Dieses körperweite Netzwerk erhält die strukturelle Unversehrtheit. Das heißt, es sorgt dafür, dass die Teile des Körpers zu einem Ganzen zusammengefügt sind und bleiben. Es unterstützt den Körper, schützt ihn und wirkt wie ein elastischer Stoßdämpfer bei Bewegungen. Faszien spielen eine wesentliche Rolle bei hämodynamischen (beschreibt den Blutfluss in den Blutgefäßen) und biochemischen Prozessen und bilden eine Matrix für die intrazelluläre Kommunikation.
Sie haben eine entscheidende Funktion bei der Abwehr des Körpers gegenüber Krankheitserregern und Infektionen. Nach Verletzungen bilden Faszien die Grundlage für den Heilungsprozess des betroffenen Gewebes.
Die Gewichtigkeit der Faszien bzw. der myofasziellen Muskelketten für die Stabilität des Körpers möchte ich anhand der oberflächlichen hinteren Verbundkette, der oberflächlichen vorderen Verbundkette und der spiralen Verbundkette auf den folgenden Seiten erklären.
Myofasziale Muskelketten
Diese Ketten sind ein Zusammenschluss der Muskeln, Faszien und der Gelenke. Der menschliche Körper wird von unzählig vielen myofaszialen Leitbahnen und Muskelketten durchzogen. Sie sorgen unter anderem für die in der Abbildung 7 dargestellte Verkettung.

Abbildung 7 Bewegungsqualität 10
Schmerzqualität ist in Bezug auf die Ursprungswahrnehmung, funktionelle Bewegungen inklusive der Rumpfkontrolle, die Fähigkeit, korrekt vorgegebene Positionen einzunehmen, die Grundlage für die Reflexkontraktionen der Muskulatur (der Wahrnehmung, der automatischen Verarbeitung und der Weiterleitung).
Die Faszien und deren Tiefenwirkung spielen in der Medizin eher eine untergeordnete Rolle. Meist wird am Bewegungsapparat die Topografie einzelner Muskeln bildhaft dargestellt, Ursprung und Ansatz sowie deren Hauptfunktionen aus- bzw. abgebildet. Das funktionelle Zusammenspiel der Argonisten mit Synergisten und Antagonisten, die Art der faszialen Verbindungen zu Nachbarstrukturen oder die Bedeutung der Muskeln für die Gesamtstatik des Körpers und der Körperhaltung, bleibt zu oft im Hintergrund. Mit zunehmendem Erwerb praktischer Fähigkeiten sollten einige diagnostisch-therapeutische und soziologische Empathie-Fähigkeiten für den Mensch und dessen Bewegungssystem vertieft und erarbeitet werden. Man sollte sich eine erweiterte Betrachtungsweise von Funktion und Funktionsstörungen erarbeiten und sich näher mit integrativen Ansätzen auseinandersetzen. Betrachtet man die Funktion einzelner Muskeln nur isoliert und abgekoppelt von seinen Umgebungsstrukturen/-funktionen und deren Vernetzung, fällt das Verständnis zu komplexen Alltagsmotoriken des Menschen schwer. Und somit wird und kann das WARUM nie in den Mittelpunkt gestellt werden. Es ist enorm wichtig, dass jeder Mensch das WARUM über seinen Körper, seine Funktionen und dessen Wirkungsweise verstehen lernt. Jeder Mensch lebt nur dieses eine Leben jetzt und hier bewusst. Dieses sollte doch so angenehm wie möglich gestaltet und gelebt werden.
Die oberflächliche hintere myofasziale Verbundkette:
- diese verbindet den Oberkörper mit dem Unterkörper
- sie überträgt Bewegungen von der kleinen Zehe bis hoch zur Augenbraue
- sie verteilt den Druck der Zug- und Druckkräfte, welcher durch die Muskulatur auf den Knochen ausgeübt wird
- alle Muskeln entlang der oberflächlichen hinteren myofaszialen Verbundkette helfen uns bei der aufrechten Haltung

Abbildung 8 Ober- und Unterkörper 11
Die spiralförmig verlaufende oberflächliche myofasziale Verbundkette:
- diese verbindet spiralförmig den Oberkörper mit dem Unterkörper
- diese überträgt und absorbiert Spannungen, welche diagonal auftreten
- alle Bewegungen, welche seitlich oder verdreht auftreten, werden maßgeblich durch diese Verbundkette gesteuert.

Abbildung 9 Bewegung 12
Die frontal verlaufende, oberflächliche myofasziale Verbundkette:
- sie verbindet frontal den Oberkörper mit dem Unterkörper
- sie ist der Gegenspieler zu der hinteren oberflächlichen myofaszialen Verbundkette und hält den Körper im Druck- und Spannungsgleichgewicht, ebenso wie die anderen zwei Verbundketten in einer ständigen Wechselwirkung sich im Gleichgewicht halten, solange man sich nicht monoton oder fehlerhaft bewegt

Abbildung 10 oberflächliche, myofasziale Verbundkette 13

Abbildung 11 Tensegrity-Modell 14
Ein Tensegrity-Modell, für den sinnbildlichen Vergleich der Spannungsvernetzung von Muskeln und Sehnen und vor allem Faszien rund um die Wirbelsäule. Die Zugspannung macht solche Systeme sowohl stabil als auch dynamisch, um ein verletzungsfreies Bewegen ermöglichen zu können. So müssen Sie sich die Verstrebungen Ihrer zellulären Strukturen vorstellen.
Die Wirbelsäule muss sowohl Druck- wie auch Zugkräfte ausgleichen. Wirbelkörper und Bandscheiben sind verantwortlich, Druckkräfte zu absorbieren. Für die Zugkräfte sind die Quer- und Dornfortsätze der Wirbelkörper als Ankerpunkte, für Muskeln, Sehnen und Faszien zuständig. Aus diesem Grund ist eine quer verlaufende Verstrebung entgegen der geraden Verstrebung notwendig.

Abbildung 12 Segelmast-Prinzip 15
Das Segelmast-Prinzip der Wirbelsäule, medizinisch betrachtet:
Im Rücken sind Muskeln, Sehnen, Bänder und Faszien gespannt. Denn nicht nur durch die Muskeln, sondern auch und vor allem durch die Faszien, wird die Wirbelsäule aufrecht gehalten. In der Mitte verläuft der längste Rückenmuskel. Alle anderen Strukturen sind quer verlaufende und weitere Haltemuskeln, die den Druck und den Zug von der Wirbelsäule dämpfen.
Die Schmerzen und deren Ursache dürfen nicht isoliert betrachtet werden. Der ganze Körper arbeitet in sich geschlossen. Die Arbeit des Körpers kann vereinfacht in Kreisläufen betrachtet werden. Jeder Kreislauf beeinflusst dabei den anderen. Egal ob Wasserkreislauf, Blutkreislauf, Nervenkreislauf, Nahrungskreislauf, Entgiftungskreislauf, Bewegungskreislauf oder Alterungskreislauf.
Was heißt denn richtig bewegen?
Warum werde ich im Fitnessstudio auf Geräte geklemmt?
Warum werden meine Beine, Bauch oder Brustkorb fixiert?
Wie kann ich so jeden Muskeln trainieren?
Merke:
Muskelnerzeugen Bewegungen, Gelenke ermöglichen Bewegungen, Faszien leiten diese von Gewebe zu Gewebe weiter und das Gehirn steuert und koordiniert alle Bewegungen.
Alle Kreisläufe finden sich in einer jeden Zelle unseres Körpers. Diese bedürfen, um störungsfrei zu arbeiten, einer stetigen Reizgebung um das biochemische Gleichgewicht (Homöostase) im Körper aufrecht zu erhalten bzw. dieses zu durchbrechen, um den Körper an neue Lebensumstände/-anforderungen anzupassen.
Читать дальше