Wenn Sie freundlich sind, geben Sie anderen den Platz, den Sie sich selbst geben würden, denn von Natur aus lieben und achten wir uns selbst. Freundlichkeit fügt allen Dingen eine Liebenswürdigkeit hinzu. „Der verborgene Impuls, aus dem die Freundlichkeit wirkt, ist ein Vermögen, das man zu recht den nobelsten Teil Ihres selbst nennt. Er ist ein unbezweifelbarer Überrest des vollkommen Bildes und Gleichnisses Gottes, wie wir am Anfang ins Dasein gerufen wurden. Er entspringt aus der Seele des Menschen.“ 10
Freundlich zu sein, einen Akt der Nächstenliebe zu tun ist nichts weniger als die gelebte Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus, der uns gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.“ (Lk 10,27)
Also nächstes Mal, wenn Sie ein Verkehrsschild sehen, das Sie auf zusammenkommende Fahrbahnen hinweist, verstehen Sie es als Einladung zur Nächstenliebe, damit sich das Leben von der heiteren Seite zeigen wird. Ubi caritas et amor, Deus ibi est – Wo die Liebe ist, dort ist Gott. 11
V on Kindern fernhalten! Sie sehen diesen Warnhinweis auf den Verpackungen einer großen Zahl von Konsumgütern und Haushaltsprodukten, von Petroleum bis Papierkleber, von Klebeband bis Insektenschutzmittel und Nagelpolitur – aus nachvollziehbaren Gründen. Kinder kennen die möglichen Gefahren nicht, die von diesen Dingen ausgehen könnten. In ihrem verspielten und unschuldigen Wesen, können kleine Jungen und Mädchen ersticken an Backmehl, sich ihre Finger mit dem Küchenmesser verletzen, Haarshampoo trinken oder das Haus mit Streichhölzern anzünden. Wenn Kinder mit solchen Dingen spielen, dann ist das wirklich unsere Verantwortung. Denn sie wissen nicht, was sie tun. Oder tun sie es etwa? Wir wissen es besser und es kann von uns erwartet werden, die Aufsicht über diese Sachen zu haben. Also wenn Produkte ein Etikett mit einer Warnung enthalten, geraten Kleinkinder in Schwierigkeiten, wenn wir nachlässig damit umgehen.
Hier ist ein Beispiel dafür. Eine Mutter ging für eine kurze Zeit aus dem Haus, um das Gartentor zu öffnen und als sie drei Minuten später zurück war, war ihr kleiner John, ein fünfjähriger, hyperaktiver Junge, der an Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leidet, schon dabei ihre Badeschuhe im Mikrowellenherd zu rösten. Nur wenige Tage vorher machte dasselbe Kind ein Papierschiffchen aus einem Blatt Papier, das sich als Kaufvertrag erwies, den er von einem Schreibtisch weggenommen hatte. Die notarielle Urkunde drehte im Pool Kreise. Sowohl die Schuhe, wie das Dokument sind im Grunde harmlos. Wir können jedoch überrascht sein, was Kinder – Geschöpfe ohne den vollen Gebrauch des Verstandes – mit diesen Dingen machen können. Die „Streiche“ des kleinen Johns mögen oder mögen auch nicht ein Vorbote des Art Mannes sein, der er in Zukunft mal sein wird. Vorerst werden seine Aufpasser die Hauptlast der Folgen seiner „Vergehen“ tragen müssen.
Von Erwachsenen fernhalten
Wie wäre es mit einem Hinweis wie diesem: Von Erwachsenen fernhalten. Haben Sie das jemals gesehen? Selbstverständlich gibt es das nicht. Sie können fragen, wo die Aufschrift denn überhaupt angebracht werden könnte. Außer wenn sie betrunken sind, unter Drogen stehen, oder geistig verwirrt sind, wissen Erwachsene sehr genau, wo, wann und wie sie Mehl, Petroleum, Papierkleber, Klebeband, Insektenschutzmittel oder Nagelpolitur zu verwenden haben. Dabei gibt es eine andere Art Gefahr für erwachsene Männer und Frauen, die Kinder kaum betrifft, weil die Erwachsenen „wissen“, was sie machen, während die Kinder völlig ahnungslos sind – bis sie ebenfalls älter werden.
Ich beziehe mich hier auf moralische Schadstoffe, die bis zum letzten Winkel in unserer Gesellschaft anzutreffen sind. Sie sind überall – als Teil des modernen Lebens, eingebettet in Sitten und Gebräuche, akzeptiert von einem großen Teil der Bevölkerung und sie werden sogar gerühmt als Zeichen des Fortschritts und Kennzeichen einer modernen Gesellschaft. Niemand ist immun gegen diese spirituelle Verunreinigungen. Sogar Menschen von unbezweifelbarer Rechtschaffenheit sind ihnen häufig ausgesetzt, wie passive Raucher, die unfreiwillig den Nikotin einatmen, den die Nutzer der Zigaretten ausgeatmet haben.
Wir finden kaum Hinweise, um uns vor moralischen Gefahren zu schützen. Gerade diese vergiften die menschliche Seele und verderben den Kern unseres Seins. Dies mag absurd klingen, aber ich mag es, mir vorzustellen, dass eines Tages dieser Warnhinweis - „Von Erwachsenen fernhalten“- in einer großen, auffälligen Schrift auf illegalen Drogen, Pornographie, abtreibenden Mitteln, blasphemischen Materialien und ähnlichen Dingen gedruckt wird. Vielleicht ein ähnliches Symbol, nur größer, wie dasjenige an Hochspannungszäunen und -drähten sollte am Eingang von Lokalen mit zweifelhaften Ruf hängen, aber auch an Plätzen, die zu Schlägereien ermutigen.
Albern? Widersinnig? Altmodisch? Nicht, wenn wir wirklich ehrlich zu uns selbst sind. Haben Sie sich jemals gefragt, wieso Tabak, Alkohol, Glücksspiel und an manchen Orten sogar Kaffee und Limonade als „sündhaft“ gewertet werden und wieso diese und ähnliche Produkte gesondert besteuert werden? Es ist ganz einfach. Dies sind in der Gesellschaft unerwünschte Produkte und Dienstleistungen; wegen ihrer ungesunden Natur werden sie gesellschaftlich geächtet; und damit die Menschen – irgendwie – ihr Verhalten ändern, werden sie mittels staatlicher Gesetze gleichsam „ausgebremst“. Man stelle sich auch die schädlichen Auswirkungen von Produkten und Dienstleistungen vor, die geradezu unmoralisch sind.
Wie so viele Menschen, gehen wir vielleicht mit einem Achselzucken als Geste der Gleichgültigkeit darüber hinweg. Tief in unserem Inneren wissen wir jedoch nur allzu gut, dass manche Angebote im Handel Familien und Einzelpersonen einen wirklichen, ernsthaften Schaden zufügen. Sie mögen elegant, lässig und spaßig erscheinen, aber ihre zerstörerische Wirkung ist vergleichbar mit dem, wie Termiten in Holzbretter hinein fressen. Schritt für Schritt machen sie uns geizig, lüstern, unmäßig, träge, neidisch, materialistisch, rachsüchtig, respektlos und unehrlich. „Du lässt zu, dass deine Sinne und Kräfte aus jeder Pfütze trinken. - Ergebnis: du kannst dich nicht konzentrieren, du bist zerstreut, dein Wille schläft, deine Begehrlichkeit ist hellwach.“ 1
Was für eine Ironie wäre es doch, wenn ein Kind einen Erwachsenen tadeln würde, statt andersherum. Genau das passierte jedoch in einer Familie, die ich gut kenne. Ihr jüngstes Kind, ein neunjähriger Junge, erzählte seinem Vater, als dieser auf dem Sofa saß, um eine liederliche spät-abendliche Fernsehsendung zu sehen: „Du sollst das nicht gucken, Papa!“ Als er das sagte, stellte er sich direkt vor dem Fernseher, um diesen mit ausgestreckten Armen abzudecken. Der Vater war ziemlich verblüfft und spornte seinen Sohn an, ins Bett zu gehen, dachte dann aber über dessen Worte nach und da ihm Gewissensbisse kamen, wechselte er den Kanal.
Fernsehen, Internet, Smartphones und DVDs sind natürlich nicht etwas an sich Schlechtes. Sie sind bewundernswerte Arbeitsmittel und eine gute Quelle für Unterhaltung. Sie können jedoch auch zerstörerisch wirken. Es hängt alles vom Benutzer ab, von der Disposition seines Herzens. Wir können zum Beispiel auf Internetlinks klicken, die uns entweder Weisheit oder Schund, Gebet oder Pornographie, Frieden oder Gewalt vermitteln. Kein Filter wird uns besser beschützen als Selbstbeherrschung.
Billige Vergnügungen verleiten uns zu dem Gedanken, dass sie uns wirklich glücklich machen können. Die rechte Einsicht wird oftmals dank unserer niederen Triebe und unserer säkularen Umwelt vom Nervenkitzel einer schnellen Befriedigung übertrumpft. Oftmals springen wir auf etwas an, das wir kurze Zeit später bereuen werden, von flüchtigen Gefühlen hin und her getrieben und in Ermangelung von Entscheidungskriterien, über die reifere Personen verfügen. Wir müssen im Leben die richtigen Entscheidungen treffen. Bei einer einfachen Wahl wie zwischen zwei Eissorten oder verschiedenen Schuhen, würde es nicht soviel ausmachen. Denken Sie jedoch besser zweimal darüber nach, wenn Sie dabei sind etwas zu tun, was aus Ihnen eine bessere oder schlechtere Person machen kann.
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