I. Tame - Antiheld

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Luca ist ein sanfter mitfühlender Mensch. Seine Fähigkeiten als Heiler ebnen ihm einen neuen beruflichen Weg. Das ist jedoch nicht ganz einfach, wenn man einen skrupellosen Manager an seiner Seite hat. Luca fühlt sich ausgebrannt und haut in einer spontanen Nacht- und Nebel-Aktion ab. Nachdem er einige Stunden ziellos über die Autobahn fährt, entscheidet er sich spontan für die Kleinstadt Loewenherz, um sich dort für eine Weile zu verkriechen.
Hier lernt er Jackson kennen. Der hat gerade ein Zimmer zu vermieten und Luca packt die Gelegenheit beim Schopf.
Jackson führt ein eigenwilliges Leben. Er fährt Motorrad und spielt für sein Leben gern Gitarre. Auf einen festen Job pfeift er, denn mit Geld kann er nicht viel anfangen. Alles was er braucht, organisiert er sich – frei nach dem Prinzip: Eine Hand wäscht die andere.
Sein Motto: Jeder sollte nur das machen, was ihn wirklich von ganzem Herzen erfüllt.
Zwischen Luca und Jackson funkt es heftig. Und obwohl es scheint, dass sie so gar nicht zueinander passen, wollen sie es miteinander versuchen.
Ob das klappt? Ihre Chancen stehen 50:50.

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„Schon okay!“, lenkt Jackson ein. Er stemmt sich von seinem Stuhl hoch und klopft Luca einmal tröstend auf die Schulter. „Du musst nichts sagen, wenn du nicht willst. Aber sobald dir danach ist, kannst du es mir gerne erzählen. Manchmal befreit das. So, jetzt muss ich aber dringend mal pinkeln.“ Beim Hinausgehen ergänzt er lapidar: „Und dann sollten wir überlegen, woher wir was zu essen organisieren. Hast du auch so’n Hunger?“

„Organisieren?“, hakt Luca nach. „Reicht doch, wenn wir uns ein Brot machen, oder so.“

„Hähä“, lautet die kurze abgehackte Antwort aus Richtung Bad.

Luca steht auf und öffnet den Kühlschrank: Wasser, Wasser, Wasser, ein Glas Senf, ein Rest Butter. Das war’s. Kopfschüttelnd schließt er die Türe.

Jetzt betritt Jackson den Raum. „Die Butter ist alt“, erklärt er bedauernd. „Die kann man nicht mehr essen.“

„Womit auch?“, fragt Luca ratlos. „Mit ein bisschen Senf?“

Sein Vermieter kichert. „Hab‘ ich schon gemacht. Glaub‘ es oder nicht!“

Dir traue ich das ohne weiteres zu , denkt Luca fasziniert.

„Hast du keine Vorräte? Was weiß ich, Nudeln, Reis oder so?“

Jackson schiebt die Unterlippe vor und schüttelt leicht den Kopf.

„Nö, Vorräte liegen bei mir immer so lange rum, bis sie keiner mehr essen kann. Dann muss ich sie wegwerfen und hab‘ die ganze Kohle umsonst ausgegeben.“

Luca reisst fassungslos die Augen auf. „Und wenn du Hunger hast?“

„Dann organisier ich mir was!“, erklärt der grinsende Blauschopf.

„Und wenn das nicht klappt?“ Luca kapiert es nicht.

Jackson zuckt mit den Achseln. „Dann hab‘ ich wohl mal Hunger. Doch eigentlich ist immer genug Wasser da. Zwei Gläser davon und der schlimmste Hunger ist vorbei.“

„Das ist …“ Luca ist fassungslos. „… ziemlich ungesund.“

„Findest du? Also, ich fände es ungesünder, immer irgendeinen Scheiß dazuhaben und in mich reinzustopfen. Außerdem müsste ich dann ständig was essen, worauf ich eigentlich gerade keinen Bock hab‘.“

„Und wie sieht’s mit Pizza aus … gerade?“, betont Luca herausfordernd.

„Hmm.“ Gespielt grübelnd kratzt Jackson über sein Kinn. „Könnte gehen!“

Luca lacht zustimmend. „Bei mir auch. Los! Ich geb‘ einen aus. Hast du ‘ne Karte?“

„Du hältst mich wohl für total unvorbereitet, was? Die wichtigsten Dinge hab‘ ich natürlich da.“

Er zieht eine Küchenschublade auf und wühlt in einem Packen Faltblätter herum.

„Der hier ist super!“

картинка 3

Der Lieferservice ist schnell und die Pizzas riechen super appetitlich. Gerade haben sich die beiden hungrigen Wölfe im Wohnzimmer niedergelassen als es klingelt.

Jackson steht mit einem „Faszinierend“ auf und öffnet die Haustüre.

Im Hintergrund hört Luca ihn jemanden begrüßen.

„Jetzt sag‘ bloß, du hast die Pizza bis unters Dach gerochen?“

„Klar, Mann!“, erwidert eine etwas hellere Stimme. „Danke, dass du aufmachst. Ich hab‘ so einen Wahnsinnshunger. Ich glaub‘ ich könnte die Autos sämtlicher Pizzalieferanten am Geräusch erkennen. DAS und dieser super leckere Duft … die ist von ‚Salvatore‘, oder?“

„Abs, mir graut vor dir!“, lacht Jackson, während er mit dem unerwarteten Besuch das Wohnzimmer betritt.

„Abs, das ist Luca, mein neuer Untermieter. Luca, das ist Absinth, Freund und Nachbar von oben unterm Dach.“

„Absinth?“, murmelt Luca ungläubig, während er eine Hand zur Begrüßung hebt.

„Hey!“ Der Besucher beachtet Luca kaum und hebt ebenfalls lediglich kurz seine Hand. Stattdessen himmelt er Jackson an.

„Hast du’s geschafft und dein Zimmer vermietet? Jetzt sag‘ noch einmal, dass das keine geniale Idee von mir war! Wieviel gibt er dir?“

„Zweihundert für einen Monat.“

„WOW, JACKS! Party, Mann!!“, grölt Absinth begeistert.

Während er sich ganz selbstverständlich eine Pizzaecke nimmt … zufällig aus Lucas Schachtel …, wuselt er begeistert um Jackson herum. Seine aufgedrehte Art hinterlässt Spuren. Auch Jackson steht mitten im Raum und greift sich im Stehen ein Pizzastück. Sie zappeln wie zwei nervöse Hunde, während sie den Teig in sich hineinstopfen.

Langsam kauend lehnt sich Luca zurück und mustert Jacksons Nachbarn.

Er ist ein Stück kleiner als Jackson und hat dunkle abstehende Haare. Sein Teint ist ziemlich blass, wodurch die dunklen Augenringe noch deutlicher hervortreten. Zu viel Feiern, zu viel Saufen, zu wenig Schlaf , urteilt Luca automatisch. ‘Ne Bordsteinratte .

Doch gleichzeitig ist sich Luca bewusst, dass es eigentlich ungerecht ist, was er denkt. Liegt das daran, dass er sich gestört fühlt? Jacksons Freund sieht nämlich gar nicht so schlecht aus. Ja, eigentlich sieht er richtig gut aus. Zwar ist er zu blass und die schwarzen punkigen Stacheln auf dem Kopf verschönern nicht gerade sein Gesamtbild. Doch er hat feine schmale Gesichtszüge und lange dunkle Wimpern, die seine mandelförmigen – ständig fragenden – Augen fast obszön betonen. Andere würden seine kleine Nase frech oder vorwitzig finden. Und sein Mund lädt eindeutig zum Knutschen ein. Absinths schlanke Figur lässt ihn im ersten Moment zierlicher erscheinen als er tatsächlich ist. Das liegt vielleicht auch an seinen eng anliegenden Klamotten.

Endlich legt sich der Begeisterungssturm und Jackson lässt sich stöhnend neben Luca auf die Couch fallen. Absinth schiebt seinen schmalen Hintern neben Jacksons andere Seite. Eigentlich ist da nicht mehr viel Platz, lediglich die dicke gewölbte Armlehne. Doch Abs scheint auch jetzt wie ein Hund auf Jacksons Nähe zu reagieren. Er will so dicht wie möglich bei ihm sein. Nervös wippt sein auf dem Polster abgelegtes Bein.

„Hey, Lutter! Wie lange bleibst du?“

Jackson kichert in sich hinein. „Er heißt Luca, du taube Nuss.“

„Oh, sorry!“ Absinth zuckt betroffen zusammen. Verlegen lächelt er, während ein kurzer Seitenblick Luca streift. „Bin tatsächlich manchmal ein wenig taub. Kommt davon, wenn man jahrelang den Kopf bei lauter schreiender Punk-Musik vor die Boxen hält. Nicht sauer sein, wenn ich mal was falsch verstehe!“

„Keiner ist sauer auf dich, mein Süßer!“, ärgert Jackson ihn, während er seine Armbeuge um Absinths Nacken legt und ihn zu sich zieht. Ein lauter schmatzender Kuss folgt. Jacks‘ Freund kichert, während er versucht, sich wieder halbwegs gerade hinzusetzen. Auch Luca lächelt. Die beiden scheinen sich schon eine ganze Weile zu kennen; sind sehr vertraut miteinander. Sind die etwa zusammen?

„Ich weiß noch nicht genau“, antwortet er nachdenklich auf Abs‘ ursprüngliche Frage und fixiert dabei die Pizzareste auf dem Tisch. „Bin ja gerade erst angekommen. Ich brauche ein wenig Zeit für mich … will in Ruhe nachdenken, ohne dass mir sämtliche Leute …“

Jetzt spürt er Jacksons Hand, wie sie vorsichtig reibend über seinen oberen Rücken fährt. Erstaunt blickt Luca zur Seite. Niemand hört ihm zu. Abs hatte es wohl nicht lange auf der Couchlehne gehalten. Er war unmerklich auf Jacksons Schoß gerutscht. Seine Hände streichen liebevoll über die Brust seines Gastgebers, während ihre Lippen sich in einem tiefen Kuss verlieren.

Jacksons rechte Hand vergräbt sich gerade in Lucas Mähne. Jetzt löst er sich von dem Kleineren und blickt Luca mit leicht glasigen Augen an. Hellblau, dunkelblau. Luca kann sich nicht entscheiden wie er Jacks Augenausdruck erwidern soll. Er kann diesem Blick einfach nicht standhalten. Zumal er jetzt auch noch einen sanften Druck auf seinem Hinterkopf spürt.

„Komm her!“, flüstert Jackson, bevor er Lucas Lippen geradezu verschlingt. Dieser lässt sich kurz gehen, doch wirklich nur sehr kurz. Er versteift sich, drückt Jacks‘ Oberkörper von sich und steht abrupt auf.

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