großen Villa, wo viele alten Menschen auf Parkbänken saßen, sich
unterhielten oder Karten spielten. Frau Schuster und Koffer waren entsetzt.
Was sollte das denn werden? Irene hatte die letzte Woche Frau Schusters
Sachen hierher bringen lassen und die Wohnung aufgelöst. Frau Schuster
würde nun hier wohnen müssen. Zunächst protestierte Frau Schuster
vehement, aber schon bald merkte sie, es war nicht mehr zu ändern. Irene
packte Koffer aus und sagte: „Den brauchst du auch nicht mehr. Ich nehme
ihn mit. Ich muss sowieso unseren Speicher entrümpeln.“ Daraufhin
schnappte sie sich Koffer, stieg in ihr Auto und fuhr davon.
Kapitel 5 - Und was nun?
Koffer war absolut entsetzt. Wie konnte das nur angehen? Er wollte zurück
zu Frau Schuster. Aber wie? Erst einmal wurde er vom Rücksitz in einen
dunklen Schrank verfrachtet. Wie lange er dort war, konnte Koffer später
gar nicht mehr sagen. Irgendwann wurde er dann wieder herausgeholt und
auf den Dachboden getragen. Zwei Kinder von vielleicht 8 und 11 Jahren
wuselten über die Treppe. Frau Schuster hatte Koffer nie von ihrer Tochter
und ihren Enkelkindern erzählt. Das Verhältnis schien nicht das Beste zu
sein. Doch plötzlich spitzte Koffer die Ohren. Sprachen die da nicht über
Frau Schuster?
„Beeilt euch ein bisschen, Kinder. Wir müssen noch die Sachen packen
und auf die Straße stellen. Der Müll kommt morgen. Dann wollten wir doch
noch Oma besuchen. Dass sie diesen Mann mit dem gleichen Namen von
ihrer Reise wieder getroffen hat, ist schon komisch. Fast schon Schicksal.
Ich bin sehr froh, dass sie mir verziehen hat, ihre Wohnung leer geräumt
zu haben und dass sie sich nun so wohl fühlt. Richtige nette Menschen
sind dort. Viele Freunde hat sie gefunden.“, hörte Koffer Irene sagen. Ein
Kind antwortete: „Ja, und die Oma lacht jetzt auch wieder viel mehr!“
Koffer wurde es ganz warm ums Herz. Frau Schuster hatte sich mit ihrer
Familie wieder vertragen. Und das Allerbeste, so schien es, sie hatte den
netten Herrn Schuster von der Kreuzfahrt wieder getroffen. Wenn die
Erzählungen stimmten, und warum sollten sie nicht, schien Frau Schuster
sehr glücklich zu sein. Sie hatte neue Freunde gefunden und brauchte
Koffer nicht mehr. Doch was sollte nun mit Koffer geschehen? Da war doch
das Wort Müll gefallen. Er sollte doch nicht etwa, nein das durfte nicht sein.
Kapitel 6 - Ende gut, alles gut
Tatsächlich fand sich Koffer ein paar Minuten später vollgepackt auf der
Straße wieder. Zum Glück regnete es nicht. Die Sonne schien sogar. Aber
zum Lachen war Koffer nun wirklich nicht zu Mute. Als er noch nach
dachte, was nun wohl so aus ihm würde, hielt ein alter Wagen neben ihm.
Heraus sprang eine Frau in einem alten Kleid. Sie sah armselig aus. Aber
in ihren Augen verbarg sich ein Strahlen, das konnte Koffer sehen. Sie
rief: „Hallo. Haben Sie den Koffer zum Müll heraus gestellt? Dürfte ich den
wohl haben?“
Koffer hätte einen Luftsprung machen können. Würde nun doch noch alles
gut? Irene, die gerade dabei war noch andere Sachen für den Sperrmüll
auf die Straße zu stellen, antwortete unhöflich: „Sicher. Machen Sie mir nur
nicht so ein Durcheinander! Dann muss ich das nachher wieder
aufräumen.“ Koffer dachte, das war mal wieder typisch. Sie würde ihm
aber auch nichts gönnen.
Die junge Frau griff sich Koffer, stellte ihn vorsichtig auf die Rückbank und
fuhr los.
Das fing doch vielversprechend an, dachte Koffer.
Nach einer Weile hielt die Frau vor einem alten Bauernhaus. Kühe muhten,
Hühner stolzierten herum und hinter einem Zaun standen sogar Pferde auf
einer Wiese. Die Frau griff Koffer und trug ihn in die Küche. Sie zwinkerte
ihm zu, so wie Frau Schuster es damals bei ihrem Kauf gemacht hatte.
„Wir zwei werden uns schon verstehen“, sagte die Frau.
War es vielleicht doch Schicksal? Und welche Abenteuer warteten nun auf
Koffer?
Geschichte 2 - Koffer auf dem Bauernhof
Kapitel 1 - Bauernhofallüren
Seit zwei Jahren lebte Koffer nun schon bei Constanze auf dem
Bauernhof. Er hatte es richtig gemütlich auf der Küchenbank und um ihn
herum tobte das Leben. Was hatte er doch zu Anfang für eine Angst
gehabt, als er hierher kam. Nun, kein Wunder wenn man zunächst in
einem dunklen Lederwarengeschäft bei einem nörgelnden Herrn
aufwächst, es einen dann mit einer alten Dame auf eine Kreuzfahrt
verschlägt und man nach einem Krankenhausaufenthalt der alten Dame
zunächst sein Dasein in einem dunklen Schrank im Keller fristet. Zuletzt
stand Koffer schon beim Sperrmüll auf der Straße. Zum Glück kam gerade
im letzten Moment Constanze vorbei und schnappte sich Koffer. So ist es
zumindest in Koffers Gedächtnis hängen geblieben, obwohl bestimmt alles
gar nicht so dramatisch war. Seine beiden Besitzerinnen sprachen immer
von Schicksal, wenn es um ihn ging.
Allmählich glaubte Koffer das auch. Schließlich war er kein gewöhnlicher
Koffer. Er konnte denken, reden, wenn er sich anstrengte auch rechnen.
Schön war er nicht, durch ein paar Knuffs von Constanze, wenn die ihre
Lachattacken bekam, auch schon ein wenig verbeult. Constanze war eine
junge Frau Ende 20, trug immer alte Kleider und ihre Haare hätten auch
dringend einmal eine Schere von Nahem sehen müssen. Sie
bewirtschaftete den Bauernhof ihres alten Onkels und kümmerte sich um
die Hühner, Kühe und Pferde. Sie war eine Seele von Mensch, immer
fröhlich und gut gelaunt.
Koffer liebte Fernsehen, seit er bei der alten Frau Schuster abends immer
einen Krimi geguckt hatte. Doch Constanze hatte keinen Fernseher,
gerade mal ein Radio, was auch den ganzen Tag in der Küche dudelte. Ob
Constanze nun da war oder im Stall oder wer weiß wo. Koffer fand es
lustig und war so über das Weltgeschehen besser informiert als seine
Besitzerin. So konnte er ihr abends
immer die neusten Nachrichten erzählen und Constanze dagegen erzählte
von ihrer Arbeit mit den Tieren. So hatte Kurt, das Pferd, eines Tages alle
seine Sinne verloren und war einfach über den Zaun gesprungen. Kurt war
immerhin schon 12 Jahre alt, ein stolzes Alter für ein Pferd. Außerdem war
Kurt sonst zu faul, um auch nur vom Stall auf die Weide oder umgekehrt zu
gehen. Ob es die Frühlingsgefühle waren, die ihn dazu brachten, oder der
Sonnenschein, man weiß es nicht. Es kostete Constanze auf jeden Fall zwei
Stunden, um Kurt wieder einzufangen. Ihr Freund Alex half ihr dabei.
Alex war sowieso oft da und half Constanze, wo es nur ging. Eigentlich arbeitete
Alex in einer Bank, aber seit er Constanze kannte, arbeitete er nur noch
halbtags dort und half ihr den Rest des Tages auf dem Hof. Nicht selten
saßen sie zu dritt auf der Küchenbank und erzählten sich ihre
Tageseindrücke. Verreist waren sie eigentlich nur einmal in der ganzen
Zeit. Constanze hatte so viel Arbeit auf dem Hof, die Tiere konnten nicht
alleine gelassen werden und das Geld reichte sowieso vorne und hinten nicht. Das
erzählte Constanze zumindest an jedem Monatsende, wenn sie mal wieder nicht
wusste, wie sie die ganzen Rechnungen bezahlen sollte. Letztendlich
tauchte urplötzlich aber immer genau so viel Geld auf, wie sie brauchte.
Koffer hoffte, dass es sich nicht um Raub bei Alex Bank handelte. Er fragte
Constanze auch einmal danach: „Constanze, woher kommt eigentlich
immer das Geld am Monatsende? Alex klaut doch nicht in der Bank?“
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