichtigen Sie darüber hinaus beim Lesen dieser Einführungen immer, dass aus meiner Sicht entscheidend ist, was Sie aus Ihrer Zeit machen wollen und wie Sie mit ihr in welchen Situationen oder Lebenslagen umgehen wollen. Alle Bewertungen und Zwischentöne, die Sie in meinen Ausführungen wahrnehmen, dienen in erster Line der Erklärung und Verdeutlichung der Inhalte zu Ihrem schnelleren und eindeutigerem Verständnis. Manchmal passt sicher das Motto: Übertreibungen veranschaulichen. Mein Ziel ist dabei nicht, Sie von einer bestimmten Haltung, Einstellung oder bestimmten Verhaltensweisen zu überzeugen, sondern Sie zu inspirieren, viele verschiedene Perspektiven und Haltungen einzunehmen, darüber nachzudenken und mit Ihrem bisherigen Denken und Handeln in Beziehung zu setzen, um in Zukunft Ihre Zeit immer bewusster nach Ihren Vorstellungen zu gestalten.
In diesem Sinne beginnt nun Ihre persönliche Reise durch und mit der Zeit. Stellen Sie deshalb jetzt Ihre Rückenlehne senkrecht, klappen den Tisch vor sich hoch, schalten alle elektronischen Geräte ab und schnallen Sie sich bitte an. Vielen Dank. Es warten die folgenden vier galaktischen Reisen mit jeweiligen planetarischen Zwischenstopps in ihren Sternbildern auf Sie. Ich wünsche eine gute Zeit! 
(alle Mind Maps in diesem Buch sind mit dem MindManager der Firma Mindjet erstellt worden: www.Mindjet.com)
1.1.1 Die quantitative Galaxie der Zeit
Um die erste Galaxie mit Leben zu füllen, ist zunächst der Begriff Quantität genauer zu bestimmen. Eine für die weiteren Ausführungen passende Definition lautet: „Quantität (lat. quantitas: Größe, Menge) meint die Menge oder Anzahl von Stoffen oder Objekten oder die Häufigkeit von Vorgängen. Quantität findet Ausdruck in numerischen Werten oder der Angabe von Ausmaßen oder Verhältnissen. Bsp.: ganz Deutschland, 30 Gramm, kleiner als.“ (Wikipedia 2009, http://de.wikipedia.org/wiki/Quantit%C3%A4t)
Als Bilder passen zur qualitativen Galaxie das Lineal, der Takt oder die Uhr. Zeit lässt sich exakt mit Zahlen messen, bestimmen und abstimmen. Der Leitgedanke eines quantitativen Umgangs ist, mehr Aufgaben, Tätigkeiten oder Termine in der Zeit unterzubringen. Diese Erwartung erlebe ich immer wieder in meinen Zeitmanagement-Seminaren: Wie schaffe ich mehr in der gleichen Zeit? Dabei lautet einer der Grundsätze des Zeitmanagements, sich stärker auf die richtigen bzw. wichtigen Dinge zu konzentrieren und diesen Dingen auch noch mehr Zeit zu widmen.
Die quantitative Galaxie der Zeit ist eng mit einer immer wieder in der Wirtschaft zu beobachtenden Haltung verbunden. Wie kann ich ein quantitatives Mehr erzielen (mehr Umsatz, mehr Marktanteile, mehr Gewinn)? Genauso wie ständiges quantitatives Wachstum das Denken beherrscht, soll auch die Zeit immer besser ausgenutzt werden, um eine Entwicklung lebendig zu halten, die wie in einer Spirale oder steilen Geraden ständig ansteigt. Ein Ende oder eine Grenze darf es nicht geben, sie wird daher oft konsequent ignoriert.
Wenn wir trotzdem an Grenzen der quantitativen Zeitnutzung stoßen, können wir die nächste Rakete zünden, indem wir die Dichte der Zeit erhöhen. Das bedeutet, wenn ich nicht weiß, wie ich weiter optimieren, rationalisieren oder effizienter sein kann, mache ich einfach mehr Dinge gleichzeitig (z. B. telefonieren, E-Mail schreiben und mit den Füßen Unterlagen sortieren). Neudeutsch sprechen wir von Multitasking-Fähigkeiten oder vom Simultantismus. In diesem Zusammenhang tauchen in der Literatur Schlagwörter wie 24-Stunden-Gesellschaft, Non-Stop-Gesellschaft oder Leitsätze wie „alles zu jeder Zeit“, „überall, sofort und gleichzeitig“ auf. Mit dieser Entwicklung im Einklang steht die Einführung einer Weltzeit, damit wir endlich die Nachteile von unterschiedlichen Uhrzeiten und Tagesrhythmen in einer globalisierten Welt abschaffen können.
Einen quantitativen Zeitumgang in Reinform kennzeichnet vor allem Maß- und Grenzenlosigkeit in allen Lebenslagen. Leider ohne dass viele Menschen gleichzeitig eine qualitative Entwicklung sehen und spüren. Folgende Nachricht (Verfasser unbekannt) beschreibt aus meiner Sicht auf wunderbar anschauliche Weise, wie wir mit Zeit umgehen, wenn allein Quantität dominiert:
Eine wunderbare Nachricht :
Wir bauen höhere Gebäude und haben weniger Beherrschung.
Wir besitzen größere Freiräume und sind engstirniger.
Wir geben mehr au und haben weniger.
Wir kaufen mehr und genießen weniger.
Wir haben größere Häuser und kleinere Familien.
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