»Das weißt du nicht. Bisher haben sie es nicht gewagt, Kedar wirklich die Stirn zu bieten, zumindest nicht direkt. Ich möchte es nicht darauf ankommen lassen. Bitte, Vater! Ich will Schutz für mein Kind und für mich. Er kann mir das geben. Ja, ich will es. Ich muss.«
Currann fiel polternd ein Stein vom Herzen. Das hatte sie vorher noch nicht gesagt. Nur, dass ihr keine Wahl blieb. »Darf.. darf ich Euch also um die Hand Eurer Tochter bitten?«
»Könnt Ihr das denn?«, fragte Peadar dazwischen. Er hatte beschlossen, dass es Zeit war, ein paar Wahrheiten einzufordern.
»Ja, wie alt seid Ihr eigentlich?«, fiel nun auch Strahan ein.
Siri machte sich von ihm los. »Aber Vater..«
»Nein, Kind, das ist wichtig. Ihr könnt nicht heiraten, wenn er nicht großjährig ist, denn dann bräuchte er die Zustimmung seiner Eltern. Seid Ihr großjährig?«
Siris Kopf fuhr in Curranns Richtung. Angst stand in ihren Augen. Er streckte die Hand nach ihr aus, sah sie so ruhig, wie er konnte, an, obwohl er innerlich fluchte. Das war eine der Schwierigkeiten, die er hatte. »Nein, ich bin es nicht«, erwiderte er, sobald er Siris Hand in seiner spürte. Er legte sie vorsichtig in seine Armbeuge, so wie damals in Gilda.
»Wie alt seid Ihr?«, fragte Peadar.
Currann kam sich langsam vor wie bei einem Verhör. Und bei Strahans Gesichtsausdruck wusste er, dass es bis zum Ende gehen würde, und er spürte, dass auch Siris dies ahnte. »Sechzehn.«
»So jung noch?!«, brach es aus Strahan hervor. »Ihr seid ja kaum erwachsen, geschweige denn großjährig! Und Ihr wollt Ehemann meiner Tochter werden und Vater meines Enkelkindes?«
»Vater, bitte..«, flehte Siri.
»Glaubt mir, ich musste sehr viel schneller erwachsen werden als die meisten anderen!«, erwiderte Currann schneidender, als er es beabsichtigt hatte.
Peadar trat ausgleichend zwischen sie. »Das haben wir alle gemerkt. Ich habe Euch auch für noch nicht großjährig gehalten, aber so jung.. das hätte ich niemals gedacht. Strahan meinte damit wohl, dass Ihr noch reichlich jung für diese Verantwortung seid. Aber dennoch müssen Eure Eltern dem hier zustimmen.«
Bei diesen Worten verkrampfte sich Siris Hand in seiner Armbeuge. Er legte seine beruhigend darüber. So ruhig er konnte, antwortete er: »Meine Eltern sind nicht.. in der Lage, das zu tun. Ich habe die nadorianischen Rechte studiert. Ich bitte Euch um das Patronat, Vater Peadar. Ihr wisst, dass ich dies tun kann, sodass Ihr an meines Vaters statt zustimmen könnt.«
»Ich sehe schon, Ihr bereitet Euch vor«, nickte der Mönch, nicht im Mindesten erstaunt.
Currann hob abwehrend die Hand. »Ich habe es nur nebenbei gelesen. Niemals hätte ich gedacht, dass ich das einmal brauchen würde. Wirklich nicht«, fügte er bekräftigend in Richtung des Schulmeisters hinzu, der ihn in steigendem Misstrauen ansah.
»Der Brautvater muss diesem natürlich zustimmen, das wisst Ihr. Strahan?« So langsam wurde sich Peadar der drängenden Zeit bewusst. Die Leute wurden sicherlich schon unruhig, und an Kedar mochte er nicht einmal denken.
»Siri..«
»Bitte, Vater..«
»Also gut.« Strahan sah, dass Althan kurz davor war, erleichtert die Augen zu schließen, und es gerade noch unterdrückte. Oh nein, so leicht wollte er es dem jungen Mann nicht machen. »Aber ich stelle drei Bedingungen.«
»Bedingungen?« Currann wurde heiß und kalt zugleich.
Siris Hand begann zu zittern. »Vater, bitte nicht!«
»Oh doch, das muss ich. Schließlich bin ich dein Vater. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob ihr zwei dies nicht tut, um es Kedar mit gleicher Münze heimzuzahlen.«
»Dem entbehrt nicht eine gewisse Logik«, stimmte Peadar zu.
»Daher verlange ich diese drei Bedingungen. Die Erste hat meine Tochter bereits erfüllt. Sie muss es wollen.«
»Ja, das tue ich. Aber Vater..«
»Nein, sei still!« Strahan redete sich langsam in Rage. Er fühlte sich übergangen und von den Ereignissen überrollt. Dies war etwas, was er wie fast jeder Mensch auf den Tod nicht leiden konnte. Mit schneidender Stimme fuhr er fort: »Die zweite Bedingung ist, dass Ihr sie nicht zwingt, diese Ehe zu vollziehen.« Peadar zog scharf die Luft ein. Strahan fuhr zu ihm herum. »Dies ist der Bekenntnisraum, mein Freund. Nichts, was wir hier sagen, wird nach außen dringen. Daher spreche ich offen.«
Verblüfft starrte Currann ihn an. So hatte er den sanften, manchmal etwas kauzigen Schulmeister noch nie erlebt. Ihm ging auf, von wem Siri ihre manchmal sehr scharfe Zunge geerbt hatte. Bisher hatte er vermutet, es wäre allein Karya, doch nun.. der Schulmeister stieg noch weiter in seiner Achtung. »Das Versprechen kann ich Euch geben. Ich habe es Siri bereits geschworen, als ich sie um ihre Hand gebeten habe. Ich schwöre auf das rote Buch, wenn Ihr wollt.«
»Ja, bitte. Jetzt gleich«, nickte Strahan, nicht gewillt, ihm auch nur den Hauch einer Gelegenheit zu geben, diesem Versprechen zu entkommen. Peadar sah kurz von einem zum anderen und stand dann auf, um es zu holen.
Currann zögerte nicht. Er legte seine Hand darauf. »Ich schwöre bei unserem Einen Herrn, dass ich Siri nicht zwingen werde, die Ehe mit mir zu vollziehen.. es sei denn, sie will es«, fügte er schnell hinzu, bevor Peadar das rote Buch fortziehen konnte. Er wagte nicht, Siri anzublicken.
»Nun denn..« Der Mönch blickte unruhig von einem zum anderen. Strahan schien gewillt zu sein, den Schwur nicht anzuerkennen, doch schließlich nickte er. »Ich erkenne den Schwur an, auch wenn mir diese kleine Abwandlung überhaupt nicht gefällt. Gebt Euch bloß keinen Illusionen hin!«
»Nichts liegt mir ferner«, erwiderte Currann und wagte einen vorsichtigen Blick auf Siri. Sie hatte die Lippen zusammengepresst. Wieder meldete sich das schlechte Gewissen. Warum nur? Er wusste es nicht und konnte es jetzt nicht ergründen, denn Strahan fixierte ihn mit einem derartigen Blick, dass er sofort alarmiert war.
»Meine dritte Bedingung ist, dass ich wissen will, wen meine Tochter zum Mann nimmt.«
»Nein!« Siri schrak auf. »Vater, das darfst du nicht!«
»Warum nicht? Erkläre mir, warum! Warum darf ich nicht wissen, in welche Familie mein Mädchen einheiratet, ob sie den Sohn eines Bauern, eines Hirten, eines Kaufmannes, eines Soldaten oder eines Adeligen heiratet? Oder gar einen Verbrecher, wie mein geschätzter Herr Schwager vermutet?«
»Vater, bitte!«, rief Siri gequält aus.
»Warum nennst du ihn in unserer Gegenwart nicht bei seinem Namen?«, drängte Strahan weiter. Siri schüttelte abwehrend den Kopf.
»Weil Althan nicht Euer richtiger Name ist, ist es nicht so?«, fiel der Mönch ein.
»Dann weißt du seinen Namen, Siri? Du weißt, wer er ist? Sirial, sieh mich an, wenn ich mit dir rede!«
»Vater, bitte..« Sie konnte es nicht, sondern barg ihr Gesicht in den Händen.
Currann ging dazwischen: »Hört auf, sofort! Siri hat mit der ganzen Sache nichts zu tun. Quält sie nicht! Sie ist gänzlich unbeteiligt an den Ereignissen, die uns hergeführt haben. Sie hat mir lediglich versprochen, Stillschweigen zu bewahren.«
»Beim heiligen Urian, Ihr habt wirklich etwas mit dem Tod der Königskinder zu tun!« Peadar wich entsetzt zurück.
»Oh ja..«, setzte Currann an, doch Strahan rief dazwischen: »Ihr könnt nicht allen Ernstes von mir verlangen, dass ich Euch meine Tochter gebe! Einem..«
»Einem was?«, grollte Currann. Das war schon das zweite Mal, dass der Schulmeister ihn mit einem Schimpfnamen belegen wollte. Er richtete sich drohend auf, nicht gewillt, sich das bieten zu lassen.
»Bitte, nicht so laut!«, kam es erstickt von Siri. Sofort nahmen sich alle zusammen. »Sag es ihnen. Bitte!«, flehte sie Currann an. Er erkannte, dass sie am Ende ihrer Kräfte war. Es führte kein Weg daran vorbei.
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