Entsetzt, ohne auch nur einen Blick zurückzuwerfen, rannte sie so schnell sie konnte dem Ausgang zu.
„Majestät, das Kind, nicht die Frau ist laut unseren Tests das Wesen nachdem Ihr sucht. Sollen wir sie hier behalten?“
„Nein, sie ist noch zu jung, doch entnehmt ihr die nötige DNA, ebenso Hannah und Tarik.“ Masheba die gerade noch rechtzeitig hinter dem Vorhang verschwinden konnte, konnte jedes Wort verstehen. „Zellen entnehmen…?“ Genmanipulation, soviel wusste sie aus dem Biologieunterricht den Hannah ihr nun schon seit Monaten, ohne Tomos Wissen versteht sich, erteilte, wurde von der breiten Bevölkerung nicht gut geheißen.
Was hatte man mit ihnen vor?
Sie musste unbedingt mit Hannah und Tarik sprechen und heute mussten sie ihr glauben.
Gestern hatte Tarik sie regelrecht ausgelacht. Er hielt ihr Erlebnis, ihr unglaubliches Abenteuer, die Kinder, für Fantasie. Doch Hannah, trotz ihrer offensichtlichen Bewunderung für den Imperator, hatte ihr schweigend und nachdenklich zugehört. Die beiden waren gerade dabei heftig zu diskutieren als sie das Zimmer betrat. Das taten sie in letzter Zeit häufig, doch dieses Mal schienen sie sich über das Objekt ihrer angeregten Unterhaltung einig zu sein. Es ging um ihren Gastgeber, den Imperator.
Dass das von ihm Geschaffene seinesgleichen sucht darüber waren sich beide einig, damit hatte man sie bereits bei ihrer Ankunft reichlich gelangweilt.
„Der Imperator ist ein charmanter Mann“ hörte sie ihre Tante sagen. Tariks Antwort wartete sie erst gar nicht ab, zu wichtig schien ihr das was sie zu erzählen hatte.
Hannah hörte ihr zwar zu, doch Tarik - sie konnte es nicht glauben - hatte sie tatsächlich ausgelacht.
Enttäuscht über ihren bescheidenen Erfolg begab sie sich auf ihr Zimmer. Das war gestern. Doch heute - der erste Schreck war verflogen - wurde ihr mit zunehmender Empörung klar, dass Tarik sie wie ein Kind behandelt hatte.
Zornig, nachdem sie schweigend ihr gemeinsames Mittagsmahl zu sich genommen hatten, machte sie sich erneut auf den Weg. Sie würde keinem etwas sagen. Nach ihrer gestrigen Erfahrung würde sie sich nicht wundern, wenn man ihr diese kleinen Touren verbieten würde.
„Ich kann es einfach nicht glauben, man behandelt mich tatsächlich wie ein dummes Kind!“ Trotzig, mit diesen Worten auf den Lippen erreichte sie erneut die schwere Eisentüre.
Diesmal musste sie noch tiefer in den düsteren Korridor vordringen um eine unverschlossene Türe zu finden. Sie konnte nicht mit Genauigkeit sagen ob sie das Zimmer, dass ihr gestern einen so tiefen Einblick in derart Fremdartiges gewährte schon passiert hatte, zu viele Türen hatte sie bereits kontrolliert, und wieder waren sie alle verschlossen.
Schon wollte sie umkehren, zu endlos erschien ihr der unheimliche Korridor. Auch von den Kindern keine Spur. Keine Stimme, kein Anzeichen von Leben. Sollte sie wirklich alles nur geträumt haben?
Umso überraschender ihr letzter Versuch.
Nur noch eine Türe, die letzte dann kehre ich um. Zaghaft drückte sie gegen die Türe, sie war nur angelehnt. Das grelle Licht dass ihr plötzlich entgegenschlug blendete ihre Augen. Erschrocken wich sie zurück. Hatte man sie gesehen…? Doch keine Stimmen, kein Geräusch das auf die Anwesenheit eines menschlichen Wesens hingedeutet hätte zerriss die Stille. Und so öffnete sie von neuem die Türe die sie eben noch geräuschlos geschlossen hatte.
Irgendetwas jedoch schien darauf hinzudeuten, dass bis vor kurzem noch jemand hier gearbeitet hatte, und dass dieser jemand vielleicht bald wieder zurücksein konnte.
Kaum hatte sie diese letzte Möglichkeit in Betracht gezogen als sie Stimmen und Schritte vernahm. Sie konnte gerade noch hinter einem dichten Vorhang verschwinden, als die Männer auch schon den Raum betraten. „Majestät“, damit musste der Imperator gemeint sein! „das Kind, nicht die Frau…!“ Mit dem Kind meinte man da etwa sie…? Erst jetzt kam ihr die Bedeutung dieser Worte zu Bewusstsein.
Interessiert lauscht sie dem Gespräch von dem sie aber nur noch Bruchteile verstehen konnte, da die beiden Männer eiligst wieder das Labor verließen. Die letzten Worte machten für sie noch weniger Sinn als das zuvor gehörte. „Das Kind und der junge Graf…..!“
So schnell sie konnte verließ auch sie ihr sicheres Versteck, und ohne Zeit zu verlieren eilte sie in die Räumlichkeiten ihrer Tante. Jetzt hörte auch Tarik ihr aufmerksam zu. Von kindlicher Fantasie war nun nicht mehr die Rede.
„Man munkelt von den Klon-Kriegern des Imperators, den berüchtigten Sispanen“, meinte er nachdenklich. „Bislang waren das alles nur Gerüchte und Spekulationen, denn gesehen hat sie bisher noch keiner.“
Schon bei ihrer Ankunft waren auch ihm diese sonderbar anmutenden Wesen aufgefallen, doch behielt er seine Bedenken für sich. Unruhe auslösen, für eine Angelegenheit die vielleicht schon bald mit einer rationalen Erklärung aufwartete, entsprach nicht seinem Wesen.
„Die Kinder gestern, müssen also Klone gewesen sein…? Es waren an die Tausende dessen bin ich mir sicher!“ Masheba war außer sich, sie hatte also wirklich etwas Brisantes entdeckt.
„Ich fürchte, dass du recht hast“, stimmte Tarik ihr zu.
Nun wurde auch Hannah, die die ganze Zeit schweigend dabeisaß hellhörig. „Ihr meint also…, Klone?“
„Ich habe schon die ganze Zeit ähnliches vermutet“, gestand Tarik nun“, doch Gestern, da ich vermutete abgehört zu werden, hielt ich es für ratsam den Mund zu halten. Meine Befürchtungen scheinen aber unbegründet gewesen zu sein, denn gleich anschließend habe ich unsere Zimmer, eines nach dem anderen auf den Kopf gestellt.“ Lachend fügte er noch hinzu, „Hannah war natürlich empört, Vertrauensbruch wie sie meinte, denn ein Mann wie Adonay würde nie zu solch primitiven Mitteln greifen.“
Sie wurden abgehört, sogar in diesem Moment, doch davon sollten sie nie etwas erfahren.
Immer noch scherzend meinte er: “ich glaube, unser sonst so vernünftiges Tantchen fällt doch tatsächlich auf ein paar schöne Worte herein.“ Augenzwinkernd, zu Masheba blickend: „vielleicht sollte ich das auch einmal versuchen, wenn wir wieder einmal geteilter Meinung sind.“ Hannah war sich ihrer kleinen Schwäche wohl bewusst und so hatte sie auch gegen diese arglose Neckerei nichts einzuwenden.
In der Zwischenzeit jedoch spielte sich am anderen Ende des düsteren Korridors eine Szene ab, die Hannahs Bild, was den Imperator betraf, heftig ins Wanken gebracht hätte.
„Meine Herren finden Sie eine Lösung. Dieses Problem ist eine akute Gefahr für meine gegenwärtige Existenz und für die Ihre…, mehr muss ich wohl nicht sagen.“
„Exzellenz…“, im unterwürfigen Tonfall des angesprochenen schwang nackte Angst. Er wusste nur zu gut was die Worte des Imperators bedeuteten. Verbannung…, doch außerhalb der schützenden Kuppeln bedeutete das den sicheren und sofortigen Tot. Obwohl, und damit war er nicht der einzige, er den Tod immer öfter herbeisehnte, um nicht dieses trostlose Dasein jahrein jahraus weiter fristen zu müssen.
Das Problem des Imperators war in der Tat gravierend, betraf es doch seinen gegenwärtigen Körper. Einen Körper aus einen der letzten Stammzellen des Originals, der nun bereits seit mehr als tausend Jahren sein Leben beendet hatte.
Die damals entnommene DNA war aufgebraucht, und Gene entnommen aus geklonten Körpern waren zu anfällig und hatten nur eine begrenzte Lebensdauer.
Der Imperator war, was keiner außer seinen intimsten Mitarbeitern wissen konnte, ein Klon. Besser gesagt, er benützte aus der Elite der Menschheit eigens für ihn auserwählte Personen, um in deren geklonten Körpern seinen Lebenszyklus fortzusetzen. Schönheit und Qualität der physischen Struktur waren ausschlaggebend.
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