Zu Ihren Überlegungen kann die Frage gehören, in welches Krankenhaus Sie denn am besten gehen. Falls Sie selber aktiv werden wollen, gebe ich dazu Hinweise in Kapitel vier. Wir werden besprechen, welche Informationen man im Internet oder von Bekannten erhalten kann, und wie vorsichtig man sie werten sollte. Aber falls Sie dieses Buch erst geschenkt bekommen haben sollten, nachdem Sie schon stationär aufgenommen wurden, werden Sie den ganzen ersten Teil erst einmal übergehen.
Nicht aktuell würden für Sie dann auch alle Erläuterungen über die Vorbereitung für eine Klinikaufnahme und damit das fünfte Kapitel sein. Aber in dieses Buch gehören nun mal auch Ratschläge darüber, was man in die Klinik mitnehmen muss, was nicht, und was man sonst noch bedenken sollte. Das sechste Kapitel enthält dann einige notwendige Informationen rund um die Krankenhausaufnahme.
Interessant dürfte dann die Beschreibung der Krankenstation und des Tagesablaufs in Kapitel für Sie sein. Manche Routinen, Techniken, Zusammenhänge haben Sie vielleicht schon kennengelernt. Aber meine Erklärung von Hintergründen mag noch einige „Aha-Effekte“ bieten. Und vielleicht interessieren Sie meine Ausführungen über schlechten Schlaf und mögliche Gegenmaßnahmen.
Im achten bis zehnten Kapitel befassen wir uns dann mit den wichtigsten Gruppen der Krankenhausmitarbeiter, mit denen Sie es zu tun haben. Der Einfachheit und Übersichtlichkeit halber werde ich – wie übrigens im ganzen Buch – nicht immer weibliches und männliches Geschlecht gesondert ansprechen. Keiner weiß besser als ich, dass es außer Ärzten auch Ärztinnen und außer Schwestern auch Krankenpfleger gibt. Selbstverständliches muss man nicht ständig wiederholen. Wir werden auf die Problematik der Patientenaufklärung stoßen und uns über Verantwortung und Vertrauen Gedanken machen.
Das 11. Kapitel wird sich mit Untersuchungsmethoden befassen. Da ihre Zahl riesig ist und die meisten sich jeweils auf wenige Krankheiten beziehen, werde ich mich auf diejenigen Verfahren beschränken, die in irgendeiner Form bei fast jedem Patienten zur Anwendung kommen. Am Schluss werde ich einiges Überlegenswertes zur Differenzialdiagnose sagen. Im Kapitel 12 werden wir Maßnahmen der Anästhesie und Operationsvorbereitung erörtern, die Sie als Patient erleben oder über die Sie sich wundern werden, in einer Umgebung, die man als Laie sonst nicht zu sehen bekommt.
Kapitel 13 befasst sich dann mit einigen nichtoperativen Maßnahmen bei Schwerkranken, vornehmlich in der Intensivstation, sowie mit den Stunden und Tagen nach schwerer Erkrankung, also mit dem Aufwachraum oder der Intermediate Care. Ich werde aber auch eingehen auf grundsätzliche Probleme wie Schmerzempfinden, Krankheitsgefühl und Behinderung.
Für die Zeit nach der Entlassung diskutiere ich in Kapitel 14 noch einige grundsätzliche Erfahrungen mit Nacherholung und Rehabilitation, Kräftezustand und Lebensqualität. Es geht also zum Teil um Probleme, mit denen Sie sich zweckmäßig schon vor dem Ende Ihres Krankenhausaufenthalts befassen, wenn Sie nämlich noch Gelegenheit haben, Ihre dortigen Betreuer gezielt um Rat zu fragen.
Letztlich war ich bemüht, bis zum Ende des Buches ziemlich viele der Fragen, die einem in den Tagen im Krankenhaus durch den Kopf gehen, einigermaßen verständlich zu behandeln. Vielleicht wird die Lektüre gleichzeitig interessant und unterhaltsam. Und hoffentlich haben Sie dann nach der Entlassung den Eindruck, dass Sie mit diesen Informationen diese schwierige Zeit souveräner, kompetenter, vielleicht einfach besser als erwartet gemeistert haben.
2. Notfall oder nicht?
2.1 Oft ist Blaulicht nötig
Die Zahl der Menschen, die als Notfall ins Krankenhaus gebracht werden – nicht selten sogar mit Blaulicht – hat mit den Jahren stetig zugenommen, heute sind es etwa 37% aller stationär aufgenommenen Kranken. Zwar sind schwere Verkehrs- und Arbeitsunfälle dank strenger Unfallverhütungsmaßnahmen seltener geworden, aber andererseits kann man heute manche Erkrankung sehr viel wirksamer behandeln, wenn man nur schnell genug beginnt. Da kann tatsächlich jede Viertelstunde zählen.
Wenn also bei einem Menschen zum Beispiel plötzlich Lähmungen und/oder Orientierungsstörungen einen Schlaganfall vermuten lassen, sind vermutlich einige Hirnareale ausgefallen, weil die Durchblutung gestört worden ist. Nicht nur das direkt betroffene Hirngewebe droht abzusterben, rasch breiten sich Folgeschäden auch auf umgebende Bereiche aus. Deren Vermeidung ist ein Wettlauf mit der Zeit, und der ist nur im Krankenhaus zu gewinnen, und zwar am besten dort, wo man eine „Stroke Unit“ eingerichtet hat. Das ist eine Intensiveinheit für genau diese eine, leider nicht sehr seltene Erkrankung. Der kostspielige Einsatz lohnt sich, weil man schwere Schicksale wie ein Leben im Rollstuhl oder gar völlige Pflegebedürftigkeit vermeiden oder mildern kann. Und das betrifft keineswegs nur Hochbetagte, sondern Menschen „in den besten Jahren“.
In ständiger Bereitschaft stehen insbesondere Geräte zur Untersuchung der Blutgefäße des Gehirns. Nur wenn man zeigen kann, dass tatsächlich ein Gehirngefäß verstopft ist, darf man versuchen, das schuldige Blutgerinnsel gezielt aufzulösen. Wenn das gelingt und die Schäden noch nicht zu groß waren, kann der Patient nach erstaunlich wenigen Tagen wieder nach Hause entlassen werden. Eine derartige Einschränkung der Blutgerinnung wäre aber das Schlechteste, was man machen kann, wenn es sich nicht um ein Gerinnsel, sondern um eine Blutung im Gehirn handelt. Die Blutung, die auch Ursache eines Schlaganfalls sein kann, würde durch diese Behandlung noch lebensgefährlich verstärkt werden. Gut ausgebildete Spezialisten müssen also schnellstmöglich die Unterscheidung zwischen verstopfendem Gerinnsel und Blutung mit ihren Geräten treffen können. Daher gibt es Stroke Units nur an den Kliniken, an denen rund um die Uhr Fachärzte mit entsprechender Fachausbildung bereitstehen.
Eine vergleichbare Situation ergibt sich beim Herzinfarkt. Er kündigt sich durch Engegefühl in der Brust und Schmerzen (nicht unbedingt genau in der Herzgegend) an. In diesem Fall ist plötzlich ein Blutgerinnselpfropf direkt an einer rauen Verkalkung in einem Herzkranzgefäß entstanden: Der davon abhängige Bereich des Herzmuskels wird nicht mehr mit Blut versorgt. Wenn alles schnell genug geht, kann man genügend große Teile des Herzmuskels vor dem Untergang und damit das Leben retten.
Wenn sich ein Notfall ankündigt, muss man den Hausarzt oder (außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten) den diensthabenden Notarzt rufen. Die kennen sich aus, können deutlich besser als Sie beurteilen, wodurch vermutlich Ihre Beschwerden verursacht sind und welche Maßnahmen in diesem Falle am besten geeignet sein dürften. Sie wissen auch, welches Krankenhaus zum Beispiel seinen Linksherzkatheter rund um die Uhr gut besetzt und genügend Erfahrung mit Herzerkrankungen hat. Und (besonders bei großen Krankenhäusern) wissen sie am besten, welche Abteilung man direkt anruft, und sie können sich dort auch besser durchsetzen als ein Laie.
Man kann auch direkt die zentrale Rettungsstelle telefonisch (0112) verständigen, wenn es sich um einen sehr bedrohlichen Zustand zu handeln scheint (oder in manchen Bundesländern noch die Nummer der Krankentransportdienste 19222). Sie schicken dann den nächsten freien RTW (Rettungstransportwagen) oder KTW (Krankentransportwagen) und evt. im sogenannten Rendevous-Verfahren auch einen Notarzt, der also direkt mit einem zweiten Wagen herbeieilt und erst bei Ihnen mit den Rettungssanitätern zusammentrifft. Bis dahin können Sie schon mal die wichtigsten Daten über Ihre Krankenkasse und über Ihre Vorerkrankungen bereitlegen (lassen). Vielleicht packen Sie auch schon mal Toilettenartikel und einen Schlafanzug in eine Tasche, denn manchmal muss es dann sehr schnell gehen.
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