Gut, du wirst nun sagen, dass es dir doch egal ist, weil wir alle eine gesunde Portion Egoismus besitzen und es daher nicht erforderlich sein muss, sich über Folgen Gedanken zu machen, bevor sie entstanden sind. Da sehe ich genau das Problem! In den meisten Fällen „zerdenken“ wir unser Handeln, bevor wir handeln und dann handeln wir lieber nicht.
Für mich stellt sich die Frage, was schlimmer ist? Verzichten wir darauf, die Dinge für uns aus der Welt zu schaffen, bleiben sie uns erhalten und vergiften unsere Seele. Die Folgen sind ähnlich, wie bei den erwähnten Konflikten, aber betreffen nur eine Person, die sich irgendwann hinter einen Zug wirft.
Trennen wir uns vom Problem, in dem wir uns nach Außen hin damit auseinandersetzen, schaffen wir eventuell neue Konfliktherde, die wir erneut anpacken müssen, ohne den Überblick zu verlieren und um uns selbst zu schützen, was allerdings, je nach Eskalationsstufe gar irgendwann nicht mehr gelingen wird und wir uns wieder hinter den Zug werfen.
Verdammte Theorie, denn wie ich es drehe, ich lande immer hinter dem Zug!
Natürlich nicht, denn offensives Verhalten ist immer besser als passives, da alles im Fluss ist, ergeben sich daher auch die neuen Möglichkeiten, die es nicht zu einer Eskalation kommen lassen müssen.
Achtsamkeit, Abgrenzung und Individualismus bilden demnach einen Dreierbund, welcher nicht getrennt werden darf. Wenn nur einer der Faktoren geschwächt ist, ist bei der Anwendung eine Katastrophe kaum zu vermeiden.
Meine Thesen – ohne Kirchentür
Jetzt möchte ich den gewohnten Weg am Gedankenbach verlassen und einmal in die Umgebung abschweifen. Ein kleiner Halt und Rast – nebenbei bemerkt, ist das Verharren und in sich gehen ist so wichtig, wie das Dahineilen. So erreichte mich der Gedanke, dass es an der Zeit ist, wie einst Luther ein paar Thesen aufzustellen. Diese werde ich vielleicht nicht in Wittenberg an die Kirchentür nageln, aber unerwähnt möchte ich sie nicht lassen. Sind sie nicht wirklich neu, aber neu interpretiert.
(1) Was du nicht willst, was man dir tu, das füge keinem anderen zu!
Ich glaube, das ist der Grundsatz des menschlichen Seins, der ein Zusammenleben in jeglicher Gesellschaftsform erst wirklich möglich macht! Wenn du diesen Satz beherzigst, kannst du verstärkt deinen Mitmenschen und dir helfen, aber zusätzlich deine Umwelt mit anderen Augen sehen!
(2) Bleibe immer neugierig und füttere dein Gehirn mit Informationen aus multiplen Quellen!
Heutzutage erhalten viele von euch Informationen aus dem Internet und ausschließlich aus sozialen Medien. Das halte ich für gefährlich, denn z. B. wenn du nur die Bild-Zeitung lesen würdest und ihr alles bedingungslos glaubst, besteht die Gefahr der Einseitigkeit und nebenbei bemerkt Verblödung.
(3) Wer aus der Geschichte nicht gelernt hat, ist verdammt dazu sie zu wiederholen. (Der Satz ist von dem amerikanischen Philosophen, Schriftsteller und Literaturkritiker George Santayana .Er stammt aus dem 1905 erschienen ersten Band (volume) seines Werkes „ The Life of Reason“, der „Reason in Common Sense„ heißt und steht dort im Kapitel (chapter) 12 („Flux and Constancy in Human Nature„), im Abschnitt „Continuity necessary to progress“.)
Versuche dich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Nutze viele Quellen und vielleicht auch Augenzeugenberichte. Verstehe, wie geschichtliche Zusammenhänge unsere heutige Zeit beeinflusst haben. Versuche sachlich zu bleiben!
Ich bin, was ich war und werde sein, was ich bin
(4) Lebe im Hier und Jetzt
Lerne aus deinen Fehlern, sammle Erfahrungen und lebe! Das Gestern ist gewesen – gesprochene Worte sind gesprochen und in die Zukunft kannst auch du nicht schauen. Was Morgen ist, weißt du nicht. Alles kann sich jederzeit ändern und du musst dich aktuell darauf einstellen.
(5) Der Weg ist das Ziel
Setze dir langfristige Ziele, die unerreichbar scheinen. Egal wie abstrakt – es sind deine Ziele und Wünsche! Ein Leben lang, (un)bewusst darauf zusteuern – dadurch entwickelst du dich stetig weiter.
(6) Halte Regeln und Gesetze ein
In einer Gesellschaft gibt es Regeln und Gesetze, die du unbedingt einhalten solltest. Auch im Staat, in dem du lebst, gilt es die diese zu befolgen. Aber prüfe ständig, ob sie nicht gegen deine Werte und Grundsätze verstoßen.
(7) Bleibe wie du bist und sei wie du willst
Du bist du, die anderen sind die anderen. Keiner kann über dich bestimmen und nur du kannst die Situation ändern, wenn dich etwas stört.
(8) Staat / Staatsformen
Lebst du in einem Staat, der dich einschränkt, dessen Mittel und Gesetze du verabscheust, dann schaue dich um und denke über Auswanderung nach. Einen Staat in seinen Grundsätzen zu ändern, wird auch dir nicht gelingen.
(9) Nur du bist verantwortlich für dein Leben
Es ist nicht möglich, dass andere Schuld an deinem Leben sind. Mit Ausnahme deine Eltern, weil sie dich in die Welt gesetzt haben, aber nur du allein bestimmst, wie du dein Leben und dein Umfeld gestaltest. Wenn du Schuld und Verantwortung anderen in die Schuhe schiebst, dann hast du bereits aufgehört frei zu sein.
(10) Gier frisst Hirn
Konsum und Wachstum gelten in unserer Gesellschaft als wichtig und du findest unendlich viele Gründe dafür, warum das so ist. Sei zufrieden mit dem was du hast! Lasse niemanden für dich die Entscheidung treffen. Ist der Job mit dem geringeren Gehalt nicht vielleicht besser, weil er dir mehr Spaß macht?
(11) Hinterfrage getroffene Entscheidungen
Im Buddhismus heißt es, treffe eine Entscheidung innerhalb von sieben Atemzügen – ein guter Ansatz. Ich denke, dass die meisten Entscheidungen schon vor dem ersten, der sieben Atemzüge getroffen wurden. Nutze einfach Zeit, um diese erneut zu prüfen.
(12) Achte auf deine Mitmenschen
In der Familie und deinem direkten weiteren Umfeld solltest du stets mit offenen Augen und Ohren unterwegs sein. Nehme sie bewusst wahr und nimm teil, diese Menschen sind für dich sehr wichtig und deshalb soll es ihnen gut gehen.
(13) Krieg und Gewalt sind keine Lösung
Kriege lösen keine Probleme, sondern schaffen welche. Zumal du dich zum Instrument von anderen machst, ohne darüber nachgedacht zu haben, ob es deine Probleme sind. Konflikte im Kleinen wie im Großen lassen sich nur mit Reden, Zuhören und aufeinander zugehen lösen. Jedoch achte darauf deine eigenen Grenzen nicht zu überschreiten.
Viele dieser nicht ganz 95 Thesen sind voneinander abhängig und wenn du sie auf ein Blatt Papier schreibst, miteinander verbindest, kommt etwas Großartiges heraus! Im Rahmen einer Mindmap kannst du dann zusätzlich deine Ideen und Anmerkungen ergänzen. Es wird tatsächlich ebenfalls ein neues Schema auf Basis der Thesen entstehen.
Es ist egal was deine Stärken und Schwächen sind, dein Selbst wird und braucht sich nicht ändern – höre nur nie auf zu denken. Ich möchte seit langem die Weltherrschaft an mich reißen, weil ich nicht leiden kann, wenn andere Einfluss auf mich nehmen zu wollen. Aber selbst wenn ich der Weltherrscher wäre, würde ich versuchen meine 13 Thesen weiterhin zu berücksichtigen.
Wir müssen noch einmal zu dem Thema deines Selbst zurückkehren. Der Satz ist vielleicht verwirrend, aber ich meine, dass dein Selbst sich nicht ändern muss. Selbstverständlich kann und darf es sich durch neue Erkenntnisse und Umstände anpassen. Wie oft erwähnt, nichts ist für immer gültig – mit Ausnahme der Grundlagen in der Mathematik.
Doch zurück zum Bach, denn die Quellen sind wieder einmal übergelaufen und produzieren was das Zeug hält. Das Schlimme daran ist, dass mein Blutdruck derart steigt, dass ich weiterschreiben muss.
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