Die Zeit der Freiheit, der starken, stolzen und selbstbestimmten Menschen, die jenen Teil des Universums einst so lebenswert machte war vorbei. Es gab nur noch Herrscher und Beherrschte.
Doch irgendwo in den Weiten des Alls, nämlich genau hier auf Ars, diesem wilden, unfügsamen und unwirklichen Planet gab es sie noch, freie, selbstbestimmte Individuen. Die Dakuai
, Ureinwohner von Ars. Wächter der Neunten Dimension, wie die Legende sie nennt.
Unbeachtet von den Mächtigen und Eroberern, da Ars immer noch und ausschließlich aus glühenden Sand, aktiven Vulkanen und wild zerklüfteten Felsen bestand. Weithin sichtbare Zwölftausender, gesäumt von kleineren, doch keineswegs erloschenen feuerspeiender Riesen verstärkten den Eindruck von Unbezwingbarkeit. Seismische Aktivitäten, waren typisch für die Gegend und veränderten weiter das Aussehen des Planeten. All das trug dazu bei den Planeten auch weiterhin keine Beachtung zu schenken.
Keiner wusste von woher sie kamen. Auf einmal waren sie da. Den unmenschlichen Bedingungen trotzende stolze Wüstenbewohner, unfügsam und ohne Angst. Eine Voraussetzung um diesen überlebensfeindlichen Planeten zu zähmen. Frauen und Männer, die letzten freien Wesen, aufgetaucht aus dem nirgendwo, mit Fähigkeiten die man sonst nur höheren Lebensformen zuschreibt. Mit Haaren ausgebleicht von zu viel Sonne glichen sie eher Halbgöttern, Helden der Mythologie als gewöhnlichen Sterblichen. Keinem anderen Lebewesen wäre es gelungen in diesen immer noch höllischen Temperaturen zu überleben.
An manchen Tagen stieg die Temperatur fast bis zum Siedepunkt, Leben war schier unmöglich. Diese wenigen Tage reichten aus um erbarmungslos jeden Ansatz von Leben zu vernichten. Der Wüstenplanet glich einem flammenden Inferno. Sogar in den sonnenabgewandten südlichen Polargebieten schienen sich die Pforten der Hölle geöffnet zu haben. Keinem lebenden Wesen, keiner Pflanze, nicht einmal den Dakuai war es in jenen Tagen möglich unter solchen Bedingungen zu existieren. Ein Überleben, ein Leben am Limit, war in dieser Zeit nur in den südlichen Regionen, in tiefen Felsenhöhlen möglich. Wasser gewonnen aus Windfallen wurde für solche Wochen noch tiefer gespeichert und rationiert. Die nördliche Region, die den beiden Sonnen nun erbarmungslos ausgesetzt war, barst in der sengenden Glut.
Tausende von Generationen lebten im Untergrund - Zeit genug für das Leben sich anzupassen - und niemand in der Außenwelt ahnte etwas von ihrer Existenz.
Diesem unfügsamen Volk der Dakuai, Beduinen und Nomaden, war es gelungen den Planeten zu zähmen, ihn über Generationen zum Teil urbar zu machen, ohne dessen raue Schönheit zu zerstören.
Der aufwirbelnde Sand der sich nur langsam setzte verdeckte weithin die Sicht, als mit kreischenden Triebwerken das Raumschiff auf der unbefestigten Piste aufsetzte.
Die Ankunft einer Raumfähre…, ein seltenes Ereignis. Der letzte ungebetene Besuch lag nun schon Jahre zurück.
Da man, wie anderswo üblich, kein funktionierendes Kommunikationssystem besaß wusste man nie, wenn sich gelegentlich jemand bis hierher vorwagte, um wem es sich denn nun handeln könne.
Man kann darauf verzichten, denn meist bedeuten solche Visiten eh nichts Gutes meinte Tomo, der selbst vor ein paar Jahren als Fremder auf diesen Planeten gestrandet war. Tomo, der nun als geschätzter Anführer den Titel eines Bakkai trug, war nicht der einzige der diese Meinung vertrat.
Die Staubwolke die nun weithin sichtbar war lockte, wenn es nicht schon vorher der Anflug des Raumschiffes tat, die Neugierigen an.
Noch bevor sich die Luken öffneten waren bereits Hunderte von ihnen versammelt.
Harrte die Menge auf ihren Roßen bislang geduldig auf das was kommen würde, kam jetzt Bewegung in die ersten Reihen.
Dann endlich, der Ausstieg öffnete sich und eine junge Frau wurde sichtbar
Langsam, dicht gefolgt von einem Mann ihres Alters, schritt sie, neugierig um sich blickend, die Gangway herab.
Dann, ein Raunen ging durch die Menge…, und plötzlich ein nicht enden wollendes tosendes Gebrüll, dass einem Schlachtruf glich. Es war keine Fremde, wie man nun sehen konnte. Diese Haare, dieses Blond, unverkennbar, denn im Gegensatz zu den ebenmäßigen dunklen, fast schwarzen Haar des jungen Mannes leuchtete das ihre in allen Schattierungen des Sandes.
Nun kam auch in die bisher ruhig verharrenden Aufruhr. Zwei Reiter preschten aus der Menge, gefolgt von einem dritten. In seinem Stirnband steckte seitlich die Schwanzfeder eines Adlers, etwas das man schon von weitem sehen konnte.
Eine weitere Horde kam heran geprescht… näher und näher… und keiner der Reiter schien daran zu denken sein Pferd anzuhalten. In ihren Gürteln steckten Dolche und Wurfmesser. Und wie es schien, wussten sie auch Gebrauch davon zu machen.
„Was soll das?“ flüsterte der junge Mann dem Mädchen erschrocken ins Ohr.
„Sie begrüßen uns“, meinte diese schmunzelnd.
Drei weitere Männer die nun auf der Gangway erschienen wichen erschrocken zurück. War das ein Überfall…? Eines war ihnen klar, diese Wilden waren gefährlich! Doch nun konnte man die Rufe, die vorher im Tumult des lauten Durcheinanders untergegangen waren deutlich vernehmen.
„Hannah…! Hannah…! Hannah…!“
“Für einen Moment dachte ich wirklich man will uns lynchen.” Es war der junge Mann der sich erleichtert an das Mädchen wandte, dass mit Hannah lautstark und stürmisch begrüßt wurde.
Eine weitere Gruppe näherte sich dem Flieger. Speere wurden johlend in die Luft gehalten. Pfeile zischten haarscharf neben ihren Füßen zu Boden.
Dann waren sie heran, rissen ihre Pferde hoch, die sich schrill wiehernd aufbäumten und stillstanden - nicht mehr als einen Fußbreit von Hannah entfernt.
Tarik wurde auf die gleiche Art begrüßt. Auch er zuckte mit keiner Wimper. Sein Lächeln, das aber keineswegs so entspannt war wie Hannahs, sorgte nicht nur bei ein paar Halbwüchsigen, die nun ebenfalls den Flieger erreicht hatten, für Belustigung.
Einstweilen waren die beiden ersten Reiter bei der Raumfähre angelangt, immer noch dicht gefolgt von dem dritten, der auch gleich mit einem halsbrecherischen Salto vom Pferd sprang. Jetzt wirbelten die beiden ihre Pferde herum, und noch bevor Hannah den heimatlichen Boden betreten konnte wurde sie gepackt und auf das dritte Pferd gehoben, das ihnen artig gefolgt war. All das ging so schnell, dass die Männer, die als letzte die Passagiertreppe betraten nichts mehr davon mitbekamen. Laut jubelnd entführte man die junge Frau. Die Menge war außer sich, als diese nun mit ihren beiden Begleitern eine Begrüßungsrunde drehte, wobei sie lachend jeden ein paar Worte zurief.
Von einem ihrer Begleiter, der mit einem gewaltigen Veilchen aufwartete, wollte sie schmunzelnd wissen:
„Türpfosten oder Faustkampf?“
„Faustkampf, Faustkampf… Du solltest mal sehen wie der andere zugerichtet ist“, grinste er nicht ohne Stolz.
Plötzlich hielt der, der sich zu ihrer rechten befand in seinem rasanten Ritt inne und gestikulierte mit seinem Begleiter. Beide wendeten umgehend ihre Tiere, und Hannah, die immer noch in ihrer Mitte ritt folgte ihnen. Jetzt sah auch sie das Mädchen das mit einem jungen Geparden abseits stand. Mit einem Satz, als sie nahe genug heran waren, sprang sie vom Pferd und eilte auf das Mädchen zu, das dicht an das Tier geschmiegt wartete.
„Kind bist du groß geworden…!“ dann fielen sich beide lachend in die Arme. Auch der junge Mann der immer noch auf der Gangway stand hatte die Kleine gesehen und konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Wer von den beiden, das Raubtier oder das Mädchen war hier wohl das wildere Geschöpf…? Er kannte diese Tier aus Büchern, wusste, dass es seiner struppigen Babymähne nach zu urteilen noch ziemlich jung sein musste. Genau so wild ihr eigener blonder Schopf, genau so trotzig ihr Gesichtsausdruck, während sie dem lauten Treiben zusah.
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