Früher wurden Pferde für Nutz- und Lastenarbeit gehalten und dienten hauptsächlich auf dem Feld. Später nutzte man sie als Fortbewegungsmittel, vor allem über weite Strecken.
Wie das Pferd zum Reittier wurde oder wer es zuerst
bestieg und es sich unter dem Sattel zunutze machte, ist bis heute nicht bekannt. Man geht davon aus, dass mehrere Völker dieser Erde gleichzeitig auf die Idee kamen, von der Kraft der edlen Tiere Gebrauch zu machen.
Heute werden die sensiblen und klugen Tiere überwiegend im Reit- und Fahrsport eingesetzt, aber auch zu Therapiezwecken und in manchen Teilen der Welt sogar noch ganz ursprünglich für Wald- und Ackerarbeiten.
Jedes einzelne Pferd zeichnet sich durch seine Besonderheiten, den individuellen Charakter und seine Talente aus. Welche das sind, ist nicht ganz unabhängig davon zu betrachten, zu welcher der 280 verschiedenen Rassen das Pferd gehört. Doch eines ist sicher: Die richtige Haltung und das pferdegerechte Reiten sind die Basis dafür, um im Einklang mit diesen wundervollen Wesen zu arbeiten.
Der feine Einsatz der Hand, die sensibel mit dem Pferdemaul umzugehen weiß, der richtige Sitz, um die Balance zu halten und den Pferderücken nicht zu schädigen, und die
liebevolle, natürliche Reitweise, sind Grundvoraussetzungen für die gesamte reiterliche Arbeit mit den Tieren.
Dieser Ratgeber soll ein Leitfaden für alle reitbegeisterten Pferdefreunde sein und sowohl Einblick in die Anfänge des Reitens als auch in die verschiedenen Reitweisen – wie zum Beispiel das Dressur- und Springreiten, oder das Westernreiten – geben.
Meine Intention ist es, die reiterlichen Möglichkeiten vorzustellen und dabei fest im Auge zu behalten, welche Art des Reitens gerecht und fair für das Pferd ist.
Des Weiteren möchte ich verschiedene Trainingsarten vorstellen, die Pferd und Reiter Spaß bereiten und artgerecht „auspowern“ sollen.
Denn das Wichtigste nach den Stunden am Stall ist zu wissen, dass es dem Liebling gut geht, das Training erfolgreich war oder aber auch, dass beim freizeitlichen Reiten die Entspannung und die Pflege des Pferdes beidseitig genossen wurden.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit diesem Ratgeber und freue mich, meinen Erfahrungsschatz und mein mit den Jahren
erworbenes Wissen mit Ihnen teilen zu dürfen.
Ihre
Carina Dieskamp
Pferdearten und Rassen
Wie im Vorwort erwähnt, gibt es 280 verschiedene Pferderassen. Um zu klären, welche Pferderasse für den Reitsport geeignet ist, ist es wichtig zu wissen, dass es unterschiedliche Arten und Voraussetzungen gibt, die sich vor allem in der Größe und der Beschaffenheit des Körperbaus unterscheiden. Dem liegt auch zugrunde, für welche Tätigkeiten sie am besten in Anspruch genommen werden.
Die Größe eines Pferdes wird immer am Widerrist gemessen und nennt sich Stockmaß.
Ponys
Zu den Ponys zählen Pferde, die 1,48 m im Stockmaß nicht überschreiten. Zudem sind sie meist stämmiger und robuster gebaut. Dies kommt allerdings ganz auf die Rasse des Ponys an, denn zum Beispiel sieht ein deutsches Reitpony einem Trakehner (ostpreußisches Warmblut) zum Verwechseln ähnlich, ist aber wesentlich kleiner.
Die beliebtesten Ponyrassen
Shetlandpony: Das Shetlandpony überschreitet die Größe von 107 cm selten. Es ist sehr robust und hervorragend geeignet für kleinere Kinder und um Kutsche zu fahren. Das stabile Pony kann ganzjährig im Offenstall gehalten werden und zeigt beste gesundheitliche Voraussetzungen.
Haflinger: Die Gebirgsponys zählen zu den Endmaßponys und sind meist zwischen 1,40 - 1,48 m groß. Sie sind vielseitig einsetzbar und besonders beliebt im freizeitlichen Breitensport, dem Westernreiten und sind auch im Dressursport nicht zu unterschätzen.
Islandpony: Das Islandpony zählt zu den robustesten Ponyrassen der Welt und gehört mit einer Größe von ca. 1,38 m zu den größeren Ponys. Es kann schwere Lasten tragen und auch ohne weiteres einen erwachsenen Reiter. Besonders auffällig ist die außergewöhnliche Gangart „Tölt“. Hierbei entsteht keine Schwebephase während des Reitens, was das Sitzen in dieser Gangart auch über weite Strecken sehr angenehm macht.
Deutsches Reitpony: Auch dieses Pony gehört mit einer Größe von ca. 1,40 m zu den Endmaßponys und findet sich überwiegend im Turniersport wieder. Der Körperbau und das Temperament eignen sich gut für junge, mutige Reiter. Das deutsche Reitpony ähnelt vom Körperbau einem ausgewachsenen Warm- oder Vollblut.
Warmblüter
Der Warmblüter befindet sich unter den Arten zwischen Kaltblüter und Vollblüter und nimmt von beiden nur das Beste mit. Die Kraft des Kaltbluts und die Leichtigkeit des Vollbluts werden miteinander vereint. Die Größe eines Warmbluts liegt zwischen 1,60 m und 1,75 m. Je nach Warmblutrasse befinden sich mehr Vollblutanteile oder mehr Kaltblutanteile in der Züchtung. Das hat zur Folge, dass das Tier zum Beispiel eher für den Springsport oder eventuell mehr für die Kutsche geeignet ist.
Die beliebtesten Warmblutrassen
Hannoveraner: Er zählt zu den klassischen Warmblütern und hat die besten Voraussetzungen, um im Turniersport erfolgreich zu sein. Durch die gleichmäßigen Anteile der Züchtung kann er vielseitig eingesetzt werden. Der Hannoveraner ist edel und gleichzeitig sehr sportlich gebaut.
Trakehner: Der Trakehner gehört zu den ältesten Pferderassen überhaupt und war eine der ersten Züchtungen. Sein hoher Vollblutanteil bewirkt häufig, dass diese Rasse sehr temperamentvoll ist. Deshalb ist der Trakehner üblicherweise kein Anfängerpferd und wird überwiegend für das Vielseitigkeitsreiten eingesetzt. Power und Bewegungsdrang ist für diesen Sport Grundvoraussetzung. Durch seine edlen Vollblutanteile ist der Trakehner auch gerne in der Dressur gesehen. Er gibt ein überaus graziles und stolzes Bild ab.
Oldenburger: Er zählt zu den Springtalenten unter den Warmblütern und wird vorwiegend hierfür gezüchtet. Auch er verspricht ein hohes Maß an Eleganz, gepaart mit Sportlichkeit. Besonders hervorzuheben ist die ausgeprägte Hinterhand, die dieser Rasse in den Genen liegt.
Holsteiner: Der Holsteiner gehört zur Elite unter den Springtalenten. Er zeichnet sich besonders durch seine enorme Leistungsbereitschaft aus und besitzt einen starken Siegeswillen. Deshalb wird der Holsteiner auch gerne im Vielseitigkeitsbereich eingesetzt.
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