Als Vorläufer der Proteste auf dem Maidanplatz 2013 gilt die „Orangene Revolution" von 2004. Sie war eine Serie von Protesten, Demonstrationen und einem geplanten Generalstreik in der Ukraine. Auslöser waren die ukrainischen Präsidentschaftswahlen 2004, bei denen Wahlfälschungen der jeweiligen Gegenseite gemeldet wurden. Die Proteste gingen von den Anhängern des während des Wahlkampfs durch eine Vergiftung angeschlagenen Präsidentenanwärters Wiktor Juschtschenko (dessen Wahlfarbe Orange war) aus. Als Kandidat des Oppositionsblocks „Unsere Ukraine" war er laut erstem offiziellen Ergebnis der Zentralen Wahlkommission dem offen von Russland unterstützten Wiktor Janukowytsch unterlegen. Aufgrund der wochenlangen Protesten erreichte die Bewegung der „Orangen Revolution“ und die Opposition, dass die erste Stichwahl für ungültig befunden wurde. Juschtschenko erhielt bei der Wiederholung der Stichwahl für das Präsidentenamt am 26. Dezember 2004 die meisten Stimmen.
Seither ist das politische Geschehen in der Ukraine von inneren Machtkämpfen geprägt. Bereits 2005 entließ Viktor Juschtschenko die Regierung unter Julia Tymoschenko. Nach den Parlamentswahlen 2006 führten erneute Streitigkeiten dazu, dass der Präsident das Parlament auflöste. 2007 einigte man sich auf eine Koalition der Parteien von Juschtschenko und Tymoschenko; die Machtkämpfe hielten allerdings an. In den Präsidentschaftswahlen 2010 erfolgte daraufhin ein Führungswechsel: Wiktor Janukowitsch wurde zum Präsidenten gewählt und Mykola Asarow übernahm das Amt des Ministerpräsidenten.
Ende 2013 kam es zu Unruhen auf dem Maidan-Platz in Kiew, die sich gegen die Regierung richteten. Auslöser war die überraschende Erklärung der ukrainischen Regierung, das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union vorerst nicht unterzeichnen zu wollen. Präsident Janukowitsch wurde im Februar 2014 per Beschluss abgesetzt.
Nach Unruhen auf der Krim und einem anschließenden Referendum kam es im Frühjahr 2014 zur Abspaltung der Krim. Die Halbinsel wurde von Russland völkerrechtswidrig annektiert. Auch in der Ostukraine kam es zu Unruhen , die bis heute andauern.Die Separatisten im Donbass fordern mehr Eigenständigkeit bis hin zu einem Anschluss an Russland und haben diverse Orte gewaltsam unter ihre Kontrolle gebracht. In Donezk und Lugansk haben die Menschen bei einem umstrittenen Referendum für die Abspaltung von der Ukraine abgestimmt.
Am 25. Mai 2014 wählten die Ukrainer Petro Poroschenko mit einer Mehrheit von 55 Prozent zum neuen Präsidenten. Poroschenko lag daran, mit Russland in Dialog treten. Als langfristiges Ziel sah er die Ukraine aber in der EU. Bei Gefechten zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischem Militär gab es viele Tote und Verletzte. Die Lebensbedingungen der Einwohner in den ostukrainischen Großstädten Lugansk und Donezk haben sich dramatisch verschlechtert.
Im September 2014 trat erstmals eine Waffenruhe in Kraft. Im Protokoll von Minsk wurden Friedensvereinbarungen getroffen. Allerdings wurde die Waffenruhe schon bald wieder gebrochen. Im Zweiten Minsker Abkommen haben sich die Konfliktparteien im Februar 2015 erneut auf eine Waffenruhe im Donbass geeinigt. Auch diese wurde in den vergangenen Jahren immer wieder gebrochen.
Im Frühjahr 2021 ist der Konflikt wieder massiv aufgeflammt. Im Februar 2022 ist der Konflikt mit einem großangelegten Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine eskaliert.
Der Ukraine-Krieg und die Kultur
Tanja Maljartschuk: “Die Ukrainer haben die Opferrolle abgelegt”Geplündert wurden die Bücher von den Deutschen als Kulturschätze und Wissensspeicher. Heute legt es Russland darauf an, dass so wenig Information über den Krieg gespeichert wird. Das neue Mediengesetz bedeutet nicht mehr nur, dass russische Journalisten sich bedroht sehen, dass Fernsehsender, Hörfunkstationen und Zeitungen geschlossen wurden, auch ausländische Medien ziehen ihre Mitarbeiter ab. Schon kurz nach Beginn des Kriegs informierte die inzwischen letzte widerständige Redaktion, die Nowaja Gaseta, ihre Leser, nur mehr „äsopsche Sprache“ anwenden zu können. Aus „Putin überfällt die Ukraine“ wurde „Putin besucht die Ukraine“.
Dmitri Muratow: „Putin will die Ukraine in drei Teile spalten“ Sprache ist unser Mittel, uns zu verständigen, weit über die Informationsvermittlung hinaus. Als Fabian Leonard vor anderthalb Jahren in Berlin den Trabanten-Verlag gründete, wollte er Lyrik wieder zurück in den Alltag bringen, aus „sozialer Verantwortung“. Und als er aufrief, die Gefühle und Gedanken während der Zwangspause durch Covid-19 in Worte und Rhythmus zu bringen, bekam er mehr als 1400 Gedichte zur Antwort.
Nun wurde Leonard erneut aktiv: Auf Instagram hat er einen Kanal eingerichtet, um die Angst und die Wut dieser Tage zu sammeln. Mit einem Herz und einer Faust versehen, schreibt er: „Schickt eure Kriegslyrik-Gedichte und wir posten sie hier. Für den Frieden!“ Er hat Plakate drucken lassen, gibt Interviews, will Gedichte nach Demonstrationen verlesen lassen. Bis zum 20. März geht die „Sammelphase“, dann beginnt der Druck: Ab Mitte April soll der Erlös vom Verkauf des Buchs, das dann hundert Gedichte von hundert Autorinnen und Autoren enthält, Menschen in der Ukraine helfen. Schon was jetzt auf dem Kanal zu sehen ist, berührt in seiner Vielfalt der Worte für Sorge und Verzweiflung. Hoffnung gibt es kaum, aber einer schreibt: „Diesmal schauen wir hin.“ Jede Form von Öffentlichkeit hilft.
Hryhoriy CHUBAI
When I am half a breath from you,
When I am half a step from your lips —
Your pupils are weaved from wonder.
There is something blue and wide in your eyes.
You whisper something spellbound and quiet,
That blue whisper is cutting my soul.
And I am forgetting that I know how to breath,
And I am forgetting that I know how to walk.
The black bird of your eyelashes is taking off
And taking my confidence away to unknown place.
The half a step is being left unwalked.
The half a breath is getting stuck in throat.
Your pupils are weaved from wonder.
There is something blue and wide in your eyes.
But there's half a breath left from me to you,
There's half a step left to your lips.
© 2001 Translation by Roman Kosarenko
Der russische Präsident lässt am Montag, 7. Februar 2022, seine Luxusyacht aus Sicherheitsgründen von Hamburg nach Kaliningrad verlegen
Kiew ist die Hauptstadt der Ukraine. Sie liegt zu beiden Seiten des Dnepr und ist für ihre religiöse Architektur, ihre weltlichen Denkmäler und ihre Geschichtsmuseen bekannt. Das im 11. Jahrhundert errichtete Kiewer Höhlenkloster ist eine Wallfahrtsstätte, die mehrere Kirchen mit goldenen Kuppeln umfasst. Das Kloster ist neben seinen Katakomben mit den Grabkammern orthodoxer Mönche auch für seine Sammlung von antiken Goldobjekten aus der Zeit der Skythen bekannt.
Russischer Einfall in die Ukraine am Donnerstag, 24. Februar 2022. Beginn der Schlacht um Kiew am Freitag, 25. Februar 2022
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