»Endgültig«? fragte er.
»Ja, wir haben alle Daten. Ra sagt, du fliegst morgen zurück.«
»Das wusste ich nicht, aber ich freue mich.« Als sie wieder zurück waren, bat er Senis, sie sollte Zitrin zu ihnen bitten. »Halt, das kann ich auch selber machen.« Sich auf Zitrin zu konzentrieren war nicht schwer. »Zitrin, würdest du bitte kommen? Zitrin, ich weiß, dass du mich gehört hast.«
»Kristian?«
»Endlich, kommst du?«
»Ich komme.« Es dauerte wirklich nicht lange, seine Bitte hatte ihr Flügel verliehen. »Kristian, ich wäre fast gestorben vor Schreck.«
»So schlimm wird es wohl nicht gewesen sein, ich werde morgen zurückgebracht.«
»So schnell?«
»Dann bist du mich endlich los.«
»Wie kommst du darauf, dass ich das will?«
»Wirst du uns begleiten?«
»Das muss Ra bestimmen.«
»Kümmerst du dich darum?«
»Wenn du das möchtest?« Das Türsignal meldete einen Besucher vor der Tür. Senis machte sie auf. Es war Ra. »Ich sehe ihr macht Pläne für morgen?«
»Ja, darf Zitrin uns begleiten?«
»Es spricht nichts dagegen. Mein Sohn und ich werden auch mitkommen. Meine Wissenschaftler haben mir berichtet, dass der Test erfolgreich verlaufen ist. Ohne dein Missgeschick wären wir noch nicht so weit.«
»Heißt das, ihr werdet den Versuch an einen deiner Leute wiederholen?«
»Ja, das haben wir vor.«
»Wäre es nicht sinnvoll, wenn ihr es mit Zitrin oder Senis machen würdet? Wir könnten miteinander in Verbindung bleiben.«
»Daran habe ich auch schon gedacht«, sagte Ra und schaute dabei auf Senis. »Aber erst, wenn wir zurück sind. Für morgen werde ich alles vorbereiten lassen.« Dann ging er. Zitrin hatte es dann auch eilig. Er suchte seine Sachen zusammen und legte sie auf den Tisch. Abends nahm er Verbindung mit Lena auf und sagte ihr den ungefähren Ankunftstermin. Am anderen Morgen herrschte Aufbruchsstimmung. Nach dem Frühstück wurden sie zum Raumschiff gebracht. Dort empfing sie Ramos.
»Ich habe gehört, welch wichtigen Beitrag du unserer Wissenschaft geleistet hast«, sagte er.
»Wenn Ra uns begleitet, dann muss es wichtig sein.«
»Haben wir unser altes Zimmer wieder«? fragte Kristian.
»Wenn du es möchtest?«
»Ramos wir danken dir.« Er nahm Senis Hand und sie waren bald in ihrem Zimmer. Senis wirkte bedrückt. »Senis, ich werde dich auch vermissen, wir werden uns aber immer erreichen können. Vielleicht komme ich ja mal wieder. Seit unserer ersten Begegnung hat sich viel in deinem Leben verändert. Natürlich auch in meinem. Ohne deine Hartnäckigkeit könnte ich nicht schwimmen wie ein Fisch.« Ein Lächeln verzauberte ihr Gesicht. Zum Mittagessen waren sie bei Ra eingeladen. Dort traf er auch dessen Sohn Rod.
»Kristian, ich will dein Volk kennenlernen.«
»Hoffentlich bist du nicht enttäuscht«, sagte er.
»Hast du überlegt, wie unser Treffen ablaufen soll«? fragte Ra. »Unser Ziel ist eine Tribüne in einem Stadion, davor die Kameras aus aller Welt, um uns die Zuschauer. Wirst du zu ihnen ein paar Worte sagen?« Ra nickte.
»Wird Rod mitkommen?«
»Ja sicher komme ich mit«, sagte Rod. »Zitrin und Senis werden meinem Volk klar machen, dass sie sich nicht, oder nur wenig, von uns unterscheiden. Dann erzähle ich etwas, dann könnte ein Film über dein Volk gezeigt werden, dann über den Bau der Pyramiden. Aber nicht zu viel, sie müssen ja nicht alles auf einmal sehen. Möchtet ihr dann mit zu mir kommen«? fragte er. »Ja, das würden wir gerne«, sagte Ra. »Ra, wie groß kann ich den Bildschirm mit meinem Wiedergabegerät werden lassen, damit alle etwas sehen?« »Nicht so groß, wie du es möchtest, wir werden vom Schiff aus die Übertragung machen.«
Als sie wieder in ihrem Zimmer waren, versuchte er, zu Jessika eine Verbindung aufzubauen. »Senis, ich habe nichts dagegen, wenn du mithörst.« Es war dunkel, anscheinend schlief Jessika noch. »Hallo Jessika, ich bin es.« Er fühlte, dass sie sich nicht sicher war, ob sie träumte. »Jessika, es ist kein Traum. Ich bin es wirklich.«
»Kristian, es ist Nacht.«
»Entschuldige, ich wollte dir nur sagen, dass wir in zwei Tagen ankommen. Nach dem Treffen im Stadion werde ich mit vier Freunden zu dir kommen. Sorge für ein kaltes Büfett und sage Lena Bescheid. Und jetzt kannst du weiterschlafen.«
Er musste an die erste Begegnung der Alien mit den Menschen denken. Keiner war darauf vorbereitet gewesen. Jetzt zumindest wussten sie, dass sie kamen. Die Regierungen der Welt haben sich nie mit einer Erstbegegnung von Außerirdischen auseinandergesetzt. Da bis dahin sowieso keiner daran geglaubt hatte, meinte man, es wäre früh genug, wenn das Ereignis stattgefunden hatte. Die Science-Fiktionsfilme haben die Meinungen der Menschen geprägt. Mal sind es Monster, die den Körper eines Menschen besetzen oder dauerhaft übernehmen. Oder es sind blutrünstige Monster. Auf die Idee, dass sie ihnen ähnlich sein könnten, kamen die Wenigsten. Der erste Kontakt mit Cyro seinem Freund und seinem Raumgleiter, war ein Ereignis gewesen. Die Massen waren aber nicht geschockt oder in Panik geraten, wie einige Regierungen es immer vorgeschoben hatten. Kein Politiker hatte sich dafür interessiert. Eigentlich hatte nur die Presse davon profitiert. Es wurde zur Kenntnis genommen, dass die USA schon lange ihr Wissen mit den Alien ausgetauscht hatten. Er rechnete auch jetzt nicht mit dem Interesse der Politik und fieberte ihrer Ankunft entgegen. Die Zeit schien viel langsamer zu vergehen.
Dann endlich waren sie am Ziel. Die Zeit, als sie die Erde erblickten und sich dann ihr näherten, verging schnell. Es war noch früher Morgen. Ihr Schiff stand hoch über dem Stadion. So hoch, dass keiner auf die Idee kam, hochzuschauen. Ganz unbemerkt waren sie jedoch nicht geblieben. Zwei Flugzeuge der Bundeswehr umkreisten sie und machten bestimmt ihre Fotos. Sie waren jetzt mit Ra in der Zentrale. Auf einem Bildschirm lief das Programm eines Fernsehsenders. Die Kamera des Fernsehsenders schwenkte quer durch das Stadion und man sah, wie die ersten Besucher eintrafen. Dann war der Kameramann auf sie aufmerksam geworden. Sie sahen das Raumschiff auf dem Bildschirm und wie die Menschen mit ihren Fingern auf sie deuteten. Kristian hatte keinen Vergleich, und ihm war nicht bewusst gewesen, dass das Schiff so groß war. Die Kamera des Raumschiffs zeigte Bilder aus der Vogelperspektive. Sie sahen die Tribüne, davor unzählige Kamerateams. Die Tribüne selbst war noch leer. Sie standen jetzt annähernd tausend Meter über dem Stadion. Der Zustrom der Menschen nahm zu, als man sie gesichtet hatte. Nach einer Stunde senkte sich das Schiff auf ca. fünfhundert Meter und sie verfolgten gespannt das Treiben unter ihnen mit ihren Kameras. Es wurde heller, die Ränge hatten sich gefüllt. »Lena bist du da«? meldete Kristian sich bei ihr über ihre Direktverbindung. »Kristian wir sind bereit. Du wirst dich wundern, ein Minister hat sich angekündigt.«
»Was für ein Minister?«
»Ich glaube der Entwicklungsminister, ein Herr Faundt.«
»Sage, wann es losgehen kann.«
»Warte noch einen Augenblick, einige Kamerateams sind noch vom Flughafen auf dem Weg zu uns.« Die Raumschiffkamera schwenkte von Lena auf Jessika und Jeanette. Sie saßen auf Stühlen hinter dem Mikrofon. »Es sind noch ein paar Fernsehteams unterwegs«, entschuldigte er die Verzögerung. Eine halbe Stunde später meldete Lena, dass alle bereit waren. Sie hatten alle ihre Festgewänder an. Plötzlich wurden sie unsichtbar und standen auf der Tribüne. Jessika kam auf ihn losgestürzt und sie küssten sich. Lena kam hinzu und er stellte einander vor. Kristian deutete auf das Mikrofon, Lena nickte.
»Ich grüße alle Zuschauer in nah und fern«, sagte er.
»Dieses ist ein historischer Augenblick. Ein uns, der Erde aber nicht fremdes Volk, hat Verbindung mit uns aufgenommen. Ich sagte der Erde nicht unbekannt, weil sie schon seit Tausenden von Jahren in die Entwicklung der Erde eingegriffen haben. Als bestes Beispiel möchte ich den Bau der Pyramiden nennen, und Atlantis ist allen ein Begriff. Bisher hatten wir keine Erklärung dafür, wie Menschen ohne technische Hilfsmittel in der Lage waren, tonnenschwere Steine zu bewegen. Hierzu komme ich noch zu sprechen. Erst möchte ich meine Begleitung vorstellen. Das ist Ra, einer der Herrscher über ein Reich, das mehrere Planeten umfasst. Dieses ist Rod sein Sohn. Diese beiden Frauen sind Zitrin und Senis. Sie sehen aus wie wir mit einem kleinen Unterschied. Ihre Verständigung findet nicht mehr durch gesprochene Worte statt, sondern durch Gedankenübertragung. Es ist also eine lautlose Verständigung. Ra und sein Sohn entstammen einem uralten Volk. Ich gebe zu, sie sehen ein wenig anders aus. Der Grund ist, dass sie mit ihrer Energie haushalten müssen. Es ist also ein Schutz, wenn sie ihre Körper nicht komplett zeigen, wozu sie durchaus in der Lage sind. Ich verspreche, es sind Menschen wie wir. Ich möchte noch Lena die Reporterin vorstellen, die hier für den Ablauf verantwortlich ist. Das sind meine Freundin Jessika und dessen Freundin Jeanette. Wir vier bilden zusammen ein Team, von dem sie sicher schon gehört haben.« Jessika hatte ihn angestupst und auf eine Person aufmerksam gemacht, die in der hinteren Reihe der Kameras stand und mit erhobener Hand auf sich aufmerksam machte. Ein Polizist bemerkte Kristians Interesse und meinte, den Störenfried entfernen zu müssen. Er bahnte sich seinen Weg um die Kameras herum.
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