I. Tame - Antiheld

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Luca ist ein sanfter mitfühlender Mensch. Seine Fähigkeiten als Heiler ebnen ihm einen neuen beruflichen Weg. Das ist jedoch nicht ganz einfach, wenn man einen skrupellosen Manager an seiner Seite hat. Luca fühlt sich ausgebrannt und haut in einer spontanen Nacht- und Nebel-Aktion ab. Nachdem er einige Stunden ziellos über die Autobahn fährt, entscheidet er sich spontan für die Kleinstadt Loewenherz, um sich dort für eine Weile zu verkriechen.
Hier lernt er Jackson kennen. Der hat gerade ein Zimmer zu vermieten und Luca packt die Gelegenheit beim Schopf.
Jackson führt ein eigenwilliges Leben. Er fährt Motorrad und spielt für sein Leben gern Gitarre. Auf einen festen Job pfeift er, denn mit Geld kann er nicht viel anfangen. Alles was er braucht, organisiert er sich – frei nach dem Prinzip: Eine Hand wäscht die andere.
Sein Motto: Jeder sollte nur das machen, was ihn wirklich von ganzem Herzen erfüllt.
Zwischen Luca und Jackson funkt es heftig. Und obwohl es scheint, dass sie so gar nicht zueinander passen, wollen sie es miteinander versuchen.
Ob das klappt? Ihre Chancen stehen 50:50.

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Jetzt dürfte es ungefähr 10:00 Uhr sein. Das Café ist gut besucht, doch Luca ergattert einen gemütlichen Platz an der vorderen Fensterfront. Der Korbstuhl knirscht als er sich ziemlich fertig fallen lässt. Helle fröhliche Farben und gemütliche Sitzgruppen machen den Charme des Cafés aus. Die Wände verzieren Original-Zeichnungen aus Buntstift, Aquarell und Öl. Das Thema Kaffee steht natürlich immer im Mittelpunkt. Ein strubbeliger Blondschopf nähert sich freundlich lächelnd.

„Hallo und herzlich willkommen. Gefallen dir die Bilder? Die hat ein Freund gemalt. Sind alle zu verkaufen.“

Luca lächelt. „Sie gefallen mir wirklich sehr gut, doch eigentlich möchte ich lieber ein Frühstück.“

„Na klar! Was darf’s denn sein?“

Luca sieht zu ihm empor. „Tja, ich weiß nicht … Kaffee und … viel … von allem!“

Der junge Typ lacht. Sein fröhliches Wesen scheint die Stimmung der Gäste automatisch anzustecken.

„Verstehe!“, grinst er schließlich. „Wir stellen was Schönes für dich zusammen.“

In diesem Moment antwortet Lucas Magen für ihn. Ein langgezogenes tiefes Knurren ertönt. Beide Männer lachen.

„Ich geh‘ ja schon“, flachst der Blonde, während er sich bereits abwendet. „Uschi!“, ruft er in den hinteren Bereich des Cafés. „Ein großes Frühstück, bitte! Und beeil dich! Hier sitzt ein knurrendes Raubtier am Fenster.“

Lachend lehnt sich Luca zurück und schließt die Augen. Schön, vormittags einfach mal irgendwo in einem Café zu sitzen. Keine Termine, kein Leid anderer, kein Joey, der ihn vor sich her schubst. Inzwischen verbindet Luca allein Joeys Stimme mit Hetzerei, Gedrängel und Stress. Wahrscheinlich ist das ein wenig ungerecht. Doch der sich im Sonnenschein entspannende Mann am Fenster dieses kleinen gemütlichen Cafés bringt seinen Manager momentan nur noch mit unangenehmen Dingen in Verbindung.

„So, hier ist schon mal dein Kaffee. Du siehst echt fertig aus.“ Ganz selbstverständlich duzt ihn der Kellner. Das fällt Luca erst jetzt auf; doch es gefällt ihm. Dadurch fühlt er sich ein wenig zu Hause. Leise klimpernd wird eine kleine Kanne, die Tasse sowie Milch und Zucker vor Luca aufgebaut.

„Ich bin ziemlich lange gefahren.“ Das stimmt zwar nicht ganz, aber Luca hat nicht vor, seine Lebensgeschichte zu erzählen.

„Hast du noch eine weite Fahrt vor dir? Dann kann ich dir was für unterwegs vorbereiten lassen. Uschi macht tolle Baguettes.“

Luca lächelt. „Nein, danke. Eigentlich überlege ich, eine Weile zu bleiben. Gibt’s hier ein nettes kleines Hotel oder eine Pension?“

Der Kellner nickt. „Klar, gibt’s hier auch. Aber wenn du etwas länger bleiben möchtest hätte ich eine andere Idee, die für dich viel preiswerter wäre. Ein Kumpel hat gerade ein Zimmer zur Untermiete frei. Schöne Wohnung in einem Altbau. Da hättest du dein eigenes Zimmer; zwar nicht riesig, aber für eine kurze Zeit ideal. Soll ich mal nachfragen, ob das noch frei ist?“

Luca nickt glücklich. „Super Idee.“

„Mika! Raubtierfutter ist fertig!“, ruft eine Frauenstimme aus dem Hintergrund.

„Komme!“, lacht er.

Eine halbe Stunde später hat Luca alles verputzt was an Essbarem vor ihm aufgebaut wurde. So üppig hat er schon lange nicht mehr gefrühstückt. Üblicherweise isst er morgens lediglich eine Banane oder einen Apfel. Na ja, oft fehlt ihm einfach die Zeit; außerdem verputzt er Obst mit Leidenschaft. Egal! Das Frühstück gerade war echt super.

Befriedigt lässt er sich in die Polster seines Stuhles zurücksinken, während er genüsslich immer mal wieder an seinem Kaffee nippt.

„Wie ich sehe, hat es dir geschmeckt“, wird er von der Seite angesprochen. Mika steht grinsend neben ihm, ein Handy in der Hand.

„Darf ich?“, fragt er höflich, während er auf den gegenüberliegenden Stuhl deutet.

„Natürlich“, antwortet Luca schnell und setzt sich gerade hin.

Während er sich niederlässt, wählt der Kellner bereits. Einen Moment lang lauscht er. Dann zieht ein breites Grinsen über sein Gesicht.

„Ich bin’s … Mika. Hi, Jackson. Hab‘ ich dich geweckt?“

Gemurmel auf der anderen Seite. Mika verzieht feixend das Gesicht.

„Du fauler Sack. Wir haben fast Mittag und du liegst immer noch in den Federn … ach so … die Muse hat dich gestern Nacht geküsst. So so, besagte Muse würde ich gerne mal kennenlernen. War wahrscheinlich wohl eher Abs, der dich geküsst hat.“, ärgert er die Stimme am anderen Ende und lacht fröhlich.

„Hör‘ mal“, unterbricht der den lautstarken Protest, der auch für Luca gut zu hören ist. „Ist dein Zimmer noch frei? Ich hab‘ hier jemanden, der Interesse hätte, es zu mieten … Ja? … Super!“

Er zeigt Luca einen erhobenen Daumen.

„Wieviel willst du dafür? … Wie, ist mir egal?! Du musst doch eine Vorstellung davon haben, was du an Miete haben willst.“

Jetzt nickt Mika ergeben und verzieht dabei den Mund. „Ja, ja, ist ja schon gut. Ich weiß, du MUSST überhaupt nichts. Dann solltest du vielleicht besser direkt mit …“

Jetzt blickt er fragend über den Tisch.

„Luca“, souffliert dieser leise.

„… ihm reden; Luca heißt er. Er kommt gleich mal vorbei, okay? Gut. Nichts zu danken. Ciao.“

Immer noch lachend drückt der Blonde das Gespräch weg. „Ich schreibe dir die Adresse auf. Ist aber leicht zu finden. Zwei Querstraßen weiter. Das Haus liegt in einer ruhigen Seitenstraße. Wenn du ein paar Meter an der Hausnummer vorbei fährst, siehst du einen kleinen Parkplatz. Da ist meistens was frei.“

Zufrieden lehnt sich Luca zurück. „Das hört sich toll an, Mika. Und entschuldige, dass ich mich bei dir noch nicht richtig vorgestellt habe. Luca Denero.“ Er hält Mika seine rechte Hand entgegen.

„Mika Sundberg“, erwidert dieser, während er sie ihm lächelnd schüttelt.

Nachdem er gezahlt hat, verlässt Luca leise summend das Café. Er hat ein wirklich gutes Gefühl bei der Sache. Loewenherz wird vorerst sein neuer Unterschlupf. Gemächlich schlendert er zu seinem Auto.

Mika blickt ihm eine Weile hinterher, während er gedankenverloren mit dem Daumen seiner linken Hand über die rechte Handinnenfläche reibt. Es kribbelt ihn da irgendwie.

Die Adresse war wirklich leicht zu finden. Luca steht vor dem Eingang eines wunderschönen Altbaus. Die hellblaue Fassade lässt das Gebäude aus den angrenzenden Häusern hervorstechen. Dazu die weiß abgesetzten Mauersteine mit verspielten Steinornamenten um die großen halbrunden Fenster … wirklich sehr schön.

„So, jetzt bei Green klingeln. Hier! Jackson Green!“, murmelt er gedankenverloren.

Entschlossen drückt Luca auf den Knopf. Außer dem Namen Green befinden sich noch zwei weitere Namensschilder an der Klingelanlage. Und schon surrt der Türöffner.

Luca drückt die schwere hölzerne Eingangstüre auf und steht in einem für Altbauten typischen großzügig bemessenen Treppenhaus. Mosaike verzieren den Boden und eine breite dunkle Holztreppe führt am Ende des Eingangsflures in die erste Etage.

Doch bevor der Suchende überlegen muss, ob er nun die Treppe erklimmen soll oder nicht, bemerkt er die geöffnete Eingangstüre der Erdgeschosswohnung.

Vorsichtig nähert sich Luca.

„Komm rein!“, ruft jemand aus dem Hintergrund. „Nur keine Scheu. Ich zieh‘ mich gerade an.“

Folgsam überschreitet Luca die Schwelle und schließt die Wohnungstüre hinter sich.

Neugierig schweift sein Blick umher. Er liebt die hohen Decken; das Flair, das so ein Altbau ausstrahlt. Der knarzende Dielenboden gehört natürlich auch dazu. Doch so schön die Wohnung auch ist, sie scheint recht minimalistisch eingerichtet zu sein. Das karge Interieur wird ihr irgendwie nicht gerecht. Zu kahl, zu lieblos. Im Flur hängt lediglich ein riesiger Spiegel mit schwarz lackiertem Holzrahmen. Luca kann es nicht beschwören, doch das Teil sieht antik aus. Ebenso der unglaublich riesige Leuchter an der Decke. Außer einigen verzierten Garderobenhaken aus Messing und einem Schlüsselboard nah am Eingang ist der Flur jedoch leer. Jetzt tut sich was in einem der abzweigenden Zimmer.

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