„Frau Strolz“, Schwestern Marina wollte nun förmlich wirken, aber Anna warf gleich ein
„Bitte bleiben Sie bei Anna, Schwester Marina“.
„Nun gut, Anna. Ich bin leider nicht so lange im Dienst dieser Einrichtung. Sehr wohl aber ist mir Ihr Bruder bekannt“.
„Wirklich“? Fragte Anna hastig.
„Wo ist er“? „Wissen Sie etwas“?
Schwester Marina zögerte mit der Antwort und sah Anna schwermütig an. Die Blicke der Schwester glitten an Anna vorbei hinein ins leere. Ihre Arme wirkten verschlossen auf Ihrem Schoß.
Anna blickte in die Augen der Nonne. Schwestern Marina wich den Blicken aus und blickte weiter ins Nichts. Sekunden des Schweigens wurden zu einer Ewigkeit und Anna wurde unsicher und wusste nicht warum die Nonne ihr so auswich. Vielleicht war es doch keine gute Idee hier her zu kommen.
„Schwester“ wollte Anna beginnen, aber die Nonne hielt die Hand als Zeichen sie möge schweigen nach oben. Schließlich sagte Sie,
„Anna, haben Sie sich nie gefragt wer aus ihrem Bruder geworden ist“? Und weiter sprach sie langsam aber direkt auf Anna zu.
„Anna, Sie sollten sich nicht fragen was aus ihrem Bruder geworden ist, sondern wer. Hat man Ihnen nie von all den Vorfällen und den Geschehnissen bei seiner Pflegefamilie erzählt“?
Anna schüttelte langsam den Kopf. Kaum eine Bewegung war zu erkennen aber sie verstand doch schweigend. Ihr wurde nun einiges klar. Befreiend von einem Nebel aus sich selbst belügen wusste Sie es. Anna wusste es eigentlich seit Sie in dieses Haus getreten ist. Hier kommt man nicht als junger fröhlicher Mann, bereit für das Leben und die Liebe wieder raus. Wieso dachte sie nur, dass Philipp einfach so bei der Türe stehen würde und Sie umarmen. Nach all den Jahren und nach all dem Schweigen. Kein Brief, Kein Besuch. Schwester Marina stand auf und ging zu einem großen Bild, welches sich als Tarnung für einen Wand Safe entpuppte während Anna noch vor sich hin blickte. Anna blickte nach unten. Ihre Hände zitterten. Tränen flossen auf ihr herab. Schwester Marina kam zurück und hielt Anna eine VHS Kassette hin. Jetzt zitterte sogar die Nonne und dies hörte bei Ihrer Stimme nicht auf.
„Anna“, dieses Heim hat viel erlebt und die Kinder und Menschen die es verlassen haben waren nicht mehr dieselben. Die Kinder und Jugendlichen, so wie ihr Bruder, die in dieses Institut mussten, kamen als ängstliche und verstörte Geschöpfe Gottes und gingen als Erwachsene ohne jegliches Menschlichkeit in sich. Es waren damals auch andere Zeiten mit anderen Erziehung- und Bestrafungsmethoden.
„Bestrafung?“ warf Anna fragend ein.
Schwester Marina nickte langsam.
„Ich habe eine schwere Aufgabe übernommen und ich wünschte man hätte mir diese Bürde nicht auferlegt. Aber es sind Menschen wie Sie, die die Wahrheit erfahren sollen. Mehr kann ich ihnen aus rechtlichen Gründen nicht sagen. Wenn Sie antworten wollen, sehen sie sich das Band an. Mehr kann ich nicht tun für Sie.“ Schwester Marina hatte sich wieder gefangen und Ihre Miene war nun hart wie Stein.
„Bitte gehen Sie jetzt. Ich wünsche ihnen alles Gute in ihrem Leben.“
Anna verließ mit einer kurzen fast sprachlosen Lippenbewegung als Gruß das Büro. Auf der Straße angekommen, musste sie sich noch einmal zum Gebäude umdrehen, denn kurz erschien es ihr als wäre dies gerade alles nicht passiert. Als hätte sie auf der Straße einen Tagtraum erlebt. Aber das VHS Band in der Hand brachte Anna zurück in die Realität. Sie wusste nicht, ob sie das Band anschauen wollen würde. Noch immer regnete es. Anna stand noch lange vor dem Eingang ließ die Tropfen über ihren Kopf fallen und sagte leise „Philipp, es tut mir leid“.
„Oh mein Gott, Fuck“, fluchte Anna. Das Klingeln an der Haustüre riss sie aus dem Schlaf. Sie musste eingenickt sein. Erschrocken, schwer atmend starrte Anna auf die Uhr. 20.00 Das Dinner, Max, der Chauffeur. Fuck wiederholte Sie einige Male. Ausgerechnet zum super erotischen Dinner Date hatte sie verschlafen. Sie rannte zum Fenster und machte eine „Ich komme gleich“ Geste nach unten zur parkenden Limousine, wohl wissend dass „gleich“ so viel hieß wie ich bin noch nicht mal geduscht. Trotzdem saß Anna einige Minuten später in der schicken Limousine. Ein bisschen unheimlich war es schon. Die Fenster verspiegelt, die Sicht nach vorne zum Fahrer verdunkelt. Anna konnte aber nicht um hin sich selbst zu zuzugeben, dass es die antörnte. Außerdem fühlte sie sich wie ein Star. Fehlt nur noch der rote Teppich schmunzelte Anna. In aller Eile hatte sie Ihr teures kurzes Kleid angezogen. Max hatte es ihr ausgesucht als sie beide ihre Verlobung feierten. Anna hätte sich dieses Kleid niemals leisten können. Und es war sogar schwarz. Ganz wie er es heute gewünscht hatte, komplimentierte sie sich innerlich. Die Überraschung für ihn war allerdings ein Hauch von Nichts unter dem Kleid. Wieder musste sie schmunzeln. Ach, dachte Anna wie herrlich schön ist das Leben. Dieser perfekte Mann hat ausgerechnet sie geheiratet. Annamusste ein bisschen sich selbst loben. Das hatte sie gut gemacht. Sie wusste natürlich, dass Max auch seine dunklen Seiten hatte, denn beim Sex war er nicht gerade ein Gentleman. Und er packte Anna dabei nicht selten sogar mit seinem Gürtel hart an. Aber das reizte Sie an ihm von Anfang an. Eine männliche Stimme unterbrach sie.
„Frau Seibold“ nehmen Sie sich doch ein Glas Champagner von der Minibar.
Kurz verwundert, weil sie glaubte, die Stimme zu kennen wischte Anna diesen Gedanken aber gleich wieder weg. Minibar? Sie machte nun einen lauten freudigen Jubel der Begeisterung.
„Vielen Dank“ rief sie durch den Raum Richtung Fahrerkabine.
Champagner ich komme, flirtete Anna. Nichtsahnend, dass dies für den heutigen Abend ihr letztes Glas sein würde. Schon nach dem ersten großen Schluck, sie hatte großen Durst nach dem Nachmittagsschlaf, wirkte sie rasch müde und ihre Augen wurden schwer. Bin ich etwa schon betrunken, dachte sie. Na das geht ja schnell heute. Ich sollte aufpassen sonst verpasse ich ja den ganzen Spaß. Die letzten Worte kamen schon flüsternd aus ihrem Mund und lallend wie nach ein paar Gläsern zu viel. Kurz darauf fielen auch Annas Augen zu. Ihr Körper und Unterbewusstsein nahm noch die Autofahrt wahr. Viele Kurven, Hupen anderer Autos die sich beeilten die letzten Parkplätze der Restaurants zu bekommen. Aber Anna war viel zu müde und schwach um dies noch richtig wahrzunehmen. Ein paar Mal noch blinzelte sie mit den Augen, bevor diese dann ganz geschlossen Anna in einem Schlaf behielten. Der Fahrer, der auf seinem kleinen TV Bildschirm welches neben ihm auf dem Beifahrersitz lag, alles mit ansah was sich im schicken Limousinen Raum abspielte, drückte den automatischen Fensterhebel um die verglaste und verspiegelte Trennwand nach hinten zu öffnen. In seinem Rückspiegel sah er Anna friedlich schlafend, den Kopf auf die Schulter liegend.
„Anna“ meine liebe Anna süfisierte er zärtlich. Er liebte es, sie beim Schlafen zu beobachten. Manchmal bewegte sie die Lippen und redete unverständliche Wörter basierend aus ihren Erlebnissen gerade im Traum. Er liebte ihre langen Haare, die lässig dabei ihr Gesicht bedeckten. Und erst Ihr Duft. Das ganze Schlafzimmer roch immer nach ihr. In seiner Nase vernahm er ihr Parfüm. „Chloe“ Diese herrliche frische und süße Essenz erinnerte ihn an Sommer und Blumen. Unweigerlich bekam er immer sofort eine Erregung und während er selbst Hand an sich anlegte dachte er nur an Anna. Manchmal trug er es auch den Frauen auf mit denen er schlief, und atmete dann tief ein um den ganzen Duft von ihr in sich aufzunehmen. Aber am liebsten roch er Anna und ihren Körper, immer wenn sie gefickt wurde. Verliebt sah er sie durch den Spiegel an. Er konnte gar nicht genug von diesem Anblick bekommen. Sie trug sogar das schwarze Kleid. Er spürte seine Erregung und er fuhr sich aufgegeilt mit der Zunge über seine trockenen Lippen. Er durfte sich selbst jetzt nicht zu viel massieren, denn er wollte seinen Schuss nicht abladen. Noch nicht.
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