Am Tag der Party kamen fast fünfzig Gäste. Juniper kannte keinen von ihnen. Ihre Namen hatten auf den Ballons gestanden, und mithilfe einiger Angestellter ihrer Eltern hatte Juniper die Nachricht von der Party im Internet verbreitet. Sie hatte gehofft, dass die Besitzer der Ballons darauf stoßen und herkommen würden, um sich zurückzuholen, was sie verloren hatten.
Juniper war noch nie so froh gewesen.
Giles ging es genauso. Fast zeitgleich mit Junipers Eltern hatten die Abernathys ihre Ballons zurückbekommen. Sie waren ebenfalls überglücklich und schlossen Giles als den Sohn, den sie niemals hatten, in die Arme. Das Leben, so wie es sein sollte, kehrte zurück.
Doch nicht für alle. Denn nicht jeder kam zur Party. Vielleicht hatten einige die Einladung nicht gesehen, vielleicht war es für andere schon zu spät – so wie es für die Berrys fast zu spät gewesen wäre –, während andere vielleicht das Leben nicht aufgeben wollten, das sie im Tausch gegen einen Teil ihrer Seele erhalten hatten.
Der Garten hinter dem Haus war voller Ballons, und Juniper beobachtete begeistert, wie die Leute eifrig ihre Ballons suchten und sie öffneten wie Geburtstagsgeschenke. Überall waren strahlende Gesichter und Freudentränen zu sehen. Links und rechts von ihr fielen sich die Leute glücklich in die Arme, einige sangen oder spielten Spiele, als wären sie wieder Kinder.
Als Juniper und Giles zu der Stelle gingen, wo der Baum gestanden hatte, und seine Überreste betrachteten, tippte jemand Juniper von hinten auf die Schulter. »Ich hätte meinen Ballon auch gerne zurück«, sagte Dimitri.
Juniper sah zu ihm auf. »Ich dachte mir schon, dass ich Ihren Namen auf einem der Ballons finden würde. Sie wussten die ganze Zeit, was hier vor sich ging, oder?«
Dimitri nickte. »Als ich zum ersten Mal herkam, habe ich mit diesem … diesem Ding einen Handel geschlossen. Er kann sehr … überzeugend sein. Nachdem ich die Luft aus dem Ballon eingeatmet hatte, fühlte ich mich anders. Ich begann, mich zu hassen, und schwor mir, niemals zurückzukommen. Doch die Versuchung war immer da, darum wollte ich den Baum fällen. Dein Vater hat mich aufgehalten und ich bin froh darüber.«
»Warum?«, fragte Giles.
»Es wird immer Versuchungen geben, egal wohin uns das Leben führt, egal was wir tun. Es wird immer einen leichteren Weg geben. Doch damit gewinnt man nichts. Wir müssen lernen, der Versuchung zu widerstehen. Wir müssen stärker sein als sie. Ich habe hart gekämpft und gewonnen. Jeden Tag habe ich mich dem Baum und allem, wofür er steht, widersetzt. Aber ihr zwei seid anders. Ihr habt nicht für euch gekämpft, nicht nur für eure Eltern, sondern für viele andere. Darum seid ihr die stärksten Menschen, die ich kenne.« Er legte die Hand auf Giles’ Schulter. Dann entdeckte er seinen Ballon an einem Baum in der Nähe. »Wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet, ich habe lange auf diesen Moment gewartet.« Er ging davon, holte seinen Ballon und löste den Knoten.
»Hast du das gehört?«, fragte Juniper. »Es gibt verschiedene Arten von Stärke.«
Giles lächelte und griff nach Junipers Hand. Gemeinsam schlenderten sie zwischen den Partygästen hindurch und beobachteten fasziniert, wie die Schönheit des Lebens zurückkehrte.
Im Laufe des Tages unterhielt sich Juniper mit fast allen Gästen. Ihre Eltern führten sie stolz herum und stellten sie jedem vor, der ihnen über den Weg lief. Und kein einziges Mal wäre Juniper lieber woanders gewesen. Kein einziges Mal sehnte sie sich nach etwas, das sie nicht hatte. Kein einziges Mal wünschte sie sich, jemand anders zu sein. Sie sah allen direkt in die Augen und sagte: »Hallo, ich bin Juniper Berry.«

M. P. Kozlowskyarbeitete als Englischlehrer an einer High School. Als sein Vater starb, erbte er etwas Geld und beschloss, drei Jahre Auszeit zu nehmen, um sich seinen Traum zu erfüllen, denn eigentlich wollte er schon immer Schriftsteller werden. In derselben Woche, in der die Bank ihm einen Scheck über die letzten 15 Dollar des Erbes ausstellte und sein Konto schloss, erfuhr M. P. Kozlowsky, dass sein erstes Buch »Juniper Berry« veröffentlicht werden würde. Der Autor lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in New York.