Simon Green - Der Eiserne Thron

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Im Jahre des Herrn 22--: Mit eiserner Faust regiert Ihre Majestät Kaiserin Löwenstein XIV. das galaktische Imperium.
Plebejer und Adel leiden gleichermaßen unter ihrer Knute.
Owen Todtsteltzer, Lord von Virimonde, Letzter einer Linie berühmter Krieger, versucht sich der Aufmerksamkeit und den Launen der Herrscherin zu entziehen – und fällt gerade dadurch in Ungnade. Unversehens wird, ein Kopfgeld auf Owen ausgesetzt, und er muß zur zwielichtigen Nebelwelt fliehen, wo er eine Truppe ungleicher Verbündeter um sich schart. Ihr Ziel: den Eisernen Thron zu stürzen…

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Löwenstein grinste. »Die herannahende Bedrohung durch die Fremden und der niedergeschlagene Aufstand werden mir alle nötige Macht in die Hand geben, um zu tun, was auch immer ich für notwendig erachte. Ich werde ihre Unterstützung nicht mehr nötig haben.«

Sie blickten sich einen langen Augenblick an. Löwenstein lächelte, und Dram gab sich die denkbar größte Mühe, erfreut und respektvoll dreinzusehen.

»Also gut«, sagte er nach einer Weile. »Wenn damit die geschäftlichen Dinge erledigt wären…?«

»Langsam, langsam«, erwiderte sie. »Behalte deine Hormone nur schön unter Kontrolle. Wir sind noch nicht fertig. Da ist noch die Angelegenheit dieses verabscheuungswürdigen Verräters Owen Todtsteltzer zu besprechen. Ich habe ihn für gesetzlos erklären lassen, damit er uns zu dem verlorenen Dunkelwüsten-Projektor führt, aber die Dinge scheinen außer Kontrolle zu geraten. Nicht nur, daß er die Position der verlorenen Welt Haden entdeckt hat, zusammen mit einer ganzen Armee aufgerüsteter Krieger, er hat sich außerdem mit diesem legendären Jakob Ohnesorg zusammengetan. Ich hätte

schwören können, daß der Kerl schon lange tot ist, aber anscheinend besitzt er die neun Leben einer Katze. Oder waren es sieben?

Egal. Jedenfalls ist noch nicht alles verloren. Der Todtsteltzer ist – zusammen mit deinem bestens präparierten Spion – auf dem Weg nach Shandrakor, wo er die Informationen finden sollte, die letztendlich zum Dunkelwüsten-Projektor führen.

Wenn alles glattgeht. Wenn wir schon gegen zwei Fremdrassen antreten müssen, die überlegene Technologien besitzen, dann möchte ich den Dunkelwüsten-Projektor in meiner Hand wissen. Und ich würde auch nicht nein zu einer ganzen Armee von Hadenmännern sagen, wenn man sie wirklich unter Kontrolle halten könnte. Jedenfalls kann ich es mir ganz bestimmt nicht leisten, daß der Dunkelwüsten-Projektor und die Armee von Haden jemand anderem in die Hände fallen.

Dein Agent sollte besser nicht vorzeitig geschnappt werden, Dram.«

»Mach dir deswegen keine Gedanken«, erwiderte der Oberste Krieger. »Sie werden ihn niemals verdächtigen. Wenn Owen Todtsteltzer den Dunkelwüsten-Projektor erst gefunden hat, dann erfahre ich es augenblicklich, und meine Leute werden noch vor ihm und seinen Freunden dort sein. Der Todtsteltzer hat bis jetzt eine Menge Glück gehabt, aber die Unerschrocken hat sein Schiff ziemlich zusammengeschossen, als er von Nebelwelt zu entkommen versuchte. Er wird bis nach Shandrakor kommen, nicht weiter. Und dann gehört er uns.

Zusammen mit allem, was er in Erfahrung gebracht hat.«

» Nebelwelt «, sagte die Imperatorin nachdenklich und kräuselte die Lippen. »Dieses verdammte Höllenloch ist mir schon viel zu lange ein Dorn im Auge. Ich will diese Esper haben!

Ich will, daß sie zahm und ergeben sind und sich unter meine Kontrolle stellen! Genau wie all die anderen Rebellen, die dachten, sie könnten mir die Stirn bieten. Und wenn das nicht möglich ist, dann sollen sie alle zur Hölle fahren! Wir werden sie vernichten! Ich werde ihnen nicht die Gelegenheit geben, sich gegen mich zu stellen!«

»Sie werden schon rechtzeitig zur Vernunft kommen«, sagte Dram. »Wenn wir erst den Dunkelwüsten-Projektor in unseren Händen halten…«

Die Imperatorin warf ihm einen wütenden Blick zu. »Wenn wir den Dunkelwüsten-Projektor in unseren Händen haben?

Du träumst wohl, Dram! Werde mir bloß nicht übermütig. Du magst vielleicht mein Gemahl werden, aber niemals der Imperator. Der Dunkelwüsten-Projektor gehört mir allein, und ich mache damit, was ich will, hast du verstanden? Und von diesem Tag an wird niemand je wieder wagen, sich gegen mich zu stellen.«

Die Imperatorin saß auf der Bettkante, und ihre Augen blickten leuchtend in eine ferne Zukunft, die nur sie allein kannte. Dram fragte nicht weiter. Er hatte nicht das Gefühl, daß er es wirklich wissen wollte. Seine eigenen Gedanken wirbelten noch immer um die Pläne Löwensteins und die Schlußfolgerungen, die sich daraus für seine Zukunft ergaben.

Das Problem lautete wie immer: Wieviel wußte die Eiserne Hexe von seinen eigenen Plänen? Wenn nicht gerade ESP-Blocker im Raum waren, reichte sein künstliches ESP völlig aus, um seine Gedanken vor unbefugten Lauschern abzuschirmen. Seine Agenten waren ihm gegenüber loyal, nicht ihr; trotzdem war er sich nie ganz sicher, wieviel sie wußte oder zumindest ahnte. Sie wußte von seiner Doppelrolle als Huth, weil sie ihm geholfen hatte, die Rolle zu erschaffen.

Aber sie hatte keine Ahnung, wie stark er sich im Untergrund engagiert hatte. Es gab zum Beispiel keine Möglichkeit, wie sie hätte herausfinden können, daß er an dem Untergrundtreffen teilgenommen hatte, das ihre Leute mit der Razzia ausheben wollten. Außer natürlich, wenn sie unter seinen Leuten Agenten hatte. Das war nicht völlig unmöglich. Schließlich hatte er auch Agenten unter ihren Leuten. Nur für den Fall.

»Mir ist zu Ohren gekommen, daß du heute eine Razzia angeordnet hast?« fragte er unschuldig. »Ist etwas Interessantes dabei herausgekommen?«

»Die Aktion war ein einziges Debakel«, erwiderte sie.

»Aber versuch nicht, mir zu erzählen, du wüßtest nicht längst alle Einzelheiten. Ich weiß, daß ich mich zuerst mit dir hätte absprechen sollen, doch ich erfuhr erst im allerletzten Augenblick von einem geplanten Treffen der Anführer, und es schien eine zu gute Chance zu sein, um sie einfach so verstreichen zu lassen. Ich hätte es besser wissen müssen. Jemand hat geredet. Sie haben auf uns gewartet. Die meisten meiner Leute sind tot, und wir haben nicht einmal einen einzigen Gefangenen gemacht, um den Einsatz zu rechtfertigen.

An manchen Tagen geht auch einfach alles schief.« Unvermittelt sprang sie auf die Beine. »Genug davon. Sicher kommen noch andere Gelegenheiten. Im Augenblick gibt es etwas viel Wichtigeres, über das wir sprechen müssen. Komm mit mir.«

Löwenstein ging zur gegenüberliegenden Wand, berührte mit einer flüchtigen Handbewegung einen verborgenen Sensor und blieb ungeduldig mit dem Fuß tappend vor der Wand stehen, während sich eine verborgene Tür langsam zur Seite schob. Sie trat in das düstere Licht auf der anderen Seite und bedeutete ihm mit einem Wink, ihr zu folgen. Dram gehorchte und runzelte hinter ihrem Rücken besorgt die Stirn. Seit er sie kannte, war Löwenstein XIV. erst zweimal in seiner Gegenwart hinter dieser Tür gewesen. Es war ihr privater Zugang zur Imperialen Matrix, dem kybernetischen Kollektiv aller Imperialen Lektronen und KIs. Normalerweise machte sich Löwenstein nicht die Mühe, selbst in die Matrix zu steigen.

Dafür hatte sie schließlich ihre Leute. Wenn sie niemandem vertraute, das hier für sie zu erledigen, dann mußte es wirklich eine ziemlich wichtige Sache sein. Sehr interessant. Dram hatte nicht die geringste Ahnung, um was es ging. Und er hätte eigentlich informiert sein sollen.

Er folgte Löwenstein durch einen nackten Korridor mit metallenen Wänden, bis sie schließlich in einer auf Hochglanz polierten stählernen Kammer herauskamen, die mit Rechnersystemen vollgestopft war. Die Lektronen erwachten bei der Annäherung Löwensteins summend zum Leben, und die Deckel der beiden Lebenserhaltungskapseln in der Mitte des Raums glitten surrend zur Seite und enthüllten gepolsterte Liegen. Dram verzog den Mund. Selbst hier verzichtete Löwenstein nicht auf ihren gewohnten Komfort. Er betrachtete die Kapseln zweifelnd. Der Oberste Krieger hatte sich nie wohl gefühlt, wenn er sie benutzen mußte; sie erinnerten ihn zu sehr an Särge. Aber wenn man sein Bewußtsein schon in die Matrix schickte, dann mußte der Körper geschützt und am Leben erhalten werden, während man › abwesend ‹ war. Ganz besonders, wenn es die Körper der Imperatorin und ihres wichtigsten Beraters waren.

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