„Die Tür neben dem Kühlschrank. Dahinter befindet sich ein bezauberndes kleines Zimmerchen mit einem Kamin“, antwortete ihm seine Mutter. Robert drehte seinen Kopf in Richtung des Kühlschranks. „Bezauberndes kleines Zimmerchen“ klang sehr verdächtig. Es war ihm noch lebhaft in Erinnerung, als seine Mutter ihnen, einen Tag vor ihrer Abreise in die USA, überaus glücklich ihr neues schnuckeliges Zuhause schilderte. Und nun wohnten sie in einem Gemäuer, in dem es selbst Frankenstein gruseln würde. Er stand auf, um sich das zukünftige Esszimmer genauer anzuschauen. Als er die Tür öffnete, sah er erst einmal nichts. Die Schilderung seine Mutter konnte er somit nicht bestätigen. Das Zimmer schien zwar klein und überschaubar zu sein, nur diese unnatürliche Dunkelheit störte. Robert versuchte seine Augen an die ihn umgebende Schwärze zu gewöhnen.
„Mami? Weshalb sind die Fenster zugemauert?“, rief er laut, damit seine Mutter ihn in der Küche hören konnte.
„Das wundert mich auch ein wenig“, antwortete ihm seine Mutter und trat in den Türrahmen. „Ich werde das morgen mit dem Immobilienmakler besprechen. Es sind ja einige Dinge, was das Haus betrifft, zu klären.“
„Mami, wir sollten uns einen Rechtsanwalt nehmen. Das Haus, soweit man es überhaupt so bezeichnen kann, ist in einem katastrophalen Zustand. Der Immobilienmakler müsste uns, wenn er ein Gewissen besitzen würde, ein anderes Objekt anbieten.“ Insgeheim hoffte Robert, durch einen Umzug das Problemhaustier ohne eigenes Zutun, wie es von der Klippe zu schubsen oder ähnliche Grausamkeiten, loszuwerden. Sie würden es eben einfach vergessen und somit jemand anderem unterschieben. Klein T-Rex würde einfach im Haus vergessen werden. Und demjenigen, dem man das unterschieben konnte, war der Immobilienmakler. So einfach war das. Wieso sollte man mit so einem unangenehmen Kerl Mitleid haben, der ohne Skrupel einer armen Witwe mit drei Kindern ein solches Haus andrehte?
„Aber Robert, der Immobilienmakler hat mir davon abgeraten, dieses Haus zu kaufen. Selbst auf die Maklercourtage hat er verzichtet. Außerdem hat er mit eigenen Mitteln die Stromleitung repariert und eure Kinderzimmer hergerichtet.“
„Du hast ein Haus gekauft, von dessen Erwerb dir der Immobilienmakler höchstpersönlich abgeraten hat?“ Robert schaute seine Mutter fassungslos an. In dem Moment hörten sie Großmutter aus der Küche rufen und sie klang, als ob sie in einer riesigen unterirdischen Höhle stehen würde. „Christhild, dein Handy klingelt!“
Robert wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem zukünftigen Esszimmer zu. Seine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit. Der Lichtschalter funktionierte nicht, also tastete er sich ans Fenster und versuchte es zu öffnen. Erstaunlicherweise ließ es sich öffnen, obwohl die Erfahrungswerte, die er in diesem Haus gesammelt hatte, ihn eigentlich etwas anderes lehrten. Das Fenster war von außen mit Steinen zugemauert worden, doch wie Robert feststellen konnte, waren die Steine, die die Fensteröffnung füllten, lose aufeinander gestapelt. Von außen war noch eine Spanplatte dagegen genagelt, sonst hätte ein einfacher Tritt genügt, um zumindest ein paar der Steine zu entfernen. Er ging zurück in die Küche und wartete, bis seine Mutter das Telefonat beendet hatte.
„Mami? Wann kommt der Immobilienmakler? Ich wäre gerne dabei, denn ich habe auch ein paar Fragen an ihn.“
„Er kommt morgen Nachmittag gegen fünf Uhr. Sicherlich bist du da bereits aus der Schule zurück. Und jetzt rate mal, wer eben angerufen hat. Der alte Sheriff. Er will Sheriff Rimbaud fragen, weshalb er dein Teleskop konfisziert hat. Ihm sei kein Gesetz bekannt, welches einem 12-jährigen Jungen ein so interessantes wissenschaftliches Instrument verbiete. Er will sich die Tage wieder melden“, unterrichtete ihn seine Mutter.
„Gut, dann weiß wenigstens der alte Sheriff, wie ein Teleskop funktioniert und dass man damit keine Menschen beobachten kann, schließlich sieht man alles spiegelverkehrt.“ Robert gähnte herzhaft und verabschiedete sich. Heute Nacht durfte er schließlich wieder mit dem Glücksdrachen Gassi gehen. Er gab seiner Großmutter einen Gutenachtkuss, obwohl sie ihn heute in große Schwierigkeiten gebracht hatte. Doch fairerweise musste er zugeben, dass er sie hinsichtlich der Art des Tieres übel angelogen hatte. Als er zurück in sein Zimmer kam, machte klein T-Rex – oder neuerdings Petit Pouf – einen ausgeruhten Eindruck. Das Tierchen, die genauere wissenschaftliche Bezeichnung wäre sicherlich Reptil, hüpfte voller Energie auf Roberts Bett herum. Robert schubste klein T-Rex aus dem Zimmer und ließ ihn in das Kinderzimmer der Zwillinge. Sollten Mama und Papa sich selbst um ihren Glücksdrachen kümmern.
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