Stefan Raile - Im Bannkreis er Erinnerung

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Als Jani, der Ich-Erzähler, im August 1991, von Teri und Géza eingeladen, mit Carola und den zwei Kindern sein Heimatdorf Vaskút besucht, wird ihm alles, was er nach der traumatischen Vertreibung aus Ungarn vergessen wollte, wieder bewusst, und er beginnt, verknüpft mit den für ihn gravieren-den Auswirkungen der Wende, eine Bilanz seines zweifach gestörten Lebens zu ziehen. Nach der schwierigen Eingewöhnungsphase in Görlitz, wohin es ihn 1947 mit seinen Angehörigen verschlagen hatte, fühlt er sich erneut in seiner Existenz bedroht, sobald er erfährt, dass drei vertraglich gebundene Manuskripte nicht mehr veröffentlicht werden.
Damit das, was geschehen ist, bewahrt bleibt, schreibt er zahlreiche Ge-schichten, in denen von Leuten erzählt wird, die sich in ihr Schicksal fügen, einen rettenden Ausweg finden wie Mischa Katona oder verbittert aufgeben wie Pipa-Lisi und Tom, dessen unerwarteter Freitod ihn bis in seine Träume verfolgt.

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Auf den ersten Blick vermittelt sein Wohnwagen Romantik, beim zweiten überwiegt die Behelfsmäßigkeit. Die beiden Männer ernähren sich vor allem von Früchten und Fischen, die sie in einem nahen Nebenarm der Donau fangen. Es würde mich reizen, einige Wochen mit Géza zu tauschen, vielleicht auch einen Sommer, aber nicht länger.

Die Frage, ob überhaupt ein Leben für mich hier in Frage käme, stelle ich mir in den nächsten Tagen noch öfter, wenngleich wenig Zeit zum Nachdenken bleibt, da Teri für ein reichliches Programm sorgt. Wir fahren nach Baja, besichtigen das reizvolle Erholungsgebiet an der Sugovica, besuchen Gara, Nagybaracska und sein neues Thermalbad, auch das südlicher gelegene Dávod, wo wir Teris älteren Bruder Máto treffen, mit dem mich Kindheitserinnerungen verbinden. Auch er bewohnt mit seiner Familie ein Haus, ist Lehrer und betreut die Handballmannschaft des Ortes. Auf der Rückfahrt besuchen wir die Schule. Máto hat ein Biologie-Kabinett eingerichtet, das ich beeindruckend finde. Er geht auf in seiner Tätigkeit, klagt nicht über die verhältnismäßig geringe Vergütung, weiß zu schätzen, dass er nur zwanzig Wochenstunden halten muss, die Schülerferien schon immer den Lehrerferien entsprochen haben.

Ich empfinde, dass es mich ausfüllen könnte, an einer solchen Schule zu unterrichten. Als ich aber wieder durch Vaskút gehe, bin ich unsicher, ob ich hier leben möchte, wenngleich uns die Ruhe nach dem Siófoker Trubel sehr gefällt, und meine Erregung einer unerwarteten Gelöstheit gewichen ist, die es mir ermöglicht, das Umfeld ohne Groll zu sehen. Doch lässt man sich als Besucher nicht allzu schnell täuschen? Gewiss wäre ohne die Vertreibung vieles leichter für mich verlaufen. Es hätte mir jenes schlimme Trauma erspart, meine verstorbenen Angehörigen wären auf dem hiesigen Friedhof bestattet wie Teris Eltern und Großeltern, und möglicherweise würde ich so wohnen wie János, ein Verwandter, der durch besondere Umstände in Vaskút bleiben durfte.

Er hat vor fünfzehn Jahren auf der Hauptstraße gebaut, ein gewaltiges Haus, das uns in Erstaunen versetzt. Um es finanzieren zu können, hat er hart gearbeitet, jede Möglichkeit ausgenutzt, auf Urlaub und Freizeit verzichtet. Nein, einfach ist es auch für ihn nicht gewesen. In den Sechzigerjahren musste er ihr altes Haus zurückkaufen, das ihm, wie den übrigen Deutschen aberkannt worden war. Darum ist er wohl noch stolzer als Teri und Géza auf das Erreichte. Aber mir scheint, dass bei ihm nur das Materielle zählt, es Ersatz leistet für alles, was in seinem Leben zu kurz gekommen ist.

Vielleicht hätte ich an seiner Stelle auch bloß die Äcker, den Garten, das Haus und die Tiere gesehen. Er führt uns seinen Eber vor, vierhundert Kilo schwer, ein Prachtexemplar, wie es im Buche steht, lässt uns von den zuckersüßen Weintrauben kosten, die auf dem Hof reifen, zeigt uns die in Flaschen hineingewachsenen Birnen am Baum. Später will er Branntwein auffüllen, und es wird ein ungewöhnlich aromatisches Getränk entstehen, das er seinen Feriengästen im hundert Kilometer entfernten Kurort Harkány anbieten kann. Als er fürchtete, durch die rasche Geldentwertung seine Ersparnisse zu verlieren, kaufte er die Eigentumswohnung, um sie an deutsche Urlauber zu vermieten. Aber die Nachfrage ist nicht so groß wie erhofft. Trotzdem hat er wohl richtig gehandelt. Läge sein Geld auf einer Bank, würde er Monat um Monat ärmer. Die Inflationsrate liegt zehn Prozent über den Zinsen.

Auch vieles andere erscheint ungewiss. So weiß niemand, wie sich die Reprivatisierung des Bodens und der weitere gesellschaftliche Wandel auswirken werden. Das bremst selbst János, beeinträchtigt seine Motivation. Was hat es für einen Sinn, weiter Schweine so mästen, wenn zu befürchten ist, dass sie sich nicht verkaufen lassen? Für den eigenen Bedarf ist bereits der Eber zu viel.

Mein Empfinden wird durch das Erfahrene noch zwiespältiger.

Am Abend vor unsrer Abreise, als wir mit Teri und Géza zusammensitzen, spüre ich, wie schwer mir der Abschied fällt. Doch auf die Frage, wo mein Leben besser verlaufen wäre, finde ich keine Antwort.

Gibt es überhaupt eine?

HIOBSBOTSCHAFTEN

Wir fuhren zu viert so über die Slowakei und Tschechien zurück, wie wir nach Ungarn eingereist waren. Marek, der damals schon das neu errichtete Gymnasium besuchte und die Landkarte vor sich auf dem Schoß hielt, um mich gegebenenfalls einzuweisen, saß neben mir, Carola und Ines, die eine Woche später in die 2. Klasse der nahen Grundschule kommen würde, befanden sich auf der Rückbank und unterhielten sich angeregt. Da wir oft in einen Stau gerieten und begriffen, nicht wie geplant vor Einbruch der Dunkelheit Jena zu erreichen, entschieden wir uns dafür, die Nacht in Jihlava zu verbringen. Es war nicht schwer, ein kleines Hotel zu entdecken. Wir parkten unser Auto auf dem bewachten Innenhof, ließen unser großes Gepäck, in dem sich auch Mitbringsel aus Vaskút befanden, im verschlossenen Kofferraum zurück und suchten, um zu duschen, die karg ausgestatteten, aber sauberen Unterkünfte auf. Ich weiß noch, dass Carola und ich anschließend im Restaurant Böhmische Knödel aßen und Pilsner Urquell tranken, ehe wir auf unsere Zimmer gingen, wo wir, erschöpft durch die lange Fahrt im stickigen „Wartburg“, der keine Klimaanlage besaß, rasch einschliefen.

Nach dem reichhaltigen Frühstück fanden wir das Auto – es wurden seinerzeit bereits viele deutsche Fahrzeuge gestohlen - zum Glück unversehrt vor und fuhren weiter heimwärts. Vor uns lag noch fast die Hälfte der Gesamtstrecke.

Je näher wir unsrem Ziel kamen, desto stärker wurde meine innere Unruhe. Ich überlegte, was in den zwei Wochen, die wir in Ungarn verbracht hatten, geschehen sein mochte, ob die Antworten, die ich auf meine Anfragen erwartete, für mich erfreulich sein würden. In unserem Reihenhaus waren, wie ich zunächst erleichtert feststellte, keine Einbrecher gewesen. Unsere Nachbarin, die täglich nachschaute, sämtliche Pflanzen goss und die Post aus dem Briefkasten nahm, hatte die eingetroffenen Sendungen, wie vereinbart, auf ein Schränkchen im Vorraum gelegt. Beim Durchblättern des Stapels entdeckte ich das Kuvert mit dem Logo meines Ost-Berliner Verlags, für den ich einen historischen Roman über die Eroberung Mexikos geschrieben hatte, in dem das Geschehen aus aztekischer Sicht dargestellt wurde. Ich öffnete fahrig den Umschlag, zog den gefalteten Bogen heraus und überflog die wenigen Zeilen. Carola, die mich beobachtet hatte, erkannte wohl, dass ich erschrak und fragte: „Was Schlimmes?“

„Ja“, bestätigte ich. „Eine Hiobsbotschaft.“

Man teilte mir mit, dass mein Buch, das bereits vom Börsenverein für den November 1991 angekündigt war, nicht mehr erscheinen könne, da der Verlag insolvent sei und abgewickelt werde.

Ich verbrachte eine von Albträumen durchwobene Nacht, erwachte mit Kopfschmerzen und Existenzängsten, die sich in den nächsten Wochen noch steigerten, weil ich erfuhr, dass auch zwei weitere Manuskripte, für die ich bereits Verträge mit anderen Verlagen besaß, nicht mehr erscheinen würden, da sich die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend gewandelt und dadurch die gestalteten Konflikte ihre frühere Brisanz verloren hätten, so dass trotz der zweifellos vorliegenden literarischen Qualität auf dem gesamtdeutschen Buchmarkt kaum noch Verkaufschancen bestünden.

Ich brauchte geraume Zeit, um mein Dilemma, das ich mit anderen Ost-Autoren teilte, in voller Tragweite zu erfassen. Wie einst durch die Vertreibung von Vaskút nach Görlitz, fühlte ich mich nun auf andere Weise erneut betrogen. Die aufwändigen Recherchen sowie meine jahrelange Arbeit an den Manuskripten könnten, fürchtete ich, umsonst gewesen sein. In der Rückschau wundere ich mich, woher ich die Kraft nahm, mich nach und nach in einer total veränderten Ordnung zu behaupten. Ich gebe zu, dass es sehr schwer für mich war, und ich vieles versuchte, um einen Neuanfang zu schaffen, ohne mich zu verbiegen. Da ich nicht erwähnen möchte, was bei der Vereinigung bezüglich der begangenen Fehler inzwischen allgemein bekannt ist, werde ich mich kurzfassen und nur Dinge benennen, die mir selbst, meinen Freunden oder Bekannten nach der Wende widerfahren sind. Zwar war der Umbruch, äußerlich betrachtet, friedlich verlaufen, doch über das, was sich im Innern der Menschen abspielte, wurde längst nicht alles bekannt, finde ich. So habe ich nirgendwo genaue glaubwürdige Zahlen gefunden, wie viele mit den unerwartet harten Anforderungen nicht zurechtkamen und sich, wenn sie keinen Ausweg mehr sahen, das Leben nahmen. Auch Tom, mit dem ich seit der neunten Klasse eng befreundet war, ist ein Opfer arglistiger, heuchlerischer Kollegen geworden, und sein Freitod beschäftigt mich bis heute. Es wurden seinerzeit leichtfertig zahlreiche Hoffnungen geweckt, die sich nicht erfüllten. Selbst auf die blühenden Landschaften, die uns verheißen wurden, wartet man in entlegenen Gebieten immer noch.

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