Andrea Seidl - I Ging

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Online mit der kosmischen Intelligenz …
Wer sind wir?
Wie sollen wir leben?
Was macht uns glücklich?
Welche Entscheidung bringt uns weiter?
Bei manchen Fragen ist unser Verstand am Ende mit seinem Latein. In solchen Momenten der Ratlosigkeit wird das I Ging zum zuverlässigen Führer. Wie ein über­zeitlicher «Quantencomputer» verbindet es uns mit einer höheren Quelle der Erkenntnis, deren hellsichtige Antworten das Potenzial haben, unser Bewusstsein zu erweitern.
Endlich! Hier liegt eine zeitgemäße Version des alten chinesischen Klassikers vor, der das Kunststück gelingt, die Weisheit und Spiritualität des «Buchs der Wandlungen» mit einer leichtgängigen Sprache und psychologischer Tiefe zu versöhnen!
Wer es erst einmal kennt, den lässt es nicht mehr los!

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Das wahre Selbst

Niemand ist ohne das Ego und sein Programm, es gehört zu unseren Daseinsbedingungen als Mensch. Und dennoch: in Wahrheit ist dieses Ego nicht mehr als ein virtuelles Gebilde, eine Fantasie. Das Ich ist eine Erfindung unseres Geistes, die eine persönliche Willensfreiheit und Kontinuität vorgibt, die nie da waren.

Hinter dieser Mogelpackung steht, was wir wirklich sind. Unsere wahre Identität kann zwar überlagert, aber niemals zerstört werden. Sie ist die liebevolle, unschuldige, heilige Essenz unseres Wesens, die nach wie vor eins mit dem Göttlichen ist. Dieses unser wahres Selbst kennt weder Trennung, noch Tod, noch Schuld. Das wahre Selbst ist nicht unser Selbst, da es alles andere auch einbindet. Wenn wir uns erst einmal selbst erkannt haben, können wir uns in allem wieder finden. Unser wahres Wesen will nichts anderes, als in voller Bewusstheit seine Einzigartigkeit leben. Es hat keinen Charakter, keine Ideale und keine Moral, es will nichts erreichen. Es ist einfach in jedem Augenblick ganz präsent, ganz frei. An diesen unseren authentischen Wesenskern richtet sich das I Ging. Indem es ihn von den hässlichen Schlacken des Egos befreit, führt es uns nach Hause in die Einheit mit dem Großen Ganzen.

Wenn wir mit unserem wahren Selbst verbunden sind, sind wir „in unserer Mitte“ und können wir uns klar spüren. Diese innere Wahrheit drückt sich in Gefühlen und Körperempfindungen aus und hat nichts mit den Normen, Weisheiten und Richtigkeiten der Gesellschaft zu tun. Sie kann sogar im heftigen Widerspruch dazu stehen. Unsere innere Wahrheit ist weder absolut noch übertragbar: sie gilt nur für uns und für diesen besonderen Augenblick, diese einzigartige Situation. Auch wenn uns dieses intuitive Gespür zwangsläufig in Konflikt mit dem kollektiven Ego bringt, zeigt es uns den Weg, der für uns persönlich richtig ist.

Allerdings ist der Zugang zu dieser klaren Wahrnehmung bei den meisten Menschen verschüttet. Dem kollektiven Ego ist unser wahres Selbst nämlich äußerst verdächtig, es riecht ihm zu sehr nach Anarchie. Deshalb hat uns die Gesellschaft – zunächst über unsere Eltern und Lehrer – erfolgreich eingeredet, dass unsere innere Stimme, unsere Intuition, unsere Gefühle nicht zählen, ja dass wir ihnen misstrauen müssten. In gewisser Weise wurden wir zur Selbstverstümmelung angeleitet, um dafür umso erfolgreichere Marionetten am Gängelband des Kollektivs zu werden.

Handeln und Nichthandeln

Das Tao wirkt nicht durch Tun,

dennoch bleibt nichts ungetan.

(Laotse)

Eine Marionette handelt nicht selbständig, auch wenn es vordergründig so aussieht. Sie reagiert nur, völlig unbewusst und jenseits von Selbstverantwortung. Wir tun etwas, weil irgendwo in unserem Unbewussten ein anderer die Fäden zieht, weil jemand unsere „Knöpfe“ drückt. Wir verhalten uns wie ein programmierter Roboter und täuschen uns noch selbst, dass wir angeblich wollen, was wir tun. Diese Art zu reagieren kann unter Umständen sehr gefährlich werden. Mit freiem, bewusstem, selbstverantwortlichem Handeln hat sie nichts gemeinsam.

Auf den ersten Blick wirkt eine aktive Willkürhandlung wie das Gegenteil passiv-reaktiven Verhaltens. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sich dieselben Automatismen, nur dass die Motive tiefer verborgen liegen. Der Geist unserer Kultur fordert ja von uns, wir müssten aktiv sein und uns holen, was wir wollen. Passivität gilt als Trägheit, als Faulheit, als Verantwortungslosigkeit. Durch solche Bewertungen wird ein Klima geschaffen, das uns zum forcierten Handeln drängt. Was dabei herauskommt, sind Gewaltakte, die uns selbst und die Dinge auf ihre Spur zwingen wollen. Die dahinter stehende Mentalität ist einerseits höchst anmaßend, da sie unserem Ego eine Macht zuschreibt, die ihm nicht zusteht. Andererseits überfordert sie uns mit ihrem unrealistischen Anspruch auch maßlos: Wie sehr wir uns auch anstrengen, es wird uns nie gelingen, alles in den Griff zu bekommen.

Das I Ging empfiehlt uns ein ganz anderes Handlungsideal, das die taoistischen Philosophen in vielen Gleichnissen beschrieben haben. Sie nannten es „Wu wei“ oder „Handeln durch Nichthandeln“. Dieser rätselhaft-paradoxe Begriff zielt auf ein Verhalten, das mit allen Informationen aus der Innen- und Außenwelt übereinstimmt. Wenn wir Wu wei praktizieren, lassen wir zu, dass das Leben durch uns handelt. Wir gehen mit den Dingen mit, tun, was ansteht und was sich natürlich ergibt, ohne Zwang und Eigenmächtigkeit. Dieses intuitive, absichtslose Handeln wird in den alten Texten mit dem Lauf des Wassers verglichen. Das Wasser kommt immer zu seinem Ziel. Es erreicht das Meer zwar nicht auf dem kürzesten Weg, aber im schönsten Einklang mit sich und der Umwelt. Seine völlig gewaltfreie Bahn führt immer dort entlang, wo der Widerstand am geringsten ist.

In Konfliktsituationen, gerade wenn wir in der Außenwelt auf Gegenwehr stoßen, heißt das Gebot der Stunde deshalb oft, dass wir erst einmal unsere inneren Hausaufgaben machen müssen, statt zwanghaft und möglicherweise sinnlos irgendetwas zu tun. Bevor die Dinge sich im äußeren Leben wieder stimmig konstellieren können, ist inneres Handeln nötig: die Auseinandersetzung mit unseren Gefühlen, die Abkehr von falschen Glaubenssätzen und die Hinwendung zu etwas Größerem als wir selbst. An dieser Stelle werden die Weichen gestellt, die es möglich machen, dass unser Handeln in der Außenwelt zum Ziel führt. Solange diese grundlegende innere Arbeit versäumt wird, können wir uns draußen abmühen wie wir wollen, wir werden keinen durchschlagenden Erfolg haben.

Zum inneren Handeln gehört vor allem die schicksalhafte Entscheidung, was wir als wahr glauben wollen, und was wir als falsch zurückweisen. „Ein Kurs in Wundern“ nennt es die Wahl zwischen dem Ego und dem Heiligen Geist. Wir sollten uns genau anschauen, wozu wir Ja oder Nein sagen, und wir sollten mit unserem ganzen Wesen dahinter stehen. Allerdings wusste schon Pythagoras, dass gerade diese beiden ältesten und kürzesten Wörter Ja und Nein das stärkste Nachdenken erfordern.

Anthony und Moog haben in diesem Zusammenhang den Begriff des inneren Nein eingeführt. Dieses innere Veto ist der stärkste Trumpf, um die Fehlprogrammierung unserer Persönlichkeit aufzubrechen. Wir unterbrechen damit all die inneren Einbahnstraßen, die uns zu gefügigen Marionetten der herrschenden Meinung machen. Wir gewinnen damit wieder Macht über uns selbst.

Bei diesem inneren Nein handelt es sich nicht etwa um ein scharfes Verbot oder eine aggressive Zurückweisung (das wäre die Sprache des Ego), sondern um ein entschiedenes: „Das stimmt nicht!“ oder „Da mache ich nicht mit“, verbunden mit einer bewussten Hinwendung zu Liebe und Vergebung.

Wir kennen ja alle Situationen innerer Zerrissenheit: ein Teil von uns sagt „Ja“, ein anderer „Nein“. In solchen Momenten müssen wir herausfinden, welche Stimme aus unserem Wesenskern kommt und welche aus dem Ego spricht, das sich irgendwelche Vorteile ausrechnet (doch Achtung: manchmal kommen beide Stimmen aus dem Ego, während unsere höhere Oktave ungehört verhallt).

Wenn wir unser tiefstes Ja oder Nein bewusst machen und ausdrücklich bestätigen, bekommt es eine verblüffende Macht, die selbst alte Verkrustungen sprengen kann. Es ist jene weltbewegende Kraft, die entsteht, wenn unsere Entscheidungen vom Fluss des Kosmos getragen werden.

Der Kosmos

Alles, was du da über deinen Gott denkst und sagst,

das bist du mehr selber als er,

du lästerst ihn,

denn, was er wirklich ist,

vermögen alle jene weisen Meister in Paris nicht zu sagen. Hätte ich auch einen Gott, den ich zu begreifen vermöchte, so wollte ich ihn niemals als meinen Gott erkennen.

(Meister Eckhart)

Das Wort „Gott“ ist so abgegriffen, dass ich immer wieder zögere, es überhaupt zu verwenden. In den Hexagrammtexten habe ich weitgehend darauf verzichtet und lieber den Begriff „Kosmos“, „das Große Ganze“, das „Universum“ oder auch das „Tao“ verwendet. Aber was ich damit meine, ist natürlich doch: Gott. Nur kein persönlicher Gott, der außerhalb von uns angesiedelt ist und uns von dort aus beobachtet und in unser Leben eingreift. Sondern das allumfassende Göttliche, die übergeordnete Wahrheit, eine mystische, für unseren diskursiven Verstand nicht greifbare Größe. Der Kosmos darf nicht damit verwechselt werden, wie die traditionellen Religionen Gott beschrieben haben. Er hat nichts mit dem eifersüchtigen, rachsüchtigen Gott des Alten Testaments zu tun, der letztlich nur die Fratze eines exzessiven Ego zeigt. Der göttliche Kosmos dagegen kennt weder Schuld noch Bestrafung oder Tod, sein Wesen ist allumfassende Liebe. Obwohl er nur den einen Wunsch hat, dass wir endlich nach Hause kommen in die allumfassende Einheit, hat er mit unseren Verirrungen doch grenzenlose Geduld.

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