„Aus diesen Sätzen kann beispielhaft das evolutionäre Denken des Naturwissenschaftlers abgeleitet werden. Organismen sind Lebe- und somit auch Sterbewesen: Das genetische Überdauern im Verlauf der Generationenabfolge, in anderen Worten die Sequenz »Eltern/Kinder → Eltern/Kinder« usw., ist der eigentliche biologische Sinn unseres kurzen Erdendaseins (...). Der Evolutionist denkt daher in der Einheit »Generationen«, d.h. er bezieht die Zukunft in seine Überlegungen mit ein.“
Sie merken schon: Ein ausgebildeter Evolutionswissenschaftler könnte in der Gesundheits- und Rentenpolitik den Unterschied zum bisherigen Totalgestümper machen – denn wer, außer ihm, bezieht schon „die Zukunft in seine Überlegungen mit ein“? Und wer, außer ihm, blickt bevölkerungsbiologisch dermaßen durch – man staune über die direkt im Anschluss zu Papier gebrachten Sätze, vor deren geradezu abyssaler Tiefe ein Großteil soziologischer und psychologischer Forschung reichlich überflüssig wirkt (ebd.):
„Denken in evolutionären Kategorien beinhaltet somit eine Vorsorge für die Nachkommen des sterblichen Individuums. Aus diesem Grund leben Menschen, die Kinder hinterlassen, in aller Regel auch »vorsorglicher« (d.h. die natürlichen Ressourcen schonender) als die gewollt Kinderlosen (Lebensmotto: »double income, no kids«), die als genetisch tote Sackgassen der Evolution nicht selten nach dem egoistischen Spruch »nach mir die Sintflut« handeln.“
Genau – denn „Sintflut“ hat ja auch was mit theologischer Verbalwissenschaft zu tun, und das ist natürlich ganz unakzeptabel. Dann schon lieber realwissenschaftlich-ressourcenschonend viel Nachwuchs in die Welt poppen, die lieben Kleinen im familientauglich-voluminösen Sport Utility Vehicle von der Schule direkt zum Sport und in den Geigenunterricht karren (bzw. zum Geburtstag feiern bei Mac Donalds) und jeden von ihnen gewissenhaft mit diversen Handys und Kinderlaptops ausstatten, damit sie möglichst früh für den gesellschaftlichen Daseinswettbewerb gerüstet sind: So sorgt jemand vor, der im Sinne genetischen Persistierens die Zukunft mit in seine Überlegungen einbezieht! Für die genetisch toten Hosen bzw. amoralisch-asozialen Sackgassen der Evolution haben wir dagegen nur Verachtung übrig, und man merkt an dem „double income, no kids“-Sprüchlein, wie gut Professor Kutschera seine ersten Forschungsaufenthalte an der Stanford University sowie der Michigan State University in den Jahren 1985 bis 1988 getan haben: Dort eignete er sich zeitig jene weltmännischen Kenntnisse an, mit denen er heute so zu glänzen vermag. Wenn nur seine Umwelt es ihm mehr danken würde als bisher! Warum müssen es immer ein Frank Schirrmacher (†) und ein Thilo Sarrazin sein, die als Chefdenker in Sachen Bevölkerungspyramide und Zuwanderung gelten, wenn doch die eigentliche, realwissenschaftlich fundierte Geistesarbeit zuerst vom messerscharfen Analytiker aus Kassel kam (ebd. S.295/296):
„Dieses naturgemäße Denken in Generationenabfolgen ist in vielen europäischen Ländern im Zuge der Individualisierung und des wachsenden Wohlstandes verloren gegangen. Dies kommt z.B. in dem unsinnigen Begriff »Überalterung der Gesellschaft« zum Ausdruck. Eine Population von Lebewesen (Fortpflanzungsgemeinschaft) »überaltert« niemals, sondern leidet bestenfalls an einer Unterjüngung. So gibt es in Deutschland keineswegs »zu viele Alte«, sondern zu wenig Junge. Um die Population in etwa stabil zu halten, wäre eine Zahl von 2,1 Lebendgeburten pro deutscher Frau erforderlich. Hätten alle fortpflanzungsfähigen und -bereiten Paare maximal zwei Kinder, wie es derzeit gesellschaftlich vorgesehen ist (s. Prospekte von Ferienwohnungen), so würde es dennoch aufgrund der biologisch bedingt Kinderlosen zu einem Schrumpfen der Bevölkerung kommen. Es muss somit auch »kinderreiche« Familien geben, um diesem Trend entgegen zu wirken. Wie der Bevölkerungswissenschaftler Prof. H. Birg (2001) berichtet, liegt die Reproduktionsrate in Deutschland und anderen europäischen Ländern derzeit unter 1,4 Geburten pro Frau, wobei eine wachsende Zahl junger Menschen die Reproduktion vorsätzlich ganz verweigert. Dieser Geburtenunterschuss von derzeit 33% wird auf Dauer zum Schrumpfen und letztlich zur Selbst-Auslöschung der Population führen. Aus Sicht des Evolutionisten ist dieser vorsätzliche genetische Suizid der deutschen Bevölkerung ein bemerkenswertes Phänomen, welches hier nicht weiter analysiert werden kann.“
Ach! Hätte Kutschera es doch getan, damals, anno 2004, als er mit diesen so wichtigen Reflexionen – und vor allem argumentativ so brillant, „s. Prospekte von Ferienwohnungen“ – sein Riesenwerk „Streitpunkt Evolution“ abschloss! Dem sträflich unterschätzten Mahner aus Kassel, dem aufrichtigen Behüter des deutschen Erbgutes, ihm wäre mehr Kraft zu wünschen gewesen, als er sich mit diesen letzten beiden Seiten seines großangelegten AG-/AK-Werbeopus ins Ziel schleppte – denn als Sarrazin die Thematik sechs Jahre später in dreist nachplappernder Weise 7aufgriff, war schon viel zu viel wertvolle Zeit ins Land der Dichter und Denker gegangen, und vor allem verbreitete Sarrazins Buchtitel weitaus weniger Hoffnung, als Kutschera sie bei Abfassung seiner mutigen Pionierarbeit noch besaß (ebd. S.296):
„Viele Wohlstandsbürger in unserem Land haben sich offensichtlich von ihrem natürlichen (biologischen) Wurzeln weit entfernt. Der kollektive Selbstmord auf Raten wird von naiven Politikern verniedlichend als »demografischer Wandel« bezeichnet, so als würde die Mode wechseln. Weiterhin sei auf die seit Jahrzehnten geförderte unkontrollierte Zuwanderung aus allen Teilen der Welt hingewiesen. Da z.B. in Frankreich durch politische Maßnahmen und ein Umdenken in der Bevölkerung eine Umkehr des »genetischen Todestrends« erzielt werden konnte (derzeit ca. 1,9 Kinder pro Frau), besteht noch immer berechtigte Hoffnung in Deutschland auf eine »Wiederbelebung« der Bevölkerungspyramide, die derzeit die Form einer Urne hat (zu wenige Kinder, und daraus resultierend eine relative Überzahl alter Menschen, s. Birg 2001).“
Genau, „die Form einer Urne“ – das klingt ja schon nach Begräbnis, nicht wahr! 8Jedenfalls zeichnet sich nach all diesen Ausführungen sonnenklar ab, worum es unter realwissenschaftlichen Prämissen in Zukunft gehen muss: a) haben die deutschen Frauen zu werfen was das Zeug hält (ev. wäre die Einführung eines Ordens ab dem fünften Kind eine gute Idee) und b) müssen sie natürlich darauf achten, dass ihre Kinder auch deutsches statt Zuwanderer-Erbgut enthalten, denn sonst wäre die Werferei in Sachen „Umkehr des genetischen Todestrends“ vollends kontraproduktiv! Aber mit dieser Feststellung wollen wir natürlich nicht alle Last auf die Frauen abwälzen – soll heißen, theoretisch leisten diese bereits alles wichtige, wenn sie sich erstmal bezüglich Punkt a) gehörig ranhalten. Denn für den Fall, dass in der heranwachsenden Leibesfrucht doch einmal, aus welchen Gründen auch immer, zu viele undeutsche Gene enthalten sein sollten, ist der Schaden keineswegs irreparabel – nein, es gibt ein einfaches Korrektiv, und es mag unter anderem hieran liegen, dass Kutschera bei Ausschöpfung aller vorhandenen Möglichkeiten durchaus „berechtigte Hoffnung“ auf Besserung verspürt (DF S.165):
„Abtreibungen kann man auch auf Grundlage biologischer Fakten sachlich-rational diskutieren. Wir wissen, dass über die zweigeschlechtliche Fortpflanzung (sexuelle Reproduktion) das kombinierte Erbgut der Eltern in die nächste Generation gebracht wird. Durch Tötung eines Fötus wird somit das Überleben der elterlichen Gene über die Keimbahn in diesem Individuum zunichte gemacht und daher eine »intelligent geplante« Selektion vollzogen.“
Ja, „wir wissen“ – und wir wissen vor allem, dass z.B. die Formulierung „intelligent geplante Selektion“ im Zusammenhang mit Abtreibungen (noch dazu garniert mit starken Vokabeln wie „Tötung“ oder „zunichte gemacht“) bei unwissenden, verbalwissenschaftlich infiltrierten Mimosen ganz unausweichlich die üblichen Krampfreflexe hervorrufen wird 9, wovon sich aber ein nüchterner Realwissenschaftler nicht beirren lässt. Und zwar, indem er mit der ihm eigenen Souveränität darauf hinweist, dass „intelligente Selektion“ seine ureigenste berufliche Sphäre betrifft und daher von außen nicht annähernd so akkurat beurteilt werden kann wie eben aus Sicht des laborerfahrenen Forschers (SE S.85/86):
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