Was mich jedoch bei der Angelegenheit „Putzfrau“ am meisten aufbaut, ist der Fakt, dass ich endlich und ohne länger auf die Einsicht meines Mannes zu warten, mir Hilfe in Sachen Ordnung und Sauberkeit in unserem Haushalt geholt habe.
Geld haben wir, ich und mein Mann, genug, Gott sei Dank. Auch unsere beiden Kinder können wir gut versorgen. Wir sind so gut situiert, das man uns, freilich nicht ohne Häme, „Milliardäre“ nennt. Das ist maßlos übertrieben, denn zu Milliardären fehlen uns weit über 99 Prozent von den 1000 Millionen, die dazu nötig sind.
Es ist wahr: Seit vielen Jahren schon geben wir monatlich für unseen Lebens – Haus – und Hofunterhalt monatlich eine Summe aus, von der eine schwer arbeitende Verkäuferin, in welcher Supermarktkette auch immer, nur träumen kann. Es kommt nicht daher, weil wir irgendwelche überdurchschnittlich gut dotierten Stellen bekleiden, Unmengen geerbt, übertrieben gespart hätten oder sonst etwas. Nein, wir hatten einfach kein Bedürfnis danach, ein Leben auf hohem Fuß zu führen. Dies führte nicht dazu, uns auf dem einem oder anderen Dorffest ein Getränk mehr nur deswegen nicht zu gönnen, weil man für das gleiche Geld im Supermarkt gleich einige Flaschen davon bekommen könnte. Ein ganzes Leben lang fuhren wir auch nur Mittelklassewagen, denn es gelüstete uns nicht danach, mit teuren Autos zu protzen. Allerdings eine verschrobene Pfennigfuchserin war ich nie. Ich mag auch schöne Kleidung und habe davon nach meinem Ermessen genug. Dass mein Leben mir aber einen Überfluss an Gelegenheiten geboten hätte, mich äußerlich hübsch zu machen, kann ich nicht behaupten. Ich habe diesbezüglich jedoch keinen Nachholbedarf. Ich werde auch weiterhin weder die Pferde im kniefreien Kleid füttern noch in Pumps meine Hausarbeit verrichten. Mich sauber und adrett zu kleiden – die Gelegenheiten dazu werde ich allerdings in Zukunft noch öfters nutzen.
Das mit unserem Wohlstand kam, weil wir von Haus aus so gestrickt waren, dass man Geld zusammen hält, denn die Not der Nachkriegszeit saß noch tief in den Knochen. So legten wir alles, was nicht verbraucht wurde, auf die Seite, und sobald genug da war, investierten wir es in Miethäuser.
Vielleicht würde der eine oder der andere im Dorf es zutreffend finden, wenn auf meinem künftigen Grabstein der unmögliche Spruch „Arbeit war ihr Leben“ stehen würde. Da wäre ich aber nicht ganz zufrieden, denn ich möchte schon mein restliches Leben noch mit anderen Inhalten füllen. Denn ich lebe noch und ich möchte nicht mehr nur noch dafür leben, dass das Geld immer mehr wird. Es wird sowieso, aus sich heraus, noch mehr, denn soweit haben wir es materiell durchaus gebracht. Jedoch ich habe dafür einen viel zu hohen Preis bezahlt, weil ich es nicht anders wusste. Oder soll ich sagen: Weil ich mir nicht zutraute, anders zu leben? Jetzt, Hier und Heute, traue ich mich und nur das zählt.
Mich hat inzwischen die banale Redensart „Das letzte Hemd hat keine Taschen“ erreicht, aber nicht oberflächlich, wie sie einem jeden Menschen bekannt ist, sondern sie ist bis in das Tabernakel meiner Seele gedrungen.
Heißt das, ich will jetzt mein Leben damit verbringen, unser Geld zu verbraten? Keineswegs. Ja, ich möchte schon in Urlaub fahren und klar, das kostet was. Allerdings es ist mir ebenfalls klar, dass ich mir für das ganze Hab und Gut, das wir unser eigen nennen dürfen, die ersehnte Zufriedenheit und Sättigung nicht kaufen kann. Doch eines möchte ich bestimmt nicht: Wie ein seelenloser Roboter in meinem restlichen Leben noch mehr Geld anhäufen. Ich möchte nicht so enden, wie die über achtzigjährigen Frauen, denen man zuweilen in den Banken und Sparkassen begegnet, die ihr Geld, das sie sich vielleicht vom Munde abgespart haben, noch auf viele Jahre anlegen, weil sie weder mit diesem noch mit ihrem Leben etwas anderes anzufangen wissen. Und wir, ich und mein Mann, sind in der glücklichen Lage, des Geldes wegen nicht mehr arbeiten zu müssen. Das heißt nicht, dass wir es nicht machen wollen oder sollen. Aber wir müssen es nicht, um unsere Töpfe voll zu kriegen, die Zimmer warm und erleuchtet zu halten, uns angemessen kleiden und unsere finanziellen Verpflichtungen vom Guthaben bezahlen zu können
Ich möchte, das die Geringschätzung aus meinem Leben verschwindet. Ich möchte über alles, was meine Angelegenheiten und meine Person anbetrifft, konsultiert werden. Ich möchte nicht ungefragt in Anspruch genommen werden. Ich möchte, das man hört, was ich sage und sich darüber nicht einfach hinwegsetzt als wäre ich ein Nichts.
In Sachen Geld ist das bei uns aber so. mein Mann kauft ein Grundstück und informiert mich erst im nach hinein darüber. Er steckt Geld in einen Hallenbau, den er mit etlichen Treckern und einer Unmenge an Zubehör, Werkzeug und Spezialwerkzeug füllt, ohne mich gefragt zu haben, ob ich meine 50% Anteil am Vermögen in ein solches Vorhaben anlegen will oder nicht.
In sein Hobby, dass weitgehend sein Leben ausfüllt, steckt mein Mann also einen Haufen Geld rein, und zwar nach eigener Lust und Laune. Für ein neues Ehebett nach 35 Jahren aber musste ich einen zweijährigen Kampf führen, um es endlich bestellen zu dürfen. Hallo? Wo sind wir denn? Darf ich denn über meine 50 Prozent nicht frei verfügen?
Ich will konsultiert werden! Ich bin keine Wohlstands- und Machtbeschafferin für andere! Ich will nicht behandelt werden wie der Mohr, der seine Schuldigkeit getan hat, wonach er sich in die Unmündigkeit zu verdrücken und weiter zu ackern hat, auf dass andere wohlhabend und wichtig tun können! Der Argument „Im Lichte der Rechtslage gehört sowieso alles zu 50% Dir!“ zieht nicht, denn ich will auch an Entscheidungen über meine 50 % beteiligt werden, mitreden dürfen, ich brauche keinen Vormund, der für mein Wohl sorgt. Ich habe über 40 Jahre lang für das Wohl dreier anderer Menschen gesorgt, damit sie sich ihren Dingen zuwenden können. Somit habe ich hinreichend bewiesen, dass ich auch für mich persönlich sorgen kann. Der Luft zum Atmen mag es egal sein, ob man ihr Vorhandensein stets wahrnimmt, mir ist es nicht egal, denn ich bin ein Mensch, der ohne wahrgenommen zu werden verdorrt wie die Pflanze, der man Wasser entzieht.
Es ist beileibe nicht so, dass ich meinem Mann sein Hobby nicht gönne, im Gegenteil, ich sehe doch, wie viel Freude er daran hat, und ich hätte sowieso eingewilligt, wenn er gefragt hätte; aber ich wäre mir als ernst genommene Partnerin vorgekommen, als gleichberechtigt. Was muss das für ein himmlisches Gefühl sein!
Die Einstellung der Putzfrau habe ich aber auf meine Kappe genommen. Habe mich endlich getraut, etwas, was ich für nötig halte, auch ohne Segen meines Mannes durchzusetzen.
3. Das Ändern
Ich will die Welt nicht ändern. Nicht mal Immanuel Kant oder Nikolaus Kopernikus wollten die Welt ändern. Sie haben nur in sich hineingehorcht und um sich geschaut und niedergeschrieben was sie fanden, und als der König dem Immanuel den Mund verbot, hat dieser ihn auch gehalten. Sobald sich aber die Lage änderte, hat er weiter geschrieben und seine Arbeit hat die Welt verändert. Auch viele andere, die die Welt zum Positiven veränderten, haben gar nicht daran gedacht, genau das zu erreichen, sondern einfach nur gemacht, was sie meinten, machen zu müssen. Meine Lage ist da schon anders. Ich möchte mich ändern, damit die Welt um mich herum sich ändert, denn nur wer sich selber ändert, kann auch andere, somit seine Umwelt, verändern. Am liebsten würde ich alles belassen wie es ist, aber dann verschwindet nicht der Druck von meiner Seele. So bleibt mir nichts anderes übrig, als mich zu verändern. Ich möchte mich nicht ändern, um die Welt zu verbessern, sondern nur deshalb, dass endlich auch Helle und zufriedene Gelassenheit in mein Leben eintreten. Das bin ich mir wert.
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