Im Moment nehme ich nur L-Dopa und in der Früh eine Tablette eines Agonisten und ein Antidepressivum. Parkinson kann auch Depressionen verursachen, Missbrauch und Zurückweisungen auch. Ich lerne immer wieder neu, meine Grenzen zu achten. Ich weiß auch, ich komme ihm nicht aus, diesem Parkinson. Irgendwie macht er sich immer bemerkbar. In der U-Bahn bekomme ich immer öfters einen Sitzplatz angeboten, jetzt nehme ich ihn meistens auch an. Manchmal sehe ich in den Gesichtern der Anderen die Frage: „Was ist denn mit der los?“ Sollte mir mal wirklich jemand die Frage stellen, würde ich antworten: „Da hat sich einer an meine Seite gestellt, der lässt mich mal zappeln, und mal gestattet er mir beinahe keine Bewegung. Ich mag ihn nicht, wollte ihn nicht, aber ich bekomme ihn auch nicht los. Also versuche ich ihn zu akzeptieren, meinen Begleiter, den Parkinson!“
Eine Achterbahnfahrt ist gar nichts dagegen
Collectmoments
Ich habe vor sehr kurzer Zeit Parkinson diagnostiziert bekommen. Der Neurologe meinte: „Nur keine Panik jetzt, das bekommen wir schon für die nächsten 20 Jahre hin.“ Der hat leicht reden. Hat mich dann erst mal losgeschickt.
Ich habe zwar etwas geahnt, dennoch war das ein Gefühl wie ein K.O. beim Boxkampf. Wobei ich weder mal geboxt habe und deshalb auch noch nicht K.O. gegangen bin. Vielleicht passt deshalb besser der Vergleich einer Karussellfahrt in einem atemberaubenden Tempo in schwindelnder Höhe, wo jeden Moment der Sicherungsbügel vom Sitz aufgehen kann. Oder doch besser eine Fahrt durch die Geisterbahn mit lauter grässlichen Gestalten.
Ich versuche, nicht immer darüber zu grübeln. Aber meine Gedanken machen sich einfach selbstständig. Blöd, dass es da keinen Schalter gibt – ein – aus – ein. Das wäre eine Wohltat. Die düsteren Gedanken schleichen sich einfach von hinten an. Das Niederschreiben der Zeilen hilft etwas. Macht es nicht leichter, aber ein klein bisschen erträglicher. Möchte nur nicht in Depressionen verfallen. Wobei die sicher irgendwie immer mal wieder über mich herfallen wie tausend Mücken an einem Tümpel. Macht es gut bis zum nächsten Mal.
Christian
Seit Januar 2014 werde ich mit der Diagnose Parkinson konfrontiert. Die pharmagesteuerte Behandlung eines noch ruhig sitzenden Menschen konnte ich bis vor drei Wochen noch hinnehmen.
Alle Fragen und Recherchen brachten nicht wirklich neue Erkenntnisse. Bis meine große Tochter, sie arbeitet in der Charité, auch frustriert, mir zwei Dokumentationen 10 Milliarden und ‚what the health‘ an Herz legte.
Ein Kick der Veränderung.
Wer ein Problem lösen will, muss die Ursache kennen und beheben – die Bekämpfung der Symptome löst NIEMALS ein Problem!
Die Ernährung wurde umgehend auf Verzicht von tierischen Produkten umgestellt. Durch die Ernährungsumstellung hat sich in nur drei Wochen viel getan. Die Bewegungsfreiheit der rechten Seite wird schon deutlich besser, es gibt wieder sechs Stunden Schlaf am Stück, die Mittagsmüdigkeit ist komplett verschwunden und die Antriebslosigkeit hat sich in Schall und Rauch aufgelöst, zusätzlich nehme ich keine Medikamente mehr ein.
Ich bin gespannt auf jeden Morgen welche kleinen Fortschritte es heute gibt.
Kotti
Es war einmal ein kleines, nicht sichtbares Etwas, welches sich selbst James nannte.
Trotz seiner Materielosigkeit war sein Dasein geplagt von Zittern, Steifigkeit und einer unsagbaren Langsamkeit. Jede Bewegung fiel ihm schwer und manchmal konnte er nur noch im Stillstand verharren. An ein ausgewogenes Schlafen war kaum zu denken. Die Gerüche, die ihn umgaben, waren kaum wahrzunehmen. Und so gab es noch viele andere Unannehmlichkeiten, die ihn den lieben langen Tag über plagten.
So vergingen viele Jahre der Beschwernis, bis der kleine James seiner Gestaltlosigkeit überdrüssig wurde.
Auf der Suche nach einer materiellen Hülle traf er auf mich, was mir anfänglich gar nicht auffallen wollte. Der kleine James wollte ja auch nicht sofort in aller Massivität auftreten und seinen neuen Wirt damit überfordern.
Schon lange war mein Schlafverhalten geprägt durch nicht einschlafen können, oder nächtliches Aufwachen. So lag ich gefühlt oft stundenlang wach im Bett oder habe das Schlafzimmer verlassen. Hierzu gesellte sich dann irgendwann ein schlechter Geruchssinn, so dass ich auf die Frage nach guten oder schlechte Gerüchen immer öfters passen musste. Dass es sich hier um die Folgen meines noch sehr kleinen Gastes handelte, konnte ich damals natürlich nicht absehen.
Mit seinem langsamen Heranwachsen stellten sich dann weitere Erscheinungen ein, die aber noch lange keine Alarmzeichen für mich ergaben. Das rechte Bein entwickelte die Tendenz zum Zittern und beim Laufen blieb ich ab und zu mit dem Fuß am Boden hängen, ohne jedoch jemals in Gefahr zu laufen, hinzufallen. Ganz lustig fand ich es immer, wenn nach sportlichen Aktivitäten meine Wadenmuskeln Zuckungen entwickelten.
Ob diverse schmerzhafte Probleme im rechten Hüftgelenk und rechten Schultergelenk auch Produkte des noch kleinen James waren, verbleibt spekulativ. Seinerzeit wurden diese als orthopädische Schadensfälle verbucht.
Gedanken machte mir eher der sich einstellende Zustand, dass ich in Stresssituationen unglaublich langsam war. So benötigte ich bei Alarmierungen meiner freiwilligen Feuerwehr zum Umziehen gefühlt dreimal so lange wie alle anderen. Aber aus heutiger Sicht betrachtet, ist dies nachvollziehbar, da war ja noch mein ungewollter kleiner Gast dabei, den ich mit anziehen musste.
Das Zittern im Bein veranlasste mich zwar zu einer Rückfrage beim Hausarzt, eine Überweisung seinerseits zum neurologischen Spezialisten wollte ich aber nicht wahrnehmen.
So verstrich die Zeit und James konnte ungestört weiter reifen. Sein nächster Kleinjungenstreich war das Zittern meiner rechten Hand. Jetzt war aber Schluss, verdrängen war nun nicht mehr angesagt. Lange überlegen musste ich nicht, wohin mit mir. So führte mich mein Weg direkt in die neurologische Abteilung eines großen Klinikums. Nach mehreren ambulanten Terminen mit diversen Untersuchungen wurde er entdeckt, der kleine James, der das Kindergartenalter schon überschritten hatte.
Konnte man dieses ungewollte Kind nicht wieder loswerden? Leider wurde mir durch fachlich qualifizierte Personen klargelegt, dass ich James wohl adoptieren müsse, da er mich nicht mehr verlassen würde. Er hat sich in meinem Hirn festgesetzt und dort in einer sogenannten schwarzen Substanz schon ordentliche Löcher hinterlassen. Jetzt fehlt es mir wohl an Dopamin, dem Schmierstoff für meine Bewegungskoordination. Somit hat der kleine James jetzt auch einen Nachnamen bekommen, er heißt Parkinson.
Und so begann nun erst richtig die Zeit meines Leidens, und vor allem der Frage, warum schleicht der sich ausgerechnet bei mir ein. Hat der vorher nicht in meinen Ausweis gesehen und festgestellt, dass ich doch noch zu jung für ihn bin? Wie soll das weiter gehen, wo doch noch so viele Arbeitsjahre vor mir liegen und eine Familie, die nach Sicherheit verlangt, an meiner Seite ist?
Bei einem Computer würde man bei so bösartigen Störfällen den Reset auslösen oder einen Virenscanner starten, und wenn alles nichts hilft, einfach neu installieren. Aber dies hilft mir alles nichts, ich existiere aus Fleisch, Blut und Bewusstsein, und nicht aus Dioden, Strom und Bit & Bytes.
Also wurde ein Plan erarbeitet, wie ich James zu füttern habe. Wenn es gelingt, eine ausgewogene Mischung und Menge an Futter zu finden, könnte ich noch viele Jahre unbeschwert Seite an Seite mit James mein Leben gestalten.
Leider wuchsen meine Probleme mit zunehmender Fütterung. Wenn ich bisher der Meinung war, schlecht geschlafen zu haben, dann wurde ich nun eines besseren belehrt. Oft war nicht an mehr als zwei Stunden Schlaf zu denken. Diese wenigen Stunden erlaubte mir James oft nur auf dem Sofa, so dass ich mein Bett gar nicht zu Gesicht bekam. Viel Zeit also, um sich Gedanken zu machen, wohin das mal alles führen wird. Der kleine James begann an meiner Psyche zu kratzen.
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