Eckhard Lange - Das Tagebuch

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Ob sich die beiden Alten nur noch hassen, die täglich am gleichen Platz sitzen ohne ein Wort zu sprechen? Und als er stirbt: Hat sie ihn umgebracht? Wäre das nicht eine gerechte Strafe? Aber da ist auch diese junge Frau: Mal umarmt sie den einen, mal den anderen Mann. Verdient nicht auch sie Strafe für diesen Betrug? Eigentlich wollte er nur beobachten, doch jetzt muß er ein Urteil sprechen, und es lautet: Tod. Doch wer wird es vollstrecken?

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31. August

Es ist bereits 13 Uhr, und die beiden sind seit mindestens einer halben Stunde überfällig. Warum kommen sie nicht? Werden sie heute ganz ausbleiben? Eine interessante Frage, eine wichtige Frage. Ich muß mich ihr stellen, muß eine Antwort finden. Ist einer der beiden erkrankt, gestürzt, verletzt, und wer von ihnen wird es sein? Sind sie vielleicht eingeladen, essen woanders, gemeinsam mit jemand anderem? Die Frage wirft neue auf, zieht ungeheure Mengen an Vermutungen nach sich. Bejahe ich sie, dann bedeutet das: Sie leben nicht allein in ihrem Gefängnis des Schweigens; es gibt noch andere Menschen – Kinder, Verwandte, vielleicht sogar Freunde. Aber dann müssten sie reden, ihr Schweigen brechen, antworten, erzählen, vielleicht sogar einander widersprechen. Ist das denkbar? Oder – ich zögere, es niederzuschreiben – hat sie das Schweigen nun umgebracht, beide? Ist der tägliche Gedankenmord zur Wirklichkeit geworden – und wer ist dann der Mörder, wer das Opfer?

Es fällt mir schwer, das eigene Essen in Ruhe zu verzehren, die Last ungelöster Fragen erdrückt mich. Jetzt weiß ich es sicher: Es wird meine Aufgabe sein, alle Rätsel zu lösen, damit ich sie niederschreiben kann. Ich bin jetzt zum Protokollanten ihres Lebens geworden. Ich bin verantwortlich dafür, ihr Schicksal festzuhalten, damit einmal darüber geurteilt werden kann. Nun weiß ich also, warum ich schreibe. Ich werde Nachforschungen anstellen müssen, Fragen klären, Geheimnisse aufdecken.

1. September

Sie sind wieder da, sitzen wie eh und je an ihrem angestammten Platz, schweigen und warten, essen und schweigen. Soll ich sie fragen, warum sie gestern ausgeblieben sind? Die Antwort interessiert mich brennend, ich gebe es zu. Aber die Frage würde mich verraten, weitere Beobachtungen unmöglich machen. Sie wären gewarnt, daß es einen gibt, der ihr Dasein niederschreibt. Sie könnten sich entziehen, und ich könnte nicht über sie schreiben.

Komme ich deshalb täglich an diesen Platz zurück? Es gibt doch auch anderes, was geschrieben werden muß. Ich könnte meine Erinnerungen notieren, wenn sie durch irgendetwas geweckt werden. Nur die beiden dort wecken keine Erinnerungen. Dabei hätte ich doch genug zu berichten. Schließlich war ich ja nicht ein Leben lang allein, habe ebenso an einem Tisch gesessen, einem anderen Menschen gegenüber. Merkwürdig, daß ich mich nicht erinnern kann, ob wir damals auch geschwiegen haben. Aber ich habe nicht auf einen Kaffeefleck geblickt und auch nicht aus dem Fenster geschaut. Ich habe sie angesehen, das weiß ich genau. Und doch ist da kein scharfes Bild mehr in meiner Erinnerung.

Warum sind es immer die unangenehmen Dinge, an die ich mich erinnere? Sie haben sich ins Gedächtnis gebrannt, lassen mich aus dem Schlaf aufschrecken, werden durch nichtige Anlässe wieder lebendig. Muß man denn immer nur an die Kränkungen zurückdenken? Es wird doch so oft gesagt, daß die Zeit alles Erinnern vergoldet, daß die Vergangenheit zum Paradies wird, aus dem wir vertrieben wurden. Aber mir wird die Erinnerung zum Stachel im Fleisch, lässt mich eher ins Vergessen flüchten. Dabei gibt es sicher so viele schöne Dinge, irgendwo tief im Gedächtnis abgespeichert. Warum kehren sie nicht zurück, warum muß ich sie mühsam suchen und zweifeln, ob sie auch einmal Wirklichkeit waren?

Habe ich mich deshalb entschlossen zu schreiben, weil ich das Schöne dokumentieren will, um es nicht zu vergessen? Damit es schwarz auf weiß zu lesen ist, unabänderlich festgehalten, mit akribischem Geist niedergeschrieben. Nur erlebe ich solche Stunden plötzlich nicht mehr, bleibt das Schöne mir fern, gibt es nichts zu notieren.

Verändert Schreiben Wirklichkeit? Entflieht alles Zarte, Wunderbare, Angenehme, sobald ich es in Worte fassen will? Schreiben ist ein nüchternes Geschäft, erfordert genaue Beschreibung, exakte Formulierung – da hat das Zauberische nichts verloren. Nein, da geht es verloren. Ist es nicht so? Das Zauberische braucht Farben, Töne, Melodien, keine groben Worte. Die Buchstaben sind stets die gleichen, ob sie nun das Grauen oder das Wunder beschreiben sollen, das Sterben oder die Liebe. Wie sollen sie da dem Unbeschreiblichen zu Diensten sein? Schon die Worte verraten es: Was man in tausend Farbtönen malen, mit den zarten Schwingungen einer Saite zum Klingen bringen kann, ist unbeschreiblich – unschreibbar, entzieht sich dem Wort.

4. September

Heute haben die beiden Rouladen gegessen, Kohlrouladen, genauer gesagt, mit Salzkartoffeln. Ich habe es längst bemerkt: Stets essen beide das gleiche, obwohl es doch drei Gerichte zur Auswahl gibt. Ist es Gewohnheit? Oder hat eins von beiden das Vorrecht der Auswahl, und der andere muß gehorchen? Ich hätte es gern gewusst. Ich hätte überhaupt so vieles gewusst, seit sich meine Aufmerksamkeit auf die beiden fokussiert. Warum eigentlich? Es ist mir einfach so zugefallen, weil die beiden stets am gleichen Tisch sitzen. Doch tue ich das nicht auch? Gewohnheiten lassen sich so schwer ändern, weil man sie selber überhaupt nicht als Angewohnheit erkennt.

Ich gebe es zu: Auch ich suche mir einen Platz in einem engen Radius. Er umfasst etwa vier Tische, kleine Tische. Einer von ihnen ist meistens unbesetzt. Wenn ich ihn wähle – manchmal unter zwei oder auch drei leeren Tischen – wie setze ich mich, wohin blicke ich, wem möchte ich gerne den Rücken zukehren? Alles Entscheidungen, die ich Tag für Tag treffe, und doch entziehen sie sich meinem Willen. Es reizt mich, Beobachtungen anzustellen. Aber ich benötige dafür ausreichend Abstand. Habe ich Angst, es würde sonst auffallen? Mich würde es jedenfalls stören, angestarrt zu werden. Nein, niemand würde hier einen anderen anstarren. Aber da gibt es diese heimlichen Blicke, diese wachsamen Augen, die sich verstohlen auf dich richten, die dich zwingen, aufrecht zu sitzen, nicht mit der Gabel zu zittern, damit sie nichts von dem verliert, was sie gerade deinem Mund zuführt. Und dann zittert deine Hand, unausweichlich zittert sie, allein wegen der Möglichkeit, jemand könnte sie beobachten, ihren Weg vom Teller bis zu den Lippen verfolgen. Nein, es ist nicht Morbus Parkinson, es ist nackte, aber unbewußte Angst vor dem anderen, der herüberschaut. Niemand könnte sagen, ob es ein rein zufälliger Blick ist, ob der andere an dir vorbei schaut, oder ob er dich im Visier hat, dein Verhalten registriert, seine Beobachtungen speichert, um sie gegen dich zu verwenden.

Niemand weiß das, aber ich, ich weiß es. Weil es mein eigener Blick ist, der eben dies versucht. Ich frage mich: Spüren die beiden Alten, daß ich über sie Buch führe? Noch nie haben sie aufgeblickt, hierher geblickt. Mag sein, es würde sie auch nicht interessieren, weil sie nichts mehr interessiert. Aber vielleicht registrieren sie dennoch meine Aufmerksamkeit. Auch ohne Blick. Mit einem anderen Sinn. Das würde meine Beobachtungen verfälschen. Nur wer nicht weiß, daß fremde Blicke auf ihm ruhen, gibt sich so, wie man es sich wünscht. Ich muß also vorsichtig sein, sehr vorsichtig.

Jetzt stehen sie auf und gehen. Ich habe mich entschlossen, ihnen zu folgen – unauffällig und in gebührendem Abstand, wie das ein heimlicher Beobachter tun soll. Sie sind zu Fuß gekommen, so kann ich ruhigen Schrittes hinterher gehen, wie sie dort die Straße entlang schlurfen. Darf man das sagen? Ist das ein korrekter Ausdruck, oder ist er diskriminierend? Aber sie heben beide die Fußsohlen nur ganz geringfügig über das Pflaster. Es ist einfach so.

Sie gehen, ohne sich zu berühren, Seite an Seite. Nein, das ist falsch. Er ist ihr stets einen halben Schritt voraus. Man sieht es deutlich, wenn man sie exakt im rechten Winkel, von der Gangrichtung her gesehen, beobachtet. Es gibt doch Paare, alte, grauhaarige Paare, die einander beim Gehen an den Händen halten. Vielleicht ist es nur Gewohnheit, vielleicht aber auch jahrelang eingeübte Zuneigung. Doch die Finger meiner beiden Probanden verschränken sich nicht, sie zucken eher zurück, wenn sie einander zufällig berühren. Auch ihre Hände sind schweigsam geworden, haben einander nichts mehr zu sagen.

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