Geschlagen pustet Luca seinen angehaltenen Atem aus. „Na gut!“, lenkt er ein. „Doch bilde dir bloß nicht ein, dass ich mich einfach ins Auto setze und mitkomme!“
„Alles klar“, beruhigt ihn Joey. „Ich will nur in Ruhe mit dir reden, das ist alles. Ja? Luca?! Komm‘, Süßer! Geh‘ duschen! Du stinkst bis hier hin.“
Wie ein braver Sohn dreht sich Luca um und schlurft Richtung Badezimmer.
Zufrieden sinkt Joey auf das alte verschossene Sofa und verschränkt wartend die Arme vor der Brust.
Wie er so da sitzt, würde man nicht glauben, dass er ein durchtriebenes abgefucktes Dreckstück sein kann. Er sieht dafür zu … harmlos aus. Ja, harmlos. Wie der Typ von nebenan. Der, der seiner alten Nachbarin auch schon mal die Einkäufe heimträgt. Seine achtunddreißig Jahre sieht man ihm nicht unbedingt an. Den meisten Leuten fällt es schwer, sein Alter zu schätzen.
Er ist ein wenig pummelig, weil er seinen Körper gnadenlos vernachlässigt. Doch sein rundes Gesicht würde er – selbst bei strengster Diät – beibehalten. So ähnlich wird es wohl Renée Zellweger gehen. Die kann abnehmen, so viel sie will … ihre vollen Gesichtszüge bleiben; da könnte höchstens ein Chirurg eingreifen.
Kleine rot-blonde Löckchen sind Joeys Fluch. Er wird für den Rest seines Lebens die gleiche Frisur tragen müssen. An den Seiten kurzgeschnitten und oben etwas länger. Völlig durchgeknallt kringelt sich die rötliche Bande auf seinem Kopf. Dazu blitzen blaue Augen frech aus seinem Gesicht. Das gibt ihm etwas Jungenhaftes, Unschuldiges. Diese Tatsache weiß Joey natürlich ebenfalls für sich zu nutzen. Neben seiner raffiniert-gekonnten Art, die Menschen verbal einzuwickeln, setzt er sein Äußeres ein, um seinen Worten Wahrhaftigkeit zu verleihen. Nach dem Motto: Sieh‘ mich an! Als würde ich nicht die Wahrheit sagen! Das glaubst du doch selbst nicht. Ein Typ wie ich … und lügen?! Also bitte!!
Gelangweilt spielt Joey an seinem Handy herum. Was ein Glücksfall, dass dieser Typ ihn angerufen hat. Das war wirklich ein Geschenk des Himmels. Zuhause rennen ihm die Leute die Bude ein und was tut Signore? Haut einfach ab! Empört schnaubt Joey leise, als er an den Moment zurückdenkt, an dem er realisierte, dass Luca tatsächlich weg war. Gerade jetzt!
Endlich hat er einige Eheweiber der lokalen Politgrößen angelockt. Luca hätte sich wirklich keinen ungeeigneteren Moment aussuchen können, um auszuflippen. Die Ladies werden doch schon feucht, wenn sie ihn nur sehen; egal ob er schließlich heilt oder nicht. Sein Aussehen und seine schüchterne Art lassen die Kassen klingeln. Sie könnten schon lange steinreich sein.
Seufzend erhebt sich Joey und schlendert durch die Wohnung. Was für eine lieblos eingerichtete Bude. Wie kann er sich hier nur wohl fühlen?
Auch Jacksons Zimmer inspiziert er. Hmm, überquellender Aschenbecher, eine fast leere Wodkaflasche, leere Chipstüten. Die müssen ja mächtig gezaubert haben. Zerwühlte Bettwäsche, benutzte Kondome … ach so !
Joey grinst. Jetzt ist ihm auch klar, warum Luca unter keinen Umständen zurück will. Der hat wohl endlich einen anständigen Stecher gefunden.
Mit einem breiten Grinsen empfängt er Luca, als dieser geduscht und angezogen das Wohnzimmer betritt.
„Wir können!“, murmelt er missmutig.
Und wir werden , antwortet Joey in Gedanken. Doch laut erwidert er nur: „Na, dann komm!“
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