wirklich mit ihren 2 Räumen nicht sehr groß-und murmelte vor sich hin.
Am Abend dann packte Frau Schuster dann mit viel Sorgfalt ihren Koffer.
Koffer war selber sehr aufgeregt. Es war das erste Mal, dass er auf Reisen
ging. Und er hatte eine ganz schöne Verantwortung zu tragen, dachte er
bei sich. Am frühen Morgen sagte Frau Schuster: „Koffer, nun geht es los.
Benimm dich ja ordentlich und blamier mich nicht. Du weißt ja, die anderen
Leute werden sicherlich nicht verstehen, dass ein Koffer sprechen kann.“
Koffer nickte, sofern man sein Wackeln so bezeichnen kann, aber Frau
Schuster verstand ihn schon. Dann flüsterte sie kaum hörbar: „Aber ich bin
verdammt froh, dass du mit kommst. So alleine, so eine weite Reise, man
kennt niemanden dort und ist eine Woche auf einem Schiff wie eingesperrt,
da ist mir doch schon mulmig. Gut, dass du da bist, Koffer!“ Eine Träne lief
ihr über die rechte Wange. Dann schellte es an der Tür, das Taxi war da
und die traurige Stimmung vorbei. Ein junger Mann stand vor der Tür und
wollte Frau Schuster den Koffer zum Auto tragen. „Lassen Sie mal, junger
Mann. Das schaffe ich gerade noch“, erwiderte Frau Schuster. Die Tür
wurde abgeschlossen und los ging es. Koffer ging wirklich auf Reisen, das
erste Mal in seinem Leben. Und er war mächtig aufgeregt, schließlich war
so eine Kreuzfahrt nicht irgendeine Reise.
Kapitel 3 - Die Kreuzfahrt
Das Taxi brachte Frau Schuster und Koffer zum Hafen. Da stand auch
schon die Astor. Ein wirklich riesiges Schiff stand dort. Viele Leute liefen
geschäftig herum, dort wurde noch etwas eingeladen, hier fuhren Autos vor
und da brachten Taxis andere Leute zum Schiff. Frau Schuster bedankte
sich bei dem Taxifahrer und stolz schritt sie auf die Gangway (das ist die
Treppe auf das Schiff) zu. Dort wurde sie von einer jungen Frau mit
schwarzen Haaren empfangen. „Ich bin Charlotte. Darf ich Ihren Namen
wissen und Sie dann zu ihrer Kabine begleiten. Den Koffer können Sie hier
stehen lassen, das Personal wird sich darum kümmern.“, sagte Charlotte.
Frau Schuster antwortete: „Nein, das möchte ich nicht!“
„Aber ich muss doch Ihren Namen wissen, damit ich Ihnen Ihre Kabine
zeigen kann“, protestierte die Schwarzhaarige.
„Mein liebes Kind, ich bin Frau Schuster. Helene Schuster. Ich meine, den
Koffer trage ich selber. Darum braucht sich keiner kümmern.“
Man konnte der jungen Frau ansehen, dass sie Frau Schuster wohl für
etwas verwirrt hielt.
In der Kabine angekommen - es war eine Innenkabine, so viel war Frau
Schuster der Zeitung doch nicht wert, dass es zu einer schönen Aussicht
gereicht hätte - packte Frau Schuster Koffer erst einmal aus.
Koffer lebte in der Woche von den Erzählungen. Jeden Abend, wenn sich
Frau Schuster für das Abendessen umzog – das ist so üblich auf einen
Schiff -, erzählte sie Koffer, was sie alles den Tag über erlebt hatte.
An einem Tag hatte sie ein Ehepaar kennen gelernt, die sich den ganzen
Tag nur mit „Schätzelchen“ und „Mäusebärchen“ riefen, damit es auch
wirklich jeder hören konnte, wie glücklich sie doch waren. Doch Frau
Schuster hatte auch mitbekommen, wie sie immer da stritten, wenn
niemand in der Nähe zu sein schien. Nicht alles ist echt, was nach außen
hin so glänzt, dachte Koffer.
Das Schwimmbad war Frau Schuster zu kalt, Golf spielen konnte sie nicht
und wollte sie auch nicht mehr lernen. So verbrachte sie viele Stunden
lesend auf dem Deck. Ab und zu drehte sie eine Runde über das Schiff,
was aber nie lang dauerte. Schließlich war es auch immer derselbe Weg,
so dass sie sich entschloss, dass 3 Uhr nachmittags spät genug sei, um
einen Drink an der Bar zu bestellen. Genau das tat Frau Schuster von da
ab jeden Tag. Dort lernte sie auch den Rentner Herrn Schuster kennen.
Es war sehr lustig, als die beiden feststellten, sie hatten den gleichen
Namen, aber waren sich noch nie im Leben begegnet und waren auch
nicht miteinander verwandt. Sie erzählten sich ihre Lebensgeschichten.
Und von diesem Zeitpunkt an, glänzten Frau Schusters Augen wieder wie
an dem Tag, als sie Koffer so günstig bekommen hatte.
Natürlich verlief sich Frau Schuster am Anfang auch regelmäßig auf dem
Schiff und musste Charlotte immer wieder zurück in die Kabine gebracht
werden. Spätestens von da ab, hielt die junge Dame Frau Schuster wohl
für verwirrt und war froh, sie später in Begleitung des doch so seriös
aussehenden Herrn zu entdecken. Koffer konnte sich bei der Geschichte
ein Lachen nicht verkneifen.
Der Landausflug war Frau Schuster zu anstrengend, weswegen sie schon
nach 2 Stunden wieder zurück an Bord kam. Die Woche verging wie im
Flug. Koffer fühlte sich sehr wohl, er meinte sogar, all die erzählten Dinge
selbst erlebt zu haben. Nie hätte er gedacht, dass Reisen so schön war.
Doch irgendwann war die Reise zu Ende und sie standen wieder am
Hafen. Natürlich versprach Frau Schuster sich bei Herrn Schuster zu
melden und umgekehrt. Doch leider sollte es anders kommen.
Kapitel 4 - Im Krankenhaus
Koffer macht sich ganz leicht, denn er merkte wie schwer es Frau Schuster
fiel, ihn die Treppe hoch zu tragen. Leider konnte er nicht selber gehen.
Nicht nur hätte es viel zu viel Aufsehen erregt, es war einfach ohne Beine
nicht möglich. Und welcher Koffer hat schon Beine? Es geschah ganz
plötzlich. Es gab ein Rumpeln und Frau Schuster lag drei Treppenstufen
tiefer. Eine Nachbarin wurde von dem Gerumpel aufgeschreckt und kam
aus ihrer Wohnung gelaufen. „FRAU SCHUSTER! Was machen sie denn
da unten?“ schrie die Nachbarin. Sie war wohl nur erschrocken, denn es
sah nun wahrlich nicht so, als würde sich Frau Schuster dort auf der
Treppe vergnügen. Das eine Bein lag ganz schief abgeknickt und bewegen
konnte sie sich anscheinend auch nicht.
„Arzt“, konnte Frau Schuster noch hauchen, bevor sie ohnmächtig wurde.
Schnell war ein Krankenwagen gerufen. Frau Schuster wachte erst wieder
auf, als sie in einem Bett im Krankenhaus lag. Inzwischen war sie schon an
ihrem gebrochenen Bein operiert worden. Ihre erste Sorge galt jedoch
Koffer. „Schwester, haben Sie meinen Koffer gesehen?“ fragte sie eine
Krankenschwester, die ihr etwas zum Trinken brachte. „Sie dürfen sich
nicht aufregen. Bleiben Sie ganz ruhig liegen“, antwortete die Schwester.
Aber Frau Schuster ließ sich nicht beruhigen. Schließlich wusste nur sie,
dass Koffer nicht irgendein Koffer war. Und gerade jetzt brauchte sie doch
eine vertraute Stimme. Energisch sprach sie: „Ich möchte meinen Koffer
haben. Bitte kümmern Sie sich darum.“ Die Schwester stutzte und
verschwand dann aus dem Zimmer. Nach 10 Minuten erschien sie mit
Koffer im Zimmer. Nach Anweisungen legte sie Koffer auf Frau Schusters
Bett. Koffer hatte Tränen in den Augen, als er Frau Schuster so blass in
ihrem Bett liegen sah. Aber sie beruhigte ihn, es wäre doch nur ein
Beinbruch. Drei Wochen blieben Frau Schuster und Koffer im
Krankenhaus. Zum Glück hatte Frau Schuster ein Einzelzimmer, so dass
sie sich den ganzen Tag immer Geschichten, Rätsel und Witze erzählen
konnten. Zweimal kam Frau Schusters Tochter zu Besuch. Sie faselte
etwas von „Nun ist Schluss, ich werde mich darum kümmern“ und
verschwand. Am Tag der Entlassung tauchte Tochter Irene wieder auf. Sie
stellte Koffer auf den Rücksitz ihres Autos und half Frau Schuster in den
Wagen. Doch sie fuhr Frau Schuster nicht nach Hause, sondern zu einer
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