Billy Remie - Im Land der Schatten

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Die Reise ihres Lebens führt die Männer des M'Shier Ordens über das Meer zu gespenstischen Insel und wilden Eislandschaften. Im Land des Schnees lauert bereits ein alter Feind auf sie, der nach der Macht des Blutdrachen trachtet. Und während sie versuchen, zu überleben, droht die größte Gefahr innerhalb ihrer Gemeinschaft, denn Eifersucht macht Freunde blind, und Missverständnisse lassen den Zusammenhalt wanken. Allahad, der einstmalige Meuchelmörder, steht vor der Frage seines Lebens: Kann er die Vergangenheit ruhen lassen und den hartnäckigen Jäger Luro so lieben, wie dieser es von ihm verlangt, um nicht nur diesen, sondern auch sich selbst zu retten?
*Gay Fantasy Romance

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Seufzend rammte Allahad den silbernen Dolch zurück in die Lederhülle, die quer über seinem Brustharnisch gespannt war. »Ich sagte doch, ich gehe allein.«

Da er nichts mit seinen Händen anzufangen wusste, verschränkte Luro die Arme vor der Brust, das Leder seiner eigenen Rüstung knirschte dabei. »Ich wollte dir keine Gesellschaft leisten, ich wollte mit dir reden.«

Sofort verdüsterten sich Allahads Züge, von den schmäleren dunkelbraunen Augen über die hohlen Wangen bis hin zu seinem spitzen und langen Kinn, das er durch einen Ziegenbart betonte. Er wandte sich ab, wich Luros Blick aus.

»Ich wüsste nicht, worüber«, hauchte er dann, als käme ihm die Lüge schwer über die Lippen.

Luro biss sich in die Unterlippe, bevor sein Mund seine ganze Frustration herausbrüllte.

»Schau mal.« Allahad ging in die Hocke. »Du wolltest doch etwas Anderes als Fleisch. Ich glaube, diese Pilze sind ungefährlich.«

Luro wollte jetzt nicht über Pilze sprechen. »Du glaubst ?«, hakte er dennoch verwundert nach, vielleicht klang er etwas zu ärgerlich.

Allahad nickte nur, wich geflissentlich Luros Blicken aus. Er hob den Pilz zu seiner Nasenspitze, roch an der braunen Kappe, die feucht glänzte.

Die Sonne strahlte durch die Blätter und verwandelte mit ihrem Licht den Wald in ein orangerotes Inferno. Luro trat von einem Fuß auf den anderen. Alles um sie herum schien wie der Fantasie entsprungen, viel zu schön, um wahr zu sein. Der überwucherte Wald, verwildert, ohne jegliche Zivilisation, ohne je von Menschen oder anderen zweibeinigen Völkern gestört worden zu sein. Die untergehende Sonne, die alles in ein romantisches Licht tauchte. Und sie beide waren hier alleine, ungestört, nur Luro und Allahad, ohne neugierige Blicke, die sich fragten, was zwischen ihnen war oder nicht war.

Wieso, bei den Göttern, lagen sie sich noch nicht nackt in den Armen?

»Allahad, wir sollten miteinander reden«, betonte Luro eindringlich.

Allahad ignorierte das Gesagte, er biss ein Stück von der Pilzkappe ab und kaute mit kritischem Blick lange darauf herum.

Luro wartete ab, sein Fuß tippte ungeduldig auf den klammen Waldboden.

Marrah schien sich dumm vorzukommen, oder sie hatte es einfach satt, ihnen bei ihrem peinlichen Balzgehabe zuzusehen, denn sie verschwand im Wald, Luro hörte, wie sie im Unterholz nach Mäusen jagte.

Schließlich spuckte Allahad das Gekaute aus, spuckte Speichel nach. »Pah! Nicht giftig, aber ungenießbar. Tut mir leid.« Er erhob sich und fuhr sich dabei mit dem Unterarm über die feucht glänzenden Lippen, dabei fiel sein schwarzer Wollumhang über die Schulter nach hinten und gab seinen schlanken Körperbau preis.

»Hm, was denn?«, fragte Luro provozierend. »Dass der Pilz ungenießbar ist oder dass du mich seit Monaten wie Luft behandelst?«

Allahad fuhr verwundert zu ihm herum, er blinzelte. »Wie bitte, ich behandle dich wie Luft? Ich rede doch mit dir!«

Luros Schultern sackten herab. »Nein, eben nicht. Du gehst mir aus dem Weg. Ich könnte ebenso gut unsichtbar für dich sein.«

»Unsinn.« Allahad warf ihm einen Blick zu, der deutlich machte, dass er Luros Vorwurf für albern hielt. »Geh zum Lager zurück, Luro, es wird bald dunkel, geh schlafen.«

Allahad wandte sich ab, zog dabei den Umhang wieder über die Schultern und wollte einfach gehen.

»Ich bin nicht dein Schoßhund, den du rumschicken kannst, wie es dir passt!«, rief Luro ihm nach.

Zwei Schritte entfernt blieb Allahad für einen Augenblick mit dem Rücken zu Luro stehen, ehe er sich erbarmte, ihn endlich wieder anzusehen.

Die Arme ausbreitend warf Luro ihm weiterhin vor: »Du berührst mich nicht einmal mehr.«

Allahad presste die Lippen aufeinander, dann kam er mit zwei langen Schritten zurück und legte ungehalten eine Hand in Luros Nacken. Der Lederhandschuh um seine Finger fühlte sich kühl und rissig an.

»Siehst du, ich fass dich an«, betonte Allahad und beugte sich dabei so nahe zu Luro herunter, dass sie gegenseitig ihren warmen Atem spüren konnte; ein herrlicher Kontrast zur kühler werdenden Abendluft.

Halb benebelt von der Nähe, funkelten Luros kristallblaue Augen. Doch gerade als er die Hand um Allahads Unterarm legte und ihm das Gesicht entgegenstreckte, wandte dieser sich abrupt ab und drehte sich um. Schon wieder wollte er gehen!

Luro packte seine Schulter und drehte ihn halb zu sich um. »Du weißt, dass ich das so nicht gemeint habe.«

»Und wie hast du es gemeint?«, fragte Allahad überraschend barsch.

Luro zuckte angesichts dieser offenen Feindseligkeit zurück, fing sich jedoch schnell wieder, weil er genug davon hatte, hingehalten zu werden. Er blieb, wo er war, und nagelte den Schurken mit einem herausfordernden Blick fest.

»Du weißt genau, wo von ich spreche«, bat er jedoch etwas einfühlsamer. Er streckte mit klopfendem Herzen eine Hand nach vorne und berührte Allahads an der Seite herabbaumelnde Finger. Die Berührung war leicht, durch die Handschuhe vielleicht kaum zu spüren, aber unmissverständlich machte sie deutlich, was Luro erwartete. Nähe. Körperliche Nähe.

»Ich habe ...«, Luro senkte die Stimme zu einem schüchternen Flüstern, » ... neun Monate auf See darauf gewartet, dass du zu mir in die Koje kommst. Vergeblich. – Wenn du dir sorgen machst, ich sei noch nicht so weit ... kann ich dich beruhigen.«

Allahad wich erneut seinem Blick aus, schüttelte wirsch den Kopf. »Pass auf, wir sollten da etwas klären.«

»Unbedingt.« Jetzt war er aber gespannt.

Allahad sah ihn entschuldigend aber entschlossen an. »Nur, weil ein grausiger Dämon ein paar Geheimnisse offenbart hat, bedeutet das nicht, dass sich irgendetwas ändert.«

Luro verstand die Welt nicht mehr. Insgeheim musste er sich jedoch einen Idioten nennen, weil er geglaubt hatte, ein einziges Mal würde es anders laufen. Das erniedrigende Gefühl der Zurückweisung kitzelte ihn im Nacken, dabei sollte er mittlerweile daran gewöhnt sein. Nicht nur Desiderius hatte seine Avancen abgewehrt, und sich lieber dem schönen Prinzen hingegeben, auch alle anderen Männer, in die sich Luro je verliebt hatte, wiesen ihn ab. Es war der Humor der Götter, ausgerechnet ihn, der sich so nach Liebe verzehrte, einsam dahinvegetieren zu lassen.

Deshalb kämpfte er nun um mehr als Freundschaft: »Aber ... wir haben uns geküsst

Allahad war dieser Protest, der nichts als die Wahrheit veräußerte, unangenehm, denn er senkte sogleich den Blick und wurde rot.

Luro machte noch einen Schritt auf ihn zu, fasste ihn flehend an der Schulter. »Ich weiß, da ist mehr, nicht nur wegen des Dämons. Du selbst gabst es zu, hast mich empfangen, als ich in dein Zelt kam. Du hast mich umschlungen ... mich geküsst! Sag mir jetzt nicht, das wäre nur Freundschaft gewesen, es wäre eine Beleidigung an meinen Verstand.«

Mit einem Rucken seiner Schulter entzog sich Allahad der Berührung, er machte einen Schritt zur Seite, um Abstand zu gewinnen.

Eine eiserne Maske als Gesicht, sagte Allahad dazu nur: »Jeder braucht vor der Schlacht jemanden, Luro.«

Das verletzte ihn fast mehr als die Zurückweisung. Ausgenutzt, kam es ihm in den Sinn. Ja, sein Freund hatte ihn selbstsüchtig ausgenutzt.

»Es tut mir leid.« Allahad hob eine Hand und strich Luro über die Wange, doch der Körperkontakt war nur flüchtig, und hatte eher etwas mit einem netten Onkel gemein, der seinen Neffen tröstete. »Tut mir leid, ich wollte dir nicht wehtun. Nie.«

Luro warf den Kopf zur Seite, blickte in den Wald hinein, er kämpfte mit Tränen der Scham. Er kam sich ja so dumm vor. Kopfschüttelnd schloss er die Augen, verschränkte die Arme vor der Brust, als er zu sich selbst murmelte: »Ich bin es so leid, von allen Männern zurückgewiesen zu werden.«

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